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Ein Ministerpräsident ärgert sich

28. September 2012
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Übermorgen, am 30. September 2012, findet der grosse Parteitag der AKP statt. Überraschend wurde auch der neue aegyptische Präsident Mursi dazu eingeladen. Ein Staatspräsident auf einem Parteitag? Unser Gül findet dass nicht gut, zumal Mursi nur für einen Tag nach Ankara kommt und da eher bei seinem Kollegen erwartet würde.
Ich hoffe, dass Abdullah Gül dadurch ermutigt wird, 2014 bei den Präsidentschaftswahlen gegen Erdoğan anzutreten. Normalerweise wird er gegen seinen alten Freund und Kupferstecher RTE wohl kneifen.
Dabei brachte jüngst eine Umfrage (über die sich Erdoğan mächtig geärgert haben soll) folgendes zu Tage:

1. Erdoğan hinterlässt ein Jahr nach seinem totalen Wahlsieg kein geeintes, sondern ein scharf zwischen Religiösen und Laizisten, Sunniten und Aleviten, Türken und Kurden polarisiertes Land.
2. Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit seiner Syrienpolitik unzufrieden und würde sich, so das weitergeht, wohl bald von ihm abwenden.
3. 56% der Leute meinen, Gül würde gewinnen, so er denn gegen Erdoğan antritt.

Bittere Pillen für den erfolgsverwöhnten Alleinherrscher, der doch grade die neue Verfassung auf den Posten des Präsidenten zurechtschneidern lässt.

Ich denke und hoffe, unser MP übertreibt seine blindwütige Islamisierungspolitik. Aber wer weiss. Vielleicht hört sein Schaffen nicht eher auf, bis die Republik endgültig in Scherben liegt?

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14 Kommentare leave one →
  1. 28. September 2012 20:45

    Zu Punkt 1: Polarisieren ist in manchen konkreten Fällen ja nicht schlecht. Die Pole entfernen sich voneinander, statt sich zu kloppen. – Die Erde, ach was: unsere Mutter Erde wechselt manchmal auch die Pole. Laut Mayakalender findet die nächste Umpolung am 21. Dezember 2012 statt.

    • 29. September 2012 06:51

      Die kloppen sich aber?
      Apropos Umpolen: auf Ost- und Westpol?

  2. 30. September 2012 12:09

    Wo liegt den eigentlich der Unterschied in den politischen Absichten von Abdullah Gül und Erdogan?

  3. 1. Oktober 2012 06:50

    Als Gaeste am AKP-Kongress: der aegyptische Praesident, der Hamas-Leader (!), Kurdenführer Barzani und Gerhard Schröder.

  4. 1. Oktober 2012 07:10

    @fidelche: Abdullah Gül pflegte stets ein getreuer, wenn nicht sklavischer Gefolgsmann von Erdoğan zu sein, er übernahm für ihn das Amt des Ministerpraesidenten, als RTE wegen seiner Vorstrafe noch nicht waehlbar war und gab es getreulich an diesen weiter, sobald die AKP das Gesetz geaendert hatte. Ich nehme an, dafür machte ihn RTE zum Praesidenten. Nun ist er wiederum zum Platzhalter geworden.
    In der Syrienfrage und auch sonst ergaben sich erste leise Differenzen zwischen den beiden. Die Sollbruchstelle wird eben die naechste Wahl des Praesidenten sein.
    Gül ist zwar ein sehr rechter Politiker (hat in Saudi-Arabien studiert und gearbeitet, hat ne minderjaehrige Frau geheiratet und sie dann verhüllt), aber eben net so ein blindwütiger Fanatiker wie RTE.

    Apropos: auf ebendiesem Parteitag hat RTE die (gute) wirtschaftliche Entwicklung des Landes als Grundlage seiner Macht bezeichnet. Da steht er eben doch auf tönernen Füssen. Zwar sind wir ein aufstrebendes (emerging) Land, aber doch eben nur statistisch geschönt: Die wenigsten Leute hier können sich einen Urlaub im Ausland leisten (so sie denn ein Visum kriegen würden), die Steuern werden staendig erhöht (grade heut wieder Gas und Strom), der Tourismus geht zurück, die Lira faellt, die Inflationsrate steigt. Alkoholische Getraenke können sich nur noch die Reichen leisten (und ich: esse dafür weniger Salat und Brot), sei’s drum, aber Gas und Strom und Treibstoff? An den Tankstellen bezahlen wir inzwischen so viel wie sonst nirgendwo auf der Welt und die Steuer wurde da jüngst um 50 Kuruş (ne HALBE Lira) erhöht. Da stöhnt die Produktion, selbst wenn die Arbeiter nur Tee trinken……

  5. 1. Oktober 2012 07:12

    ne schöne Redensart: Warten und Tee trinken

  6. 2. Oktober 2012 06:46

    Über Unterschiede zwischen Gül und RTE:
    http://www.hurriyetdailynews.com/guls-call-on-freedoms-nets-opposition-praise.aspx?pageID=238&nID=31450&NewsCatID=338

    • 17. Oktober 2012 11:59

      Gül hat soeben gegen ein mit AKP- und MHP-Mehrheit beschlossenes Gesetz sein Veto eingelegt. Ein gutes Zeichen?

