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Geographisches

3. Dezember 2014

Habe diese Betrachtungen so nach und nach geschrieben. Nu kommen sie hier alle aufs Mal 🙂

Mit einem Augenzwinkern beschreibt unser Reisender Hibou, der sich manchmal etwas grossprecherisch “der zweite Herodot” zu nennen pflegt, die Länder und Städte, Berge und Ebenen, Tiefen und Untiefen dieser Welt. Er scheut dabei auch nicht vor Gegenden, die vor ihm nie ein Mensch betrat, zurück, entzückt uns dabei mit einem sehr speziellen Wissensschatz. Nach und nach kommen wir von den realen Nachbarländern in immer wildere Gegenden. Wir folgen Hibou lesend und machen dabei sogar mehr Gewinn als bei allen Miles and More dieser Tage, sind aber stets zur selbständigen Entscheidung, was daran Wahrheit, was Dichtung ist, herausgefordert. Im Rundfunk können wir seine Aperçus mitverfolgen, auch wenn die ihm eingeräumte Zeit zwischen Wetterbericht und Reklame sehr kurz ist:

Ah! Laska

Oh! Klahoma

Eh? Dirne

Uhhhh! Rumtschi

Ihhhhhh! Biza

Oh je! Rusalem

Madrid auf der Stelle

Davos langgeht

Ja wo Samara denn?

Ich schlag meine Kalauen

in dein Falafel

Tutenchamun

was Nofretete?

Lenin grad

im Puschkino gesehen

Der alte Häuptling sass den ganzen Tag im Seattle

Träume in den Alpen

Karten im Atlas

Flennen? In den Cevennen

Er kam aus Kamtschatka und lief nach Livland

Dazwischen trank er eins auf den Ale uten

In Mähren gab es Schind

Soso? Und in Maliland?

Neulich war ich aufm Fundbüro in Neufundland. Aber Kanada.. Was ist Maine, was is Dein? Kriegte dann aufm Hutson eins auffe Mütze. Kannst alles verkopen, Hagen! Dann gehn wir zusammen übern Jordan. Da is Not Amman, hab ich gehört.

In Entinien treiben sie’s arg. Ist ja wie bei Mister und Missis Sippi!

Auf Kos wurden mehrere wilde Dodekaninchen gesichtet

Die Nato liebt Streubombay

Gaddafis Familie is Misrata

Auf Athos tranken wir Porthos. Danach war uns ganz Aramis

Sei net so Triest! Jetzt mach ma, Rocco!

Was soll ich denn in Tunesien tun?

Als Bäcker nach Mehlbourne. Oder in die Taiga?

Auf dem Kopf wurde er langsam Kalau

Geographie eins: Lettland

Riga ist die einzige Grossstadt im Baltikum. Dort werden zum Frühstück Holzklötze anstatt von Marmeladen aufgetischt. Nun verstehen wir plötzlich die Redensart: Nicht kleckern, sondern klotzen! gell? Ganz entgegen der Wahrscheinlichkeit ist Riga NICHT der Herkunftsort der Nussrigel. Während der Siesta sehen Städte und Dörfer Lettlands etwas verschlafen aus. Dunkle Waldgeister und die Schatten früherer Deutschritter prägen das Landschaftsbild. Trotz üppiger Sandstrände soll die Wasserqualität in Lettland mit Vorsicht betrachtet werden. Auch die Temperatur ist nicht jedermanns Sache. Doch es gibt ja auch noch andere Beschäftigungen als baden, etwa den Hausbau. Selbst Thomas Mann baute in Lettland ein Haus, er wählte dazu den Ort eines heidnischen Tempels. Das Lettische Haff wurde in der Zeit der Tuberkulose in Kurisches Haff umbenannt. Der geläufigste Vorname in Lettland ist Hans. Dies ist wohl der unbewussten Erinnerung an die Zeit der Hanse geschuldet. Da in der Gastronomie Lettlands keinerlei Zucker verwandt wird, entstand der Ausdruck “Salzletten”. Als die Buchstaben sich bei den Behörden melden mussten, kam das “s” zu spät, weshalb es noch heute immer ans Ende der Worte angefügt wird. Lettisch ist so sehr einfach zu lernen: Hasts Dus Euros? Aus der ursprünglich Livland genannten Gegend stammt das Lettengeschwätz. Doch die Zeit für unsere geografische Betrachtung ist auch schon wieder um…..

Geographie II: Schweden

Wir bleiben noch im Baltikum. Is ja ma wieder tüpesch, dass es „Bottnischer Meerbusen“ heisst! Immer diese Frauendiskriminierer. Könnte ihnen so passen, überall über Busen zu schiffen!! Wir kommen nach Schweden. Man sieht dort den Wald vor lauter Bäumen net. Die schärfsten Kritiker der Elche tummeln sich da. In den Ansiedlungen und verstreuten Gehöften sind die Leute alt. Man begrüsst sich mit „Alter Schwede!“ Wer es sich leisten kann, ist nach Amerika ausgewandert oder spielt in der Eishockey-Nationalmannschaft. Wo die Waldung gefällt, wachsen Ikea-Fabriken aus dem Nichts. Wildgänse rauschen durch die Nacht. Kurt Wallander, das Whiskyglas in der Rechten, blickt ihnen melancholisch nach. Seine Tochter aber verfängt sich mittlerweile in einem Schlafsack. Nee, nicht in ihrem Freund, einem richtigen. Was, unsere Sendezeit ist schon wieder um???

Geographie III: Norwegen

Sollen wir nach Dänemark rüberschiffen? Ah was, lass uns nach Norwegen lofoten. Das Land ist sehr lang und ebenso weilig. Sie haben einen König. Meist heisst er Olav, manchmal Hakoon, seltener Sven Fischer. Die Trottoirs werden im Winter durch Fussbodenheizung angewärmt. Überall trainieren die Skifahrer, Ole Einar schiesst auch schon mal übers Ziel hinaus. Die Kaffeebohnen werfen sie in den Maehlstrom. Doch bevor sie auch nur die Milch aus dem Kühlschrank nehmen können, ist unsere Sendezeit auch schon um.

Geographie IV: Australien

Irgendwo am Land ist ein Schalter, aber niemand kann ihn finden. Er würde ihn sonst auf “Einstralien” stellen. In den Weiten des verbrannten Landes hüpft der Vogel Strauss Kahn und schaut lüstern nach Zimmervögeln. Wasn Glück, dass ich nicht Zimmermann wurde!

Die Eukalyptusbäume konzentrieren sich auf die Bonbonherstellung. Niemand hustet im ganzen Land, noch nicht einmal die Dornenvögel. Australier sind durchweg gut zu Vögeln. Lieber aber möchten sie selbst fliegen können!

Geographie V: Schweiz

An heissen Tagen heisst es “im Schweize ihres Angesichts”. Das verrät, dass die Schweizer nur im Gesicht schwitzen können, weshalb es dort nur sehr wenige FKK-Gelände gibt. Eines der wenigen heisst Rütli. Dort ist es nur am 1. August erlaubt, sich zu entblössen. Den Rest des Jahres halten die Leute dem Rütli ihr Gesicht hin. Ihre Hosen rutschen dabei, weil sie den starken Franken in der Tasche haben. Müde legen sie sich auf die Dürrenmatt, davon werden sie schnell wieder Frisch. Oder sie trinken ein Walser-Wasser. Diese Glauser!

Geographie VI.: Italien

Goethe musste lange warten, bevor seine Freunde Genitalien zeigten. Aber einmal geschafft, gab es kein Ansichhalten mehr. Goethe spielte Flöte auf dem Schiller seim Diller. Schon immer hatten die Nordvölker einen Zug gen Italien. Dort zeigen die Horizonte klare Kante. Der Schinken marmoriert und die Caprisonne scheint fast immer. Alle Strassen führen nach Rom, man kann sich also kaum verirren. Deshalb kommen auch noch immer Schweizergarden in Rom an. Auf Sizilien essen sie Silizium, auf Sardinien Sardinen. Dort herrscht Bunga Bunga der Erste. Maf schon! ruft er, werd endlich korrupt! Na klar, das mafia! antwortet ein jeder im Hofstaat. Die Schiffe aber fahren net immer nach Rom (Wasser hat keine Balken), sondern zuweilen auch im Dunkeln nach Lampedusa. Ist das Fleisch schon weich? ruft der Kapitän? Garribaldi! antwortet Smutje. Die Leute heissen Aldo Bianco, Aldo Giallo und Aldo Moro. Die weiblichen Filmstars zeigen viel Decolleté und springen voll bekleidet in jeden Brunnen. Auf den Toilettentüren steht: Wer muss, soll ini……

Geographie VII.: Tunesien

Logischerweise ist in Tunesien Nichtstun nicht erwünscht. (Selbst die Franzosen haben sich, seitdem sie nix mehr tun, aus Tunesien zurückgezogen). Und doch ziehn die da das meiste Geld aus Nixtuern. Denn die Wüste lebt. Sie ist voller All-Inclusive Resorts mit deutschen Touristen. Die Kammerfrauen tun viel, damit es die Nixtunisten gut haben. Draussen heult der Wüstenfuchs, drinnen grünt der Rasen und blaut der Pool. Als Reiselektüre hat man Karl May, Band 1, Durch die Wüste, mitgenommen. Die Einheimischen können das nicht lesen, denn sie würden von hinten nach vorn vorgehen. Sogar gehustet wird von rechts nach links. Unfassbar! Das Kamel steht nur noch für geführte Touren im Umkreis von einem Kilometer ums Hotel zur Verfügung. Damit es auf den Fotos gut aussieht, werden den ältlichen Reiterinnen und Reitern Kopftücher umgebunden. Abends gibt es Couscous. Danach Schnackselschnacksel.

Geographie VIII.: Florida

Florida ist ein Land ewigen Sonnescheins, weiter Everglades und palmengeschmückter Hotels. Wenn man von da in See sticht, landet man automatisch in der Schweinebucht. Neulich wurden da Wahlautomaten eingeführt. Doch die meist älteren Wähler, die Floris, verwechselten sie mit der häuslichen Moulinex, weshalb verfälschte Resultate entstanden (Nebenbei: ich hatte mal nen Kumpel namens Resul, was er auch tat, es kam immer n’ Resultat raus). Ab und zu wird ne Rakete von da abgeschossen. Die Sonde an Bord soll aufm Mars nach Wasser suchen. Ein äusserst wichtiges Projekt. Die Einwohner Floridas nehmen abends Viagra und vögeln dann auf der amerikanischen Flagge. Sonst haben sie weiter net viel vor.

Geographie IX.: Wallonien

Dieses Land macht bereits Werbung für sich, obwohl es noch ein Teil Belgiens ist. Belgien war über ein Jahr ohne Regierung (na bitte: geht doch!). Wallonien aber will, getreu der paneuropäische Devise “Spalten statt Versöhnen” unabhängig werden. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht (siehe Jugoslawien). Von den Flamen wäre allerdings Ähnliches zu sagen (sie singen zum Julfest: “Flame empor….”). Zurück nach Wallonien (von den Rittern der Tafelrunde oft auch “Parciwallonien” genannt): Ältere Leute, naja, Leute in den Wechseljahren, werden dort oft von Wallungen heimgesucht (im Wappen haben sie den roten Hahn) (die Flamen berichten sogar von Hitzeflamen). Wallonien war für kurze Zeit Reichsgau. Manche dort sehnen sich noch immer danach. In Bastogne wurde die Prügelstrafe erst kürzlich abgeschafft. In Lüttich wohnen die Kleinsten des Landes. In Charleroi möchte jeder König sein. Meist schaffen sie es, aber nur im eigenen Haus…..

Geographie X.: Paraguay

So mancher hob in Guay ab und landete in Paraguay. Es wimmelt dort von Parapsychologen, Paralytikern und Paraglidern. In der Schule wird vor allem die Parabel gelehrt (für Verheiratete die Ringparabel). Früher hatten im ganzen Land die Jesuiten das Sagen. Jetzt haben die Mennoniten übernommen. Sie führten erstmals die Missionarsstellung ein. Auch kann man sich dort gut in Deutsch verständigen. Die Herren Bantzer und Stössner brachten es zu Alleinherrschern. Um die Hauptstadt herum gibt es aber noch reichlich Mestizen und Stechmücken. Die Berge dort sind hehr und erhaben. Höchster Berg des Landes ist der Cerro Peró mit 842 Metern Höhe. Evo Morales hat ihn jetzt aber überquert.

Geographie XI.: Burma

Dieses Land hat einen neuen Namen gekriegt: Pyidaungsu Thamada Myanmar Naing-Ngan-Daw, und damit auch der Laie sich ihn merken kann, heisst es abgekürzt nun Myanma Naingngan. Eigentlich handelt es sich bei Burma und Myanmar nicht um zwei unterschiedliche Bezeichnungen. Bama [‚bɐma] mit verhältnismäßig dumpfem „a“ als erstem Vokal, von dem sich die englisch ausgesprochene Schreibweise Burma (und davon in anderen Sprachen wiederum Birma) herleitet, und Myanma sind seit jeher die Bezeichnungen für die größte Bevölkerungsgruppe der Bamar in ihrer eigenen Sprache und für ihr Land. Dazu kommen Unterschiede in der Aussprache durch die Dialekte, denn je nachdem, wie stark man die Lippen schließt und wie viel Druck beim ersten Konsonanten entsteht, ist der Übergang von „B“ zu „M“ fließend. Der Begriff Myanma soll bis ins ausgehende 11. Jahrhundert zurückgehen und von König Kyanzittha geprägt worden sein. Er entstammt der Schriftsprache und findet sich daher eher in historischen Dokumenten, während Bama umgangssprachlich verwendet wird. Seit den 1920er-Jahren gab es Bestrebungen, einen einheitlichen Begriff für alle im jetzigen Myanmar beheimateten Volksgruppen zu finden. So wurde mehrmals Bama durch Myanma ersetzt und umgekehrt.

