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Verschwunden!

20. Januar 2012
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Verschwundene Berufe und Sachen:
Geschrieben von Hibou, der staunt: wehmütig über all die verschwundenen Sachen, aber auch dankbar für all das wunderbar Neue!

Die Graphologen: Haben sie umgesattelt auf Programmierer? Wer erinnert sich nicht an die Zeiten von zittrigen Unterlӓngen, verwischten Verbindungen und überproportionierter Kommata? Verbrecher wurden anhand ihrer Handschrift identifiziert. Die Parkinson-Früherkennung funktionierte auf Grund leicht verӓnderter Handschriften hervorragend…..Graphologen waren vielbeschӓftigt und erlangten anhand berühmter Prozesse wie desjenigen gegen Rosemarie Nitribitt internationale Berühmtheit.
Nun schreiben wir alle mit Keyboard. Buchstaben gleichen einander aufs Haar. Anhand von “Courier” imitieren wir die alten Zeiten der Schreibmaschinen…..

Ja, die Schreibmaschinen: Jeder angehende Autor hatte seine Reiseschreibmaschine dabei, damit er zur Not auch in der Kneipe schreiben konnte. P.G.Hübsch tippte mir ein Abschiedsgedicht auf Klopapier. In den grossen Firmen waren ganze Hallen mit Schreibmaschinen Walze an Walze belegt, im Nebenraum ratterten die Fernschreiber. Und wo sind die vielen “Tippsen”?

Das Diapositiv: Was hatten wir zu Hause für Sammlungen! Wie oft haben wir Rӓhmchen gekauft und ganze Nachmittage mit dem Rahmen von Neuzugӓngen verbracht! Renommierte Firmen lieferten nach der Entwicklung die Bilder schon in Pappe vorgerahmt. Aus Faulheit beliess man es oft dabei. Dann aber im Projektor klemmte das Bild. Vermögende Leute liessen sich eine elektrisch auf- und zuzurollende Dialeinwand ins Haus einbauen. Wir anderen kauften die Wand auf wackeligem Stativ. Leihst Du mir Deinen Projektor? Der Dia-Abend konnte stattfinden. Mit dem Dia ist auch der Zelluloid-Film verschwunden. Die Dunkelkammer schaun wir uns bewundernd in “The Blow-Up” an. Jeder Dummbeutel verfügt über eine Digitalkamera oder zumindest ein fotografierfӓhiges Handy.

Die Souffleuse und der Souffleur: Nun haben wir den Teleprompter. Davon wird alles abgelesen. Vorbei die Zeiten, als im Theater aus dem Souffleurkasten Hilfe kam. Die Huckedohle kam extra als Souffleuse auf unsere Wintertournee mit und half uns über alle Textklippen von “Next time I’ll sing to you” und “Woyzeck”. Zugegeben: bei entscheidenden Sӓtzen wie “ich sterbe!”, “ich komme!” oder so war der Blick zum Bühnenrand kontraproduktiv. Das aber ist heute beim Prompten net anders. Eben versagte für die TV-Nachrichtensprecherin der Teleprompter (vielleicht hatte sich ein Mistkӓfer in die Maschinerie eingeschlichen? Sie sehen, ich stelle mir den Teleprompter noch mechanisch wie den “Rolling Title” vor). Sofort war sie stumm wie ein Fisch. Wahrscheinlich hatte sie im Privatleben noch nie vom Bundeswulff gehört?

Die Fensterkurbel: Auf früheren Autofahrten kurbelten wir bei Hitze die Seitenscheibe von Hand herunter. Wehe dem, der das heute versucht! Seine Hand greift voll ins Leere. Stattdessen übernimmt nun der Bordcomputer auf Knopfdruck diese Aufgabe. Aber Vorsicht! Leuchtet eine Warnlampe auf, kann das heissen, dass ein Teil des Wagens kaputt ist, meist aber heisst es nur, dass der Bordcomputer net funzt…..

Die Hausmusik: Mӓnniglich und frauiglich griff nach der Mahlzeit oder/und zu Festeszeiten zum Musikinstrument. Im trauten Familienkreis erklangen Mozart, Diabelli und Corelli. Oder es wurde vierstimmig “Alles Leben strömt aus Dir”, “C’est ci simple d’aimer” oder “Siam’ giovani e siam’ soldati…” gesungen. Heute leben wir als Couchpotatoes, wir schalten selbst beim Essen den Fernseher net ab, oder wir stellen uns den Fast-Food-Teller neben den Laptop und twittern. Kein Schwein beherrscht mehr die Blockflöte!

