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Internet: So viele Freunde

28. November 2011

Gestern smiley wird ich smiley gefällt mir, huch und smiley gefällt mir rülps, feierten smiley Geburtstags 54 Jahre glattig! Donke.

So etwa, liebe Leserinnen und Leser,

würde es aussehen, fasste ich sechs Jahre „interaktives“ Blogging zusammen.
Wer bleibt, was bleibt?
Ich und das, was ich schreibe.
„Arrogantes Arschloch“, sagt mir das Männchen im Ohr.
Das Ohrmännchen meines besten Freundes sagte ihm aber vor drei Jahren auch, mir zu sagen,
dass wir mit jedem geschriebenen Text in einen Dialog eintreten, selbst wenn wir die andere Seite nicht hören.

Mein Dialogpartner manifestiert sich dadurch, dass er mich liest.
Nicht durch einen Kommentar, wie ihn jeder Blogger gerne sieht – der Kommentar ist das Lesen.

„Klasse statt Masse“, in der grins doppelgrins Partei war ich mal Mitglied. Trotz allem: das Motto stimmt.

Vor einer Woche hatte ich in einer frühen Geburtstagsstimmung auf meiner facebook-Seite angekündigt, meine „Freunde“szahl wieder mal zu halbieren.
Gesagt, getan: von 42 Freunden bleiben 20.

Wird einer der 22 Ex-Freunde überhaupt merken, dass sich sein Freund Andreas abgeseilt hat?

Grosser Friedhof: Etwa 150 facebook-Freunde in den letzten zwei Jahren, etwa 80 blog.de-Freunde in den drei Jahren davor.

Jetzt taucht meine heimlich geliebte Göttin Justitia mit ihrer Waage auf,
in der einen Schale ich und meine Arroganz,
in der anderen 230 ehemalige Freunde und ihr diesbezügliches Werk.

And the winner is….

Ich hätte das alles gerne anders.
Nur kann ich, im Unterschied zu den meisten usern, das reale „Besucherverhalten“ nachvollziehen, da ich hier meistens eigene Blogeinträge anbiete, deren Aufrufe in Statistiken qualitativ nachvollziehbar sind.
Die Resultate sind deprimierend.

Nicht für mich, meine Arbeiten werden relativ gut gelesen,
sondern für facebook und die Idee, viele viele viele connections zu haben, und schnell, schnell, schnell dabei zu sein:

Ich hatte mal fast 100 Freunde hier,
und konnte während einer mehrwöchigen grandiosen Rebellion im Iran hier beobachten,
dass das alles fast niemanden wirklich interessierte.

Wie viele Daumen-Hoch und sogar Minikommentare hatte ich, ohne dass zum Zeitpunkt oder davor jemand den gelobten Artikel besucht, geschweige denn gelesen hätte?

Hauen wir sie weg,
diese schnell-schnell und viel-viel facebook-Kultur.

In „unterversorgten“ Regionen ist facebook&co ein unverzichtbares Medium.
Bei uns nicht.

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9 Kommentare leave one →
  1. 28. November 2011 19:06

    hab dich gelesen
    – ob ich diesmal wohl kommentieren kann? Denn neulich bei den Trabelsi-Schuhen ist mein Kommentar nicht angenommen worden.

    Du hast Recht: ich hab zwar ganz schön viele Glückwünsche zum Geburtstag auf facebook bekommen, aber nur ein halbes Dutzend mit mehr als 3 Wörtern.
    Und die Kurz-Glückwünscher lesen auch sicher nicht meine Artikel, die ich hin und wieder „teile“, um sie an die Leute zu bringen.

    Happy birthday!

