Skip to content

Auf ein Wort, Berlin

17. Februar 2015

Europa steht am Scheideweg. Dieser Erkenntnis kann man sich nicht entziehen und sie ist auch nicht neu. Bislang hatte Europa Glück, da es sich stets zwischen vielen Wegen relativ frei entscheiden konnte, die Folgen überschaubar waren. Das Gespenst Grexit, das halbherzige europäische Bekenntnis Großbritanniens, Immobilienblasen und die latente Gefahr durch den islamistischen Terrorismus sind und waren jedoch nichts gegen die lange geplante Aggression Russlands gegen Europa, bzw. gegen europäische Werte, denn hier geht es um die Legitimation Europas selbst, die auf dem Prüfstand steht. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht dieser unausgesprochene Krieg in der Ukraine, die sich erdreistet hat, ihre eigene Wahl treffen zu wollen und Europa wählte, das sich jetzt als unterwürfiger Zwerg herausstellt.

Diese Devotion ist es dann auch, die es Russlands Präsidenten ein Einlenken selbst dann unmöglich machen würde, wenn er es wollte. Würde er sich derart erniedrigen, wäre das mit einem finalen Gesichtsverlust verbunden und seine Macht wäre zu Recht dahin. Wer wollte einem derartigen Versager dann noch folgen. Vor diesem Hintergrund muss die Frage gestattet sein, wie lange sich das politische Berlin als derzeitige Führungskraft Europas noch unterwerfen und vorführen lassen will. Wie lange sollen die Ukrainer und die Menschen Europas diesem Schauspiel noch zusehen, wie lange werden noch sinn- und effektlose Sanktionen gegen russische Politiker und Sänger beschlossen, die nichts verhindern? Ihr Kleinmut und Ihr Zaudern, Frau Merkel und Herr Steinmeier, werden die Zukunft nicht nur der Ukraine verschenken. Stellen Sie sich endlich deutlich gegen die Aggression des russischen Präsidenten – in einer Deutlichkeit, die es ihm ermöglicht, sie Ernst zu nehmen. Lassen Sie sich nicht länger vorführen und werden Sie zu respektablen Verhandlungsgegnern, denn Gegner des russischen Imperialismus sind Sie, müssen Sie im Sinne der Menschen Europas sein.

Auf ein Wort, Europäische Werte
Wir, die Europäer, beziehen uns auf eine lange Tradition und argumentieren tagtäglich für die Rechte jedes Einzelnen. Dabei versuchen wir, jedes noch so kleine Individualinteresse abzusichern, Rassismus und Stigmatisierung zu verhindern. Das ist gut so. Dabei aber haben wir irgendwann begonnen, uns selbst und diese Werte nicht mehr zu achten, weil wir ihren Kern nicht mehr begreifen. Wir sind derart damit beschäftigt, uns selbst in Frage zu stellen, dass wir diese Werte nicht einmal dann glaubhaft verteidigen könnten, wenn uns das Wasser bis zum Hals stünde. Insbesondere im Fall der Ukraine ist das Versagen offenkundig. Europa ist wehrlos, weil es den Bezug zu sich selbst verloren hat, nicht mehr weiß, mit wie viel Mühen es verbunden war, die Grenzen zu öffnen, gleiche Rechte für alle Bürger zu verankern – ein Vorgang, der noch längst nicht abgeschlossen ist. Das Alles werfen immer mehr Menschen achtlos weg, negieren es, weil es bis heute nicht gelungen ist, eine wirkliche Europäische Identität zu schaffen. Dies ist auch eine Folge einer Europapolitik, die sich über viele Jahre nur wirtschaftlich und nicht ideell definierte und wer kein Ideal, keine echten Werte, keinen Zusammenhalt, anbieten kann, wird irgendwann verraten und verkauft sein. An diesem Punkt muss man feststellen, dass Russland, ob man das nun mag oder nicht, hier mehr zu bieten hat und sich so in der stärkeren Position befindet. Hier liegt Putins Stärke den Europäischen Werten gegenüber und der Grund für das Versagen der aktuellen Europa-Politik. Und die Ukraine? Sie ist das Spielfeld, auf dem Russland seine Schlacht gegen eben diese verratenen Werte schlägt, was ihm wohl auch gelingen wird. Die Menschen in der Ukraine sind dabei das Opfer, weil sie an etwas glaubten, an das wir den Glauben längst verloren haben. Sie büßen im Moment für das Versagen Europas, unser aller Versagen.