Der Brief: Was schrieb Franz Kafka an Milena und Martha Gellhorn an Hemingway? Tempi passati! Vorbei die Zeit der vielseitigen Briefe, der wertvollen Briefmarken, an denen auch kein Zacken fehlen durfte, der Billetdoux an die Geliebte, die diese nach dem Lesen errötend am Busen verbarg! Wir schicken mal eben ne E- Mail, schreiben auf Facebook oder gehn in den Chat und “sprechen” dort mit wildfremden Leuten aus Wellington oder Urumtschi….. Selbst das (stationӓre) Telephon hat irgendwie ausgedient. Meine Grossmutter ging zur Wand, an der auf Kopfhöhe das Telefon angebracht war, nahm den Hörer ab und sagte: “Schefer hier!” In der Leitung war dann Geschӓftskollege Wellauer aus der Multergasse. Vorbei…
Dafür haben auch die Ӓrmsten auf Haiti oder in Somalia mindestens ein Handy. Das hat Vorteile: werde ich verschüttet oder gehe verloren, wӓhle ich mal eben 911. Flaschenpost? Wer wird denn jahrelang warten? Das Papier überhaupt wird kaum mehr gebraucht. Das wird unsern Wӓldern guttun. Zeitung? Denkste. Packpapier? Das Cargo-Unternehmen verfügt über eigene Plastikbeutel. Klopapier? Wir wischen uns mit synthetischem Hakle-feucht den Hintern ab!

Das Morse-Alphabet: Was wӓre der Film “Once upon a time in the West” ohne den morsenden Bahnbeamten? In Bodrum morste Teleğrafcı Kemal Einzelheiten über den Feind bis zum eigenen Tod. Kein Schiff sank ohne SOS. Die Punkte und Striche und deren Kombinationen wurden von uns auswendig gelernt und hatten mythischen Charakter. Heute haben wir na klar Handy, GPS und Google-Earth…..

Der Telegraph: Das “Internet des victorianischen Zeitalters” wurde das Telegraphennetz genannt. Die nötige Spannung wurde nicht selten durch in Reihe geschalteter Ammoniumchlorid-Batterien erzeugt, wurde der Salmiakgeist knapp, konnte auch Urin verwandt werden. Ganz recht: der morsende Beamte im nӓchtlichen Funzellicht war auch hier zugange, oft wurde zum Chiffrieren und Dechiffrieren noch ein zweiter benötigt (Wir hoffen, dass sie immer genug zu trinken hatten).Sich vorzustellen, dass das zum Teil noch nicht einmal drahtlos geschah! Mein Bruder diente bei den Fernmeldetruppen, ihr Motto war nicht mehr das der Kreuzzüge: “Tötet sie alle! Gott wird die seinen schon erkennen”, sondern “Verbindung um jeden Preis!” (Vielleicht diente er ja deshalb bei den Telegrafçıs?). Die Kabelrolle wurde aus dem fahrenden Auto gehalten und wikelte sich dort rasch ab. Anschliessend ans Manöver musste na klar alles wieder aufgerollt werden. Heute genügt vermutlich ein Handy, um ein Armageddon auszulösen?

Die Minox-Kamera: Der junge Sean Connery und der junge Michael Caine, Burton, Quaid und Oskar Werner fotografierten in den Spionagethrillern damit unter Lebensgefahr die Akten und Skizzen ihrer Feinde ab und brachten die winzigen Filme in hohlen Spazierstöcken, Zӓhnen, toten Briefkӓsten, Bierdosen oder Arschfalten in Sicherheit. Noch die DDR-Grenzbeamten fotographierten für die Stasi ganze westdeutsche Reisepӓsse ab. Heute sehen wir in den Nachrichten, dass Eastman-Kodak grade Insolvenz angemeldet hat. Von Rolleiflex, Agfa-Box oder Polaroid hören wir schon lange nichts mehr…..

Die Parkuhr: Nie hatte man Kleingeld dabei, um die Parkuhr zu bedienen, stets war die Bulette zur Stelle, um ein Bussgeld zu verhӓngen. Diebe gruben die ganze Chose aus, um an die Groschen (zunӓchst, spӓter waren es Fuffies und Markstücke, bzw. Euros) zu gelangen. Demnӓchst werden auch die Fahrkartenautomaten an den U- und S-Bahnen nicht mehr vorzufinden sein, da alles auf Chipkarte umgestellt werden wird. Wir in der türkischen Provinz werden das nicht merken: hier gibts gar keine Eisenbahnen, und Parkplӓtze wie sauer Bier…..