    • andreasfecke permalink
      6. Dezember 2011 10:26

      Danke.
      September 2009 gab es ein Massaker in Guinea. Zu der Zeit brachte die NGO avaaz nur englische Texte,. ich übersetzte ihren „Blutstopp“-Appell so schnell wie gelesen ins Deutsche und Französische. Und postete den link auch auf meiner facebook-Seite mit damals etwa 100 Freunden und einer sehr aktiven „Freundin“ (ich mag sie immer noch!), die den link sofort teilte, 200 Freunde bei ihr.
      Die Statistiken zeigten mir innerhalb zwei Wochen etwa 5 Besuche von facebook auf. Ich war der einzige Anbieter der Petition auf deutsch und französisch. Dieselben zwei Wochen lang verzeichnete ich damit bei mir (Blog) etwa 500 Besucher für die Petition.
      Sechs Monate später, als die avaaz-Petition schon lange (aber erfolgreich) überholt war, als das kleine guineische Putschistenarschloch Camara schon angeschossen in einer Klinik lag, sah ich auf einmal vier bis acht Tage lang 100 bis 300 tägliche Besucher von facebook, allein für diesen Artikel.
      Ex-Grünenchef Bütikofer hatte das Phänomen in Worte gefasst:
      „Followers“, „Multiplicators“.
      Facebookbesuche kann ich technisch nicht zurückklicken. Ich war aber schnell dabei und konnte vermuten: Ein VIP in Hamburg hatte wohl meinen facebook-link für die Petition sechs Monate später übernommen, und etwa 1500 Freunde folgten ihm zu mir.
      Gegenüber 5, als wir mit 300 facebook-Freunden Powerplay machten.
      Der Wunsch dort ist: so viele Freunde wie es geht. Am besten Hunderte.
      Wer kann auf seiner Startseite posts von so vielen Leuten anschauen, geschweige denn `lesen oder darauf reagieren?
      Niemand. Deshalb gibt es ja die technische Möglichkeit, „Freunde“ auf der Startseite, die man sich anschaut, auszublenden. Das hatte ich auch gemacht, wohlgemerkt.
      Ab dann wird die ganze Geschichte aber fürchterlich sinnlos – niemand liest niemanden mehr – , es sei denn man ist ein VIP, der einfach nur messages streuen will.
      Und das funktioniert ja.- Avaaz hatte vor zwei Jahren 3-4 Millionen Eingeschriebene, ich konnte vor einem Jahr noch erfolgreich Unterschriften sammeln. Heute sind es fast 11 Millionen, bravo, aber meine publizistische Unterstützung wäre null und nichtig.
      Faceshit.

  2. 28. November 2011 20:43

    Neueste Technik – veraltete Menschheit.
    Neues Glück – Minimalste Chance.

    • andreasfecke permalink
      6. Dezember 2011 08:00

      Mehr neue Techniken – mehr alte Zyniker.
      Maximale Chance: das alte Glück.

  3. 29. November 2011 07:35

    „Ein Freund, ein guter Freund….“

    • andreasfecke permalink
      6. Dezember 2011 08:37

      „…ist das beste auf der Welt, ein Freund, ein guter Freund, lalalalalalalalalalala“

      Kuhlenkampf, Rühmann, Erhardt – yep!

      Jetzt verrate ich ein Ultra-Geheimis:
      der vierte Mann auf dem Boot, das war ich!
      Heinz hat mir so schnell und gut Kartoffelschälen beigebracht,
      na ja, ich untreues Arschloch,
      mit seinen Minikartoffeln habe ich seither
      Millionen (Euro) gemacht!
      Poorschii, Porschii, lalalalalalalalala,
      Mönsch – Finanzkrise, alles weg, und nu?

      VERTRAUEN! Am besten mir, hihiihi.

      „Ein Freund, ein guter Freund ……“
      Was? Du brauchst 100 Euro? Von Freunden?
      Schon mal was von Steuern gehört?
      „Ein Boot, ein gutes Boot, das ….lalalala.“

  4. 7. Dezember 2011 12:14

    Manchmal trägt nich das System die Schuld am Misserfolg, sondern die fehlerhafte Definition von Erfolg. Ungefähr so, als stünde man vor einem Brunnen, starrt unablässig hinein und ist enttäuscht wegen des Wassers darin, obwohl man doch Wein erwartet. Dabei wäre das Wasser gar nicht so schlecht zu gebrauchen.

  5. 8. Dezember 2011 07:45

    Ein Nebenaspekt:
    Ist es nicht interessant, wie dieselben Parteien, die einst beim drohenden Verbot der türkischen AKP Demokratie-Zeter-und-Mordio schrieen, in D einhellig für ein NPD-Verbot sind?

    (und ganz nebenbei: ich bin ebenso für ein NPD- wie für ein AKP-Verbot)

    • 8. Dezember 2011 23:35

      Guter Nebenaspekt.

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