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Ich bin nicht Charlie!

13. Januar 2015

Sehr viele Menschen haben mittlerweile ein feines Gespür für die Heuchelei entwickelt, mit der Politiker und die angeblich unabhängige Presse lügen.  Jetzt sind sie gerade alle irgendwie Charlie – mit manipulierten Bildern ebenso wie mit ihren Aussagen, die – vergleicht man sie mit der Politik, die sie machen, nur als zynisch zu werten sind.

 

 

„Gut, dass sich so viele Führer neben all der Folterung und Inhaftierung von Journalisten und Dissidenten Zeit nehmen konnten, in Frankreich für die Meinungsfreiheit zu marschieren.“ (Marc Lynch, Professor für internationale Politik an der George-Washington Universität)

17 Menschen starben – so die traurige Bilanz – in Paris durch Terroristen.  Die deutsche Politik verteidigt die Bürgerrechte anschließend dadurch, dass sie diese einschränkt und ihren Überwachungsstaat ausbaut, solange, bis es keine Bürgerrechte mehr gibt.

21 Menschen starben bei einem Amoklauf in Winnenden – kein Politiker verschärfte daraufhin das Waffengesetz und schränkte Bürgerrechte ein.

In Paris wurden Bilder manipuliert – was auch immer gezeigt wurde, waren gestellte Portraitaufnahmen von Politikern, die angeblich durch Paris gelaufen sind, so wie dieses Bild hier:

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In Wahrheit entstand es in einer Seitenstrasse und sieht so aus:

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Wollen Sie immer noch Charlie sein?

Hier können Sie sich eine Liste ansehen, wer alles an der Demo für Freiheit und Brüderlichkeit teilgenommen hat:

https://storify.com/nick_luethi/heuchlerparade-in-paris

Beispiele gefällig?

  • König Abdullah von Jordanien, der letztes Jahr einen Journalisten zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt hat.
  • Der türkische Premierminister Davatoglu, in dessen Land (neben dem Iran und China)  so viele Journalisten im Gefängnis sitzen wie sonst weltweit nirgendwo.
  • Der Aussenminister von Bahrein, dessen Land an zweiter Stelle steht, was inhaftierte und gefolterte Journalisten angeht.
  • Sheikh Mohamed Ben Hamad Ben Khalifa Al Thani von Qatar, der einen Dichter zu 15 Jahren Haft verurteilte,weil er sich in einem Gedicht („Jasmin“)  für den arabischen Frühling einsetzte.
  • MahmoudAbbas von Palästina, der mehrere Journalisten in Haft hält, weil sie ihn angeblich mit ihren Beiträgen und Fotos beleidigt haben
  • Premierminister Jomaa von Tunesien, der einen Blogger wegen „Diffamierung der Armee“ zu drei Jahren Haft verurteilte.
  • Jane Hartley, die Botschafterin  der USA in Frankreich. Dem Wikileaks-Gründer Julian Assange droht in den USA eine hohe Haftstrafe, ebenso wie Edward Snowden, dem zur Zeit Russland Assyl gewährt. Beide haben über die weltweite Schnüffelei der USA berichtet, vor der niemand auf dieser Welt mehr sicher ist.

Raif Badawi sitzt seit zweieinhalb Jahren in Saudi-Arabien im Gefängnis. Am vergangenen Freitag begann die Vollstreckung seiner Strafe: 1000 Peitschenhiebe.Die deutsche Regierung unterhält „freundschaftliche“ Beziehungen zu Saudi-Arabien, das den Blogger  Raif Badawi derzeit mit tausend Peitschenhieben qualvoll zu Tode prügeln lässt – Saudi-Arabien hat die Anschläge von Paris als „unvereinbar mit dem Islam“ bezeichnet. Zynischer geht es nicht mehr.

( http://www.n-tv.de/politik/Saudi-Arabien-laesst-Blogger-auspeitschen-article14304791.html )

Bin ich Charlie?  Diesen propagandistischen Einheitsbrei, diese Gefühlsduselei, die dazu dient, Bürgerrechte abzubauen, Waffengeschäfte einzufädeln und Kriege zu beginnen, den kenne ich schon aus den Tagen des 11. September 2001 –  Damals waren wir alle Amerikaner:

 

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Schauen Sie genau hin, was gerade passiert.

Frau Merkel bestimmt, dass „der Islam zu Deutschland gehört“.  In Niedersachsen sollen islamische Feiertage eingeführt werden. Wer derlei Unsinn widerspricht, wird als islamophob abgeurteilt. Und die Repräsentanten der größten Organisationen des Aberglaubens hierzulande, die katholischen Bischöfe und die evangelischen Pfaffen,  verbrüdern sich mit einer Religion, mit der sie eines auf jeden Fall gemeinsam haben: Einen Gott, der dazu dient, in seinem Namen alle Andersdenkende zu verfolgen und eine Botschaft ohne Liebe zu verbreiten.

Juden hingegen werden wieder europaweit stigmatisiert – der israelische Ministerpräsident nahm an der Charlie-Demo uneingeladen teil, Hollande ließ ihn wissen, er sei nicht willkommen.  Anschläge auf Synagogen und Rabbis häufen sich. Die jüdische Religion ist im Gegensatz zur christlich-islamistischen Religion nicht missionarisch tätig. Weder durch Kriege und Kreuzzüge, noch durch Attentate, noch durch millionenfachen Kindesmissbrauch ihrer Geistlichen.

Und so erleben wir nach „Charlie“ den Abbau bürgerlicher Rechte und die Fortsetzung einer intoleranten Spassgesellschaft, die völlig losgelöst, selbstverliebt und schier bewußtlos in den Abgrund taumelt.