Es ist ein Vielmenschenstaat in Südostasien. Ein Mensch dort ist nu Präsident geworden: Er heisst Thein Sein. Er bestimmt dort das Bewusstsein. Die neue Hauptstadt Pyinmana wurde inzwischen in Naypyidaw (Heimstatt der Könige) umbenannt. Auch Privatleute werden kurzerhand umbenannt. So geschah es (dem Chinesen) Stephen Law, der den neuen Namen Tun Myint Naing erhielt, und gleichzeitig vom Drogenbaron zum reichsten Mann des Landes befördert wurde. Wenn der Militärrat nicht mit Umbenennen beschäftigt ist, hätte er eigentlich Zeit für Reformen. Stattdessen unterdrückt er vorwiegend Aung San Suu Kyi (anstatt seine eigenen Machtgelüste zu unterdrücken). Übers Meer gelangt man in kurzer Zeit zu den kindischen Inseln der Andamanen und Nikobaren. Wäre unsere Sendezeit nicht um, würden wir na klar auch über diese berichten!

P.S. Nach unserer Meinung sollte das Land weiter Burma heissen, und nicht Myanmar. Burma ist kurz. Unser Wörterbuch is eh schon voll, Mann, Alder!

Geographie XII.: Minibaren

Die Minibaren sind eine Inselgruppe im Kindischen Ozean. Auf der Hauptinsel befindet sich die zentrale Ausbildungsstätte für Wetterfrösche. Die Mehrzahl der Einwohnerinnen des Archipels sind Frauen. Sie können mit Wetterfühligkeit ja auch weit besser umgehen, als ihre männlichen Pendants. Allerdings sind sie wegen des Gesetzes, das Minirock obligatorisch macht, stark in ihrer Entfaltung behindert. Viele Frauen mit dicken Beinen bleiben konsequenterweise zu Hause. In allen Hotels des Archipels hat es sich eingebürgert, einen kleinen Kühlschrank mit dem Nötigsten in die Zimmer zu stellen. Man gab diesem Ding den Namen “Minibar”, und der Brauch hat sich nach und nach über die ganze Welt ausgebreitet. Auf den Minibaren herrscht der Nullpegel. Zudem droht zusätzlich die Agentur Fitch mit Herabstufung des Landes. Wegen dieses Fakts und des Klimawandels werden wir sie deshalb bald nur noch mit Sauerstoffflaschen besuchen können. Da die Bewegungen unter Wasser weit langsamer sind, bitten wir na logo um eine Verlängerung unserer Sendezeit!

Geographie XIII.: Belarus

Neulich in der Farbenhandlung:

Was haben Sie denn so auf Lager?

Also…. da wären diverse Rothäute, ein Blaumann, zwei reichlich abgewetzte Grünschnäbel, ein paar Schwarzafrikaner und na logo viele Weissrussen…

So ähnlich stelle ich mir die Entstehung der Namen aus der Natur der Farben vor. Oder sind die da alle so weisshäutig? Haben die denn in Minsk keine Sonnenstudios? Eine andere Theorie aber lautet wie folgt: Sitzen einige Deutsche im Dunkeln eines zerbombten Kellers. Es sind Schüsse zu hören. Sagt einer: Da draussen is wer! Kommt die Antwort: Ich weiss, Russen!

Oder so: Sitzen sich zwei Leute im Eisenbahnabteil gegenüber. Der eine ist aus Bamako, der andere aus Bjalystok. Sagt der Belarusse: du schwarz! Sagt der Senegalese: ich weiss!

Geographie XIV.: California

Blow, boys blow/ from Californio!

Hätten wir dieses Lied nicht, wäre Kalifornien uns genauso unbekannt wie etwa Düsseldorf…. Fornication (oh Schreck! Schnell nen Schatten drüber, wie über die Zigaretten im türkischen Fernsehen. A propos: Kokain, Zerstückelung, Vergewaltigung, Whisky, Revolver, Angela Merkel zensiern sie net!) wurde von den Red Hot Chili Peppers zu “Californication” umgewandelt. Es entstand ein sehr schöner Song. Er kann auch mit nacktem Oberkörper gesungen werden. In Kalifornien sind im Allgemeinen nackte Oberkörper unerwünscht, es sei denn, man sei in der Dusche. Duschen gibt es überall, sogar seit neuestem in der Schweiz. Übrigens: ein Schweizer gründete San Francisco, ein Schweizer baute die Golden-Gate-Bridge. Fehlte nur noch, dass ein Schweizer auch die Hudson-Bridge gebaut hätte! Aber das sei fern……..

Geographie XV.: Deutschland

Kann man überhaupt über Deutschland schreiben? “Denk ich an Deutschland in der Nacht/ bin ich um meinen Schlaf gebracht..” meint Heinrich Heine. Wir denken, wir müssen. Schliesslich existiert es. Und wir haben uns daran gewöhnt, ihm sein Existenzrecht zuzuerkennen….

Also: Na klar gibts auch in Schland sonne und sonne. Welche die lieben die Ebenen, welche, die sind gut dem Berg. Letztere betreiben oft florierende Copy & Paste-Shops. Oder die Glorias von Thurn, die in Regensburg die meisten Taxis finanzieren. Auch ma was über Norddeutschland? Da hätten wir den Altschmidt, nikotinresistent und sehr gut gegen Flutkatastrophen einzusetzen. Oder den Ohrstein, nee, Moment, Augstein, nicht den Gärtner, den vom Abgrund (des Landesverrats). Oder die Wulffsrudel, die seit kurzem wieder aus Neidersachsen bis in die Hauptstadt vordringen… Ach, Deutschland. Seit dem Weltkrieg kriegen sies einfach net mehr gebacken, den Verkehr von der Strasse auf die Schienen zu verlagern. Dabei hatte es vorher mit der Deportation und Ermordung ihrer Landsleute so gut geklappt!. Da können die heutigen nix für? “Gnade der späten Geburt” und so? Naja, nicht mal schämen tun manche sich mehr, sondern stossen flott erneut ins antisemitische Horn. Apropos Horn (zum Horn von Afrika schicken wir ma Fregatten): sass net der Scheel Walter da beim Schwager vorn? Und der Herzog mit seinem Ruck. Von dem Heinemann redet fei keiner mehr. Hat der net auch gesagt: Ich liebe nicht Deutschland, sondern meine Frau? Bezeichnend!

Geographie XVI: Das Horn von Afrika

Horn von Afrika” tönt ungefähr wie “Auge des Sehers” oder “Rand von Ostermundigen”. Die Piratenpartei ist dort erstaunlicherweise noch net vertreten. Die Bauern beziehen gescheiterte Saaten von Monsanto. Die Imker Drohnen aus Aethiopien. Auf der Basis Arba Minch haben die Amis sie stationiert. Der Stützpunkt ergänzt die bereits bestehenden Drohnen-Basen in Djibouti, auf den Seychellen und an einem geheimen Ort auf der arabischen Halbinsel. Amerikanische Stellen vermuten, dass sich Terroristen vermehrt nach Jemen und allenfalls auch nach Somalia absetzen. Die Hauptstadt bietet ferner reichlich Lebensraum für Ratten und Mäuse, weniger für Menschen. Wenn sie noch da wohnen, haben sie stets das Kopftuch zur Hand. Ihnen gehts mal so, mal so (malia). Die Kolonialisten haben ganze Arbeit geleistet. Dann zogen sie ab. Ein Denkmal blieb zurück. Wers mog (adischu). Spotte net! Ich doch nicht.

Geographie XVII: Funkelistan

Das Land liegt inmitten Bergen. Das mit dem zugegeben etwas seltsamen Namen kommt so: Die frühen Siedler waren fast ausschliesslich Deutsche (ausser einigen versprengten Albanern), schon bald wurden die reichen Diamantvorkommen entdeckt, und als die ersten davon geschliffen wurden, riefen alle: “Die funkeln aber schön!”. Und bald darauf bürgerte sich der Name “Funkelistan” ein. Wie das Land früher hiess, oder ob es überhaupt einen Namen hatte, wissen wir nicht.

Ausser Edelsteinen wird in den zerklüfteten Bergen auch Bakelit und Messing abgebaut, auf den wenigen flacheren Stellen (die Einwohner dort bemerken scherzhaft: “in unserem Land kannste fast nirgends ne Milchkanne abstellen!”) leuchten im Herbst die Griessfelder. Sobald die Sӓuglinge da sprechen können, rufen sie pausenlos: “Meinen Brei!” und funkeln zornig mit den Augen.

Aus dem Land stammen bekannte Leute, wie etwa der Fussballtrainer Funkel oder der berühmte Sӓnger Arthur Garfunkel. Dessen Vater wohnte hinter einem reissenden Wildbach, so dass er konsequenterweise den Beruf des Brückenbauers ergriff. Sobald der erste Steg über das gestörte Wasser geschlagen war, wanderte Arthur aus. In der Fremde tat er sich bald mit einem weiteren Architekten zusammen, Simon. Der war in Südafrika ein Findelkind gewesen. Miriam Makeeba hatte ihn aufgezogen und in Hans genannt. Da er aber in der Schule oft wegen seines kleinen Wuchses gehӓnselt worden war, legte er sich spӓter den Namen “Paul” zu. Auch seine Biographie erfand er, so dass heute viele glauben, er stamme aus Memphis, Tennessee. Die beiden begannen unverzagt zu singen.

Ah, bevor ichs vergesse: aus diesen Landen stammt auch das bekannte Lied, das die Kinder immer zu Martini singen: “Mein Licht geht aus, wir gehn nach Haus, Labimmel, Labammel, Labumm”. Wo da der Zusammenhang bleibe? Ah, Entschuldigung, etwas früher im Text heisst es: “da droben funkeln die Sterne, und unten leuchten wir!”

Geographie XVIII: Minais Gerais

Minais Gerais heisst “Meine Gerӓtschaften”, und ein jeder im Land hat und gebraucht sie, denn der Grund unter den Füssen ist so mineralreich, dass sogar der Staub rot ist. Die Hauptstadt des Landes heisst “Schöner Horizont” und ging aus einem Gerӓteschuppen hervor. Brasiliens derzeitige Prӓsidentin (liebe Leserin und lieber Leser, das ist einer der vom Autor eingestreuten Sӓtze, anhand dessen Du die Zeit der Entstehung des Textes eruieren kannst: datiere anhand von “derzeitige”!) Dilma Rousseff stammt aus dem Ort. Und das vorherrschende Rot hat bis in ihren Namen hinein gewirkt.

Sandstürme oder Erdrutsche, bei denen alle Gerӓtschaften jeweils verlorengehen, sind hӓufig, aber davon können wir net berichten, weil unsere Sendezeit schon wieder um ist…..

Geographie XIX: Mingrelien

Mingrelien (“Land der tausend Quellen”) oder auch Odischi (nicht zu verwechseln mit “Sotschi”, so niesen die da) ist das sagenhafte Land, wo die Widder ein goldenes Vliess tragen. König Mamuka führte das Randencarpaccio mit Hamsi-Tatar ein, der bekannte Schriftsteller de Rad schrieb unter starkem Sauerstoffmangel das Buch “Reisen im mingrelischen Hochgebirge” (Patienten mit Tinnitus wird von der Lektüre abgeraten). Das Meer wirkt von der Hauptstadt Isgaur aus so dunkel, dass männiglich es das “Schwarze Meer” nennt. Die Mingrelier treiben regen Handel mit Chasien und Abchasien. Aus dem Land stammen unter anderem die bedeutenden Gamsachurdias sowie der ehemalige sowjetische Fussballspieler Murtas Kalistratowitsch Churzilawa.

Geographie XX: Nuristan

Ein Land in den Bergen, nicht zu groß, nicht zu klein. Im Nordosten der mäandernde Fluss als Grenze, dort hatte zuletzt der Sultan schöne Brücken gebaut. In einem weiten Kesseltal die Hauptstadt Aman, noch immer dabei, wieder aufgebaut zu werden nach dem letzten Krieg.

Seit kurzem ist Nuristan Mitglied der WTO, konnte aber wie viele andere Mitglieder aus der dritten und vierten Welt aus Geldmangel bisher keinen Botschafter nach Genf schicken. Stimmt das Land nicht für die üblichen Vorlagen, drohen die USA mit Streichung der Entwicklungshilfe. Die Abstimmungen in dem öden Betonklotz am Rand der Stadt Genf aber sind frei und geheim.

Eine andere Stadt in unserem kleinen Reich ist Haiduk. Sie liegt auf Bergeshöhen, ein wenig versteckt hinter dem vorspringenden Gipfel. In alter Zeit führte eine „Heilige Strasse“ hier hinauf und zu den Tempeln der Etratsa, der alten Liebesgöttin. Wie wir von unseren Historikern (Ulay, Bembe und Masimoko) wissen, wurde dort der Tempelschlaf ausgeübt – ähnliches berichtet ja auch Herodot von den antiken Reichen in Nordafrika. Jede erwachsene Frau wurde einmal in ihrem Leben dem Tempel zugeführt, dort in einen halbbewussten Zustand versetzt und dann beschlafen und wenn möglich geschwängert, sehr oft mit Erfolg. Selbst wir in unseren weisheitslosen Zeiten wissen noch, das Schwangerwerden meist eine halbbewusste Angelegenheit ist. Aber warum solche uns unbekannten Rituale? Nun, die Macht der Familie, des Blutes, der Nachfolge und Vererbung, der Vendetta und des Patriarchats wurde damit entscheidend geschwächt. Ähnliches versucht ja die Katholische Kirche: womit ihr den wirklichen Grund für den Zölibat wisst. Die Kinder, die dann geboren wurden, nannte man bei uns „Söhne der Witwe“ oder „Vaterlose Gesellinnen“. Ob dieser Brauch noch lebendig ist, wird nicht klar mitgeteilt. Fest steht nur, dass es in Haiduk und im ganzen übrigen Nuristan keine herrschenden Familienclans gibt, keine Geschlechtertürme wie in San Gimignano, keine Paten wie in Sizilien, “und wo in der Welt” – so sagte einmal ein Mitglied der Familie Corleone – “wäre nicht Sizilien?” Hier im beschaulichen Haiduk. Mailand ist weit, Tokio, İstanbul und Mexico City auch.