  7. 11. Oktober 2012 09:59

    Türkei Oktober 2012

    Ganz offensichtlich taumeln wir am Rande eines Krieges dahin. Gesten nun die durch türkische Kampfflugzeuge erzwungen Landung einer syrischen Zivilmaschine in Ankara. Diese, ein Airbus A320, also ein grosses Flugzeug, war mit ein paar Dutzend Passagieren (also fast leer) unterwegs von Moskau nach Damaskus. Es wurden angeblich Kriegsgüter an Bord gefunden. Frage: was sind das für Sachen, die da beschlagnahmt wurden? Weitere Frage: was liefern die Türkei, die USA und andere Länder an die “FSA”, die freie syrische Armee? Quod licet Jovi non licet Bovi, was Jupiter ziemt, ziemt dem syrischen Ochsen noch lange nicht. Der Flug durch den türkischen Luftraum war sicherlich genehmigt. Dürfen die einen nun alles und die anderen nichts? Denkt an die Drohnen.

    Aber: Assad und seine Familienclique (nebenbei: wer von den Verbündeten ist demokratisch gewählt, Ahmedinedjad, Putin oder Assad?) sollte schon weichen, wie es aber aussieht, wird er es, wie überall im Mahgreb und dem Nahen Osten, einem sunnitischen Gottesstaat tun.

    Richtig: die Türkei ist angegriffen worden. Erster (von Erdoğan zu bedenkender) Punkt: wer steht ihr uneingeschränkt bei? Die Nato, also grosso modo der Westen.

    Davutoğlu, unser vielgepriesener Aussenminister und enger Vertrauter des Ministerpräsidenten (“Null Probleme mit den Nachbarn”) steht mit seiner Politik so ziemlich im Hemd da, noch ein klitzekleiner Zwischenfall, und das Hemd steht allein da. Und bedenkt Erdoğan in seiner Sehnsucht nach einem Konflikt – den er mit fast allen Mitteln zu provozieren sucht (noch fehlen die Warnungen vor Massenvernichtungswaffen, aber mit dem Thema “Chemische Waffen” ist ja ein Anfang gemacht) – folgende drei Punkte: Krieg wäre das Ende des Tourismus im Lande, die Ökonomie ist ohnehin im Abschwung, 70 – 80 % der Öl- und Gaslieferungen an die Türkei stammen aus Russland bzw. dem Iran (schon jetzt, ohne Konflikt, fahren wir mit dem teuersten Benzin der Welt)?

    Die türkische Politik hat es geschafft, aus einer klaren und einfachen Richtschnur – Demokratischer Wandel ist in Syrien nötig – einen gordischen Knoten zu schnüren. Bald wird die ganze weite Region in Flammen stehen. Zero Problem. Ob da am Ende ein neues Osmanisches Reich steht, ist aber die Frage.

  8. 30. Oktober 2012 07:34

    29.10/2012
    Vor 89 Jahren hat Mustafa Kemal die Republik ausgerufen. Seither wird der „Cumhuriyet Bayramı“ hier jaehrlich gefeiert. In diesem Jahr (dem zehnten? der Herrschaft Erdoğans) aber wurde dem traditionellen Marsch in Ankara mit Verbot gedroht. Die Polizei setzte dann auch Traenengas und Wasserwerfer ein, in dem vergeblichen Versuch, den Marsch zum Anıtkabir (dem Grabmal Atatürks) aufzuhalten. Zudem wurden 110 Busse mit Leuten auf der Fahrt nach Ankara von der Polizei gestoppt und durchsucht (Naja, die Leute ham eh nur Fahnen dabei). Was heisst das? Die AKP fürchtet sich vor dem eigenen Volk…

    In Istanbul nahmen dann aber 1 Million Leute, in Izmir 500000, in allen türkischen Staedten weitere Millionen an den Demos teil, (auch wir in Turgutreis).
    Unser Caesar verkündete dann einen Tag spaeter, es habe gar keine Behinderungen gegeben, und wenn, habe er diese net angeordnet. Naja, man hat ja Proselyten.

    • 30. Oktober 2012 17:23

      Die negative Entwicklung in der Türkei scheint nicht aufzuhalten zu sein. Zustimmung auch zu deinem obigen Kommentar.

      Beste Grüße in die Türkei

    • 30. Oktober 2012 17:53

      Ata Türk, der Bosporus: Realmetapher von Trennung, Verbindung, Kon-Text.
      Istanbul – die Kulturhauptstadt von 2010 könnte eine Stadt des Brückenbaus sein …

      • 31. Oktober 2012 07:13

        Könnte….. und wird, just await,,,,,,,,

  9. 31. Oktober 2012 07:14

    Comments of our PM (all from Hurriyet):

    Erdoğan accused the CHP of terrorizing the streets of the capital on Republic Day by carrying out a banned march.

    Angry with the police’s inability to prevent crowds from passing through the barriers around Anıtkabir, Erdoğan met with the governor and police chief. “Our police should have been more serious. They showed weakness there,” he said.

    He also slammed protests against the ministers carried out during the award ceremony of the WTA Championships tournament in Istanbul, calling protesters “terrorist hooligans.”

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