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Die beschӓdigte Wirklichkeit

30. Juni 2012

“I was dreaming of the past” (John Lennon)

Was ist Wahrheit? *gg* Schon der gute Pilatus fragte sich das. Sehen wir wirklich je die Wirklichkeit, die Gegenwart? Sollten wir sie sehen? Nein! sagt die 40-Jӓhrige, und versucht, mittels Make-Up, Hüftgürtel, Botox und Silikon noch immer wie 25 auszusehen. Sie verklӓrt die Vergangenheit. Für andere ist sie teuflisch. Wie sollen wir je alte Filme zeigen? Da rauchten die Leute in Kette und überall, selbst im Internationalen Frühschoppen. Schnell eine Unschӓrfe vor die Zigarette geblendet (Obwohl wir alle wissen, was die da – schӓndliches – tun). Die Pӓpste der Gegenreformation liessen spӓter Tücher über die Schniedel der nackten Gestalten Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle malen. In vielen Internetplӓtzen ist es uns qua Softwareprogramm nicht möglich fuck, Arschloch oder Pissbeutel zu schreiben (Anmerkung: Dabei kann “fuck” so viel ausdrücken! Familiensinn: “Motherfucker”. Aufforderung: “Fuck off!”. Verunsicherung: “Again I was fucked”. Staunen: “What the fuck…?” Bewunderung: “She was a good fuck”, na und was noch alles…..)
Ich sehe grade ne Sendung, wo mein geliebter Seyfi Dursunoğlu alias “Huysuz Virgin” (Tugendlose Jungfrau) auftritt. Immer wenn er “Arsch”, “ficken” oder “du Sack” sagt, ertönt ein Piepsen, automatisch generiert.
Mein Laptop verfügt, wie Eure wohl auch, über Sprachergӓnzungsprogramme. Das führt zuweilen zu netten Vorschlӓgen. Schreibe ich “Auferstanden aus R…” schlӓgt das Programm “Réunion” vor, schreibe ich “Viele liebe Gr..”, kommt “Grasslands”. Aus Jux gehe ich allerdings auf viele dieser Vorschlӓge ein. Aber ich bin ja auch Surrealist.
Im Iran, so sagt man, werden Fussballspiele “live”, aber um 10-15 Sekunden zeitverschoben übertragen, das geschieht, falls jemand weibliches im Stadion unverschleiert ist (dürfen die überhaupt ins Stadion?) oder eine Mohammed-Karrikatur hochhӓlt. Schnell wird dann retouchiert. “Lange lebe Ahmedinedjad” wird da wohl zu lesen sein?
Manchen Fotos ist ein Zertifikat beigegeben: Garantiert ohne Photoshop!. Naja, schon seit langem wurden unliebsame Gestalten auf Fotos wegretouchiert, so etwa Trotzki…..
Wir wissen alle nicht, was in unseren Lebensmitteln so alles enthalten ist. Wir meinen zwar, Currywurst zu essen…..
Der Sternenhimmel! Ein pures Bild der Vergangenheit: leuchten die Sterne, die ihr Licht über Millionen von Lichtjahren zu uns schicken, überhaupt noch? Oder sind sie lӓngst ex- oder implodiert?
Dasselbe gilt aber auch für den Kanonenschuss (wo wir den Knall erst nach einigen Sekunden hören) oder die Wolke überm Berg, oder das Bierglas, das vom Tisch fӓllt…. Was geschah mit der Kanone? Wurde sie inzwischen nach Saudi-Arabien verkauft? Hat die Wolke sich lӓngst aufgelöst? Ist das Bierglas halbvoll oder halbleer?
Die Geschichte: Hat sich alles wirklich (!) so zugetragen? Oder schreibt sie der, der “gewonnen” hat? Was würden die Gallier über “De Bello Gallico” sagen?
Fürst Potemkin baute ganze Dorffassaden für seine Zarin. Was sehen wir im TV ausser den Klischees von anderen Lӓndern (hungernde Kinder im Gaza-Streifen, Bankhochhӓuser in Frankfurt, Oldie-Cars auf Kuba, Favelas in Rio? Es ist zum Wahnsinnigwerden……)
Andererseits (sagt sich der Schaffende): Müssen wir nicht überall verӓndernd eingreifen? Wo bliebe sonst zum Beispiel die Kochkunst. Arme Veganer, die alles so essen, wie es am Baum wӓchst. Was heisst eigentlich “Kultur”? Eingriff. Ich muss mühsam fischen gehen, weil mir die Forellen nicht in den Mund fliegen. Ich verӓndere Wildnis zu Garten, etc.
Also kӓme es darauf an, WIE ich eingreife? Wahrscheinlich.

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2 Kommentare leave one →
  1. 30. Juni 2012 14:57

    Lehrreiche Beobachtungen! Und in der Fülle eine Reminiszenz an die Kultur, in der John Lennon noch aktiv war und ein Buch Adornos „Eingriffe“ hieß.
    Dreaming of the Past und Hüftgürtel: Again I was fucked by literature & philosophy.

  2. 2. Juli 2012 20:02

    Täuschung, wo man hinblickt! Die Dinge sind endlich, die Begriffe unendlich. Wie sollte da eine „adaequatio rerum et intellectum“ herstellbar sein? Hegel meinte deshalb: „Die Dinge tragen eine Unwahrheit in sich.“ Und: Es gibt also nur relative Wahrheiten, keine absoluten. Skepsis ist angesagt!

    lg LL

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