Auf ein Wort, Ihr Gerechten, Truther und Zweifler
Ja, Ihr seid gemeint, die Ihr es Euch in Europa so hübsch eingerichtet habt, die Ihr überall Betrug wittert, Machenschaften der da „Oben“ konstruiert, vordergründig auf den Menschenrechten pocht, aber sie letztlich nur denen zugesteht, die mit Euch sind. Ihr glaubt, die Wahrheit oder das, was Ihr dafür haltet, in einfach Formeln pressen zu können, damit Ihr Euch besser und wissend fühlt. Ihr lauft blindwütig der »Erkenntnis« hinterher, dass alles Übel der Welt von Europa, den USA und natürlich Israel verursacht wird und blendet dabei aus, dass Ihr den Extremismus weltweit entschuldet und Euch damit zu Mittätern macht. Euer Benehmen erinnert an unflätige Kinder, deren größtes Verdienst es ist, gegen ihre Eltern agieren, um im Ernstfall doch wieder unter den Tisch zu krabbeln, wenn es draußen blitzt und donnert. Dabei dienen Eure ganzen selbstgefälligen Wahrheiten nur Eurer Eitelkeit, nie den Menschen, die Ihr zu Gunsten Eurer Rechthaberei leichtfertig über die Klinge springen lasst. Euer einziger Antrieb ist und bleibt eine infantile Opposition zum Bestehenden, ohne auch nur ein Körnchen zur Verbesserung für die Menschen beizutragen, für die Ihr Euch angeblich engagiert. Und auch Ihr opfert die Menschen in der Ukraine auf dem Scheiterhaufen Eurer Selbstverliebtheit – im Wahn gefangen, die ultimative Wahrheit in Eurem Besitz zu wissen. Für diese müssen Menschen sterben, die nicht mehr oder weniger wollten als das, was Euer Leben hier so angenehm und sicher macht. Diese Menschen habt Ihr verraten und keine entdeckte Wahrheit wird das je wieder ungeschehen  machen.

Auf ein Wort, Europäer
Wir müssen wieder lernen, zu erkennen, für was Europa steht, welche universellen Werte es verkörpert und wir müssen auch lernen, wehrhaft zu sein. Dafür sind mehr als bloße Lippenbekenntnisse nötig, es verlangt nach Handeln. Hierzu gehört auch, dass wir uns emanzipieren müssen. Es ist gut, mit den USA befreundet zu sein, nur darf dies nicht in Abhängigkeit und Bevormundung enden. Es ist irgendwann auch wieder gut, mit Russland befreundet zu sein, denn es gehört zu Europa und besteht nicht aus Wladimir Putin und seinen Höflingen. Für den Moment jedoch ist es unsere Aufgabe, nicht nur die Ukraine sondern auch Europa selbst gegen die Übergriffigkeit der Ex-Sovjetunion zu schützen, die aufgrund der pervertierten Machtinteressen ihres Präsidenten kein Partner, kein Freund, nicht einmal ein guter Nachbar sein kann. Wir müssen Entscheidungen für uns treffen und diese fallen bei näherer Betrachtung leicht. Wenden wir uns unseren freiheitlichen europäischen Werten zu, können wir das derzeitige russische System nur vollständig ablehnen, da es auf dem exakten Gegenteil beruht. Was wir tun können, ist, der Ukraine zu helfen, die auf unserer Seite steht und den Menschen Russlands die Tür öffnen, die das ebenso sehen. Auch ihnen gegenüber besteht die Verpflichtung zur Unterstützung.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: