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Vaterfiguren

27. Dezember 2012

Putin, Erdoğan, Mursi, Oban, Chavez, Mandela (um in der Gegenwart zu bleiben), aber auch in vergangenen Zeiten Caesar, Napoleon, Mao, Tito, Atatürk, Castro, Ceaucescu, Milosevic, selbst Stalin(und der zornige, strafende Vater passt ja durchaus in unser Familienbild) – über Hitler sagen wir hier nichts, er fällt aus allen Vergleichen – , und manche andere, die ich vergessen haben mag, verkörpern unsere Sehnsucht nach der Autorität, die alles für uns regelt die uns lobt und straft. Ist das alles nicht recht archaisch? Schreiben wir das Jahr 2013 oder das Jahr, als Mose vom Berge stieg? Sind wir noch immer im Zeitalter Gottvaters, der uns die Gesetze gibt? Sollten wir nicht langsam von solchen Atavismen loskommen? Wär‘ es (z.B.) Zeit fur eine weiblichere Staatsführung (ach, Figuren wie Indira Ghandi, Margaret Thatcher, Bandanaraike oder Merkel fielen allerdings stracks ins männliche Rollenverhalten)?
“Demokratie” hiesse doch “Volksherrschaft”? Aber so weit man auch schaut, überall herrscht Vetternwirtschaft, Bestechung, Wahl- und Vorhersagefälschung…1) aber keine wirkliche Demokratie. Die “Wahl” durch die Bevölkerung wird allüberall dazu benutzt, in Machtpositionen zu gelangen und sich oder die eigene Familie ohne jeden Skrupel zu bereichern. Dazu haben die “Abgeordneten” in ihren Büros für uns nur einen einzigen Buchstaben, ein “U”, um uns ein X für ein U vorzumachen, sprich, uns schamlos anzulügen.2) Die Medien stimmen meist darin ein. Beispiel: In Aegypten wurde über eine neue Verfassung abgestimmt. 64% (grosso modo) der Leute stimmten mit “ja”, aber nur 32% beteiligten sich an der Wahl. Wie viel Prozent der Leute haben also der neuen Verfassung zugestimmt? Aber hier unisono: „Die neue Verfassung wurde mit Mehrheit angenommen.“
Die Frauen (meine andauernde und grösste Enttäuschung): im Grunde haben sie überall die Mehrheit, könnten also viele ihrer Sorgen mit einem Gang zur Urne loswerden. Was aber geschieht: sie stimmen (z.B.) für die Scharia, und was die zur Rolle der Frau in der Gesellschaft sagt, sollte bekannt sein. Sie stimmen also – und nicht nur in diesem Fall – gegen ihre eigenen Interessen. Es gibt europäisch erzogene Frauen, die zum Islam konvertieren und sich – sozusagen – freiwillig in Gefangenschaft begeben und dies auch noch eloquent verteidigen. Es gibt Frauen, die in deutschen Medien der Scharia manches abgewinnen! Und Frauen wählen CDU. Und Frauen sind katholisch. Etc. Es fällt einem Brecht ein: “ Nur die allerdümmsten Kälber/ wählen ihre Metzger selber”.3)
Wir müssen also feststellen – und das liesse sich in mach anderer Weise ebenfalls darstellen – dass unsere Sehnsucht nach der alles regelnden Autorität schamlos missbraucht wird. Das sollte uns zu denken geben. Oder?
Will jetzt net in einen Heilsarmee-Jargon verfallen. Und dennoch: Erwachet!
———-
1) In so manchen Ländern bekommt man für ein bestimmtes Wahlverhalten Kohle, Kühlschränke, sichere Jobs oder Aufstiegschancen.
2) Warum zum Beispiel ist die CDU nach Umfragen zur Zeit in einem “Allzeithoch”? Kann das wirklich sein? Wird da nicht einfach gefälscht?
3) Diesen Ausspruch Brechts auf Frauen zu beziehen, scheint ganz und gar net PC. Aber nur mal ein Beispiel: seit in der Türkei die AKP die Regierung stellt, haben Entführung, Vergewaltigung und Ermordung von Frauen (meist waren es Gattinnen oder Töchter) stark zugenommen. Die AKP wird stark von Frauen gewählt. Das Wort “Metzger” stimmt also buchstäblich.

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6 Kommentare leave one →
  1. 29. Dezember 2012 09:07

    Nein. Es ist nicht Zeit für eine „weiblichere“ Staatsführung, sofern Du mit „weiblich“ wirklich Frauen meinst, die uns besser regieren als die Männer. Eigentlich sagst Du ja auch gleich anschließend, was passiert: Die Merkels dieser Welt verhalten sich genauso männlich wie die Männer.
    Es ist ein Irrtum und ein leider oft gelungener Propagandatrick der bourgoisen Frauenbewegung a la Schwarzer ff., daß Frauen die besseren Menschen seien. Sie denken anders, das ist richtig. Aber im Ergebnis sind sie nicht besser, bessere Menschen oder bessere Demokraten.

