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„Ein bißchen Wulff…“

9. Februar 2012

Eigentlich wollte ich nix mehr zum rabattgeilen Wulff und seiner Amigo-Szene schreiben. Schließlich ist er wirklich nur ein Vertreter der Geiz-ist-Geil-Generation, die sich in ihrem Bundespräses so zielgenau wiederspiegelt.

Die Bildzeitung, verfügte sie über so was wie Selbsterkenntnis und selbstkritische Neigungen, müsste eigentlich titeln: „Sind wir nicht alle ein bißchen Wulff?“ und damit die Frage an ihre verdummte, egozentrierte und konsumorientierte Leserschaft stellen, ob sie nicht, hätte sie die Gelegenheit dazu, auch beim kostenlosen Bobby-Car, bei der Promotion eines Buches über ihre trostlose Biographie, beim Freund mit den Spendierhosen und beim besten Platz im Urlaubsflieger zugreifen würde.

Und wenn diese Leserschaft der sattsam bekannten Springerpresse, die eigentlich eher Hamstern oder Lemmingen ähnelt, ebenfalls über so eine Eigenschaft wie Selbstreflektion verfügte, dann müsste sich die ganze Szene, also Leserschaft mitsamt Schreiberlingen, eingestehen, daß sie alle nicht nur ein bißchen, sondern hundertprozentig Wulff wären.

Ich selbst bin neulich in einem persönlichen Feldversuch zu meiner Bank gegangen  (zur LBBW, der Hausbank von mir und Wulff) und habe dort ultimativ und laut die Einräumung eines Wulff-Kredits verlangt, weil ohne meine wichtige Persönlichkeit Deutschland den Bach runter ginge (was ja nebenbei bemerkt kein Verlust für die Menschheit wäre).  Ich wurde dort vom Filialleiter allerdings darüber belehrt, daß ich zwar gleich wie alle anderen sei, aber Herr Wulff sei halt dann doch noch etwas gleicher (und reicher…).

Und so bleibt mein persönliches Fazit, daß dort oben genau der richtige und rechte Dödel das heutige Deutschland repräsentiert. Er macht das, was hier nahezu alle gerne machen (würden).  Warum also zurücktreten? Er wird doch nur dafür gehasst, daß er dem häßlichen Ideal-Gesamtdeutschen sein unverzerrtes Spiegelbild zeigt:

Geizig, egoistisch, verfressen, unsozial, fremdenfeindlich und antisemitsich, arrogant, versoffen und herrenmenschisch, selbstgerecht, gewalttätig und Doitschland-über-alles stellend. Weitere Adjektive erspare ich mir, denn auch ich spare gern, bin schließlich schwäbisch erzogen…

Ade.

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15 Kommentare leave one →
  1. 9. Februar 2012 17:08

    Deutschland ohne Wulff, das geht ja gar nicht. Aber auch wenn er zurücktritt hat er sich um das Vaterland verdient gemacht (Gremliza 2/2012)

  2. 10. Februar 2012 04:00

    Hoffe, die Landesbank wird nicht unter die Erde verlegt??

  3. 10. Februar 2012 14:26

    Die Landesbank darf bleiben. In der hausen ja keine Juchtenkäfer, sondern anderes Ungeziefer.

  4. 14. Februar 2012 01:01

    “Sind wir nicht alle ein bißchen Wulff?” – – –
    Genau, und deshalb ist die Repräsentanz des kleinkriminellen Alltagsdurchschnitts eben auch gegeben, wie Du schreibst. – Aber: Der kapitale Staat braucht Vorbilder (Hamm-Brücher, Wolf Biermann, Jan Ullrich), da wo der kleine Junge hochschauen kann. DAS AMT … darf nicht beträufelt werden mit … Allzumenschlichem.
    Der Staat, die Queen, das Amt.
    Mein Leben!

  5. 18. Februar 2012 16:19

    Aus gegebenem Anlaß möchte ich hier man einen der wenigen ernstzunehmenden und also von mir geschätzten Blogger der Community des derFreitag zitieren:
    Schade, dass Wulff gegangen ist. Selten bekommt man als Bürger dieses Staates einen so tollen Blick hinter die Fassade der Reichen und Einflussreichen geboten. Da hat sich die Presse mal angestrengt, selbst aber auch Federn lassen müssen, weil ihr Geschäft in der Kritik stand und über die Vertreter dieses Stands bekannt wurde, ihrerseits einige Schnäppchen-Privilegien zu besitzen und aus dem Glashaus heraus zu agieren.
    Wulff hat uns gezeigt, dass dieses von ihm begleitete Amt eine Art Popanz ist, das als moralische Instanz des Volkes implementiert wurde, um Ruck-Reden und andere vermeintlich große Gedanken servieren zu können. Wulff schaffte, wenn auch unfreiwillig, Transparenz. Dafür danke ich ihm.
    Wer es bisher nicht merkte, in seiner Rücktrittsrede zeigte er nochmals den geistigen und moralischen Horizont, den Kohl mit seiner ebenso bezeichneten politischen Wende bis zum Überdruss zelebrierte. Mehr kann man für 199.000 Euro Ehrensold und 78.000 Euro Aufwandsentschädigung als Steuerbürger nicht verlangen.“

  6. 19. Februar 2012 14:33

    Nun ja – diese Pauschalverurteilung von Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit ist schon ein wenig platt und auch nicht wahrheitsgemäß. Ich halte es für ziemlich billig, eine Bevölkerung derart in Bausch und Bogen zu stigmatisieren, auch, wenn das bestimmt genug johlenden Beifall aus bestimmter Ecke erhält. Weiter gebracht hat derlei allerdings noch niemanden. Aber wenn es darum geht, populistisch Resantiments zu bedienen, ist ja jedes Mittel und jeder Anlass recht.

    Vorteile nehmen Menschen jeder Ethnie gern in Kauf – das ist weder etwas typisch Deutsches noch kann man es explizit einer anderen Nation zuschreiben. Genauso unfair und destruktiv wäre es, vom saufenden mafiöse „typischen“ Russen oder vom „typisch“ faulen und unzuverlässigen „Südländer“ zu faseln. Auch hier präsentiert sich Rassismus in seiner „schönsten Form“.

    • 20. Februar 2012 11:52

      Ich denke doch, daß eine große Mehrheit der Deutschen so ist, auch wenn ich weiß, daß weder unter meinen Kolleg(inn)en noch in meinem Freundeskreis eine solche Geiz-ist-Geil-Mentalität herrscht.

      – Mir sind da einfach immer die Bilder der Massen im Kopf, die sich auf jeden Ramschtisch im Kaufhaus stürzen und/ oder die Mediamärkte leerkaufen, wenn mal wieder eine besonders scheußliche Werbekampagne („Weihnachten wird unterm Baum entschieden etc“) verfangen hat.

      Und ich kenne die Erzählungen eines meiner Söhne, der nunmehr 10 Jahre bei IKEA gejobt hat und wirklich abstruse Konsumenten-Geschichten erzählen kann.

      Und für die war das schon der richtige Bundespräsident, denn er ist einfach so wie sie.

      Wie echt müsste ein Bundespräsident sein? –

      – Ich denke, dass es eine Ehre sein müsste, ein solches Amt zu begleiten, egal, wie viel da zu verdienen ist. Am Hungertuch, wie so einige Familien, die ich betreue, muß er ganz gewiss nicht nagen. Unbestechlich muss er sein.

      Der Ministerpräsident Biedenkopf hat Rabatte im Baumarkt ausgehandelt, Lothar Späth ist über eine Segel-Party gestürzt und der NRW-Ministerpräsident Rüttgers hat seine Presse-Gespräche verkauft… Viele Politiker können einfach nicht den Hals voll genug kriegen und haben jede Bodenhaftung verloren.

      Mit Rassismus hat das gar nichts zu tun. Schau Dich einfach um, wie unendlich rechts und antisemitisch die übergroße Zahl Deiner Nachbarn ist.

      • 20. Februar 2012 17:53

        Na ja, Rio Reiser hätte gesungen: Macht die Ämter kaputt, die Euch ihnen gleichmachen. – Mentalitäten werden erworben, durch Umstände, sind nicht (gott)gegeben. Global ist heute das Kapital ‚vollumfänglich‘ der Umstand, in dem alle Menschen machen müssen. – Ob es also jemals anders wird? …

    • 20. Februar 2012 16:19

      Vorurteile und nochmals Vorurteile. Die übergroße Zahl meiner Nachbarn ist so nationalistisch, wie sie in jedem anderen Land auch sind. Eine Schnäppchen-Mentalität existiert auch in ganz Europa und darüber hinaus. Und was die Media-Märkte betrifft, finden sich dort, gibt es wirklich günstige Angebote, reichlich Menschen türkischer Abstammung. Das konnte ich in Köln gut beobachten, als diese gleich 5 DVD-Player kauften – und nicht nur einen. Jetzt wäre es aber genau so dämlich, ihnen das vorzuhalten. Sie nutzen eben ihre Chance. Ich will Mitnahmementalitäten, wenn sie ausufern, garnicht rechtfertigen – aber diese Deutsch-Disserei hier ist primitiv und in dieser Form einfach unwahr. Allerdings in „diesen“ selbstgerechten Kreisen wohl normal

      Wie gesagt: Jedes der „Argumente“ hier könnte man auf jede Nationalität anwenden, so man möchte. Hier aber wird es als etwas „typisch Deutsches“ angeprangert und das ist Schwachsinn.

      Nichts gegen den Autoren persönlich, aber das hier ist unreflektierter Müll.

      • 20. Februar 2012 17:27

        Also nochmal: Nationalismus und Antisemitismus und die Metamorphose vom Mensch in ein vom Konsum orientiertes Objekt sind natürlich nicht nur deutsch, da gebe ich Dir recht.