Die Bibliothek: Wie angenehm muffig roch es in Bibliotheken! Wie schweigsam waren wir da! Kaum wagte man es, dem Gegenüber wortlos in den Ausschnitt zu starren…Wie schön ist es nach wie vor, in allen möglichen amerikanischen Anwaltsserien ganze Regale voller Paragraphenwerke, deren grüne und rote Buchrücken matt im Hintergrund schimmern, zu sehen! Heute passen tausende von Buchinhalten auf ein I-Book2, auf ein Kindle oder auf eine einzige externe Festplatte. Was beim Umzug von Nutzen ist: die vielen Bücherkisten müssen nicht mehr gepackt werden! Und zudem kann jeder Lesemuffel die Besucher auf seinen passwortgeschützten Laptop verweisen….. Was aber wird mit den Musterwohnungen der grossen Möbelhӓuser? Dort standen doch immer zwei oder drei Atrappen von Krieg und Frieden oder Schuld und Sühne in den Regalen? Naja, wird das Buch halt vollends zum Accessoir. Antiquariate? müssen auf Ohrringe umstellen.

Die Ampel: Ob sie noch überdauern wird? Vielleicht der Fussgӓnger wegen. Das schöne Ampelmӓnnchen in grün und rot. Das einzige, was wir aus der DDR übernahmen. Hoffentlich leuchtets noch lang! Oder aber wir bekommen nen Chip ins Hirn operiert, der uns sagt: walk! don’t walk!. Für Autos gilt jetzt schon: Der Autopilot ist im Kommen. Um nicht total frustriert zu sein, wird der Fahrer aber nur langsam und schonend daraufhingetrimmt. Aber Vorsicht auch hier: Leuchtet am Armaturenbrett (hehe) ne Lampe auf, bist Du nie sicher, ob das Öl alle oder ob nur die Elektronik nicht funktioniert!

Die Landkarte: Ein Beispiel:Bei ihren Feldzügen um Van, Bitlis und Muş um 1915 (!) verfügten weder die russischen Angreifer noch die türkischen Verteidiger über Landkarten. Man musste sich an den realen geographischen Gegebenheiten (Berge, Schneefelder, Hügel, Eichenwӓlder, klare, kalte und rasch fliessende Gewӓsser usw.) orientieren. Also für kaum ein Jahrhundert war die Landkarte (nicht nur im Orient) eine Jedermannsache. Meine umfangreiche Wanderkartensammlung ist nicht mehr das Papier, auf dem sie gedruckt wurde, wert. Heute haben wir GPS, Google Earth, Smartphone und Radar. Aber wofür? Wir machen ja doch keinen Schritt ohne unsere Alltours…..Die Flughӓfen aber auch die All-Inclusive-Resorts und die Malls sehen überall gleich aus. Egal, wo ich bin.

Das sind nur wenige Beispiele. Mehr und mehr Sachen werden verschwinden. Und das so lange, bis einer am Meeresgrund den Stöpsel findet und die ganze Welt auslaufen lӓsst.

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19 Kommentare leave one →
  1. 20. Januar 2012 11:05

    Toll!
    Auch die Reiseschreibmaschine!
    Aber Fensterkurbel?
    Bei der Ente klappte es,
    beim R4 schob ich oft …

    • 20. Januar 2012 18:00

      Mein R4 (orange) lief immer! In Carcassonne brach mir der Krümmer und hing auf die „Rue“. Ich schlitzte eine leere Coladose, steckte sie dazwischen und fuhr noch jahrelang mit meinem neuen „Topf“. Außerdem sah er (R4) die letzten Jahre nur noch Altöl. Kurz bevor sein letzter TÜV ablief unternahm ich alles um zu prüfen, ob man den Motor aufarbeiten kann. Mit 50 km/h, bergab, schaltete ich auf den 1. Gang…er war nicht aufzuarbeiten…

      lg LL

  2. 21. Januar 2012 07:47

    Meine Reiseschreibmaschine blieb im Zug nach Genf liegen..
    R4? Ich fuhr Ente 🙂 ,auch in Carcasonne hihi

