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Xenophobie: Kleine Erinnerung aus der Kindheit …

14. November 2011

… und mein kleiner, zeitweiser Abschied von Euch allen bis Anfang Januar…..

Manchmal frage ich mich, warum ich ausgerechnet in diesem Punkt intolerant werden kann: Rassismus. Weiss ich immer noch nicht, aber eine kleine Geschichte kann ich erzählen:

Mein erster Neger

Ende 1957 geboren, Papa im Außendienst der unverzichtbaren und aufstrebenden Stahlindustrie, Mama kocht und kümmert, einen drei Jahre jüngeren Bruder gibt es.
Schulnotendruck seitens meiner Eltern habe ich nie erlebt, andererseits soll ich im zarten Alter von acht Jahren draussen mit einem Buch in der Hand lesend vor die Laterne gelaufen sein.

Stimmt.
Und wäre es heute nicht immer noch so, dann wüsste ich gar nicht wohin mit mir.

Karl May. Winnetou (als er starb, habe ich wohl mehr als einen Tag geheult), Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi, und alle, alle , alle aus wohl 40 Büchern.
Die Deutschtümelei darin hatte ich irgendwie gesehen, andererseits scheinbar auch einen ethischen Kodex gelernt. Mit acht Jahren wusste ich, dass es gute und schlechte Menschen gibt, unabhängig von Hautfarbe oder Besitz.

Zum Punkt: ich bin etwa neun Jahre und mein Pipimännchen tut weh. Ab ins Krankenhaus Hamburg-Barmbek mit Mutti. (Ich grüble heute noch drüber, wie es damals anfing, Geld gleichermassen zu vergöttern wie sinnlos zu vernichten)

Na ja. Ich liege im Krankenzimmer auf einer Bahre und habe natürlich Angst. Mein Pipimännchen. Dann kommt meine Mutti rein, wohl etwas blass, und sagt mir:
„Du musst jetzt gar keine Angst haben, aber vor allem keine Angst, weil der Doktor, der gleich kommt, das ist ein Neger. Hab keine Angst, ich pass auf, und er ist ja auch ein Doktor.“

Bist Du mal 55, sind viele Kindheitserinnerungen verschwunden oder verschwommen. Diese Szene ist mir seit mehr als 40 Jahren gegenwärtig. Er kam dann auch, der Arzt, in weissem Kittel. Seine schwarze Gesichts- und Händefarbe hätte ich nicht einmal bemerkt.

Danke, Karl May und allen meinen Büchern, (Mark Twain war natürlich auch dabei), dass das nicht geklappt hat.

Mutti, jetzt bist Du über 80.
Letzte Meter. Manche werden dabei weise.

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2 Kommentare leave one →
  1. 14. November 2011 09:04

    Bis Anfang Januar ohne Net? Wird doch irgendwo n Internetcafé geben?

    „Ich liege im Krankenzimmer auf einer Bahre“ Hoffe, Du lagst auf einer TRAGE 🙂
    Hamburg!!
    Karl May hab ich auch gelesen, samt Twain, Cooper und Melville (letzteren fand ich schwer, hab Moby Dick mit 50 nochmal gelesen :-)). Karl May war mir von den Eltern her verboten (man denke), wohl wegen der latenten Homosexualitaet der Texte und der zu erotischen Landschaftsbeschreibungen („Rolling Prairie“)
    Danke für Deine Rassismusgeschichte! Wir alle haben solches erlebt, denke ich. Mein Schwiegervater fuhr als Kapitaen auf den Hamburg-Afrika-Linien, er bezeichnete die Einwohner Afrikas regelmaessig als „Lackstiefel“, was dazu führte, dass einer seiner Söhne so wie er wurde, alle anderen aber entschieden emanzipatorisch. Was macht uns zu Rassisten, und wer bleibt davon verschont? Ich erinnere mich an Tintin (Tim und Struppi), den ich liebte. Naja, wenn man heutzutage „Tim im Kongo“ liest……
    Aber Bücher machen uns nicht zu Rassisten.

  2. 15. November 2011 16:02

    Eine schöne Geschichte!

    Eine gute Zeit wünsche ich dir.

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