        Aber da ich nun mal hier lebe, gebe ich meinen sehr bescheidenen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft eben im deutschen Gelände zum Besten.

        Es erschiene mir unlogisch, mich über Zustände in anderen Ländern zu äußern, in denen ich eh nichts ändern kann.

        • 20. Februar 2012 17:59

          Ok – das ist Deine Sicht und somit auch ok. Aus meiner Sicht ergibt es aber keinen Sinn, auf die eigene Lebenssituation damit zu reagieren, dass man Umstände nur auf sie projeziert. Worauf ich hinaus will, ist die Gefahr, „menschliches“ Verhalten so zu nationalisieren und es dann nicht mehr als Solches zu erkennen. Ich glaube auch nicht, dass ich hier etwas erreichen kann, wenn ich all meinen Mitmenschen „vor den Karren scheiße“, auf dem ich letztlich auch sitze. Es gilt grundsätzlich, Menschliches infrage zu stellen und ggf. zu „verbessern“.

          So jedenfalls sehe ich das und darum empfinde ich derlei Artikel nicht als hilfreich, wobei ich natürlich gestehen muss, dass auch ich schon sowas verzapft habe und es ist natürlich genauso kurzsichtig.

      • 20. Februar 2012 18:09

        Vielleicht kann man sich darauf verständigen, daß sich die Bevölkerung des Vaterlandes der romantischen Dichter und Denker besonders dumm anstellt im Umgehen jeden Solibeitrags und überhaupt. – In jedem Freundschaftsdienst weiß schon jeder hier den darin wohnenden Beschiß. Der erste begangene, schon gar in einem Amt, zwingt jeden stärker in das System, das man ja gerade umgehen wollte.

  7. 21. Februar 2012 18:14

    Den Nachfolger von Wulff können wir übrigens nur noch über eine Frage verhindern:
    MUSS GAUCK JETZT HEIRATEN?
    „Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird“, sagte der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis der Passauer Neuen Presse. Gauck ist seit zwölf Jahren mit der Nürnberger Journalistin Daniela Schadt liiert, die ihn im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März als First Lady ins Schloss Bellevue begleiten würde. Vor seiner Kandidatur 2010 hatte Gauck versichert, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen, wenn er Präsident werde. Die Ehe mit seiner ersten Frau ist noch nicht geschieden.
    Linke-Chef Klaus Ernst nannte die ganze Debatte völlig überflüssig. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er: „Was für eine mittelalterliche Debatte! Es gibt viel, was gegen Gauck als Präsident spricht, seine Lebensverhältnisse gehören nicht dazu.“ Aber: Nur diese haben vor dem Volk noch die Relevanz der Desertion, anders steht es schon in Reih und Glied!
    Eine spontane Straßenbefragung am Faschingsdienstag ergab als Gesamtergebnis: „Ein Bundespräsident sollte nur mit dem AMT verheiratet sein.“ Die Schwurformel hieß oft: Bei meinem Ehrensold!

  8. 21. Februar 2012 18:52

    „Aber da ich nun mal hier lebe, gebe ich meinen sehr bescheidenen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft eben im deutschen Gelände zum Besten.“

    So recht ich Hermanitou gebe, dieses (obige) Argument ist, so logisch es auch ist („Schuster, bleib bei Deinen Leisten“), gefaehrlich. Etwas mehr Internationalismus bitte! :-). Ich nehme mir heraus, vieles hier in der Türkei zu kritisieren – ja, weil ich hier lebe!, denke aber auch über Mentalitaeten in Lettland, Ungarn und Bordurien nach…….

  9. 8. März 2012 21:29

    Wulff-Abschied 8. März: Großer Zapfenstreich und laute Proteste
    Berlin – Drei Wochen nach dem Rücktritt ist für den bisherigen Bundespräsidenten Christian Wulff die Zeit in Schloss Bellevue jetzt endgültig vorbei. Bei einem letzten Empfang im Präsidialamt warb Wulff am Donnerstagabend nochmals für eine Gesellschaft, in der auch Platz für andere Kulturen ist. (Westfälische Nachrichten)
    Auf die Umstände seines vorzeitigen Abschieds ging er dem Redemanuskript zufolge nicht ein. Der anschließende Große Zapfenstreich blieb überschattet von Kritik und Kontroversen. Von Wulffs vier noch lebenden Vorgängern war jedoch kein einziger dabei. Auch die Opposition fehlte praktisch komplett.
    Der bisherige Bundespräsident Christian Wulff hat zum Abschied noch einmal für eine Gesellschaft geworben, in der auch Platz für andere Kulturen ist. «Vielfalt, Weltoffenheit, Freiheit und sozialer Ausgleich – das macht unser Land aus und stark», sagte Wulff dem vorab verbreiteten Redetext zufolge am Donnerstagabend bei einem Empfang in Schloss Bellevue. Der «Dialog der Kulturen» sei dabei von entscheidender Bedeutung. Anschließend sollte Wulff mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet werden. (Neue Osnabrücker Zeitung)

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