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“Die Phantome des Hutmachers” (Simenon). Esoterik und Aufklärung

11. Dezember 2011
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Die Welt ist voller Zeichen und Symbole. So wir nicht wollen, dass sie für uns Phantome bleiben, müssen wir versuchen, sie zu durchschauen, andernfalls sind wir ihnen ausgeliefert. Es herrscht eine strenge Hierarchie zwischen den Dingen, den sie bezeichnenden Wörtern und den Wirkungen, die von ihnen (den Dingen? den Worten?) ausgehen. In den alten Kulturen wurde diese mit der Rangfolge Buchstabe – Zahl – Zeichen, oder aber (wie z.B. im alten Mesopotamien) mit “Sonne – Mond – Sterne” bezeichnet. Der Buchstabe ist auch schon ein Symbol. Er (wie auch das Wort oder/und der Satz) “bezeichnet” etwas. Wenn ich “Rose” sage, meine ich eine ganz bestimmte Blume. Andere Völker mögen dazu “Gül” oder “Zausibausi” sagen. Jedes Wort meint etwas anderes, als es ist. Jedes Wort? Nein! Ein Wort, ein einziges, kurzes, meint auch, was es ist: “Wort”. Stimmts? Doch das nebenbei.

Der aufgeklärte Mensch sagt zu alledem “Spökenkram”, Unsinn! Ich gehe nur nach streng wissenschaftlicher Definition an die Dinge heran! Und doch geht er Samstags oder Sonntags ins Fussballstadion und erfreut sich an Lila/Weiss oder Rot/Weiss oder Schwarz/Weiss, und doch hat er oder sie ein Tatoo auf der linken Schulter (einen Drachen?)(eine Schlange?), und doch findet er einen bestimmten Sonnenuntergang “schön”, und doch fährt er einen alten Citroën DS “Déesse” (Göttin) (das warn die mit der Hydraulik im Fahrwerk: Das ganze Fahrzeug hob sich, sobald Du den Zündschlüssel ins Schloss stecktest…..). Es hilft wohl alles nix: wir müssen uns mit den Phänomenen beschäftigen, und zwar mit Gedanken, nicht mit reflexartiger Ekelabwehr wie Rahab, wenn sie das Wort “Männer” hört…..

Ich möchte das heut ma ansatzweise und ein wenig ironisch mit den Dingen “Hut” und “Bart” versuchen. Bitte sagt an, wenn ich falsch liege……

Ich kauf mir lie-ber-ei-nen Tirolerhut!

Von altersher steht der Hut als Symbol für komplett widersprüchliche Dinge. Zum einen steht er für Macht und Herrschaft: die dreifache Tiara des Papstes etwa gleicht bis ins Detail den dreifachen Kronen der alten Gottkönige im Perserreich oder Aegyptens. Zum anderen wurde im Römischen Reich dem Sklaven, sobald er freigelassen wurde, ein Hut aufgesetzt. Der Hut wurde also zum Zeichen des freien Mannes (Rahab! still!), des Individuums und Individualisten, und nicht des (unfreien: denn er war ursprünglich für das Wohlergehen seiner Untertanen verantwortlich, was wohl den Unterschied zwischen dem Pharao und Louis XIV. oder Marie Antoinette erklären mag) Herrschers über das Volk.
Wo ist der Hut in unserer Zeit geblieben? In der Baseballmütze? Sie ist wohl zum Symbol für etwas anderes geworden, oder ist sie Symbol für gar nix und nur Reklamefläche? Die meisten gehen heutzutage ohne Hut.
Aber in unserer Sprache ist der Hut sehr gegenwärtig: Das geht mir über die Hutschnur! Ich werfe jetzt meinen Hut in den Ring! Hut ab! Ich bringe Euch alle unter einen Hut! Öff, ist das ein alter Hut!!

Roland Barthes würde zu allen Hutformen einen Artikel schreiben: Jakobinermütze (über die Französische Revolution, über die Heiligen Drei Könige, über die phrygische Mütze), Käppi (über die Fremdenlegion), Bérét (über Franzosen, über Anthroposophen), Stetson (über John Wayne), Melone (über Schirm und Charme), Zylinder (über die Grosskopfeten), Kippa und Takke (über die Religiösen) . Fez (interessant, dass Atatürk ihn verboten hat, gell?), Gesslerhut (über Wilhelm Tell), Krone (übers blaue Blut), Tiara (über Innozenz III. und Benedikt XVI), Zipfelmütze (über den Gartenzwerg, über den deutschen Michel), Schlafmütze (über Darmol), Tirolerhut (über Manfred Breitenberger), Helm, Pickelhaube (über Bismarck), “Uhh, his name is Helmet!” (über “Taxi-Driver”), Hütchenspiel, (über Leute, die auf Tricks hereinfallen…)

Voll der Bart

“Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren,
müssen Männer mit Bärten sein…”

