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Leo Trotzki

26. Januar 2012

“Of no other participant in the Bolshevik-Marxist battles of the twentieth century could this (‘the fusion of the man of ideas with the man of action, the wandering internationalist’) really be said to be the case. Lenin is stranded in time and place, as are Mao and Ho-Chi-Minh. Stalin is annexed to the general study of pathological dictatorship. Combative and brillant intellectuals like Rosa Luxemburg, Antonio Gramsci and Nikolai Bukharin ar efor specialists, and were located before they were defeated. Fidel Castro has at least made it into the twenty-first century, but at the price of becoming a bloated and theatrical caricature. Only Che Guevara retains a hint of charisma, and he made no contribution whatsoever to the battle of theory and ideas.” (Christopher Hitchens)
(“Kein anderer der bolschewistisch-marxistischen Kӓmpfe des 20. Jahrhunderts kann dies – die Verbindung des Mannes der Ideen mit dem Mann der Aktion, der wandernde Internationalist – von sich behaupten. Lenin strandete in Ort und Zeit, wie auch Mao und Ho-Chi-Minh. Stalin schmückt die Galerie der pathologischen Diktatoren. Brilliante Intellektuelle wie Rosa Luxemburg, Antonio Gramsci oder Nikolai Bucharin wurden geortet, bevor sie vernichtet wurden. Fidel Castro hat es zumindest bis ins 21. Jh. geschafft, wurde da aber zu einer Ikone seiner selbst. Nur Che Guevara behielt sein Charisma, lieferte aber keinerlei Beitrag zum Gefecht der Theorien….”)
Habe vor langer Zeit Trotzkis Memoiren zu lesen angefangen, erinnere ihn als Kind auf dem Bauernhof seiner Eltern in der Ukraine; nie mehr habe ich so packend über Getreide gelesen, hab jetzt noch den Duft des Korns in der Nase. Naja, weiter kam ich nicht, kann mich deshalb wohl auch nicht Trotzkist nennen.
In den spӓten siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war ich im mecklenburgischen Crivitz der Gast eines DDR-Schulleiters. Ich erinnere mich heute noch, wie dieser erbleichte, als ich ihn fragte, ob er Bücher Trotzkis in seinem Regal stehen habe.
Dann begegnete ich ihm lesend und als Kinobesucher im Blauen Haus Frida Kahlos in Mexico wieder, kurz bevor ihm ein Eispickel in den Schӓdel gerammt wurde.
Nun entdecke ich mit Staunen und Begeisterung den Trotzki dazwischen. Allein die Lӓnder, die er – meist auf der Flucht – bereiste, vom Wiener Kaffeehaus über das eisige Klima Irkutsks, die Indian Summers von Halifax in den USA, die Fjorde Norwegens, die Treppen Odessas, in London mit Lenin auf einem Zimmer, in München wie so viele unserer Bekannten zu Beginn des 20. Jahrhunderts (in einem Moment waren Hitler und Stalin gleichzeitig da wohnhaft. Rainer Maria Rilke versteckte Ernst Toller vor den preussischen Hӓschern in seinem Kleiderschrank), Paris, wo er die Kunstgeschichtsstudentin Natalia Sedova, die seine zweite Frau werden sollte, kennenlernte, die Prinzeninseln in Istambul (wo er vier Jahre wohnte und die oben erwӓhnten Memoiren begann), den Balkan, den er wie kein anderer in seinen von den Grossmӓchten geschürten blutigen Vorurteilen der Ethnien gegeneinander beschrieb, natürlich alle möglichen Orte der Sowjetunion und zuletzt das Mexico seiner Ermordung! Er ist das Muster und die lebende Verkörperung des “Exilierten”. Und selbst nach der Entstalinisierung in der Sowjetunion wurde er nie rehabilitiert. Auch im Westen ist es noch immer hart, einer trotzkistischen Vereinigung anzugehören…..
Dann seine Erwӓhnungen in der Literatur!: Er erscheint in Büchern von Saul Bellow, Mary McCarthy, Clement Greenberg, Norman Mailer, George Orwell, Milan Kundera (um einmal nur nichtrussische zu nennen)
Die “Staatsmӓnner”: Winston Churchill zeichnet ihn als üblen Oger (manche sagen, weil er von ihm, wie auch von Kemal Atatürk, militӓrisch besiegt worden sei). Hitler hatte fast Schaum vorm Mund, wann immer er Trotzkis Namen hörte. Dem norwegischen Ministerprӓsidenten Trygwe Lie, der ihn aus dem Lande wies, prophezeite er ein gleiches Schicksal (welches sich durch die deutsche Besetzung bald erfüllte). Stalin fühlte sich durch ihn angegriffen und verfolgte ihn und seine Söhne mit tödliche Folgen. Sage mir, wen du zum Gegner hast……
Keine von Trotzkis Visionen erfüllte sich. Stalin verfolgte ihn und seine Familie bis aufs Blut. Zeitlebens warnte er vor dem Faschismus. Resigniert sagte er nach dem Vertrag des Nazireiches mit Neville Chamberlain den Hitler-Stalin-Pakt voraus.
Der am lӓngsten unter dem Stalinismus einsitzende Jugoslawe schlug nach seiner Freilassung vor, eine Strasse im kosovarischen Pristina nach Trotzki zu benennen. Es wӓre die einzige in der weiten Welt geworden.

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5 Kommentare leave one →
  1. 26. Januar 2012 21:40

    1) nie mehr habe ich so packend über Getreide gelesen
    2) Rilke
    3) Balkan
    4) Schaum
    :: Argumente gegen Trotzki ::

  2. 27. Januar 2012 06:40

    Klar ist vieles hier von Hitchens nacherzaehlt, aber das mit Rilke steht bei ihm net (Toller, Eine Jugend in Deutschland).
    Balkan: Trotzki hat waehrend der Balkankriege viel über die betreffenden Laender geschrieben, war auch dort, quasi Kriegsberichterstatter, hat unermüdlich auf die rassistischen Vorurteile der Serben gegen die Türken und umgekehrt hingewiesen….

  3. 27. Januar 2012 06:41

    Betonte immer, dass die Grossmaechte sich im Balkan einmischen und friedliche Nachbarn gegeneinander aufhetzen würden. Erinnert einem an die Jugoslawienkriege…….

  4. 27. Januar 2012 12:08

    Wer weiß wie die Geschichte ausgegangen wäre, hätte Trotzki den Machtkampf gegen Stalin gewonnen.

    • 27. Januar 2012 14:16

      Anders!

      (Heute ist es ja so, daß die Alternative sich schon eingenistet hat ins Gegebene: Alternative Buchläden, Alternativer Nobelpreis, taz, Grüne, 11FREUNDE.DE.)
      Kicker it!

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