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Über Demokratie (aktuell aus türkischer Sicht)

14. August 2013

Wenn das Wort “Demokratie” fällt hören wir gleich darauf “deren Ursprung war im antiken Griechenland”. Halt! War das da in Athen nicht eher eine Altherrenoligarchie? Gab es Sklaven oder nicht? Hatten die Frauen Wahlrecht? Wie betucht (Toga!) musste man sein, um einen Ratsherrensitz zu ergattern?
Heute ist es anders. Heute sagt man: Ich habe aber bei den letzten Wahlen fast 50% der Stimmen auf mich vereinigt! Und leitet daraus das natürliche Recht ab, sich und seine Familie fürderhin skrupellos zu bereichern…
Dabei werden uns die Wahlresultate nur verkündet und wir haben keinerlei Kontrolle darüber. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob das mit dem “Tor des Monats” wirklich stimmt. Vielleicht sollten wir, wie beim Grand-Prix der Eurovision, auch die Hälfte unseres Stimmrechts an eine Jury abgeben?
Aber Spass beiseite.
Als Zeichen einer echten Volksherrschaft wären noch einige andere Tatsachen erforderlich (ALLE Demokratien sind erst am entwickeltwerden – wenn sie sich denn nicht verschlechtern):

– wie wärs mit einer wirklich von Parlament und Regierung unabhängigen Justiz?

– Wirkliche Wahlen sind erst durch wirkliche Informationsfreiheit möglich. Wie soll ich unbefangen entscheiden, wenn ich in den Medien ein X für ein U vorgemacht bekomme und die eine Partei mir zudem Kühlschrank und Möbel schenkt? Wie soll ein Journalist unabhängig berichten, wenn er seine Pressekarte nur vom Premierminister persönlich ausgestellt bekommt? Wie soll ich mich in Net, TV und Zeitung informieren können, wenn der Verfasser der Nachrichten aus Sorge um seinen Arbeitsplatz niemals die Selbstzensur ausser Acht lässt?

– Wie aber das Resultat der Wahl kontrollieren? Seit Lenin wissen wir ja: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser. Sollen wir zur guten alten schweizerischen Landsgemeinde zurückkehren und uns, diesmal aber mit den Frauen, auf dem Taksim, ehm, auf dem Hauptplatz der Stadt versammeln und den Arm zum Ja heben (wobei ein jeder die Mehrheit augenfällig sehen könnte)? Durch die jetzt eingesetzten Wahlcomputer wird der Vorgang ja eher noch uneinsichtiger. Und überhaupt wird ja gegenwärtig eigentlich jede Wahl angezweifelt. Vertrauen ist gut! (Aber wir wissen ja auch nicht, wie unser Smartphone funktioniert und benutzen es ganz unbefangen und unhinterfragt. Ehrlich gesagt wissen wir ja nicht einmal, warum elektrische Wicklungen Magnetfelder erzeugen…) Demokratie also eher als kybernetisches Modell, als schwarze Box, ansehen? Wäre alles kein Problem, wenn die Gewählten auch nur eine Sekunde ans Gemeinwohl denken würden….

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One Comment leave one →
  1. 16. August 2013 09:44

    Kein Witz: Altphilologen sind sich uneins, ob die korrekte Übersetzung von Demokratie eher Herrschaft des Volkes oder Herrschaft übers Volk ist.

    lg LL

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