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Ein Traum von Zwillingen

27. Dezember 2011

Zwei nicht mehr junge Leute erwachen eines Morgens in einer menschenleeren Landschaft. Was war los? War Krieg gewesen? War immer noch Krieg? Wo waren die anderen? Die beiden erinnern sich erst einmal nur an sich selbst. Sie sind Brüder. Sie haben früher einmal in Marburg studiert. Das hier sieht aber nicht wie Hessen aus, eher wie, na, sagen wir, Japan.
“Was sollen wir tun?”
“Vielleicht müssen wir zur Küste hinunter, und vielleicht ein Schiff auf dem Meer sehen.”
“Au ja, los. Wir machen dann Rauchzeichen, und vielleicht werden wir entdeckt.”
Je weiter sie zum Meer runterkommen, desto kühler wird es. Der kalte Windhauch um die Stirn macht Kopfschmerzen.
“Inversionswetterlage!”
“Jaja, ich weiss, dass Du Metereologie studiert hast!”
Am Ufer angekommen: weit und breit kein Boot, aber ein altes Grammophon da im Sand. Zum Glück haben sie Schallplatten dabei, zwei alte 45er aus der Zeit, bevor Claudio Dizzarro die CD erfand. Sie legen sie nacheinander auf. Es ertönt ein Tango von Esmeralda und das Lied “Lady Marmalade” von Rosie Ledet.Dufte! Neulich haben sie die in der Stadtbücherei ausgeliehen. Eine Verwaltungsbeamtin (“Die treue Seele!”) hat “E16” und “RL” draufgeschrieben. Es ist nicht anzunehmen, dass sie sie je angehört hat.
“Weisst Du noch, in den alten Zeiten, Gabi und Michi, mit denen wir ausgingen?”
“Sie waren eineiige Zwillinge wie wir!”
“Sie rochen sogar genau gleich…”
“Du wusstest nie GANZ sicher, mit wem Du gerade zusammen warst….”
“Uhh, da erinner ich die Geschichte, wie Du mich mal mit schwarzer Schuhcrème eingeschmiert hast….”
“Erzӓhl!”
(Andreas liest hier sicher mit? Er möge mir die politisch inkorrekten Ausdrücke verzeihen)
“Wir kamen spӓt abends irgendwo an und brauchen Übernachtungsplӓtze. An der Rezeption des Hotelsbekamen wir gesagt: sie hӓtten gerade noch zwei Betten. Aber sie sind in einem Zimmer mit vier anderen Leuten! Das ist ok, sagtest Du. Aber es sind Neger! Das heisst ‘Afrikaner’ oder ‘Afroamerikaner’, sagtest Du. Naja, jedenfalls nahmen wir das Angebot an. Wir müssen früh weiter, bitte wecken Sie uns um sechs! Ich war müde und schlief sofort ein. Da schmiertest Du mein Gesicht mit schwarzer Schuhkrem ein. Als ich morgens beim Rasieren in den Spiegel schaute, dachte ich: Mann! Jetzt haben die schon wieder den falschen geweckt!”
“Hihi”
(Liest Oranier mit? Ich hoffe, habe nӓmlich von seinem Hochschullehrer getrӓumt)
“Das erinnert mich auch an das eine Fest auf dem Schlossberg…”
“War das nicht, bevor R. (Name von der Redaktion gekürzt) sich den Vorhauteinriss zuzog?”
“Genau!”
So hӓngen sie beide ihren Gedanken nach und merken nicht, dass am Horizont ein schwer beladenes Schiff vorbeizieht (ich glaube, es war die “Arctic Sea” oder aber die “Osman Gazi I” aus İstanbul)). Ob sie je gerettet wurden? Wir können es nur hoffen.

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3 Kommentare leave one →
  1. andreasfecke permalink
    27. Dezember 2011 11:55

    Andreas hat begeistert gelesen, und sich schon vorgestellt, wie er das kleine Zuckerstückchen Literatur wohl bei sich unterbringen und bewerben könnte.
    Inmitten drin sah Andreas auf einmal das:

    “Erzӓhl!”
    (Andreas liest hier sicher mit? Er möge mir die politisch inkorrekten Ausdrücke verzeihen)
    “Wir kamen spӓt abends irgendwo an und brauchen Übernachtungsplӓtze….

    Nicht in einem Kommentar, in einem Artikel. Eine Replik auf Argumente von mir im Kommentarbereich eines Artikels, der sich eine für mich außerordentlich wichtige Frage zum Thema nahm, die der Völkermorde.

    Der Satz spricht jedenfalls Bände. Über wen und welche Kultur mag rätseln wer will.

    Für Andreas ist in diesem Paradeblog aufgeklärter, offener, linker, engagierter Bildungsbürger kein Platz. Zweimal versucht, zweimal gescheitert.

    Das sollte reichen.

    Andreas geht und niemals kehrt er wieder,

    mit Litern von Tränen, die ihm kullern, denn das unvergleichliche Rote Salon Team hatte ihm Hunderte von Lesern beschert.

    Andreas möchte aber in Würde abmarschieren, und den Gastgebern angemessen:

    Kein Problem, drei Minuten noch, giess, giess, dann ist genug Zement gerieselt für eine anständige Betonbirne.

    Tciao, raggaze!

    • 27. Dezember 2011 16:39

      Das ist schade! Denn Deine Blogs kan ich irgendwie net öffnen…..

  2. 27. Dezember 2011 16:41

    Wir hoffen jedenfalls dass Du -anders als Du meinst wir seien es nicht – aufgeklaert, offen, gebildet, links bist?

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