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Tatoo you!

22. November 2011
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Die Welt als Talisman/tılsım

 

  1. Die Erde hat eine Haut. Diese atmet und lebt. Auf der Erde ist fast alles Oberfläche, Haut, selbst die Atmosphäre ist eine äusserst dünne Schicht (Lebendigkeit). Die Haut der Erde hat Haare – etwa die Wälder -, Münder – Höhlen -, Augen – Seen. Wir sagen sogar „am Arsch der Welt“ und auch Anklänge an die Formen von Vagina und Penis sind häufig. Was sind die Meere, die Wüsten, die Gebirge? Das Adernetz und die „Blut“zirkulation der Erde sind an der Oberfläche: Quellen, Rinnsale, Bäche, Flüsse, Ströme, Seen, Meere, Wolken, Niederschläge. Was hält die Zirkulation in Bewegung? Das Herz. Wo ist das Herz der Erde? Ganz weit draussen: Die Sonne….

 

  1. Unberührt davon zeichnen wir von Beginn an ein Wege und Strassennetze darauf, zuerst mit den Füssen, da, wo wir immer entlang gehen, entlang gehen müssen: zum Feld, zum Haus, zum Versammlungsplatz, dann zum nächsten Haus, zur nächsten Sippe, zur nächsten Stadt.. Wir beginnen, Strassen zu bauen, überwinden das Unwegsame mit Furten, Brücken und Dämmen. Später kommt ein Eisenbahnnetz dazu. Wir siegeln, versiegeln, besiegeln. Nicht nur da (auch in der Landwirtschaft, die immer auch Landgestaltung ist) drücken wir der Gegend, dem Land und der Welt unseren Stempel auf. Wahrscheinlich ist dass der ursprüngliche Sinn des Wortes „Kultur“.

 

  1. Dann fängt das Bezeichnen an: Flurnamen, Ortsnamen, Quartiersnamen, Strassennamen, Gebäudenamen, Geschäftsnamen. Die Namen sind weit ausdauernder als die bezeichnete Materie. Flurnamen kommen aus ferner Vergangenheit, Strassen sind schon zehnmal zerstört und neuerbaut und tragen noch immer denselben Namen, auch Häuser („das neue Haus des Arztes Mehmet“). Ohne Namen keinerlei Orientierung. In ganz einsamen Gegenden tragen sogar einzene Bäume Namen. Und auch den Sternen gaben wir welche.

 

  1. Dieses weitverzweigte und ausdifferenzierte Netz von Wegen, Strassen, Autobahnen und Schienen wird von uns stündlich und minütlich benutzt, befahren, begangen. Wir selbst als Gemeinschaft aller Menschen bilden so eine unvergängliche Zeichnung der Erde.

 

  1. Und schliesslich: nach der Wanderschaft erzählen wir davon: Die Reise wird zum Epos: Ilias und Odyssee….Wir reflektieren und bilden das ganze Netz (in Gedanken) nach.

 

  1. Wir haben die Erde über und über tätowiert. Die Welt ist ein Tatoo. Doch noch bewegt sich die Haut, darauf wir schrieben und zeichneten, selbst wenn wir sie mit Städten wie Talismane zu bannen versuchten (Man schaue sich den Grundriss der friaulischen Stadt Palmanova an). Doch manchmal wirkt der Zauber nicht mehr. Städte, Reiche, gehen unter (read my lips Mr. Obama und Mr. Ahmedinedschad), und, Wahnsinn: sogar Namen ändern sich. Wer bitte, kann spontan sagen, wie Burkina Faso früher hiess? Und Ceylon heute? Leningrad, Zaire, Karl-Marx-Stadt, Togliatti und Stuyvesant sind nicht mehr. Peking heist mit einem Mal Beijng. Als Fatih Sultan Mehmet Konstantinopel eroberte wurden grosse Tafeln mit Schriftzeichen (aus dem Koran) in die Kuppel der Hagia Sophia gehängt: und schon war daraus eine Moschee geworden. Wer schreibt, der bleibt – sagen wir.

Ein Tatoo ist Schrift, Zeichen und Bild zugleich. Es ist, es wirkt. Es erzählt. Ich sollte die Bodrum-Story nicht in Hefte und Dateien, sondern grafisch auf eine grosse Fläche, am besten auf die Stadt selbst, schreiben – als erzählten Stadtplan. In dem Augenblick wären auch alle darin enthaltenen Intimitäten geschützt. Wer liest schon Zeichen…….

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