Gegenwärtig ist Haiduk der Sitz einer der drei Kammern des Landes (Parlamente würdet ihr sie nennen): der Schwesternkammer. Sie kümmert sich nicht um die Wahlen, nicht um die Gerichtbarkeit, ihre Aufgabe ist die Verwirklichung von Solidarität (in alten Zeiten Brüderlichkeit genannt). Nein, sie hat nichts mit Geld zu tun. Geld ist ein Rechtsmittel. Nein, kein Kapital. Kunst ist das Kapital von Nuristan, jaja. Haiduks Kammer hat mit Ernährung, Einkommen und Ökologie zu tun. „Jede nach ihren Bedürfnissen“ ist ihr Motto. Schon das Gebäude spricht für sich, es ist gebaute Begriffskunst*). Neulich wurde dem Düsseldorfer Gesamtkünstler J. St. die Ehrenbürgerschaft von Haiduk verliehen. Zu unserer aller Freude nahm er die Auszeichnung an, kam extra nach Nuristan gereist und hielt in seiner so faszinierenden Sprache einen Vortrag über „Die Frage nach dem Sinn der Technik“, den er mit dem bezeichnenden Satz begann: „„Ich bin heute mit dem Auto von Düsseldorf nach Haiduk gefahren, um hier diesen Unsinn wieder gutzumachen. Das ist der Sinn der Technik.“ Dieser Satz ist genial und irgendwie typisch St., da er schlicht, fast unscheinbar und doch frappierend ein Licht auf die Wirklichkeit wirft, ohne moralisch zu sein; denn Moral (zumindest den alten, überkommenden Moralbegriff, der sich häufig genug als Doppelmoral herausstellte) scheut nicht nur er, sondern viele aus seiner gesamten Generation, die ja angetreten sind, um gerade diese zu überwinden.

*)„Alle wirklichen Philosophen waren Begriffskünstler. Für sie wurden die menschlichen Ideen zum Kunstmaterial und die wissenschaftliche Methode zur künstlerischen Technik. Das abstrakte Denken gewinnt dadurch konkretes, individuelles Leben. …. Wir haben dann nicht bloß ein Wissen von den Dingen. Sondern wir haben das Wissen zum realen, sich selbst beherrschenden Organismus gemacht; unser wirkliches, tätiges Bewusstsein hat sich über ein bloß passives Aufnehmen von Wahrheiten gestellt.“ (Ein Philosoph der Freiheit)

Wir selber wohnen im Dorf Kemikler. Streuobstwiesen und unser bekanntes Fleckvieh beherrschen das Landschaftsbild. Wolltest du nicht immer schon einen Kuhschädel haben? Hier kann ich dir leicht einen besorgen. Aber erst muss ich noch zum Lottostand mein Minimum spielen. Wie hat die Finanzwelt gelacht als wir unser gesamtes Steuersystem auf Lotto umstellten! Aber noch immer sind wir das einzige Land der Welt, wo jeder ganz gern seine Steuern bezahlt und wöchentlich auf den Jackpot hofft. Ein geheimes Bankkonto in der Schweiz oder auf Cayman wird so überflüssig. Da möchtest du auch wohnen? Ich werd‘ den Gemeinderat fragen. Ganz recht, wir stimmen über jeden Neuansiedler ab, nimmt man einmal die 20% Leute aus, die durch das Los einen Siedlerpass erhielten. In Kemikler lieben sie Zuwanderer aus Transnistrien, weshalb wir hier leicht vom Bevölkerungsquerschnitt abweichen. Außer den Nuri (unschwer an den riesigen schwarzgrünen Augen zu erkennen)(sofern es denn pure Nuris überhaupt gibt. Jede und jeder von uns hatte ne Ururgrossmutter aus Batabu, Tallaf, Freckenhorst oder Kazkeli) und den rätselhaften Mungglis gibt es reichlich versprengte Arnauten und Zigeuner, erstere wegen ihres Fleißes, letztere wegen der Musik immer erwünscht, aber auch Leute aus aller Frauen Länder und wie gesagt durch das Lossystem sogar einige US-Amerikaner. In unserer Vedokratie sitzen vornehmlich die erwähnten Söhne der Witwe oder Vaterlosen Gesellinnen nebst einigen unehelichen Sprösslingen zur linken Hand. Der Rat einer jeden Gemeinde ist von den Einwohnern gewählt und zu weitreichenden Entscheidungen, selbstverständlich nur des Rechts- und Geldwesen befugt. Er legt zum Beispiel die Höhe des Mindestgehaltes, das jede Person des Landes bezieht, fest.

Ich sitze grad im „Ad Marginem“ („Hier spricht der Rand von Hayduk“), weil ich seit Jahren in die Jukebox verknallt bin. F5 = Under attack, H7 = Yarım Istanbulu mesken mi tuttun, J12 = Prawy do Lewego!!!! Im Windfang, halb abgefetzt, noch die Plakate von der Lesung „Adam Schaschkin liest aus seinem neuen Werk ‚Nicht gefasst‘“, draussen auf den Jeeps und den Telegraphenstangen überall Ringeltauben, die glockig gurren. Wie kannst du Türkentauben von Palmtauben unterscheiden? Fast nur an ihren Liedern. Die Türkentaube gurrt „der Sul-tan! der Suuul-tan!“ während das Palmtäubchen „der König Sa-lo-mon, der König Sa-lo-mon!“ singt. Aber das nur nebenbei. Ich erwarte noch einen Freund und habe schon mal kühlen Shilavka bestellt.

Geographie XXI: Nakhchivan

Die meisten von uns kennen dieses Land nicht, und wenn, dann höchstens unter dem Namen “Naziristan”. So, und nicht “Waziristan”, wurde es genannt, um es von den Feldern Onkel Al-Wazirs zu unterscheiden (Die traditionellen Dachfenster nannte man im Gegenzug “Nasistas”).

Nakhchivan war früher einmal ein Khanat, ein Teil des Mantels des Grosskhans ist noch erhalten. Zum Glück wurde es aber jüngst zur Volksrepublik. Hauptnahrungsmittel sind dort in den unwegsamen Bergen von jeher die Kaukasischen Maultaschen. Touristen gibt es da keine, und wenn, essen sie lieber die heimischen Ravioli aus Dosen. Nakhchivan hat eine 15 km lange Grenze mit der Türkei. Leider werden dort reichlich Zigaretten geschmuggelt. Rauchen tötet!

Unbekleidete Leute dort nennt man “nakht”. Die Temperaturen im Lande sind aber kaum für FKK geschaffen…..

Geographie XXII: Nuristan schon wieder

Nur” heisst “Inneres Licht”. In Nuristan gibt es keinerlei Strassenbeleuchtung, und trotzdem sind da die meisten Bewohner – bis auf ein paar versprengte Albaner – nachtaktiv. Tagsüber dösen sie vor sich hin, weshalb die meisten Geschäfte in diesem Land auch erst am späten Nachmittag öffnen. Die Hauptstadt des Landes heisst Şahin, sie wurde an der Stelle eines denkwürdigen Freistosses gegründet. Dort blüht die Textilindustrie. Die meisten Produkte werden exportiert; Verkaufsschlager ist derzeit ein weitmaschiger Netzbikini (In der Mode gilt hier wie überall das paradoxe Gesetz: Je weniger der Stoff, desto höher der Preis. Frag die autochthone Modeschöpferin Nur Yerlitaş!). Es werden aber auch Tschadors in allen Farben hergestellt. Am besten gefallen uns die blauen, das kommt wohl von der alteigesessenen Indigo-Herstellung, deren Geheimnisse nur wenige kennen.

Die Nuris sind sehr friedlich. Ihr Gruss ist etwas langatmig: “Ich habe dich schon von Weitem gesehen!”. Beim Bergsteigen wird deshalb immer öfter die moderne Kurzform “Hi!” verwendet.

Nuristan führt seit Jahrhunderten keine Kriege. Der letzte datiert aus dem 13. Jahrhundert und dauerte nur 2 Tage. Er wurde gegen das Nachbarland Ampul geführt, aber seitdem da nur noch Neonbabies geboren werden, ist jeder Grund für einen Konflikt entfallen. Die Truppen Nuristans sind mit roten Nelken ausgerüstet, weshalb sie fast täglich von Tayyip, dem Herrscher einer fernen Pseudodemokratie, als Teil einer internationalen Verschwörung gebrandmarkt werden. Das kümmert sie jedoch wenig. Sie gehen weiter ihren Lieblingsprojekten nach und sind für viele andere Menschen leuchtende Vorbilder!

Geographie XXIII: Meribel

Meribel ist ein Skiparadies. Der Mont-Blanc ist nicht weit. Alle sagen wir “der höchste Berg Europas” und vergessen dabei den Ararat. In Meribel gibt es wie überall eine britische Kolonie. Sie haben eine Laienspielgruppe. Jede Weihnacht spielen sie “Good King Wenceslas”, und es kümmert sie wenig, dass im Publikum fast keiner sie versteht. Sie sagen “bonjür”, behaupten aber ansonsten, sie könnten kein “ü” sprechen. Ohnehin sind sie der Ansicht, dass die Welt besser Englisch lernen sollte. Die Kellner, die in der längeren Pause dann die Gäste bedienen, tragen meist Rentiergeweihe.

Im Skiparadies Meribel gibt es keinen Apfelbaum und keine Schlange, dafür aber Felsen abseits den Pisten, an denen man sich den Schädel aufschlagen kann. Man wird dann per Hubschrauber ins nahe Grenoble transferiert und im dortigen Krankenhaus alsbald ins Koma versetzt. Ganze Stockwerke liegen dort im künstlichen Koma. Wir sind darüber nur mässig erstaunt, sind doch in Berlin alle Minister der Grossen Koalition samt der Kanzlerin komatös, und können sogar noch sprechen dabei…..

Geographie XXIV: Roermond

Roermond liegt im Limburgischen und hat sich viele Verdienste erworben. Nur zwei davon seien erwähnt: Ein Bürger der Stadt erfand die Pommes Frites (obwohl heutzutage die meisten glauben, selbige seien aus Belgien). Ein anderer, mit poetischer Ader, erfand den niederländischen Haiku, welcher im Gegensatz zum japanischen aus 14 Silben besteht. Beispiel gefällig?:

fern von roer

und der mond voll wie

ein pfannengesicht

aufgerauht mit muskat”

In Roermond wohnt auch Dr. Cuiper. Er praktiziert nicht, leitet aber die Apotheke am Platz. Die Leute fragen ihn, wenn ihnen die Nebenwirkungen eines Medikamentes nicht bekannt sind:

tramlinien
verfangen sich
am platz
und dr.cuipers apotheke
erzittert
in den schmerzmitteln”

Den meisten Umsatz macht Dr. Cuiper mit Sedativen, denn seltsamerweise leidet die halbe Bevölkerung an Schlaflosigkeit – und dass, obwohl der Mond überhapt nicht röhrt:

wo ziehen wolken

wenn schwarzer honig

in dr.cuipers roehren

gerinnt?

der mond

verhüllt seine bloesse

mit schweigen”

Geographie XXV: Hyderabad

Die Stadt liegt zu beiden Ufern des Musi, wo die Einwohnerinnen und Einwohner, die über keine Duschkabine verfügen, auch ihre Füsse waschen (Die Hände waschen sie in Unschuld). Der Musi macht sich nichts draus und fliesst weiter zum Kindischen Ozean.

Hyderabad wird oft fälschlich als Geburtsort des vormaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Heider (welcher sich im übrigen mit “ai” schreibt) bezeichnet. Auch der Gassenhauer “Hydshi-Bumbydshy” wurde nicht hier geschaffen, sondern weit weg in den Maschener Tonstudios. Nicht einmal der Koh-i-Noor urständet von hier, er wurde vor Zeiten aus Nuristan importiert. Wegen Nichtsnutzigkeit ward er von den Briten zur Verbannung verurteilt und schmachtet nun im Tower zu London. Nur bei Krönungen darf er kurzzeitig an die frische Luft.

Aus Hyderabad stammen dagegen recht viele der gegenwärtigen US-Top-Manager, weswegen die hügelige Gegend rund um die Agglomeration den Ehrennamen “Silicon-Hills” erhielt. Da Hyderabad auch eine bunte Filmidustrie hervorrief, ist es etwas rätselhaft, warum diese Branche Bollywood und nicht zum Beispiel “He-Dollywood” genannt wird…..

Geographie XXVI: Face-Off

In diesem Land waren früher alle sehr kregel, nun aber sind sie älter und des Postens müde geworden, oder aber sie geben nur noch Alltägliches von sich, wie etwa: “Gehe nun auf die andere Strassenseite” oder “Muss dringend zum Friseur”…

Die höchste Erhebung des Landes ist der Zuckerberg, heisst du Mark, hast du von da ne schöne Aussicht.

Die nationale Fluglinie heisst “NSA”, von ihren Jets aus kannst du alles sehen.

Die Leute da haben sich das Sprechen weitgehend abgewöhnt, sie heben oft nur noch eine Augenbraue und meinen vielsagend: “unglauuuuublich!”, selbst das Morsealphabet ist, seitdem Klopfzeichen verboten sind, aus der Mode gekommen.

Viele verlassen das Land in Richtung Minibaren (die, die Taucheranzüge besitzen), Brasilien oder Weissnichtwo (siehe Geographie CCCXXI).