  3. 22. Januar 2012 13:41

    Von den meisten Dingen verstehe ich nichts. Aber Dia-Positive sind doch nicht verschwunden und auch der Sofortfilm erfährt eine Renaissance. Auch Minox-Kameras gibt es noch. Dinge verschwinden nicht einfach so, lediglich ihre Verbreitung und ihre Durchdringung verändern sich. Klassische Filme wurden genutzt, weil es keine Alternative gab – lange Zeit. Und sie haben etwas mit den verbreiteten Digitalkameras und Knips-Handys gemeinsam. Zu Filmzeiten besaß ebenfalls jeder Laie irgendeine Kamera, weil sie ein elementares Bedürfnis – sich erinnern zu können – unterstützt und wie heute war nur eine Minderheit der Auslösenden wirklich gut. Ich habe in meiner Exakta 66 gerade einen Diafilm, den ich allerdings crossen lasse. Das ist dann Retro pur.

    • 22. Januar 2012 15:25

      Verschwunden ist meine Agfamatic Sensor 100 von 1974 – die mit dem Roten Punkt – auch nicht. Manchmal öffne ich die Klappe, um zu gucken, ob noch Luft drin ist. Denn einen Kassettenfilm für die schöne schwarze Hülle hab´ ich lang nicht mehr gesehen. Ich gebe zu, auch lang nicht mehr gesucht.

  4. 22. Januar 2012 20:27

    @Michael: machst Du Hausmusik? hast Du Landkarten?

  5. 23. Januar 2012 22:44

    Hallo hibouh,

    nein – ich mache keine Hausmusik. Eine Weile zupfte ich rum, habe das aber irgendwann auch aus Zeitgründen und zugunsten der Konserve aufgegeben. „Hausmusik“ im eigentlichen Sinn war mir aber bereits seit den 1980ern völlig fremd und ich empfand sie als spießig und zurückgeblieben. Über Landkarten verfüge ich selbst nicht, aber wir hatten 15 Wanderkarten auf den griechischen Inseln dabei, da sie einfach praktisch sind. Es gibt eine Menge neu bearbeiteter ganz hervorragender Karten gerade für Leute, die wandern. Empfehlenswert sind diese hier: http://www.anavasi.gr/en/

    @ Rainer

    Ich fotografiere mit meinen analogen Kameras immer noch. Dazu gehört eine Linhof Technika, eine Mamiya, eine Sinar und eine Hasselblad – neben der Exakta 66. Dabei bin ich nicht einmal ein Einzelfall – eine Menge Leute nutzen derlei Werkzeuge immer noch aus den unterschiedlichsten Gründen. Kasettenfilme waren allerdings immer schon Mist – technisch und qualitativ – daher finde ich deren Verlust nicht wirklich schlimm.

  6. 24. Januar 2012 15:40

    Ich brenne für Landkarten! Hab den Link sofort gespeichert, Michael. Hier meine speziellen:

    http://bigthink.com/blogs/strange-maps

    Diese Blaetter zeigen sehr schön die Subjektive Seite der Kartographie….

    Hausmusik? Ja, heutn büschen spiessig, stimmt. Wie Schaschlik, gell?

    Es gibt na klar auch noch Hasselblads, auch andere schon vor laengerem kreierte Modelle („Bettina knipst“). Ist halt für welche, die die Vergangenheit lieben :-).

    Ich liebe es, „alte“ Filme reinzuziehen, etwa „Mystery Train“ oder „The Ipcress File“ von 1974 (hehe). Abgesehen von der Handlung und den da noch jungen Michael Caines und Ava Gardners sind sie wie Museen der Zeitgeschichte.

    • 25. Januar 2012 09:27

      Die Karten sind grandios. Danke für den Tipp.

      • 26. Januar 2012 20:28

        „Eine Weltkarte, die Utopia nicht zeigt, ist es nicht wert, einen Blick darauf zu werfen.“ (Oscar Wilde)

      • 27. Januar 2012 15:00

        Interessant finde ich den Gedanken, nach dem es keine Karte der Welt im Maßstab 1:1 geben kann, weil diese Karte (auf der Erde) wiederum die Karte auf der Erde (usw. in unendlicher Iteration) abbilden müsste! Hierin sehe ich den philosophischen „Beweis“, dass die Physiker auch keine Chance haben, die sog. „Weltformel“ zu finden, weil „das Finden dieser Formel“ bereits in der „Weltformel“ integriert sein müsste! Okay, wieder Essig, habe gerade meinen Denkfehler bemerkt: Die Weltformel könnte so geartet sein, dass sie das Finden der Weltformel z.B. im Jahr 2018 oder später beinhaltet…immerhin bin ich durch die Formulierung des „Problems“ selbst drauf gekommen!

