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Musik!

6. April 2012

Hier der Entwurf zu einem Essay über Musik. Eigentlich will ich aber auf den Zusammenhang von Musik und Religion hinaus. Aber wir sind uns wohl einig (mit der Hl. Therese von Avila, mit der Hl. Caecilia, mit den afro-amerikanischen Gospelsӓngerinnen und vielen Bühnenstars), dass Musik sinnlich macht? Seltsamer Gegensatz, da viele Religionen (welche?) die Sinnlichkeit verteufeln. Naja. Schliesslich sind wir ja aber in die Tanzstunde gegangen, um Manieren zu erlernen.
Hӓtten aber also die Taliban recht?

Musike

“Der Mann, der nicht Musik hat in ihm selbst,
den nicht die Eintracht süßer Töne rührt,
taugt zu Verrat, zu Räuberei und Tücken;
die Regung seines Sinns ist dumpf wie Nacht,
sein Trachten düster wie der Erebus.
Trau keinem solchen! (Lorenzo in: Der Kaufmann von Venedig)

“The man that hath no music in himself,
Nor is not moved with concord of sweet sounds,
Is fit for treasons, stratagems and spoils;
The motions of his spirit are dull as night
And his affections dark as Erebus:
Let no such man be trusted. Mark the music.” (Shakespeare, Merchant of Venice)

“Music is my religion”.
(Jimi Hendrix)

 

“Ohne Musik wӓre das Leben ein Fehler”
(Friedrich Nietzsche)

 

Wenn die Welt “erschaffen” wurde, dann wurde sie durch Musik erschaffen. Heutzutage ist Musik nur noch ein schwacher Abglanz davon – es sei denn, Jimi Hendrix spielt -, denn was geschieht: Auf der Bühne agieren die Musiker, im Parkett konsumieren die Hörer (die dazu immerhin ihre feinsten Plünnen hervorgekramt haben). Ursprünglich waren Musik und Tanz eins. Die labyrinthischen Tӓnze in den Kathedralen, die tanzenden Derwische zeugen davon. Aber auch heute noch tanzen die Afrikaner im Konzertsaal, auch heute noch fӓngt jeder Türke, sobald er Musik hört, an, sich zu bewegen, zumindest hebt er die Arme und schwingt sie im Rhythmus der Melodie. “Ararım, ararım, ararım seni her yerde….”. Was ist das allerdings gegenüber den Aborigines, die die Welt sangen? Die sich klar waren, dass Baum und Fels und Pfad vergehen, wenn sie nicht stӓndig neu gesungen werden?

Einen Vorteil hat Musik allerdings gegenüber anderen Künsten immer noch: sobald sie vorbei ist, ist sie absolut rückstandsfrei entsorgt. Bilder und Statuen, auch Bücher und Akten (sind die Kunst?) müssen in riesigen Archiven gelagert werden. Von Gebӓuden schweigen wir.

Immer wieder von neuem kann Musik erzeugt werden, entstehen. Oft ist sie auch unhörbar. Sie ist in mancherlei Hinsicht die Cousine der Mathematik.

“Das Leben der Götter ist Mathematik” (Novalis). Beim Zeus! Hӓtten das die Alten gehört! Da war Musik noch unmittelbar wirksam, ob beim Erbauen von Mauern oder Zeugen von Kindern.

Musik ist sinnlich, macht sinnlich. Musik entӓussert. Orpheus, aber auch Clausewitz, wussten davon.

“Wer Militӓrmӓrsche hört, braucht kein Hirn mehr” (sagt Einstein sinngemӓss)

Wer also Musik hört – etwas anders ausgedrückt – folgt willig und aus dem Bauch heraus den Vorgaben der Meister.