So wie etwa in Bosnien mitten im Kugelhagel und Streubomben-Dropping (der NATO) die Apfelbäume unbeirrt blühten, summen in Face-Off noch immer die Bienen, Hornissen und Stechmücken (möge Allah ihnen die richtigen Ziele zuweisen), trotten die Hunde, sonnen sich die Katzen, äsen Kühe und Schafe. Logo: ihnen ist Face-Off so was von egal……

Geographisches XXVII: Mähren

Mähren liegt sozusagen zwischen zwei Stühlen, dem tschechischen und dem slowakischen. Wir zählen es mal zu Tschechien (“Ah, wie war es doch vordem mit der Tschechoslowakei so bequem…..”) und hoffen, dort möglichst wenige Schindmähren aber dafür viele Moravecs und Soukoups vorzufinden. Jan Skacel beschreibt das Land so:

Die Hymne des lieblichen Landes Mähren (das kein Land ist), spielt nicht einmal die beste Kapelle auf der Welt. Sie kann es nicht. Die mährische Hymne ist nämlich – Stille. Ich sage es euch rundheraus. Die mährische Hymne ist eine Pause. Eine Pause zwischen ‚Wo ist meine Heimat‘ und ‚Über der Tatra blitzt es‘. Sie besteht aus absoluter Stille und die Stille ist eine sehr schöne und fruchtbare Sache.“

Uh, guckt! Dort über der Tatra blitzt es.

Geographie XXVIII: Slowenien

Slowenien liegt fast ganz im grünen Bereich, nur in Pokeljuka, wo die, die Ausschlag haben, zum Kratzen hinfahrn, ist es manchmal weiss angehaucht.

In Slowenien tragen die Menschen Dreispitz. Selbst der monumentalste Berg des Landes, der Triglav, richtet sich danach. Um vom Norden nach Slowenien zu gelangen, braucht man einen Pass, entweder den Mataiur oder einen anderen, man kann auch den Tunnel bei Jesenice benutzen oder aber der Save, der Drau (aber dort dräuen die Wolken) oder der Mur entlangfahren. Im Süden wird das Land durch Autobahnraststätten abgeschlossen. Wer nach mediterranen Gegenden reist, hört in Slowenien beim Auftanken die ersten Nachtigallen schlagen.

Viele Bergketten und auch zahlreiche Sprachen treffen sich hier. Neben dem Italienischen, dem Ungarischen, dem Serbischen und dem Deutschen ist auch Romani eine der geschützten Sprachen. Nur Plauderer in Volapük werden verfolgt.

Es ist überhaupt erstaunlich, wie der Raum des ehemaligen Jugoslawien unsere Sprache geprägt hat: aus Slowenien stammt das alpenländische Wort “Schlawiner” (woran man sehen kann, dass Fremdenfeindlichkeit nicht erst in der Moderne en vogue kam), aus Kroatien die Krawatte, aus Mazedonien die “Macedoine de Fruits”, in Serbien serbeln manche Woiwoden, in der Herzegowina wird über den Nachbarn hergezogen, im Kosovo wird vor allem der Kosinus gelehrt, aus Portoroz stammt das bekannte Schlaflied “…mihit Rosen bedahacht”, aus Bled die Media-Markt-Werbung, usw.

Was ist mit Bosnien? Als Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden, sprach der HErr: Ihr werdet nach Bosnien verbannt, dort sieht es zwar wie im Paradies aus, aber höllisch gefährlich ist es da, ihr werdet schon sehen….

Geographie XXIX: Der Ärmelkanal

Warum der Ärmelkanal Ärmelkanal heisst, weiss niemand. Wir sagen doch auch nicht “Schöne Frau”, sondern Ostsee, nicht “Fingerzeig Gottes”, sondern Hudson-Bay, nicht “Kicher Kicher”, sondern Südchinesische See und nicht “Arsch der Welt”, sondern Golf von Mexico. Doch in dem Teil des Meeres ist der Verkehr rege, weil es tatsächlich eine Engstelle ist, Dover liegt ja nur einen Schritt von Calais entfernt…… Schon immer fuhren Flotten hinüber und herüber, zuerst die Wikinger, Wilhelm der Eroberer und fast die grosse Armada, zuletzt die Flotten der Operation Overlord in der anderen Richtung. Heute flutscht man mit dem Eurostar unten durch (“Take the fast train to London and I’ll meet you at the station”). Ich bin ja zum Glück erst einen guten Monat nach dem D-Day geboren, das Trommelfeuer hätt‘ ich nicht erleben wollen. Aber irgendwie wirkte die Invasion befreiend, gell? Die Panamesen, die Vietnamesen und die Afghanen sehen das zwar anders.

Am französischen Ufer der Manche stand General McMahon und rief: “Que d’eau, que d’eau!”. Bei Oostende aber Jean Louis Trintignant: “Comme une eau, ouabadabada, mon coeur en joiebadabada, encore une foisdabadaba, ça recommence….”. Am andern Ufer wurde Käptn Hornblower auf Halbsold gesetzt. Wir aber meinen, wenn uns etwas erst in weiter Ferne erscheint: “Bis dahin muss noch viel Wasser den Ärmelkanal runterlaufen!”

Geographie XXX: Spam

In Spam essen die Leute vorwiegend Dosenfleisch (Der Wortteil “Dosen” entspricht dabei der Wahrheit), scheuen aber auch nicht vor Fertig-Döner, Fischstäbchen oder Chicken-Nuggets zurück. Die Menschen dort begrüssen sich mit: “Hallo, Spammer!” oder “Heute schon gespammt?” Es gibt viele Mineralbäder im Lande, diese werden hauptsächlich wegen Joblosigkeit (nach urbanen Legenden soll das Wasser das Mineral Job enthalten) genutzt. Ausserdem gibt es Hanf-, Flachs-, Butter- und Käsebau. Die Hauptstadt heisst Nerdana. Neulich wurde ein Telefongespräch zwischen einem Minister und seinem Sohn publik:

Minister: “Hast du das Geld bekommen, mein Sohn?”

Sohn: “Ja, Pappi, aber es ist wenig, nur eine Milliarde!”

(Wahrscheinlich stammt die Knete von einer der Fast-Food-Ketten oder aber vom Konsortium, das den dritten Nachthafen im Lande erbauen soll. Der Autor dachte so bei sich: Hätte ich eine Milliarde, könnte ich 100 Freunden je 1 Million schenken und hätte immer noch 900 davon. Diese könnten sich davon ein Haus und ein Auto kaufen und dann noch ne Weile davon zehren. Habe ich überhaupt 100 Freunde? Bestimmt nur 13….).

Die Haupttempel im Lande dienen dem Kult der Wahlurnen. Am Altar muss mindestens dreimal im Jahr geopfert werden. Heuchelei, Bestechung, Lüge und Hinterlist gelten nicht als Sünde. Küssen, Olivenanbau und Milde schon.

Gerade eben erst hat die Spamregierung einen schon lange geplanten 5-Punkte-Plan aufgestellt:

  1. Wende Gewalt an, um an der Macht zu bleiben und die unbewaffeten Nerds das Fürchten zu lehren

  2. Sichere die Lehrpläne der Schulen, auf dass die Kids das Folgende eingebläut bekommen: Die herrschende Familie ist gross (nein, wir sind nicht bei den Kims in Nordkorea)/ Euer Vaterland ist das grösste! (würde ein Land, das wirklich mächtig ist, das betonen?)/ Die Staatsreligion muss von allen ausgeübt werden/ Israel ist nicht anzuerkennen/

  3. Solange die Bürgerinnen und Bürger in Angst leben, drück eine Anzahl von verrückten Projekten durch, lerne, die Natur dafür zu zerstören und bring die gesamte Bauwirtschaft unter deine Kontrolle

  4. Beachte die Gesetze nicht, ändere sie!

  5. Profitiere!

Die Einwohnerinnen und -wohner werden gnadenlos schikaniert. Mehrere Veganer wurden sogar ausgewiesen, andere schmachten in den Knästen des Landes und werden mit Corned-Beef zwangsernährt. Trauen sich noch gitterlose Nerds auf die Strasse, werden sie niedergeknüppelt oder mit Rindergas betäubt. Also bleiben sie online und warten dort auf bessere Zeiten. Doch vermutlich wird bald die Internetzensur eingführt. Dies würde für Spam besonders einschneidende Folgen zeitigen……

Geographie XXXI: Ukraine

Der kürzlich gestürzte Präsident des Landes hatte die Punkte 4 und 5 des Spam-Masterplans sehr konsequent angewendet. Die Protestierenden, die heute seine Residenz besuchten, fanden dort Dokumente, die beweisen, dass der Teil der Presse, der nicht in der Hand der mächtigen Kohle- und Gasoligarchen des Landes, und damit soundso abhängig ist, von der Regierung auf die verschiedenste Weise unterdrückt wurde. Vom scheidenden Präsidenten wurde ferner bekannt: er ist gewählt. Nach den Wahlen liess er das Grundgesetz ändern, erliess neue Gesetze über die Gerichte und Richter, das Internet und den Geheimdienst des Landes, erweiterte seine Macht stetig. Nu sag net, das erinnere dich an andere Länder! Wir sprechen hier von der Ukraine.

Sie haben dort eine bezopfte Gasprinzessin. Die sieht nun ihre Stunde gekommen. Woher ihr Vermögen stammt, ist aber auch nicht klar.

PS: unklar ist, wer den Snipern, welche sowohl Demonstranten als auch Polizisten gezielt erschossen, den Schiessbefehl gegeben hat. Die deutschen Medien wiesen schnell auf den russischen Geheimdienst hin. Ist aber doch viel eher CIA-Taktik?

Geographie XXXII: Malaysia

Es ist eines der Länder, welche ihren Namen einem Missverständnis verdanken (genau wie Entinien zu seinem heute geläufigeren Namen Argentinien kam: Eine Diva fragte da mal von der Bühne: Na, wie findet ihr mein Kleid? Arghhh, schrie das Publikum)(doch das wäre eine andere Geschichte): der erste britische Gouverneur sah heimkommend seine Geliebte – die Gattin war im Londoner Westend zurückgeblieben – im Liegestuhl leicht bekleidet einen Eistee schlürfen. “Hello, my lazy!”, rief er. Die zahllose Dienerschaft, die die Schöne umschwärmte, hielt das irrtümlich für den Namen das Landes.

In Malaysia ist jedes Wochenende Palmsonntag. Weihnachten ist dafür schwieriger zu feiern, obwohl es inzwischen wunderhübsche Tannenbäume aus Plastik, die tadellos auf Beton stehen können, gibt. Die kleine deutsche Kolonie singt denn auch seltsame Lieder und weiss auch sonst nicht so recht mit dem Staat anzufangen – zumal es wenig Eisbein gibt.

So singen sie denn: “Maria und Josef, die sangen so wunderwunderschön: in der Heimat, in der Heimat, da gibts ein Wiedersehn!”, und “In der Lüneburger Heide, in dem wunderschönen Land, war einst ein grosses Popfest, mancherlei, die Chefin fand…”, (was fand die Chefin wohl? Du weisst es ja), und schliessen mit “Wärst du doch in Düsseldorf geblieben”. Heimat? Meinen die Merkel? Heimat ist doch da, wo man sich wohlfühlt und Freunde hat?

Geographie XXXIII: DDR

Die DDR war weltweit das einzige Land, das von andern als “Gebilde” bezeichnet wurde. In der BRD wurde sie vorwiegend schraffiert dargestellt.

Wohnungen waren billig und Arbeit hatte fast jede/r, an Kinderkrippen war kein Mangel. Na klar wurden auch Fehler gemacht. Es gab den sozialistischen Bruderkuss. Wenn Breschnev auf Staatsbesuch kam, küsste Honnecker ihn auf den Mund. Von Politik, sagten da die Leute, verstehen sie nichts, aber küssen können sie!

So manche wurden in der DDR geboren und wuchsen in Deutschland auf.

Die Stasi war im Vergleich zu heutigen Geheimdiensten eher harmlos. Sie photographierten meinen Pass mit der Minox ab. Die DDR exportierte viel. Selbst nach ihrem Verschwinden lieferte sie noch Minister, Kanzlerinnen und Bundespräsidenten.

Geographie XXIV: Meerschaum

Dieses Land ist immer on top. Es wird weder von Robot- noch von Porno-Lobbies erschüttert, im Gegenteil, es fühlt sich umso wohler, je mehr ihm der Wind ins Gesicht bläst. Es exportiert hauptsächlich Pfeifen, in letzter Zeit jedoch mit mehr und mehr Schwierigkeiten, da es in den meisten andern Ländern genug davon gibt.

Sie lagern ihren Wein in kleinen Fässchen. In einem ihrer Keller wurde die Venus geboren. Schnell importierte man ein Kopftuch für sie, um ihre Blösse zu bedecken.

Matrosen, Kapitäne und Reeder fühlen sich in diesem Land sehr wohl. Die Nationalhymne ist “La Paloma”, die Nationalfarben blau-weiss. In der Flagge haben sie eine Sichel. Niemand weiss mehr, was dies zu bedeuten hat.

Wir werden demnächst unsere Studios in die hiesige Hauptstadt “Köpür-Köpür” verlegen, da die Sendezeit in Meerschaum unbegrenzt ist….

Geographie XXXV: Pennsylvania

Das Land war ursprünglich von Delaware, Susquehanna, Lenni Lennape, Appalachen, Irokesen, Erie und anderen Stämmen bewohnt, erst in der Neuzeit reklamierten es Engländer, Franzosen, Holländer und sogar Schweden für sich (es ist nicht bekannt, ob auch Tiroler oder Appenzeller es für sich beanspruchten). Da aber der König Charles II. noch Schulden bei William Penn hatte, schenkte er es ihm (komm, Halkbank, ich schenk dir Japan!).

Die Irokesen lernten daraufhin erst Lesen, dann Englisch, dann Musik und sangen gemeinsam: “This Land is your Land…”. Seitdem heisst es da Pennsylvanien – und nicht, wie manche denken, weil es da so viele Penner gibt.

William Penn tat erst verlegen, weil er vermutete, die Leute dächten, die Region sei nach ihm benannt worden. Heutzutage würden manche sich das wünschen und reden von Putinien, Recebistan oder Al-Bashir-Land. Das Gute ist jedoch, dass er die Religionsfreiheit begründete, nicht zuletzt darauf ist es zurückzuführen, dass ausser Manitou heute da etwa 187 Arten von Jesus angebetet werden. Einige Flüchtlinge aus fernen Ländern verehren sogar Allah.

In Pennsylvania ist im Zuge der Anti-Nikotin-Kampagnen der Smoking verboten worden. Kein Wunder also, dass viele zum Konzert nu im Kordjackett erscheinen. Fracking hingegen wird immer beliebter….