Frauen, so der Imam, sollen sich verhüllen, damit bei den Männern keine Fleischeslust erwacht. Gilt das umgekehrt auch für männliche Gesichter? Denn den Vollbart finden wir in allen Kulturkreisen, sowohl bei Cübbeli Ahmet Hoca als auch bei Heidis Alm-Öhi, den Sikhs, meinem Lieblingspenner aus der Lindenstrasse, den Amish und den orthodoxen Griechen und Slaven sowie den schaukelnden an Jerusalems Klagemauer. Müsste Käptn Ahab folglich auch einen Vollbart tragen, wie Barbarossa Lobesam im Kyffhäuser??
Der Vollbart steht für alt. (wer ihn trägt, sieht alt aus, würde mein Sohn sagen). In der Bibel wimmelt es von Vollbärten, er ist eines der typischen Zeichen für den Gott Abrahhams, Isaaks und Jakobs und wird von Dumbledore und Hagritt nur usurpiert.
Müsste dann der Che Guevara nicht glattrasiert gewesen sein? Ich bin sicher, der Subcommandante Marcos ist es unter seiner Maske…. Und Atatürk, wiewohl wie Tito Vaterfigur für ganze Völker, war bartlos. Der Bart steht auch für überkommene Vorschriften, die immer für ganze Gemeinschaften weitertradiert werden und beachtet werden müssen. Das Individuum hat da keine Chance – auf Emanzipation. Die Erneuerer in der Geschichte schneiden “alte Zöpfe” ab! Der Bart ist ab! sagen wir, wenn es uns endlich mal gelingt, die eine oder andere Überlieferung zu kappen…. Judith schlägt dem schändlichen Holofernes mit dem Bart gleich auch das Haupt ab.
Die erotische Ausstrahlung kommt aus der Mähne, sagt uns die Werbung für Männerparfums. Aber diese Kinnmähnen sehen, na, nicht sehr verlockend? aus… Samsons Kraft kommt aus den Haaren, als sie ihm gekürzt werden, wird er schwach. Es ist dies keine eigenständig verfügbare Kraft sondern eine von Familie, Sippe, Stamm und Blutsstrom überlieferte. Der Weg hin zur modernen Entwicklung müsste also vom Vollbart zum Backenbart zum Schnurrbart bis hin zum glattrasierten Gesicht gehen? Eines der typischen männlichen Merkmale würde aber damit verlorengehen (die anderen müssen wir ja leider in der Hose verstecken….) Was aber ist mit denen, die vormals glattrasiert später den Vollbart trugen wie etwa George Harrison oder Cat Stevens? Sie stiessen auf Atavismen, oder? Da lobe ich mir Paul McCartney. Ja, er sieht inzwischen genau wie meine Tante aus *gg*. Die Gesichter von alten Leuten – beobachte es mal selbst!, wechseln oft das Geschlecht: Oma sieht mit einem Mal männlich aus und Opa hat weiche, milde Züge….schützt er sich mit einer Matte am Kinn und bewahrt so seine “Männlichkeit”?
Der Volksmund sagt es wiederum sehr treffen: puh, die Story is ja so alt, die hat ja schon einen Bart!

So. Heut ma über die Männerwelt. Halt, stimmt gar net. Bart heisst ja nicht Bart. Es heisst: Gott lässt Haar wachsen, und der Mensch soll es nicht stutzen.
Erinnern wir uns: Maria Magdalena wusch des HErrn Füsse mit ihrem Haar. Gott will auch, dass die Frau alle Stellen der Fleischeslust mit Haaren bedecke. So gesehen, ist unsere Terrierin sehr gottgefällig und kann sogar ohne Burka auf die Strasse……
Eine weitere Theorie sagt, dass Gott an allen Orten des Leibes, wo Seifenschaum von Nöten ist und leicht erzeugt werden sollte, Haare wachsen lässt. Aber davon ein anderes Mal……

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9 Kommentare leave one →
  1. 11. Dezember 2011 18:09

    Ahmet Hoca

    Cübbeli Ahmet Hoca

  2. 11. Dezember 2011 18:17

    Alm

    Auf der Alm, da gibts koa Sünd…..

  3. 11. Dezember 2011 18:20

    Harry

    Penner Harry

  4. 11. Dezember 2011 18:23

    Klagemauer

    An der Klagemauer

  5. 11. Dezember 2011 18:25

    Bartholomaios

    Der in İstanbul ansaessige griechische Patriarch Bartholomaios

  6. 11. Dezember 2011 23:02

    Also den Manfred Breitenberger hab ich noch nie mit Hut gesehen, geschweige denn mit einem Tirolerhut. Die Symbolik des langen Bartes ist mir nicht ganz klar. Für den Naturburschen war es auch Schutz gegen die Kälte. Da macht der Bart schon Sinn.

    Warum einige der obigen Männer wohl diese langen Bärte haben?

  7. 11. Dezember 2011 23:51

    Was sşngt Roberto Blanco denn? :-))

    • 12. Dezember 2011 09:20

      Uhhh, nee das war ja Chris Howland! Aber gibs zu: Dein Avatar haetts auch singen können.
      Bart wegen der Kaelte: kaum. Hier ists net kalt. In Tunesien auch nicht, wo die Frauen meinen: verschont uns mit Baerten!

      • 12. Dezember 2011 19:02

        Stimmt in Tunesien ist es nicht kalt. Da ist es evetuell doch so: „Gott lässt Haar wachsen, und der Mensch soll es nicht stutzen“.

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