Ich bin nicht Charlie. Je suis Armand, ich bin ich selbst.

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4 Kommentare leave one →
  1. 14. Januar 2015 10:48

    Lieber hermanitou, zustimmend lese ich Dein Blog und das trotzdem auch ich die spontane Solidaritätsbekundung mit den Opfern „Je suis Charlie“ am Tag des abscheulichen Abschlages auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris über Facebook losschickte.

    Es ist kein Widerspruch, dass ich naturgemäß „ich“ bin und dennoch zu diesem Zeitpunkt mit einem Teil, als Zeichen des Mitgefühls, auch „Charlie“ war, aber eben nur so „Charlie“, wie ich es sein konnte. Als später auch Gauck und viele andere sich gleichermaßen äußerten, war mir bewusst, dass mir kein „Nous sommes Charlie“ gemeinsam mit diesen über die Lippen ginge. Auf den zwei Tage später erfolgten Überfall auf den Supermarkt für koschere Waren mit vier jüdischen Opfern, ergänzte ich „…et je suis aussi Juif!“.

    „Juifs“ waren auffällig wenige, mehr waren die Bemühungen zu verdeutlichen, dass „der Islam zu Deutschland gehört“. Warum diese Bemerkung erforderlich ist, entzieht sich meiner Kenntnis, wo doch alle beteuern, dass diese Verbrechen „nichts mit dem Islam zu tun“ gehabt haben. So viel Solidarität würde ich gerne auch mal mit Juden erleben…

    lg LL

    PS: Auch wenn ich nicht die „große Verschwörung“ hinter den Bildern sehe, ist mir bewusst, dass jeder politische Auftritt eine Inszenierung darstellt und eine entsprechende Auswahl von Bildern und deren Perspektive immer manipulativ ist. Deine Beispiele der „Demo-Teilnehmer für Freiheit und Brüderlichkeit“ sind jedoch geeignet, mir Übelkeit zu verschaffen!

  2. 14. Januar 2015 14:17

    Lieber Louis,

    mittlerweile fand ja auch noch eine „Mahnwache“ in Berlin statt, in der „wir alle sind Deutschland“ verkündet wurde. Auch hier – dieses Deutschland der Gaucks, Merkels und Steinmaiers ist nicht das Meine. Mein Land soll ein demokratisches und angstfreies, friedliebend und vom Respekt gegenüber seinen Nachbarn Geprägtes sein.

    LG

    Hermanitou

  3. 14. Januar 2015 15:10

    Die Heuchelei und die Irrationalität nach dem islamistischen Anschlägen von Paris (der wievielte weltweit in diesem Monat?) sind schon atemberaubend. Aber man kennt das ja nach den Anschlägen von Hamas und Hisbollah ist das Leben von Juden für deutsche Islamistenversteher auch nicht sehr viel wert.

    Da werden französische Islamkritiker und Juden ermordet, weil sie den „Propheten“ beleidigten und weil sie Juden waren und was bereitet Politikern und Journalisten die meisten Sorgen, die „Islamophobie“. Ein paar Stunden nachdem die Islamisten beinahe die gesamte Redaktion von Charlie Hebdo ermordeten, meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Oppermann mit einer Kerze in der Hand, „der Anschlag von Paris hat nichts mit dem Islam zu tun“. Der Innenminister und viele andere erzählten einen Tag später die selbe Sauce.Nachdem vier Juden in dem jüdischen Supermarkt ermordet waren, weil sie Juden waren, setzte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ein tolles Zeichen, er besuchte eine Moschee in Berlin. Warum besuchte er eine Moschee und keine Synagoge?

    Und Holocaustleugner Abbas, der den Terrorismus im Nahen Osten fördert, die Hinterbliebenen von Selbstmordattentätern entlohnt, der den Mufti ernannte, der dazu aufrief alle Juden dieser Welt zu ermorden, der demonstriert in Paris in der ersten Reihe brav mit.

    Nichts Neues im Westen.

  4. 15. Januar 2015 13:59

    Diese Beschwichtigung ist in der Tat ein Phaenomen. Jede Muslima und jeder Muslim soll möglichst in Watte gepackt werden. Und das, angesichts von Morden. Gut, dass das nicht überall so ist (staun, wo denn nicht?)
    Ein türkischer Journalist (Burak Bekdil) schrieb schon (?) 2012 in Sachen Islamophobie (die Übersetzung ist von mir): “ Wenn Muslime einmal aufhören, andere Muslime zu töten, bloss weil diese einer anderen Richtung ihres Glaubens angehören, wenn sie aufhören, ihre Rituale anderen aufzuzwingen, wenn sie weniger gläubige Leute neben sich dulden, wenn sie ihren Zorn bezwingen, wenn andere Alkohol oder Schweinefleisch geniessen, wenn sie aufhören, andere Kinder, Frauen und Männer zu töten, weil diese einen anderen oder keinen Glauben wählten, wenn sie Vergewaltigungen nicht mehr an der Rocklänge festmachen, wenn sie ihre Frauen nicht mehr umbringen, weil diese mit Fremden gesprochen haben, oder ihre Töchter, weil sie flirteten oder von Unholden vergewaltigt wurden, wenn Muslime nicht mehr wünschen, den dritten Weltkrieg zu beginnen, weil irgendein unkonventioneller Zeichner blasphemische Cartoons veröffentlichte, wenn keine Todes-Fatwas mehr gegen Autoren ausgesprochen werden, die den islamischen Glauben nicht notfalls mit dem Schwert über die ganze Welt ausbreiten wollen, wird es leichter sein, Islamophobie zu bekämpfen.”

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