Ausserdem ist es in den weiten Wäldern des Landes – durch die auch im Jahre 2014 noch die Appalachen rennen – nicht gestattet, auf Ungeziefer zu treten. Einige bedauern das.

Geographie XXXVI: Hanoi

Hanoi ist die einzige Stadt Asiens mit schwäbischem Namen. Zum Glück ist in Hanoi nicht nur der Fluss rot. Eine Städtepartnerschaft besteht unter Anderem mit Ankara (was sind die Ähnlichkeiten? In Ankara gibts keinen Roten Fluss….Hm. Vielleicht sind die da in Hanoi auch korrupt? Oder deren Telefonate -“Montagen”- werden ebenfalls abgehört? Hanoi). Schon seit der Bronzezeit graben die Bewohner Tunnels, als ob sie ahnen würden, dass im 20.Jh von Monsanto hergestelltes Agent Orange auf sie herabregnen würde. Monsanto, seit dem Friedensschluss reichlich frustriert, hat sich inzwischen auf Genmais spezialisiert.

Die Leute in Hanoi niesen nicht “Ha-Tschi!” wie bei uns, sondern “Ho-Chi”. Die korrekte Antwort darauf ist “Minh!” (das heisst “Viele Jahre!”)

Überall gilt es als unhöflich, Fragen mit “Nein” zu beantworten. Das kann auf falsche Fährten führen, etwa bei den Fragen “Bin ich schön?” oder “Geht es hier zum Rathaus?”

In Hanoi gibt es keine Demonstrationen. Die Stadt braucht folglich weder Wasserwerfer noch Tränengas. Die Demonstranten würden sonst einfach Nägel streuen oder die Strassen mit je drei Autos blockieren. Autos sind dort kein Statussymbol, also auch net unantastbar. Sie haben ja zu Hause ein Fahrrad stehen.

Geographie XXXVII: Next Door To Alice

Dieses Land übernahm seine Nationalhymmne von einer Popgruppe namens Smokie. Allzulange hatte sich da nämlich keiner um Alice gekümmert. Eines Tages war es dazu zu spät: sie war verschwunden. Das sollte uns lehren, uns um unsere Nachbarn zu kümmern, so wie die Russen es tun. Die US-Amerikanische Regierung kümmert sich sogar um die ganze Welt! Deren Freund ist man, wenn man Land für eine ihrer Militärbasen abtritt, tut man das nicht, wird man leicht zum Feind. Doch zurück zu Alice: Diese hatte ihre Pélérine übergeworfen und war nach Lourdes gepilgert. Sie hatte nämlich bei einem Autounfall ein Bein verloren, in Lourdes‘ dunkeln Höhlen bekam sie es von Unserer Mutter Gottes wieder! In den folgenden Jahren pilgerte sie noch so oft nach Lourdes, dass sie mit der Zeit sieben Beine hatte. Da musst du erstma die Strumpfhosen dafür finden! Die Einwohner von Next Door bekamen von alledem nichts mit – das mit Unserer Lieben Frau hätten sie eh nicht geglaubt, da sie zum Atheismus neigten – und lebten weiter ihr dröges Leben….

Geographie XXXVIII: Horizont

Am Horizont ist alles klein: die Häuser, die Menschen, selbst die Bankkonten. Je näher man dieser Gegend kommt, umso kleiner wird man auch selbst. Seltsam, aber eigentlich logisch. Wie eng wäre es da, wenn alles gross bliebe?

Hinterm Horizont geht’s weiter: dort liegen die Nachbarländer Measy und Krim. (In Measy ist’s easy, auf der Krim ist’s schlimm).

Alle, die ein “ont” im Namen führen, bekommen in Horizont Freibier. Frag Harry Belafonte, Susan Sontag oder die Einwohner von Montabaur, Vermont, Roermont und Rotmonten! Kristine Roepstorff, die meinte, ihr Name klinge irgendwie (?) auch ontisch, wurde dagegen zum Freiwild erklärt.

An den Universitäten des Landes tummeln sich die Horizontologen. Der berühmteste Einwohner des Landes hingegen hat nie studiert. Frag ihn nach seinem Namen! Er wird dir sagen: Mein Name ist Bont, James Bont.

Der höchste Berg am Horizont ist der Zont Blanc. Von ihm aus kann man fast alles sehen. Nur wenigen ist es vergönnt, den Gipfel zu erreichen. Die anderen sehen nur Stückwerk.

Geographie XXXIX: Montreux

Montreux ist für mehreres bekannt: bei Nabokov für seltene Schmetterlinge, bei Musikern fürs jährliche Jazzfestival, bei Christen für reichlich moralische Aufrüstung und bei Türken für die Meerengenverträge von 1936, den die US-Kriegsschiffe während der Krimkrise 2014 nur mühsam einhielten.

Für Engländer ist Montreux im 19. und 20.Jh. eines der schönsten Urlaubsziele gewesen, für den finnischen Admiral Mannerheim sollte die an ihn erinnernde Statue im Weichbild der Stadt stehen, ach!, sie steht nur im Nachbarort und setzt bereits Moos an.

Wenn Du nach Montreux kommen solltest, geh ins “Séchaud” einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt. Dort sitzen die Hausfrauen nach dem Einkauf, dort sitzt der Geist Charlie Chaplins und tauscht mit dem Geist Oskar Kokoschkas Projekte aus, dort sitzen die meist ebenfalls von der Insel stammenden Mädchen des Internats “Châtelard” (wenn Du diese ohne ihre braun-grünen Schuluniformen sehen willst, musst Du sie freilich des Nachts in ihren Zimmern besuchen). Bestelle einen Café crème, eine Millefeuille oder ein Sandwich. Die Brotscheiben knuspern und der Schinken glänzt!

Es gäbe noch andere Sehenswürdigkeiten im Ort, aber unsre Sendezeit ist um.

Geographie XL: Ukraine nochma (vom Thema ablenkend, dafür aber mindestens vier Filmregisseure erwähnend)

Die Ukraine ist nicht zu verwechseln mit der Uckermark, wo der Regisseur Paul Rudolf Parsifal Adlon, eher bekannt als Percy Adlon (ob er mit dem Hotel Adlon zu tun hat, wissen wir nicht, wahrscheinlich hat irgendeiner seiner Vorfahren das Haus gegründet) mehrere Filme drehte. Für seine bekanntesten, “Out of Rosenheim”, “Salmonberries” und “Rosalie goes shopping”, fand er jedoch weder in der Uckermark noch in der Ukraine Drehorte. Die fand dafür ein anderer, Rudolf Thome, in dessen Filmen verschiedentlich auch die klasse Jüdin Adriana Altaras (“Gib mir mal das verfickte Kissen rüber”) mitspielt. Altaras selbst hat eine sehr internationale Lebensgeschichte (ZEITmagazin: Gab es für Sie etwas, das Sie gerettet hat?

Altaras: Ich würde erst mal eher fragen: Was hat mich nicht gerettet? Das geht doch wohl jedem so.

(http://www.zeit.de/2012/30/Rettung-Adriana-Altaras)

Die Uckermark ist sowohl langweilig wie mysteriös, banal wie auch rätselhaft. Fast jeder denkt zum Beispiel, Angela Merkel sei da geboren.

Doch zurück zur Ukraine. In Kiev sah Roger Vadims Vater das Licht der Welt, wanderte jedoch nach Paris aus, wo sein Sohn Roger als Vladimir Igorevich Plemiannikov geboren wurde. Da das Gesetz aber einen französischen Namen zwingend schreibt, Entschuldigung, einen französischen Vornamen zwingend vorschreibt, wurde “Roger” hinzugefügt. Im Laufe seines bewegten Lebens hatte Vadim jedoch weder mit der Normandie (“Roger” ist ja gut normannisch) noch mit der Ukraine viel zu tun. Vadim war fünfmal verheiratet, mit:

Vadim hatte auch andere Beziehungen. Mit Cathérine Deneuve hat er einen Sohn Christian. Zu seinem Begräbnis erschienen alle Ehefrauen und mehrere Geliebte.

Roger Vadims Schwester, Hélène Plemiannikov, wurde Schauspielerin. Im Gegensatz zu ihrem Bruder, Altaras und Marianne Sägebrecht spielt sie aber meist in Buñuel-Filmen.

Vadims Vater war Diplomat. So wuchs der Kleine zum Teil in der Türkei und in Ägypten auf. Nach dem frühen Tod des Vaters leitete seine Mutter eine Pension in den französischen Alpen; dort verbarg sie wärend des Vichy-Regimes auch Flüchtlinge.

Da Roger Vadim von seinen Eltern eine umfassende Bildung erhielt, wusste er bestimmt, wo die Halbinsel Krim liegt und welche Völkerschaften dort leben.

Geographie XLI: Vermont

Bei dem Namen fällt einem entweder Kaugummi oder Wurmtee ein, er kommt aber wohl von den grünen Bergen, die sich da alljährlich versammeln wollten, aber schon beim ersten Mal versteinerten. Das Land ist wirklich fast mehr als grün, deshalb wurde wohl Tom Jones, als er mal in Burlington übernachtete, das Lied “The green, green grass of home” geschenkt. Das Lied “Veronika, die Welt ist grün” soll ebenfalls aus Vermont stammen. Es gilt als eines der Lieblingslieder der deutschen Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckhardt.

In den endlosen Wäldern Vermonts trainiert die Biathletin Susan Dunklee. Sie hat den eisernen Willen, wenigstens einmal in ihrem Leben aufs Podium zu kommen. Dass der Mainzer Fussballer Jean-Eric Maxim Choupo-Moting ebenfalls von dort stammen soll, ist ein reines Gerücht, denn er spricht kein Wort Abenaki (Exkurs: Jean-Eric stammt aus Kamerun. Auf St. Pauli lernte er die Dame Veronika Moting kennen und lieben. Zur Hochzeit fuhren sie extra ins Mecklenburgische hinüber und nächtigten dort im Crivitzer Landgasthof. Da Veronika keine Jungfrau mehr war, blieben die Blutstropfen aus. So hielten sie am nächsten Morgen stolz ihren Doppelnamen aus dem Fenster).

Vermont hat kaum Einwohner. Ganz im Norden ist ausser den Irokesen kana da. Mary mit den kirschfarbenen Lippen wohnt in der Hauptstadt Montpelier. Ihre Ahnen kamen vor Zeiten aus dem südfranzösischen Montpellier herüber, verloren aber auf dem Atlantik unterwegs ein “l”. Ist es deswegen, das in Vermont fast alle Sehnsucht nach dem Meer haben?

Noch heute bereuen es manche, dass Vermont den USA beitrat, wäre man als souveräner Staat nicht besser gefahren? Zumindest hätte die Jugend dann keinen Grund gehabt, in Afghanistan herumzukobern.

Geographie XLII: Vassien

Einer unserer Jungendfreunde wurde von uns “Trämli” (Strassenbahn) genannte, weil er oft glaubte, er sei eine Tram. In diesen Momenten ging er nicht, sondern “fuhr” – mit kleinen Schritten versuchte er sich wie Hercule Poirot möglichst gleichmässig zu bewegen, beschleunigte dabei ruckweise mit einer imaginären Kurbel und machte Elektromotorengeräusche. Er blieb immer in den Gleisen und hielt nur an Stationen an. Manchmal lief wer vor ihm her, er kingelte dann schrill und stiess Warnrufe aus. “Kannste nicht ausweichen?” rief er dann wohl. “Ich schon, aber du nicht!” erwiderte der Störenfried dann.

Wenn er anders gestimmt war, sann Trämli über Vassien nach. Von diesem Land, das nur in seiner Phantasie existierte, zeichnete er eine genaue Landkarte mit Städten, Dörfern, Weilern, Gebirgen, Wäldern, Strassen, Flüssen und den kleinsten Details. Er selbst hielt sich verschiedentlich in einer Eckkneipe der Hauptstadt Vassopol auf. Das Lokal hiess “Zur Frage” (Na Pitanje) und stammte noch aus der Zeit, als Vassien ein Teil des bordurischen Imperiums gewesen war, woran sich freilich niemand mehr erinnern konnte. Nach dem Krimkrieg war selbiges implodiert, die gesamte Einrichtung des Cafés war jedoch aus diesen goldenen Epochen übernommen: die niedrigen Hocker, die achteckigen, fein ziselierten, kurzbeinigen Holztische, der in Messingbleche gepunzte Hirsch mit dem mächtigen Geweih (“Achzehnender” würde der Waidmann fachmännisch sagen)….

Vassien, obwohl eine Fast-Insel, grenzte im Osten an Russland. Das alleine war schon eine Zumutung, dachte Trämli, zumal weite Teile Russlands von russischen Truppen besetzt waren. In guter Obama-Manier wollte Trämli deswegen demnächst Sanktionen verhängen.

Der russische Geheimdienstchef war noch nie in Vassopol gewesen, welche ungeheure Provokation würde ein solcher Besuch darstellen! Wenn hingegen CIA-Chef Brennan oder Angela Merkel vor Ort mit hochgestellten Vassiern sprachen, krähte kein Hahn danach……

Gleich um die Ecke war die römisch-katholische Kirche (in Vassien waren die meisten Religionen und Konfessionen vertreten – sogar die Atheisten hatten in Vassopol ihren eigenen Raum, in dem nur Lubunya gesprochen wurde). Während draussen ein Abgelaufene-Absätze-Mann vorbeiging, beobachtete Trämli von seinem Stammplatz aus, wie der Pfarrer mühselig den Turm bestieg -wäre das nicht des Küsters Aufgabe? – und bei dem Versuch, die Zeiger der riesigen Turmuhr für die Sommerzeit umzustellen, abstürzte und reglos auf dem Pflaster liegenblieb. Das Leben und Treiben der Stadt ging indes ungeachtet dieses Ereignisses weiter seinen Gang.

Trämli kannte alle Ecken der Agglomeration und des Landes, er schuf die Bewohner, zeichnete ihre Gesichter; er fällte das Urteil über ihren Charakter, über ihr Temperament und ob ihre Unterwäsche schmutzig war. Über das Schicksal der Leute entschied er ganz allein und fühlte sich dabei einem Schöpfer gleich. Manchmal war ihm das auch eine Last. “Muss ich alles allein entscheiden?” dachte er dann.

Geographie XLIII: Kızıstan

In diesem Land ist fast alles umgekehrt wie bei uns, nur die Flüsse fliessen auch ins Meer, aber sonst…..

Manche Leute stecken mit dem Kopf in der Erde und strecken die Glieder gen Himmel, manche Bäume laufen auf ihren Blättern herum und strecken die Wurzeln gen Himmel.

Die meisten Frauen arbeiten, viele sind hoch auf der Karriereleiter, zu Hause kocht der Ehemann Erbsensuppe, bügelt, wäscht und putzt und zieht die Kinder gross.

Es ist üblich, dass die Frau vor der Hochzeit ihren Auserwählten durch ein Schlüsselloch nackt sieht, hauptsächlich geht es darum, festzustellen, ob auch keine Erektionsschwierigkeiten da sind. Ob genug Haare auf der Brust wachsen, konnte schon vorher in der Badeanstalt gecheckt werden.

Die Daddelautomaten zeigen keine Pin-Up-Girls in Neonlichtfarben, auch würde niemand auf die Idee kommen, Stecker und Steckdose mit dem Geschlechtsakt zu assoziieren.

Tauben und Mäuse sind sehr gefährlich, Löwen und Leoparden dagegen sanft wie Lämmer.

Gelesen wird nicht. Man wirft sich die Bücher an den Kopf und wird dadurch mit derer Konsistenz vertraut gemacht.

Die Regierung kümmert sich um die Sorgen und Nöte des Volkes. Kein Minister würde sich bestechen lassen….

In der Kirche wird Gott mit seinen Aufgaben der nächsten Woche vertraut gemacht. Der aber hört es nicht, denn er ist in Frankreich und mümmelt Gänseleber.

Geographie XLIV: Bielefeld

We are such stuff

As dreams are made on; and our little life

Is rounded with a sleep”

(William Shakespeare)

The content of every medium is always another medium”

(Marshall McLuhan)

Schon immer haben mich Landkarten fasziniert. Ich kann mir dann die Gegend vorstellen. Wohl aus diesem Grund hatte J. B., der ein wenig eigen war (wir nannten ihn “Trämli”), Vassien gezeichnet, samt Städten und Dörfern, Strassen und Eisenbahnen, Wäldern, Wiesen, Bergen und Tälern, Flüssen und Seen. (Mittelerde kennen ja die meisten von uns).

In jedem zweiten Onlinespiel bewegen wir uns auf Karten imaginärer Gegenden.

Es gibt im Internet-Pläne von allem und jedem, zum Beispiel eine grafische Darstellung von Rockkonzerten in Manhattan oder welche TV-Serie in welchem Bundesstaat angesiedlet ist (“In plain sight” = New Mexico), etc.:

http://bigthink.com/blogs/strange-maps

Ich bewundere im Internet die Stadtpläne eher unbedeutender amerikanischer Orte wie Sandwich am Cape Cod, sehe dort selbst die Strandpromenade, den Mill Creek und die Meerestiefen vor der Küste (wobei mir nicht klar ist, ob es sich bei den Zahlen 27, 31, 35 um Meter oder Fuss handelt….), ich liebe es, mir eine fiktive Hafenkneipe auf einem alten Stadtplan Barcelonas vorzustellen, ja, ich bevölkere sie sogar und lasse darin Lieder singen (“wo man singt….”); höre ich eine neue Nachricht aus dem unteren Kongolauf, schaue ich mir die geographischen Gegebenheiten auch auf Google-Earth an.

Da wären wir bei Google-Earth. Ich finde auf dem Monitor unser Haus mit dem Wagen davor, so nahe kann ich heranzoomen. Ich zoome mich weg, bis ich die ganze Erdkugel im leeren Raum schweben sehe (Wir sagten als Kinder oft: Die Welt geht unter! aber dann erschrocken: Wohin geht sie unter?)

Aber halt: den Lada haben wir schon vor drei Monaten verkauft. Er steht schon lange nicht mehr vor dem Haus, sondern fährt die Rohre des Klempners durch die Gegend. Wann werden die Photos für Google-Earth eigentlich aktualisiert? Ich sehe – genau wie beim Sternenhimmel – ein Bild der Vergangenheit. Und: ich sehe ein Bild! Wie schön ist es! Aber es ist nur ein Verzeichnis von Pixeln, letztlich auf nur zwei Ziffern, Null und Eins, beruhend. („Das Descartesche Ordnungsideal distinkter Begriffe, der Neuzeit eingeschrieben in der reduktionistischen Eleganz des Dualismus, findet seine Vollkommenheit im binären Code von Null und Eins. Zum Datenformat aller Informationen und sinnlichen Oberflächen universalisiert, bildet das denkbar klarste Zeichenprinzip – Nichts und Etwas, Sein und Nichtsein – das signifikante Fundament des elektronischen Universums. Eine Genesisvariation, machtvoll und unsichtbar.“)
Niemand würde auf die Idee kommen, das Verzeichnis aller Adressen von Bielefeld, die “Gelben Seiten”, für die Stadt selbst zu halten, oder? Warum halte ich unwillkürlich die Vogelschauansicht von Bielefeld für das wahre Bielefeld?

Wirklichkeit schauen! Ich setze mich dazu mitten in Bielefeld in ein Strassencafé und bestelle einen Cappuccino. Nun soll jemand behaupten, das sei net wirklich!! Die Kellnerin hat kurzes, blondiertes Haar und ein Piercing im Nasenflügel. Vielleicht hat sie ein Tattoo auf dem Rücken, womöglich eine Landkarte? Der Verkehr fliesst, die Passanten schlendern an den Schaufenstern von H & M vorbei, manche mit Tüten in der Hand, manche mit den Blagen daran. Pralles Leben!

Aber ach. Der Stuhl, auf dem ich sitze, wurde vor Zeiten von einem Tischler gefertigt. Dieser Tischler brauchte natürlich ein Haus für sich und seine Familie, um leben, um arbeiten zu können. Es ist irgendwo in den Aussenbezirken der Stadt gebaut worden. Der Architekt wurde später zum Alkoholiker, als er keine Aufträge mehr bekam, wanderte er nach Albuquerque aus. Er hatte gehört, dass es da noch mehr Säufer gebe. In Bremerhaven auf der “Alten Liebe” verlor er kurz vor dem Einstieg in den Dampfer seinen Schlüsselbund. Ich fand ihn und entrostete ihn mit Säure…….Der Kaffee in meiner Tasse musste irgendwann am Strauch irgendwo in Übersee, sagen wir Yucatan, entdeckt und dann dessen Beeren systematisch angebaut und nach Europa verschifft werden. Dort wurden sie in der Kaffeerösterei Illy in Triest (oder anderswo, Bremen vielleicht?) nach Geheimrezepten verarbeitet. Die Rezepte schrieb der alte Herr Illy kurz vor seinem Ableben auf, das Papier dazu kam….aus Catania? Von den Schiffen und wie sie gebaut wurden, wollen wir erst gar nicht anfangen. Jeder noch so kleine Gegenstand, jedes Gebäude hat so seine ganz spezielle Geschichte. Was ich hier für krude Realität halte, wären also nur Spuren der Vergangenheit?

Spuren sind Medien: sie vermitteln zwischen An- und Abwesenheit. Obwohl sie selber der Gegenwart angehören, ist ihre Anwesenheit ganz und gar abhängig von der Abwesenheit von etwas anderem” (Wer hat das nochmal – wann? – gesagt?)

Mein Kaffeehausstuhl ist also nur die Spur, die Hinterlassenschaft eines Tischlers, der vielleicht ja schon tot und auf dem Stadtfriedhof begraben ist? (Sein Neffe pflanzt grad eben Levkoien auf sein Grab). Und all das pralle Leben um mich: nur Spuren! Unversehens geht der Raum in Zeit über. Endlich verstehe ich Wagners pathetische Worte: Zum Raum wird hier die Zeit! Bielefeld, wenn es denn existiert, ist also unsichtbar. Es war einmal – vormodern – eine blosse Wiese, über die eine Mücke flog….

Ein anderer Gesichtspunkt: Bilden Landkarten tatsächlich die reale Gegend ab? Zahlreich waren in den vergangenen Jahrtausenden die Versuche, Welt abzubilden. Ludwig der Soundsovielte sagte zu seinem Kartographen, als dieser ihm die erste Landkarte Frankreichs zeigte: “Oh weh! Kein Feind hat mir je so viel Land geraubt!”. Man weiss, dass es auch heute noch mindestens drei Arten der Kartographie gibt, wobei wir uns am meisten an Mercator gewöhnt haben. Da stimmt es am Äquator (wohl), doch Nowaja Semlja ist ins Übergrosse verzerrt, und von den Polen wollen wir gar nicht erst sprechen. Müssen wir ja auch net. Wer kommt schon zum Nordpol? Den Weg ins Fussballstadion weiss ich eh auswendig….

Sind also geographische Karten ähnlich wie Historie eine blosse Fable Convenue, haben wir uns auf eine Version geeinigt?

Und: wer sagt mir überhaupt, dass ein Meter wirklich ein Meter lang ist? Von der Zeit kennen wir es besser: wie unterschiedlich lang kann eine Minute sein!

Also gibt es ausser dem Zoom bei Google auch noch andere Zooms? Den Soziologie-Zoom etwa: Ganz Gallien, ehm, ganz Deutschland liegt im Kapitalismus, ich kann mich aber bis an den Hartzer heranzoomen. Oder den Psycho-Zoom, den Bequerel-Zoom und welche andern noch immer…..

Jetzt lasse ich mal meine Einbildungskraft spielen: Der Feind will “uns” erobern. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch, sagte doch schon Fritz Hölderlin. Wir setzen erstmal die GPS und auch Google-Earth und Ähnliches ausser Kraft. Dann ziehen wir alle Strassenkarten und Atlanten ein. Dann baun wir alle Wegweiser ab oder ändern ihre Richtung. Dann montieren wir sämtliche Strassenschilder und Hausnummern ab. Endlich lassen wir Einbahnstrassen auf freiem Feld oder im Kreisverkehr enden. Wir selbst wissen ja den Weg zum Bäcker und anderes, was wir brauchen. Aber ich möchte wohl sehen, welcher Fremde dann Bielefeld noch findet!

Transnistrien

Es liegt bei Moldavien, Bessarabien, der Bukowina, Gagausien und Siebenbürgen. Es ist ein verdientes Mitglied der Gemeinschaft Nicht- Anerkannter Staaten. Tatsächlich ist Transnistrien von keinem anderen Land diplomatisch anerkannt (Abchasien immerhin von Venezuela, Nicaragua, Russland und Nauru). Doch es existiert! O tempora, o mores…..Baron Münchhausen sass hier gefangen und flog auf einer Kanonenkugel davon…In der Hauptstadt Tiraspol geben sich rührige Leute die Klinke in die Hand. Man munkelt, es seien meist Schmuggler. Wo es Grenzkontrollen gibt, gibt es auch Schmuggler. Marschall Suworows Statue schaut gleichmütig auf das Treiben. “Ein Krieg ist erst dann vorbei, wenn der letzte Soldat beerdigt ist” hatte Suworow zu Lebzeiten gesagt. Aber in Transnistrien sind noch etliche Soldaten unterwegs. Auch hier hat Suworow gewirkt, war nicht er es, der die Festung Tiraspol erbaute? Wir kennen ihn von Andermatt und der Schöllenenbrücke her. Dort erzwang er gegen die Franzosen in den roten Hosen den Durchmarsch seines Heeres. Auch seine letzte Liebe fand er bei den Eidgenossen. Maria und Maximilian Schells Vater noch wusste davon. Aber heute? Der Mantel des Vergessens ist darüber gebreitet. Der letzte Soldat? “Nach Frankreich zogen zwei Grenadier’/ die waren in Russland gefangen”, schmetterte mein Vater. Meine Mutter begleitete ihn am Klavier. Wir aber sind noch in Transnistrien. Der Dnjestr rauscht. Weit stärker als der Mantel des Vergessens…….War nicht er es, der die Festung Tiraspol erbaute? Wir kennen ihn von Andermatt und der Schöllenenbrücke her. Dort erzwang er gegen die Franzosen in den roten Hosen den Durchmarsch seines Heeres. Auch seine letzte Liebe fand er bei den Eidgenossen. Maria und Maximilian Schells Vater noch wusste davon. Aber heute? Der Mantel des Vergessens ist darüber gebreitet. Der letzte Soldat? “Nach Frankreich zogen zwei Grenadier’/ die waren in Russland gefangen”, schmetterte mein Vater. Meine Mutter begleitete ihn am Klavier. Wir aber sind noch in Transnistrien. Der Dnjestr rauscht. Weit stärker als der Mantel des Vergessens…….

Geographie XLVI: Saudi-Arabien

Wie unsere Mittelost-Korrespondentin berichtet, wachsen die politischen Probleme in Saudi-Arabien auch im Jahre 2011 stark an. So stellt sich immer drängender die Frage, warum in saudischen Damenunterwäsche-Shops Männer die BHs etc verkaufen (ist ja klar, warum: Frauen ist öffentliche Arbeit verboten).

http://www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=saudi-arabia8217s-bra-problem-2011-08-18

Zum Glück wird jetzt ein Gesetz auf den Weg gebracht, welches erstmals auch Frauen die Verkaufstätigkeit erlauben soll. Dafür wird jeder Ladeninhaber verpflichtet, vor dem Geschäft eine Wache aufzustellen. Diese soll alle Männer daran hindern, den Shop zu betreten. Auch müssen ab sofort alle Schaufenster übermalt werden, um Blicke auf die angebotenen Artikel zu verhindern. Aber damit ist noch nicht alle Not behoben: Da jegliche Anprobe verboten und auch keinerlei Umkleidekabinen erlaubt sind, würden nun auch die neu eingestellten Verkäuferinnen den Kundinnen auf den Körper starren, um die Körbchengrösse zu erraten…..

P.S. Hibou: Angeblich werden überall sonst auf der Welt Damenartikel auch von Damen verkauft. So heisst es ja bekanntlich net „Victors Secret“. Das ist aber nicht richtig. Auch hierzulande sind weitgehend alte Männer mit den Büstenhalterbergen der Marktstände beschaeftigt.

P.S.2: Frauen dürfen in Saudi-Arabien nirgends ohne männliche Begleitung hingehen. Wie sollen sie einen solchen Shop jemals betreten? Olle Gesetzesbrecherinnen.

Geographie XLVII: Vatikanstadt

Den alten Kalauer “Vati kan, Mutti kan nicht” wollen wir hier nicht wiederholen, auch wenn er sich zur Zeit ganz gut nach Berlin übertragen liesse (Seehofer würde ja gern den Papa für sich reklamieren).

Der Vatikan ist das Heim der Päpste (in Avignon hatte es ihnen ja letztlich doch nicht gefallen, dort wurde viel zu viel auf den Brücken getanzt)

Nun wurden zwei ziemlich neue Päpste von Franziskus heiliggesprochen (Dürfen die eigentlich sich selbst heiligsprechen? Werd ma meinen Onkel fragen): Johannes XXIII und Johannes Paul II. Es stellt sich jetzt die Frage nach den Zuständigkeiten, sozusagen der himmlischen Ressortverteilung. Wir alle wissen ja, dass jeder Heilige sein Fachgebiet hat: Florian die Feuerwehr (“Oh, Heiliger Sankt Florian, verschone unsere Häuser, zünd‘ lieber andre an”), Barbara die Artillerie, Clara das Fernsehn, Christophorus den Verkehr, naja, usw. Man braucht im gegebenen Fall bloss zu beten (“Heilige Antonius vo Padua, hilf mer wiederfinde, was i verlore ha”), und schwupps, schon ist die Brille, der Schlüsselbund, oder was weiss ich, wieder da.

Wir schlagen deshalb vor: Giovanni Ventitre soll für Konzile zuständig sein, Woytila für Zipperchen, Gicht und Schusswunden. (Beispiele: “Ich muss ma zu Giovanni Paolo beten, damit mein Mann konzilianter wird!”, “Dummer weisser Mann! Hast schon wieder ’ne Kugel eingefangen? Woytila, hilf!”)

Der Vatikan ist klein, aber oho. In seinen Archiven schlummern die Schweizergarden, die grade frei haben. Im vatikanischen Museum sind die Bruchstücke der klassischen Statuen nach Körperteilen und dann nach Grösse sortiert: Füsse, Kniee, Köpfe, Ärsche…Michelangelo baute hier die zweitschönste Kuppel der Welt (die schönste ist die der Haghia Sophia -war die für Kuppeln zuständig? ). Als es dunkel wurde, setzte er noch eine Laterne oben drauf. Es ist ein Segen, dass es ausserdem genügend Balkone gibt, um ein “Urbi et Orbi” zu singsangen. Nur blöd, dass mitten im Segen des Papstes unsere Sendezeit um ist…….

Geographie XLVIII: Disneyland

Disneyland ist von allen Seiten von den USA umgeben. Grenzkontrollen gibt es keine, oft weiss man eh nicht, was wo ist….

In Disneyland herrscht Franz Gans XIV.; da er wider unser Erwarten Shakespeare las (wann?) hat er auch einen Hofnarren, Bill Gates mit Namen (bestimmt habt ihr jetzt “Donald” erwartet, gell?). Disneyland ist wie der Vatikan trotz seiner Kleinheit bedeutend, jede/r will da mal gewesen sein. Der durchschnittliche Disneylander lebt in der Vergangenheit, es gibt dort Schlösser, Zinnen, Meerjungfrauen schöner als Darryl Hannah, vielerlei Tricks und Tracks, Ungeheuer, Jumbos und Jessica Rabbits (“Ich bin nicht übel, ich bin so gezeichnet!”). Wir hoffen, dass Disneyland auch eine Zukunft hat!

Geographie XLIXX: Kaukasus

Der Kaukasus, Kafkaslar, ist eines der Urgebirge. Der Ararat, sein Hauptgipfel, ist nicht nur der höchste, sondern auch der schönste Berg Europas. Wo, wenn nicht hier, hätte Noahs Arche landen sollen? Die gesamte Region ist an Verschiedenheit und Unübersichtlichkeit nicht zu überbieten: Russen, Türken, Tschetschenen, Aserbeidschaner, Armenier und zahllose uns vollkommen unbekannte Völkerschaften – wie etwa die Laken – teilen sich die Berge und Täler, die Felsen und Bäche der Region.

Heute in unserem Fokus: Jessentuki:

Jessentuki findet sich am Nordfuss des Kaukasus in der Region Stavropol, welche wie wir wissen zwischen dem Bezirk Rostov, der Region Krasnodar, der Kalmückischen Republik, Dagestan, Tschetschenien, Nord-Ossetien-Alanien (“oh flieg, mein alanisches Ross!”), Kabardino-Balkarien und der Republik Karatschai-Tscherkessien liegt. (Abschweifung: Karatschai = kara çay = türkisch Schwarztee, oder, was hier vielleicht eher gemeint ist, Schwarzes Bächlein. Das erinnert mich daran, dass Russland und das Osmanische Reich sich im Kaukasus jahrhundertelang – eher unfreundlich – berührten, und dass es auch heute noch in der Türkei sehr viele Tscherkessen, Tschetschenen, Tataren und Georgier gibt – von Russinnen aus Kars mal zu schweigen. Ein Fernsehreporter aus der Hauptstadt kam mal nach Kars, um eine Reportage über Misstände zu drehen. Er interviewte also dort die einfachen Leute. “Gott sei mein Zeuge, alles ist in Ordnung hier!” “Ja haben sie denn gar keine Klagen?” “Allah razı olsun, ich würde mich doch nicht über meine Regierungsvertreter beschweren!” “Eine klitzekleine Meckerei?” “Na also, schauen sie, die Russen haben hier alles gebaut: die Strassen, den Bahnhof, das Theater…. Und schauen Sie mal, in welchem Zustand das alles ist! Aber seit 80 Jahren sind sie nicht mehr gekommen, das alles zu flicken!!” Aber das nebenbei). Es sind nur wenige Kilometer bis zur Stadt Mineralnyje Wody, welche als einzige der umliegenden Orte über keinerlei Mineralquellen verfügt, ihren Namen aber daher bezieht, dass sie die nordkaukasischen Kurorte per Bahn verbindet. So gelangen wir denn auch pünktlich nach Jessentuki an der Einmündung des Bolschoi Jessentukjok in den Podkumok. Warum gibt es in den Kaukasusbergen so viele Mineralquellen? Das fragte sich bestimmt auch Professor Fjodor Gaaz (als Friedrich Joseph Haas 1780 im deutschen Münstereifel geboren), der die Wässerchen als erster untersuchte. Wäre er ein Edelmann, hätte er bestimmt Edelgase gefunden, aber er war nur ein einfacher Wohltäter, der einen grossen Teil seines Lebens für Strafgefangene arbeitete. Jessentuki jedenfalls wurde zum florierenden Kurort für Leute mit Verdauungsbeschwerden. Zu den Kurgästen zählten Leute wie Prokofjew, Rachmaninow, Belmont, Maxim Gorkji, Schaljapin und viele andere, die heute ebenso vergessen sind wie die aus Nischnji-Nowgorod hierher verbrachten Stahlkonstruktionen der Allrussischen Industrie- und Kunstausstellung 1896. Die Trinkhallen sind im maurischen Stil erbaut, das Wasser soll angeblich fast wie Kölsch schmecken (nur etwas konzentrierter), das Schlammbad verfügt über einen monumentalen jonischen Portikus nebst überlebensgrossen Statuen des Asklepios und der Hygieia (der Göttin des Händewaschens). Im Stadtpark finden sich eine Fülle von Zierpflanzen unter mächtigen Eschen, Eichen, Walnussbäumen, Ahorn, Pappeln, Linden und Weissbuchen, die alle um 1849 bei der Einrichtung des Parks gepflanzt wurden. Hier wurden alle Explosionen des, wie Moshe Lewin es nennt “sowjetischen Jahrhunderts” gelebt: die Kosakenforts der Zarenzeit, die Revolution, die Wirren des Bürgerkrieges und des Grossen Vaterländischen Krieges – nebst deutscher Besatzung 1942/43 – der Wiederaufbau, das Versinken ins Vergessen…..Oder kennt vielleicht jemand von Euch Jessentuki?

Geographie XLXX: Texas

Wir hatten in Bodrum ein Priesterehepaar aus San Antonio, unsere Nachbarin ging regelmässig bei ihnen in die “Kirche”, nun sind sie nach Texas zurückgekehrt und arbeiten da wahrscheinlich…. als Cowboy und Cowgirl?

Texas ist ein Staat mit Vergangenheit: spanischer, französischer, unabhängiger. Von Mexico sagten sie sich los, weil dort die Sklaverei verboten wurde. So kämpften sie natürlich auf Seiten der Konföderierten und verloren gegen Abe Lincoln. Houston, wir haben ein Problem!

Texas heisst in der Sprache der inzwischen ausgerotteten Pawnees, dem Caddo, “Freunde” oder “Verbündete”. Dort liegen unter anderem der Llano Estacado, der Santa Fe Trail, die toten Apachen und Komantschen und die Ranch der Bushes.

Der Cowboy, ursprünglich da Tagelöhner und, wie wir heute sagen würden, dem Prekariat zugehörig, ist heute zum weltweiten Symbol geworden. Ein Mr. Stetson, nicht aus Texas, ich glaube, aus Ferguson, Missouri, Hutmacher seines Zeichens, entwickelte ihnen den Hut nach dem Vorbild des mexikanischen Sombrero. Heute trägt ihn ein jeder: Bob Dylan, Michael Jackson, Dolly Parton, die Dixie Chicks (even Cowgirls get the blues), Chris Christofferson, Hans Olav Henkel, Lex Barker, Mr. Bush und jeder X-beliebige Texaner und Weltenbürger, sei er auch noch so wenig Cowboy. Mancher legt ihn nicht einmal zum eigenen Begräbnis ab. Jaja, die Phantome des Hutmachers……

Auch die Jeans wird inzwischen weltweit und in jeder Altersstufe getragen. Wir sind nicht nur informiert, sondern auch uniformiert. Die Stiefel sind aus geflecktem Leder. Gefleckt sind auch die Reittiere der – einsamen – Cowboys und die Lungen des Marlboro-Mannes. Und wenn er nicht gestorben ist….

Geographie XLXXI: Wien

In diesem Lande habe ich etwas ganz merkwürdiges erlebt: Sooft der Kaiser auf der Straße einem Frauenzimmer begegnet, bringt er, falls er hoch zu Ross ist,sein Pferd zum Stehen und lässt die Frau vorbeigehen. Und wenn der Kaiser zu Fuß geht und dabei einer Weibsperson begegnet, so bleibt er in höflicher Haltungstehen. Dann grüßt die Frau den Kaiser, und da zieht er seinen Hut vom Kopfund erweist dem Weibsbild seine Ehrerbietung, und erst wenn die Frau vorbei ist, geht auch der Kaiser wieder weiter. Eine ganz seltsame Sache ist das. In diesem Land und überhaupt im ganzen Giaurenreiche führen die Weiber das große Wort,

und man ehrt sie und achtet sie um der Mutter Maria willen.“

Zitiert nach:

Im Reiche des Goldenen Apfels. Des türkischen Weltenbummlers Evliya Çelebi denkwürdige Reise in das Giaurenland und in die Stadt und Festung Wien anno 1665. Übersetzt, eingeleitet und erklärt von Richard F. Kreutel. Osmanische Geschichtsschreiber Bd. 2. Graz, Wien, Köln 1963 (2. Aufl.), S. 194-196

Geographie XLXXII: Slowakistan

Ils ont partagé le monde” Tiken Jah Fakoly gewidmet

Slowakistan wurde einst von Don Quijote gegründet, als er auf einer Schindmähre durch Böhmen ritt (“Liegt Böhmen noch am Meer, glaub‘ ich den Meeren wieder….”). Das Land könnte aber auch von der EU geschaffen worden sein, getreu der Devise “Trennen statt Vereinen” (Oh Schreck – die EU wendet also nun dieses Motto auch innerhalb der eigenen Grenzen an?). Es ist ein sehr bergiges Land, es gibt noch Naschbären, es gibt aber auch Tatragreise. Jeden Sonntag wird Sauerbratislava aufgetischt. In jüngster Zeit wird Biathlon staatlich gefördert, sie haben extra deshalb Gabriela Soukalova im Nachbarland eingefangen. Deren Mann, Verkäufer am Markt, ist nun quasi Witwer, dabei hatte er noch so viel Schuss über. Die Kinder aber liegen ratlos auf der Kleinseite…

Geographie XLXXIII: Tschetschenien

Nicht nur unter den Nachfolgestaaten der Sowjetunion (siehe u.a. https://hibouh.wordpress.com/2011/02/27/major-tschitscherin-im-siebenstromland), sondern auch innerhalb der jetzigen russischen Föderation befinden sich zahlreiche Völker von mehrheitlich islamischer Religion. Da wäre vor allem der Kaukasus, von altersher Konflikt- und Aufmarschgebiet islamischer und christlicher Herrschaftsansprüche, wo die “Republiken” seltsame Namen tragen: Inguschetien, Dagestan, Kabardino-Balkarien, Nord-Ossetien, Alanien, Adygien, Kalmykien, Abchasien, und die Völker oft noch (für uns) seltsamere. Dort gibt es etwa die Laken (für die aber wiederum die Westfalen einen bizarr klingenden Namen tragen!). Mittendrin die christlichen (aber den Russen ebenso feindlichen) Länder Armenien, Georgien und Karabach (was in etwa von der Wortbedeutung dasselbe ist wie Montenegro). Heute ma (Kinnings) über Tschetschenien. Wir alle kennen den Krieg (der keiner war, sondern ein Kampf gegen den Terror) (ebensooft wie die islamischen Völker “Kreuzzug” bemühen, sagen wir stattdessen erschauernd “Türken vor Wien”). Nun ist er offiziell für beendet erklärt worden, was die verbliebenen Rebellen nicht hindert, von hier bis Moskau hinauf eine blutige Spur von Anschlägen und Selbstmordattentaten zu verüben. Erst kürzlich wurde auf den Präsidenten von Inguschetien, Junus-Bek Jewkurow ein Anschlag verübt und dieser schwer verletzt. Offensichtlich verlagert sich die Gewalt aus dem “befriedeten” Tschetschenien in alle nordkaukasischen Gegenden.

