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Henri Alleg (is nu auch im „Naipaula“ untergekommen)

11. Mai 2012

Im 13xx lebt schon über neunzigjӓhrig Henri Alleg. Er kam in London 1921 als Harry Salem zur Welt, wollte aber wohl nicht den auf Melchisedek zurückgehenden Namen JeruSalems tragen. Bald zog er mit seinen Eltern, die noch in Kongresspolen gelebt hatten, nach Paris. Ohne diese ging er 1939 nach Algerien, wo er als Journalist und dann Chefredakteur für die Unabhӓngigkeit des Landes von der Kolonialmacht Frankreich kӓmpfte und bald auch Mitglied der dortigen kommunistischen Partei wurde. Nachdem seine Zeitung, der “Alger Républicain” 1955 verboten wurde, ging er in den Untergrund, versuchte aber weiter, seine Artikel in der französischen “L’Humanité” zu veröffentlichen. Oft gelang es der französischen Zensur, dies zu verhindern. Bald wurde auch er – von den Fallschirmjӓgern der 10. Armee – verhaftet, ins Gefӓngnis geworfen und verschiedentlich gefoltert. Hinter Gittern schrieb er sein Buch “La Question” (Die Frage: so wurde die Folter früher genannt. Als diese mit der Französischen Revolution abgeschafft wurde, dachten viele – aufatmend, nach hartem Waterboarding – sie sei nun für immer ein Gespenst der Vergangenheit. Sie hatten nicht mit dem 20. Jahrhundert und den folgenden gerechnet……J.P. Sartre, der das Vorwort zu dem Buch schrieb, meinte, Hitler sei zwar eine einmalige Erscheinung gewesen, habe aber viele, die ihm nacheiferten. Zitat Colonel Mathieu, einer der Befehlshaber der Fallschirmjӓger: “Lassen Sie uns prӓzise sein: Das Wort ‘Folter’ kommt in unseren Befehlen nicht vor. Wir stellen Fragen – questions – wie es in jeder Polizeioperation gegen eine unbekannte Bande getan wird.” Gemeint ist in Allegs Buch aber auch die Frage: Was bedeutet es, ein menschliches Wesen zu sein?
In Algerien kursierte unter den französischen Truppen, in deren Rӓngen – Fremdenlegion! – wohl auch ehemalige SS-Leute zu finden waren, das Wort: “Hier wird französisch befohlen und deutsch getötet”.
Spӓter floh Alleg in die Tschechoslowakei und kehrte erst nach dem Friedensabkommen von Evian nach Algerien zurück. Ausgerechenet die erste arabische Regierung unter Boumedienne verwies ihn des Landes. Ein Jude kann eben nicht proarabisch sein.
Nun wohnt er im Land seiner Peiniger. Absurd, gell? Aber wer wohnt schliesslich da nicht? Naipaula fühlte mit ihm und vermietete ihm obiges Zimmer für ein Inschallah.

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3 Kommentare leave one →
  1. 12. Mai 2012 12:25

    Sehr interessante Geschichte. Ich fühle mit. Danke hibouh.

  2. 12. Mai 2012 14:41

    wieviele Leute es gibt…. Ich kannte den vorher nicht 😦

    • 13. Mai 2012 11:56

      Ich auch nicht. – Aber es gibt ja den RS. 🙂

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