        lg LL

        • 28. Januar 2012 06:58

          Hab auch schon öfter daran gedacht, den Stadtplan von Bodrum auf die Stadt zu zeichnen… Oder aber die Karte grösser als die Wirklichkeit? Naja, wer weisss, ob wir nicht sowieso auf ner Karte rumlaufen………

  7. 26. Januar 2012 19:36

    Wenn Dylan-mäßiges „Rumzupfen“ auch schon unter Hausmusik rubriziert, dann mache ich Hausmusik! Letzten Samstag war ich allerdings bei Hausmusik professioneller Art eingeladen. Sonaten von Beethoven, Schubert, Schostakowitsch und Miniaturen von Juon wurden u.a. von einem Mozarteum-Absolventen und Cello-Virtuosen im kleinen Kreis dargeboten. Aber was soll ich sagen, wenn`s die Musikkoryphäe Adorno doch viel besser in Worte fasst: „Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen: so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; weil wir so noch nicht sind, wie jene Musik es verspricht, und im unbenannten Glück, daß sie nur so zu sein braucht, dessen uns zu versichern, daß wir einmal so sein werden. Wir können sie nicht lesen; aber dem schwindenden, überfluteten Auge hält sie vor die Chiffren der endlichen Versöhnung.“ Ja, ja, die Musik, die Sprache jenseits der Sprache!

    lg LL

  8. 27. Januar 2012 19:19

    Da vorne steht ne Ampel!
    Ein großes Lied vom Plan.

  9. 28. Januar 2012 06:55

    sehr schön! vor allem auch der Roboter

  10. 29. Januar 2012 19:35

    Oh, jetzt ist mir noch was Verschwundenes eingefallen: Die Gasometer! Irgendwo in unserer Nachbarschaft ragten sie auf, riesig, stumm und bewegungslos, hinter Friedhöfen, Gleisdreiecken, grünen Bӓumen oder verfallenen Siedlungen. Nie bekam man mit, wie die urgrossen umgekehrten Töpfe in der Erde verschwanden, der Fait Accompli war dann aber, dass nur ein Umriss aus Stahlgestellen stehenblieb, wo sonst eine dichte Metallwand treppenbestückt und himmelhoch aufragte. Wo sind sie geblieben? Wir brauchen doch noch immer Gas? Oder waren sie nur, ӓhnlich dem Eifelturm, ihrer pittoresken Wirkung halber lӓnger stehengeblieben, als es ursprünglich geplant war? Ach, bestimmt sagen jetzt welche von Euch, es gӓbe noch Gasometer an jeder Ecke, oder sie würden grade Günter Jauch im Gasometer sehen…..

  11. 30. Januar 2012 09:44

    Tippsen

    Die Tippsen! (abba wo sind die Skihaserln?)

    • 30. Januar 2012 16:51

      Ganz hinten links sind die Mütter.

  12. 2. Februar 2012 07:04

    Und weiter: Die Wolkenstores! Sie hatten ihren Namen wohl von ihrem wolkigen Aussehen? Zarte, durchsichtige Zweitvorhӓnge (aus Tüll?), die im Gegensatz zu den undurchsichtigen, die man abends zuzog, um das Licht des Vollmondes abzuhalten und somit eventueller Schlaflosigkeit zu begegnen, immer geschlossen waren, oder aber, mittels feiner Metallröhrchen, die mit kleinen Schraubhaken am Fensterrahmen befestigt waren, direkt vors Glas aufgespannt, dabei in der Mitte taillenförmig eingeschnürt, überall dabei wundersam gewellt, von Farbe blassrosa, blassblau oder blassgelb (wenn der Hausherr Raucher war – was damals noch nicht verboten war). Sie dienten dem Sichtschutz – denn es kam ja vor, dass die Hausfrau im Unterrock dastand . Milchglas hinwiederum hӓtte zu sehr nach Laboratorium, Waschküche oder Privatdetektivbüro ausgesehen, gell? Wolkenstores gab es auch in der “guten Stube”, die nur benutzt wurde, wenn Gӓste kamen und in der nie jemand in Unterwӓsche dastand. Dann wurde auch geheizt und die Schonbezüge wurden von den Möbeln genommen. Waren die Gӓste gegangen, was manchmal dauerte, da es als unhöflich galt, wenn der Gastgeber auf die spӓte Stunde aufmerksam machte, wurde alles wieder in den vorherigen Zustand versetzt.

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