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Immer unter Strom

1. Dezember 2012

Hibou war beunruhigt, und das aus zwei Gründen: erstens las er das Buch “Landgericht” von der Krechel, darin ein jüdischer Gerichtsassessor mit Hoffnung auf einen Richterposten mit wachsender Beunruhigung die Veränderung der politischen Lage im Zuge des Aufstiegs der NSDAP in den späten Dreissigern und frühen Vierzigern des letzten Jahrhunderts verfolgte. Hibou kam das alles im Moment wie ein Dejà-Vu vor und er verfolgte ebenfalls mit Sorge die wachsende Intoleranz der Sunniten in aller Welt gegenüber Anders- oder Ungläubigen. Der Mufti von Jerusalem war bei denselben doch wohl in lebendiger Erinnerung?
Zum anderen hatte er mitbekommen, dass morgen ganztägig der Strom abgestellt würde. Hibou hatte schon mehrmals Besuch von Oben erhalten, aber wie sollte dieser ohne Elektrizität zeitreisen? Halt, er war ja von Cockburn aus auch in die Vergangernheit gereist, etwa in ein Aegypten ohne Mursi aber mit Tut Ench Amun. Der hatte aber auch noch vor Marconi, Volta und Watt (Edison net zu vergessen) gelebt? Oder war Zeitreisen, auch solches in ferne Vergangenheit, generell nur mit Strom möglich?
Immer noch beunruhigt dachte Hibou daran, was Oben ihm bei seinem letzten Besuch erzählt hatte: Endlich, endlich, hatten die Turks & Caicos die Fremdherrschaft abgeschüttelt! Ein Reformer namens “Vater der Turks & Caicos” hatte eine wirkliche Republik gegründet. Die drohte aber nun unter dem neuen Tyrannen Helal Pascha völlig von steinzeitlichen Allüren unterminiert zu werden! Hibou erinnerte sich an die Beispiele. die Oben geschildert hatte: da wurde eine Grossplastik zum Zeichen der Aussöhnung mit den Nachbarn errichtet. Helal Pascha gefiel sie nicht, beflissen hatte darauf der örtliche Inselmachthaber deren Niederriss angeordnet. In einem der Cockburner Theater wurde das Stück “Wunderbares Jahrhundert” gegeben. Es hatte das Leben und Wirken des Sultans Süleyman – des Prächtigen -, der im fernen Istanbul geherrscht hatte, zum Inhalt. Helal Pascha wohnte einer Vorstellung bei und erklärte das Stück für schlecht. Süleyman habe sein Leben ja net mit Palastintrigen verbracht. (ich auch nicht, dachte Helal automatisch, oder doch?). Ein paar Tage darauf zog ein Bürger Grand Turks vor Gericht: er beantrage, das Stück zu verbieten, sein achtjähriger Sohn nehme das alles für Wahrheit! (zu hoffen, dass dieser Bürger selbst net alles für Wahrheit nahm…). Gegen die beiden Regisseure wurde eine Untersuchung eingeleitet… (Hibou hatte mit seiner Frau am selben abend noch den Film “Wag the Dog” wieder angeschaut).
Naja, so Oben weiter, wenn es nach Helal Pascha ginge, hätten wir eh längst die Scharia und Frauen und Mädchen würden im Hotel, in der Schule, an der Uni und auf der Strasse mit Kopftuch rumlaufen….
Das Buch Landgericht, es war rot unterm Umschlag, hatte schon eine weite Reise hinter sich. Online bestellt, war es an eine Adresse in Dublin geliefert worden, von wo aus es (für 15 Pfund Sterling, wie aus der Briefmarke hervorging) als Geschenk nach Bodrum gelangt war. Der Umweg war nötig, weil Buchimporte in die Türkei verboten waren. Die Zeitschriften Hibous wurden regelmässig mit völlig zerrissenem und durchlöchertem Umschlag geliefert. Sie waren kontrolliert worden. Hibou hoffte, dass der Kontrolleur über genügend philosophisches Wissen verfügte, das Gelesene zu beurteilen?

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2 Kommentare leave one →
  1. 1. Dezember 2012 13:52

    Ist alles O.K. oder ist das das Signal „Holt mich hier raus“?

    lg LL

    • 27. Dezember 2012 19:46

      alles alloplopa

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