Inzwischen regiert der von Putin ernannte (und später vom örtlichen Parlament bestätigte) Republikchef Ramsan Kadyrow in Grosny und Umgebung mit eiserner Hand. Täglich werden Leute durch seine Geheimpolizei entführt, gefoltert und umgebracht. Seine Miliz führt inzwischen den Kampf gegen die Rebellen in den Bergen weiter, während die verbliebenen russischen Soldaten in ihren Kasernen verharren. Herrscht also wirklich Frieden in dem Land? Wozu dann Wehrdörfer mit fünf Meter hohen Mauern? (Alles das erinnert mich irgendwie an ein Konfliktgebiet in einem andern Land)

Aber das soll heute nicht im Mittelpunkt der Erörterungen stehen.

Vielmehr das: Tschetschenien, immer noch ganz offiziell der russischen Federation zugehörig (und wozu sonst der zehnjährige blutige Krieg?) wird eben durch diesen Kadyrow (dessen Vater noch selbst einem Attentat zum Opfer fiel) zunehmend islamisiert: er führte den Kopftuchzwang für Frauen ein, er liebäugelt mit der Vielehe (für Männer), er verbot Discos und Decolletés, er zwang die Männer am Freitag in “traditionelle islamische Kleidung”. Und alles das in Russland. Ist das nicht alles gegen die russische Verfassung? Aber aus Moskau bisher kein Einspruch. Nichts wäre dagegen zu sagen, entspräche das alles dem Wunsch einiger, während andere Lady Gaga nacheifern. Aber durch mündlichen Erlass eines, ja, wohl Tyrannen? Mit dem Preis, dass Tschetschenien immer mehr zum Staat im Staate wird – zu einer Art islamischen Republik.

Geographie IL: Inzago

Das aufstrebende Dorf Inzago liegt in der Lombardei, nicht allzuweit von Mailand entfernt, hat aber trotz aller Assonanz nichts mit dem drahtigen italienischen Ex-Nationalspieler Filippo Inzaghi zu tun. Der – von den Fussballfans liebevoll “Superpippo” genannt – ist im gefälligen Piacenza geboren.

Jüngst “mussten” in Inzago Arbeiter freighestellt werden. Entlasst zuerst die Frauen! sagte man, die wissen eh, wo sie bleiben können: Wohnzimmer aufräumen, kochen, Kinder kriegen. Auch die Konditorei “Tre Rose” musste Mitarbeiter entlassen. Da war es einfach: waren nur Frauen da angestellt.

http://www.comune.inzago.mi.it/

Aus der Gemeinde Inzago stammt gleichzeitig die älteste Lombardin,Maria Redaelli: sie wurde am 3. April 1899 geboren, zählt also schon 111 Lenze und ist damit 73 schlanke Jahre älter als obenerwähnter Fussballchampion.

http://it.wikipedia.org/wiki/Inzago

Fragen tun sich auf:

Hat Maria Redaelli für Lohn gearbeitet?

Wieviele Kinder hat sie?

Ist ihr Salon sauber und aufgeräumt?

Nu Ihr……

(Inzwischen ist Maria leider gestorben…)

Geographie L: Brazil

Was fällte einem zu Brasilien als erstes ein? Fussball, Karnaval, Busen, Copacabana… Denke ich ein bisschen mehr nach, fällt mir zu Brasilien noch Regenwald, Favela, Bossa Nova, Polizei, Grün-Gelb, Weihnachtsstern (obwohl der aus Mexico stammt), Kreuz des Südens und Lula (obwohl der eigentlich net so heisst), ein…..

Ganz bestimmt aber nicht Befehl, Ordnung, Auftrag, Beschluss, Vorschrift, Grössenordnung, Aufstieg, Entwicklung, Fortgang, Fortschritt….Und doch ist “Ordem e Progresso” die Aufschrift der brasilianischen Flagge…..

Also los: wie heisst die jetzige Präsidentin?

Sind dir die Namen Luiz Inacio da Silva, Dilma Rousseff, Fernando Henrique Cardoso, José Dirceu, Delubio Soares, José Genoino, Duda Mendonça, Luiz Gushiken, Mario Sergio Conti, Paolo Lin, Antonio Palocci etc. ein Begriff?

Was heisst “Piaui”?

Wasn “Bolsa Familia”?

Übersetze “Naõ tem nada mais barato do que cuidar dos pobres” Du kannst Portugiesisch? Richtig, es heisst: “Es ist billig und einfach, sich um die Armen zu kümmern” und ist ein vielzitierter Ausspruch Lulas…….

Ich staune, als ich mich in das Land…. einlese (Hinfahren tut mein Jüngster). Wir alle haben nun auch von den “BRIC”-Staaten gehört (Brasilien, Russland, Indien, China). Das sind die aufstrebenden neuen Riesen, und spätestens, seitdem China die USA für ihre Schuldenpolitik rügte, haben wir mitbekommen, dass eine neue Zeit der Weltmächte anbricht. Die Weltmächte der Armen? In Brasilien sind es Millionen und Abermillionen, die von etwa einem Dollar (so sagt man noch) pro Tag leben müssen. Fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung von 190 Millionen gehören dem Proletariat und dem Subproletariat an. Brasilien ist zudem als einziges der vier “Schwellenländer” (in welcher Richtung Russland dabei die Schwelle überquert, steht noch nicht ganz fest) keine grosse Militärmacht, hat aber durch die Abkehr von den USA und der “Atlantischen Solidarität” am meisten Eigenständigkeit bewiesen. Lula – Luiz Inacio da Silva – der inzwischen nach zwei Amtszeiten abgetretene Präsident aus der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung, ist mit seinen Programmen gegen die Armut (“ist sehr billig und bewirkt viel”) und seinem “Lulismo” für uns fast zur Heiligenfigur geworden, war andererseits genau wie die meisten reichen Brasilianer in Korruption und schmutzige Machtspielchen verwickelt. “Ist uns egal”, sagen die Armen, genau wie in Anatolien oder Süditalien (von Indien weiss ich noch nicht genug), “wir lieben ihn, wie er ist!”

Diese Gleichzeitigkeit von Licht und Schatten wird mir zum Leitmotiv für Brasilien, vielleicht für den ganzen Kontinent. Seit über hundert Jahren brachen in ganz Südamerika fortwährend Revolutionen aus (Mexico, Nicaragua, Guatemala, El Salvador, Grenada, Chile, Kuba, Peru, Venezuela, Uruguay….habe bestimmt Länder vergessen…. Brasilien reiht sich seit den bewaffneten Erhebungen in den zwanziger Jahren nahtlos in diese Reihe ein. Die Präsidenten Castro, Allende und Ortega sind uns seit längerem, die Chavez, Morales, Kirchners, Garcias etc seit kürzerem bekannt, noch nicht lange her wählten die Leute in Ecuador und Paraguay die jeweils radikalsten Präsidenten ihrer Geschichte). In fast keinem Land riss nicht die eine oder andere rechte Militärjunta die Macht an sich.

Der normale und vorgezeichnete Entwicklungsweg eines jeden Landes führt von der Agrikultur über das Handwerk zum Anwachsen des industriellen Sektors. In Brasilien aber ist die Industrialisierung rückläufig. Das Land setzt viel mehr auf landwirtschaftliche Erzeugnisse (Holz, Biosprit, Fleisch) und Bodenschätze. Sehr zur Freude der Staatenlenker und Unternehmer wurden vor der brasilianische Küste jüngst grosse Vorkommen von Öl und Gas entdeckt.

Brasilien setzt sehr auf straffe Leitung durch Staat, Gewerkschaften und soziale Verbände. In keiner Weltgegend ist der banditäre Individualismus andererseits so verbreitet (Ja, gegen Sao Paolo ist Mogadischu noch streng gelenkt)

Brasilien ist ein riesiges Experimentierfeld für neue soziale Lebensformen – aber nirgendwo anders ist der Egoismus von Geschäftsleuten und Bandenchefs so ausgeprägt.

In Brasilien spricht man Portugiesisch – oder spricht man in Portugal Brasilianisch?

Die Spannweite zwischen modernster Technik und ursprünglichster Lebensart (der Eingeborenen)(manche Stämme sind noch nicht einmal entdeckt. Die Forscher verzweifeln: wenn sie aussterben, bevor wir sie katalogisiert haben?) ist nirgends auf der Welt grösser als in Brasilien.

Viele, wenn nicht alle Kulturen der Welt haben in den “unendlichen Weiten” von Dschungel und Pampa Enklaven gebildet. Aber nirgendwo ist die Vermischung der Rassen weiter gediehen, wie in Brasilien.

Nun zur neuen – und ersten – Präsidentin des Riesenlandes: Lula konnte nach zwei – erfolgreichen – Amtszeiten nicht noch einmal antreten, Daher baute er seine Kabinettschefin und ehemalige Energieministerin Dilma Rousseff als Nachfolgerin auf, und ob sie nicht letztlich mit dem Rückenwind seines Charismas gewählt wurde, ist sehr fraglich. Also weiter in unseren Polaritäten geschwelgt:

Dilmas Vater war Bulgare. Als Kommunist musste er von dort fliehen, im Immobilienhandel machte er in der neuen Welt sein Glück und erlangte so viel Reichtum, dass die Tochter bürgerlich “behütet” und mit Musik- und Französischunterricht aufwuchs. Das hielt sie aber nicht davon ab, in der Zeit der Militärdiktatur in den Untergrund zu gehen (ein Buch des Franzosen Regis Debray, des Freundes von Castro und Che Guevara, hatte sie unter anderem in ihrer Jugend begeistert), wo sie lange Jahre in einer Gruppe mitwirkte, die Bankraub betrieb, Geiseln nahm und Polizisten tötete….(da wären wir wieder bei der ungelösten Gewaltfrage. Ob einer der Jugendlichen aus London, Manchester oder Birmingham, die gerade Autos verbrennen und Geschäfte plündern, in Zukunft britischer Premierminister wird?). Sie wurde schliesslich verhaftet, gefoltert und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Als ihr Ehemann seinerseits im Gefängnis sass, zog sie in die entsprechende Stadt und unterrichtete ehrenamtlich im dortigen Gefängnis, nur um ihn zu sehen

Heute kann sie sich an alles dieses kaum mehr erinnern – sie ist ja Präsidentin……

Im Gegensatz zum Arbeiterkind Lula ist Rousseff eine in der Wolle gefärbte Intellektuelle: Nichts und niemand konnte sie von der Universität fernhalten, sooft sie auch exmatrikuliert wurde, so oft schrieb sie sich an einem anderen Ort wieder ein. Nun ist sie an der Macht und kann ihren sozialistischen, neoliberalen, brasilianischen Plänen nachgehen. Mit Spannung und Neugier warten wir auf die kommenden Jahre ihrer Präsidentschaft.

Was – denke ich auch jetzt am Ende dieses Schreibens – wissen wir in unserem nordhemisphӓrischen Saft schon über das Lebensgefühl der Südamerikaner? Nicht viel. Wieviel brasilianische Bundesstaaten gibt es und wie heissen deren Hauptstädte (um mal beim guten alten Schullernstoff zu bleiben)? Hat Teresina wohl ne Métro? Was denken und fühlen – und essen und tragen – die Leute da und was sehen sie von ihren Fenstern aus?

Geographie LI: Vollbarth

Sein Name lässt es nicht vermuten: das Land ist weitgehend leer. Sogar von der japanischen Schrift, die hier zu Zeiten des Imperiums von Bordurien üblich war, ist nur das Zeichen “Wu” übriggeblieben. Die Leute schweigen. Sie haben sich nichts zu sagen. Das ist weise. Wir alle kennen das sehr wahre Sprichwort: Hättest du geschwiegen wär’st du Philosoph geblieben! Es sind ja auch nur wenige da. Sogar die Barthenwale sind dort häufiger…

Auf einer Klippe steht das verwitterte Holzhäuschen des Schriftstellers Roland Barthes. Er schreibt als einer der letzten auf einer Schreibmaschine – er bevorzugt die handliche, schnittige “Olympia”. Künftig würden die Keyboards der Computer oder die Touchscreens der Tablets zum Tippen herhalten müssen, die geschriebenen Sätze folglich auch um vieles einfacher werden. Sein neues Buch hat den Titel “Das Imperium der Zeichen”. Zügig beginnt er: “Wenn ich eine fiktive Nation imaginieren wollte, könnte ich ihr einen erfundenen Namen geben, könnte sie sorgfältig als ein novellistisches Objekt behandeln und könnte eine neue Garbagne schaffen, um mit meiner Phantasie kein wirkliches Land zu kompromittieren (obwohl ich dann meine Phantasie ihrerseits durch die Zeichen der Literatur verfälschen würde). Ich könnte auch – obwohl selbige in keiner Weise die Wirklichkeit selbst repräsentieren oder analysieren würden (was eine der wichtigsten Gesten des westlichen Diskurses ist) – irgendwo in der Welt (weit weg) eine Anzahl von ‚features‘ isolieren. Aus diesen ‚features‘ würde ich ungeniert ein System schaffen. Dieses System nenne ich ‚Vollbarth‘.”

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One Comment leave one →
  1. 13. Januar 2015 15:10

    Ganz nett schön wortgewaltig. Mit großem Spass gelesen 🙂

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