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Schleckerland in Schleckers Hand

2. April 2012

Irgendwie habe ich so gar keine Lust, in das derzeitige Schuldzuweisungstheater gegen die FDP einzustimmen, die sich der Transfer-Lösung für 11.000 Mitarbeiterinnen der maroden Schlecker-Kette verweigert hat und nun also die berühmte A-Karte gezogen hat.

Man könnte, würde man wirklich wollen, sich daran erinneren, daß es gerade mal knapp zwei Jahre her ist, als Ver.di dazu aufrief, Schlecker-Märkte zu boykottieren.

Man müsste auch darauf hinweisen, daß mit dem Eintritt der 11.000 Frauen in eine Transfergesellschaft deren Recht, einer Kündigung zu widersprechen, außer Kraft gesetzt wird und auf die Tatsache, daß ein künftiger Investor (nach Lage der Dinge die Schlecker-Kinder) völlig frei von sozialen Kriterien einen Teil der Mitarbeiterinnen wieder einstellen kann.

Interessant allerdings ist vor allem, daß kein Mensch aus dem deutschen Politbüro, das aus den Blockflötenparteien  SPD-Grüne-CDU-CSU-FDP besteht, die Frage stellt, welches Ziel der angeblich verarmte Anton Schlecker mit der Insolvenz verfolgt und daß er auf dem besten Wege ist, sich auf Kosten der Allgemeinheit  gesund zu schrumpfen.

Vorausschauend hat er durchaus erkannt, daß seine kleinen Filialen nicht mehr wettbewerbsfähig sind und er sich von einem großen Teil trennen muß.  –  Was liegt dann näher, als Insolvenz anzumelden, seine beiden Kinder an die Public-Relations-Front zu schicken und dort behaupten zu lassen,  die Unternehmerfamilie sei pleite und habe aus lauter Menschenfreundlichkeit all ihr Vermögen in die bisher vergebliche Sanierung des Unternehmens gesteckt?

Daß Schlecker europaweit tätig ist und Filialen in fast allen Ländern der EU betreibt und außer in Deutschland entsprechend weiterhin Gewinn macht, wird derzeit auch nicht erwähnt. Europaweit gibt es über 14.000 Schlecker-Märkte mit 47.000 Mitarbeitern, davon:

  • 7.500 in Deutschland (Mitte 2011)
  • 1.184 in Spanien
  • 974 in Österreich (2010)
  • 245 in den Niederlanden
  • 230 in Italien
  • 200 in Frankreich
  • 151 in Tschechien
  • 69 in Polen
  • 32 in Portugal
  • 30 in Dänemark
  • 26 in Belgien
  • 18 in Luxemburg (via wikipedia)
  • Die jetzige Insolvenz berührt also nicht einmal die Hälfte des Schlecker-Unternehmens.

Das Spiel, das Schlecker derzeit betreibt, wird auch durch folgende Meldung deutlich:

„Ehingen. Die beiden Kinder des gescheiterten Schlecker-Gründers Anton Schlecker, Meike und Lars Schlecker, überlegen einem „Spiegel“-Bericht zufolge, das Unternehmen mit Hilfe eines Investors selbst zurückzukaufen. Sie könnten dann das von ihnen bereits angeschobene Konzept zur Modernisierung der Drogeriekette nach einem überstandenen Insolvenzverfahren ohne Altschulden umsetzen. Der Schlecker-Senior darf laut dem Bericht nicht mehr für das Unternehmen tätig werden, ein entsprechendes Verbot sei im Handelsregister eingetragen worden. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz betonte, es sei von Anfang an nicht ausgeschlossen worden, dass Meike und Lars Schlecker bei einer Zukunftslösung eine Rolle spielen könnten.“

Fazit:

Schleckerland bleibt weiter in Schleckers Hand, der Anton gibt sein auf Staatskosten saniertes Unternehmen halt an Sohn Lars und Tochter Meike weiter.

Die Eigentumsfrage, die die eigentlich wirklich relevante Frage aus Sicht einer möglichen linken Politik ist, wird nicht gestellt.  Sowenig wie sie bei den Monopoly-Spielern der Banken gestellt wurde, für die nicht nur ein bißchen Peanuts wie bei Schlecker (dessen Insolvenz wäre ja eigentlich aus der Portokasse zu finanzieren), sondern billionenschwere Retttungsschirme aufgespannt werden und wurden.

Unerklärlich im Übrigen auch das Stockholm-Syndrom, das bei den Schlecker-Mitarbeiterinnen zu beobachten ist:  „Wir“ haben unseren Schlecker aufgebaut…“ :

Diese Identifizierung mit einem assozialen schwäbischen Unternehmer, der Dumping-Löhne zahlt, Mitarbeiterinnen bespitzelt und wegen Petitessen rausgeworfen hat, ähnelt schon sehr dem Verhalten von Geiseln, die sich nach einer gewissen Zeit mit ihren Geiselnehmern identifiziert haben.

Marxistisch-materialistisches Denken in diesem unseren Lande: Fehlanzeige.

Dafür ein ungehemmtes Schalten und Walten des freien deutschen Banken-und Unternehmertums mit dem Segen der Medien und dem gesamtdeutschen Politbüro.

 

 

 

 

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3 Kommentare leave one →
  1. 2. April 2012 16:40

    Ganz große Geschichte, ja! – Warum Schlecker nicht in den Orkus wünschen, bei allem, was auch meine ver.di vorgebracht hat gegen diesen akuten und konkreten Neokapitalismus. – Und wenn man die Schleckers gehört hat in den Medien, die guten und besonnenen Kapitalistenfiguren … sollten die beschissenen Jobs echt erhalten werden?
    Ich denke, wichtig wäre, daß die FDP eine endgültige Insolvenz erhält.

    • 3. April 2012 07:46

      Die FDP hat eine Transfergesellschaft gegründet und geht nahezu geschlossen zu den neuen jungel Liberalen, die sich trendbewußt Piraten nennen, über.

  2. 2. April 2012 22:29

    Die beiden nächsten Landtagswahlen werden für die Zukunft der FDP vorentscheidend sein. Ob Schleswig Holstein das mit ihrem „Bürger Fro“ hinbringt, kann bezweifelt werden, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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