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Liberia : Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee wird „Turnschuh“-Chefin eines Versöhnungsprojektes

13. November 2011

1989 bis 2003: 14 Jahre lang war Liberia, Land der „Wiederheimkehr ehemaliger Sklaven aus Amerika“, Schauplatz eines der brutalsten der afrikanischen „Bürgerkriege“, eines argumentativ ethnisch untermauerten Gemetzels von Warlords um Macht und Reichtum, darunter die bekanntgewordenen „Blutdiamanten“.
Heute noch ziehen Söidnertruppen, wie beispielsweise die liberianische Ex-Leibgarde des ehemaligen Präsidenten der Elfenbeinküste Laurent Gbagbo, die sich oft ihren Sold selber holen müssen, brandschatzend in der Region Westafrika hin- und her.

250.000 Tote, Kindersoldaten en masse, Frauenvergewaltigung erstmals als Kriegswaffe, verbrannte Erde. Infrastruktur und Bevölkerung des Landes wurden dermaßen zerstört, dass es auch heute noch, nach kürzlicher Totalentschuldung, nur eine asphaltierte Strasse in der Hauptstadt Monrovia – (demütig benannt nach einem ehemaligen US-Präsidenten, Monroe) – gibt, dass es im ressourcenreichen Land (Kautschuk, Agrar) kaum Strom, geschweige denn Bildung, zu verteilen gibt, dass fast 80% immer noch weit unter allen Armutsgrenzen leben.

2006: Als erste afrikanische Frau wird die halb Provinztochter, halb internationale Ökonomin, halb Frauenrechtlerin Ellen Johnson-Sirleaf zur Präsidentin gewählt und schafft seitdem eine halbe Wende, predigt die Versöhnung. Mehrmals hatte sie im Gefängnis gesessen; ihre internationale Karriere, die sicherlich auch die IWF- und Weltbank-Politik in etwas bessere Bahnen gelenkt hat, „verdankt“ sie auch ihrem Exil.
Einen Fehler, der sie seitdem verfolgt, legt sie sich auch selber zur Last: Anfang der 1990er unterstützte sie finanziell den Warlord Charles Taylor.
Johnson, ein anderer Warlord und heutiger Unterstützer der Präsidentin („besser in fünf Jahren neue Karten als in zehn“), liess, ein Bierchen in der Hand, dem Diktator Samuel Doe vor dessen Massakrierung vor laufender Kamera die Ohren abschneiden. Die Bilder gingen um die Welt und markieren bis heute unsere Ansichten über Afrikaner.

Oktober 2011: Friedensnobelpreis für sie und die Landsfrau Leymah Gbowee und die Jemenitin Tawakkul Karman.

Oktober/ November 2011 – Alte Geister gegen neue Wende, Präsidentschaftswahl: Riesenenthousismaus zunächst, Spaltung mit Gewaltrisiko eines Oppositionellen, der dreimal hin- und herschlidderte und nicht wusste, ob er die international gelobten Wahlen anerkennen sollte oder nicht, danach.

Heute: Sirleaf macht Leymah Gbowee zur Chefin einer, so meine ich, beispiellosen „Versöhnungsinitiative in Jeans und Turnschuhen“ – hier weiterlesen, Interview.

Leymah Gbowee, co-lauréate du Prix Nobel de la Paix prend un homme dans ses bras le 9 octobre 2011 à
Foto (c) AFP: Leymah Gbowee, Co-Gewinnerin des Friedensnobelpreises, nimmt einen Mann in ihre Arme, 9. Oktober 2011 in Monrovia

Ich habe das kurz kommentiert und zitiere:

Ja, alle „Mini-Afrikaexperten“, wie ich einer bin, werden zustimmen: fast täglich verlierst Du wegen einer n-ten Wiederholung von Unfassbarem den Glauben an ein fernes Happy-End.
Sieht man dann wieder so etwas wie hier, dann will das Herz gleich sechs Monate länger schlagen, und man weiss: irgendwann klappt es! Irgendwann obsiegen die Menschen und ihre Vernunft!
Den 29.11. habe ich mir gemerkt, ist ja nur einen Tag nach den Wahlen im Kongo, die wahrscheinlich im Blut ersticken. Über die berichte ich natürlich, also hoffe ich, Anfang Dezember etwas über die Veranstaltung von Frau Gbowee zusammentragen zu können.

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