    Ein Satz aus der Frauenforschung, den die Frauenbewegten beiderlei Geschlechts nicht gerne hören oder lesen und schon gar nicht propagieren:

    „Frauen schlagen nicht, sie lassen schlagen“. Das ist der Unterschied im Stil zu den gewalttätigen Männern, das Ergebnis aber ist genauso mies.

    Warum Frauen im Islam so sehr für ihre Unterdrücker stimmen, hat viele nachvollziehbare Gründe, die wir nicht verstehen müssen, aber in die Logik ihrer Lebensläufe passen: Der Islam garantiert Sicherheit durch eine stark repressive Ordnung. Aber es ist eine Ordnung und sie finden darin ihren Platz, bzw, ihr Platz wird ihnen angewiesen. Der Islam sorgt dafür, daß andere Frauen, also in erster Linie nicht ihre „Schwestern“, wie wahrscheinlich unsere bourgoisen Emanzen diese titulieren würden, sondern in erster Linie ihre Konkurrentinnen im Kampf um Mann und die Stellung in der Familie, ihnen nur wenig anhaben können, denn Schönheit wird verschleiert und Ehebruch wird hart bestraft. Die Frauen haben eine auf repressiver Grundlage lebenslange Sicherheit und eine gut gesicherte Stellung im Haushalt.

    Warum also sollten sie die Unsicherheit wählen, die es ihnen abverlangen würde, gegen ihre eigenen „Sicherheitsinteressen“ vorzugehen und sich eine neue Stellung in emanzipierten Gesellschaften zu erkämpfen?

    Ausbrechen aus diesen betonierten Hierarchien bdeutet Unsicherheit – das ist auch in islamischen Gesellschaften erst mal nur für den recht kleinen gebildeten Teil der Frauen wichtig, die studieren wollen oder studiert haben und keine Angst vor Veränderung haben, denen es aber untersagt wird, frei zu leben. EinTeil dieser Frauen wird sich auf dem Weg zur Emazipation machen, ein anderer Teil wird sich innerhalb der islamischen Hierarchie ihren Platz sichern und dabei helfen, ihre „Schwestern“ zu unterdrücken. Auch daraus entsteht schließlich islamische gesellschaftliche Anerkennung.

    Was wir brauchen, ist niemand, der „uns“ regiert. Weder auf männliche noch auf weibliche Weise. Wir brauchen Demokratie. Und zwar eine, die in der Lage ist, Machtstrukturen zu erkennen, zu kontrollieren und gegebenfalls zu beseitigen.

    LG
    Hermann

    • 30. Dezember 2012 09:02

      Ja, das meine ich auch, aber danke für die ausführliche Antwort! Ich kann es nicht so gut formulieren. Aber ich denke (wie Du?), dass wir uns von Vater UND Mutter emanzipieren müssen.

      • 30. Dezember 2012 09:05

        Betr. Frauen: was also muss frau für ne hilflose Person sein, um als anscheinend universitaetsgebildete Deutsche in einer islamischen Ehe in Amman Schutz zu suchen?
        Es ist eine total atavistische Sicherheit, die da gesucht wird…

        • 30. Dezember 2012 18:19

          Ich habe das bereits 1976 erlebt. Eine Genossin aus Stuttgart hat einen Scheich – ich glaube aus Marokko – geheiratet und ist Teil seines Harems geworden. Ich habe vor einigen Jahren mal nachgefragt, wie es ihr so ergangen ist. – Sie kam psychisch schwer angeschlagen und völlig desillusioniert aus ihrem Traum von TausendundeinerNacht zurück. Ich vermute mal, der gute Scheich hat sich anderweiblich schadlos gehalten.

    • 31. Dezember 2012 13:58

      Warum Frauen im Islam so sehr für ihre Unterdrücker stimmen, hat viele nachvollziehbare Gründe, die wir nicht verstehen müssen, aber in die Logik ihrer Lebensläufe passen: Der Islam garantiert Sicherheit durch eine stark repressive Ordnung. Aber es ist eine Ordnung und sie finden darin ihren Platz, bzw, ihr Platz wird ihnen angewiesen ….

      Gute Analyse.

  2. 31. Dezember 2012 14:00

    Guter Artikel hibouh,
    ich stimme zu und rufe auch erwachet! (Obwohl es nix hilft)

    Einen guten Rutsch und ein schönes neues Jahr euch allen!

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