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Christoper Hitchens

23. Januar 2012

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir der Name bis vor kurzem völlig unbekannt war. Eine australische Freundin – sie ist hier als Journalistin tӓtig – stellte dann einen liebevollen Nachruf ins Net (er starb vor kurzem an Speiseröhrenkrebs). Zu “Weihnachten” (schreibe das in Anführungszeichen, weil “Hitch”, wie sein Nick lautete, zeitlebens gegen religiöse Brӓuche war), erhielt ich nun von meinem Schwager Engin und meiner Schwibschwӓgerin Yulia eines seiner Bücher, eine Essaysammlung mit dem Titel “Love, Poverty and War” (da ein altes Sprichwort sagt, dass jemand, der Liebe, Armut und Krieg nicht erfahren hat, auf ein unvollkommenes Leben schauen muss). Wie kann ein Schreiber, der Hitchens ja war, den Krieg erfahren haben? Nun, er spricht vom Krieg gegen die “stupidity” der Religion. (Ausserdem war er an vielen Fronten zugange und berichtete darüber).
Kennt Ihr ihn? Und? Was haltet Ihr von seinen Büchern? (Denn persönlich werden wir ihn nie mehr kennenlernen).
Ich erzӓhle ein wenig: In dem Buch ist zu meiner Freude je ein Essay über Borghes, Joyce und Dylan. Hitchens war bekannt als Bewunderer von Orwell, Jefferson und Paine, als Kritiker von speziell Mutter Teresa, aber auch Kissinger, der Clintons und schliesslich auch der britischen Royals.
Gleich der erste Essay in dem Buch behandelt Churchill, lebendes Denkmal (naja, 1965 gestorben), Bewunderer seiner selbst, Staatsmann, gnadenloser Imperialist.
Hitchens zitiert seine berühmten Reden (“Blut, Schweiss und Trӓnen”,”… durch Europa wird sich ein eiserner Vorhang ziehen”), rüttelt aber krӓftig an dem Denkmal des “grössten Briten”, insofern er ihm Nӓhe zu Hitler und Stalin und komplette und andauernde militӓrische Fehleinschӓtzungen von Gallipoli über Antwerpen, Dünkirchen, Norwegen, Kreta, Pearl Harbour nachweist – über den japanischen Angriff wusste er, so Hitchens, vermutlich Bescheid – und nennt ihn total kontraproduktiv, da das Britische Empire, das er retten wollte, letztlich durch ihn verlorenging. Ein tröstlicher Gedanke auch für unsere Gegenwart: Nicht immer wird erreicht, was angestrebt…….
Hitchens schrieb und redete über vier Jahrzehnte, immer polemisch, treffend und unbarmherzig. Manche Talkshow geriet durch ihn zum Skandal.
Hatte er als Trotzkist begonnen, geriet er – anscheinend – in die Nӓhe der Neokonservativen, sprach sich für den Irak-Krieg aus, war tief getroffen von Chomeinis Machtergreifung im Iran und vor allem durch die Fatwa gegen Salman Rushdie (Hier traf ihn, wie er sagt, vor allem die mehr als laue Reaktion der europӓischen und amerikanischen Linken).
Zeit seines Lebens war er ein Verfechter der Aufklӓrung, nannte sich selbst einen Antitheisten, griff besonders den Islamofaschismus (laut Wikipedia ein Neologismus, hehe) scharf an. Nach Hitchens ist der Glaube an ein höheres Wesen eine Art der Ergebung unter einen gewollten Totalitarismus, beendet jede individuelle Freiheit und steht jeglicher Wissenschaft polar gegenüber. Hat was.
Hitchens starb am 15.12.2011 in Houston, Texas

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2 Kommentare leave one →
  1. 23. Januar 2012 18:08

    Wie reich doch Skizzen schon sein können!

  2. 23. Januar 2012 19:06

    Mir sagt Christoper Hitchens schon etwas, aber viel kenne ich nicht von ihm. Ich würde sagen Hitchens war ein interessanter Mensch, außerhalb des Mainstreams, der erkannt hat, dass sich die Welt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und nach dem 11. September verändert hat. Antisemitismus von recht und von links hat er mit scharfer Ironie kritisiert. Sein Antikatholizismus war mir sympathisch. Mit seiner kompromisslosen Befürwortung des Irakkrieges hat er natürlich überzogen.

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