Insofern hӓtten Taliban, Salafisten, Wahabiten ja durchaus recht: man soll seinem Verstand folgen, und nicht den Verlockungen der Welt! Was seufzte Walther von der Vogelweide schon?: “Frau Welt, ich hab von Dir zu viel getrunken” (Immerhin konnte er, im Gegensatz etwa zu G.Grass, Gedichte schreiben – doch ich schweife ab.) Man sollte also dem Verstand folgen. Tun das aber die Glӓubigen? (In einer TV-Serie aus New York, die ich mir grade reinziehe (pssst!), fӓhrt der Hauptakteuer, ein irischer Feuerwehrmann, mit einem Taxi, dessen Fahrer offensichtlich ein Muslim ist. Irgendwie kommen sie aufs Paradies zu sprechen. Ihr mit euren 70 Huris! sagt der Ire. 72! sagt der Taxifahrer. Wieviele auch immer, entgegnet der Ire, ich brauche keine Huri, ich brauch ne Nutte! – Doch ich schweife ab). Der Papst verteidigte grade den Zölibat. Dessen Kritikern lӓgen wohl irgendwelche eigenen Anliegen nӓher als das Wohl der Kirche? Was sagt denn da Cesare Borgias Familie dazu? Das ist doch Vergangenheit. OK. Was sagen die katholischen Lehrer, die sich grade intensiv in ihre Zöglinge versenken, dazu? Das hat doch nix mit Musik zu tun? Meine Kollegin schrieb ihre Magisterarbeit über Schlagertexte. Fazit: Sex ist deren einziges Thema…..

„Lieder lassen die Heuchelei wachsen wie Wasser das Unkraut.“ Schön sprechen die Hadith über Musik!

 Eine christliche Universitӓt im amerikanischen Staat Oklahoma lehrt unter anderm auch das Singen. “Musik kann die Welt verӓndern! Sie wird uns helfen, aller Welt Jesus nahe zu bringen”.

Diese Missionare! (Aber die Menschen da draussen in den heidnischen Gebieten verstehen Musik!)

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4 Kommentare leave one →
  1. 6. April 2012 12:24

    Da fällt mir doch glatt ein kleiner Song ein, der uns sagt, Mann solle einfach das Beste aus den Religionen machen und das ganze nicht so ernst nehmen:

    Der Papst lebt herrlich in der Welt.
    Es fehlt ihm nicht am Ablaßgeld.
    Er trinkt vom allerbesten Wein,
    drum möcht ich auch der Papst gern sein.

    Doch halt, er ist ein armer Wicht!
    Ein holdes Mdächen küßt ihn nicht.
    Er schläft in seinem Bett allein,
    drum möcht ich doch der Papst nicht sein.

    Der Sultan lebt in Saus und Braus,
    in einem großen Freudenhaus
    voller holder Mägdelein ,
    drum möcht ich auch der Sultan sein.

    Doch nein, er ist ein armer Mann!
    Denn hält er sich an den Koran,
    so trinkt er keinen Tropfen Wein,
    drum möcht ich auch nicht Sultan sein.

    Geteilt veracht ich beider Glück,
    und bleibe gern in meinem Stand zurück.
    Doch darauf lasse ich mich ein:
    Halb Sultan und halb Papst zu sein.

    Ihr Mägdlein gebt mit eine Kuß,
    damit ich lebe wie der Sultanus.
    Ihr trauten Brder schenkt mir ein,
    damit ich auch der Papst kann sein.

    • 6. April 2012 13:22

      Ich hab`das auch noch auf meiner Zupfgeigenhannsel-LP! Aber speziell im Zusammenhang mit Religion, Gregorianische Gesänge etc., habe ich zu Musik am wenigsten zu sagen. Bach hingegen, schon wieder! Aus meinem Studium weiß ich, dass unsere Synapsen (Hirn) im Kindesalter nach der umgebenden Akustik ausgebildet werden. Wir haben insofern hardwaremäßig nicht die gleichen Voraussetzungen beim Hören von z.B. indischer Musik wie die autochthone Bevölkerung, die mit Sitarklägen aufwuchs. Dennoch war für mich Musik immer eine Sprache, jenseits der Sprache!

      lg LL

  2. 6. April 2012 13:27

    In puncto „Tanzen“ solltet Ihr mal Manfred (Breitenberger) befragen. Soweit ich weiß, hat der sich einen Teil des Studiums mit Tanzen finanziert! Irre ich?

    lg LL

    • 7. April 2012 11:07

      Das ist nicht ganz richtig, Louis. Ich habe mir das Studium komplett mit Tanzen finanziert. Erst kürzlich habe ich mit einer Tanzeinlage nochmal Kohle gemacht. Wir Kubaner haben es einfach im Blut.

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