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Ferne Weltgegenden VIII: Kaukasus

3. November 2011

Der Kaukasus, Kafkaslar, ist eines der Urgebirge. Der Ararat, sein Hauptgipfel, ist nicht nur der höchste, sondern auch der schönste Berg Europas. Wo, wenn nicht hier, hätte Noahs Arche landen sollen? Die gesamte Region ist an Verschiedenheit und Unübersichtlichkeit nicht zu überbieten: Russen, Türken, Tschetschenen, Aserbeidschaner, Armenier und zahllose uns vollkommen unbekannte Völkerschaften  – wie etwa die Laken – teilen sich die Berge und Täler, die Felsen und Bäche der Region.

Heute in unserem Fokus: Jessentuki:

Jessentuki findet sich am Nordfuss des Kaukasus in der Region Stavropol, welche wie wir wissen zwischen dem Bezirk Rostov, der Region Krasnodar, der Kalmückischen Republik, Dagestan, Tschetschenien, Nord-Ossetien-Alanien (“oh flieg, mein alanisches Ross!”), Kabardino-Balkarien und der Republik Karatschai-Tscherkessien liegt. (Abschweifung: Karatschai = kara çay = türkisch Schwarztee oder aber, was hier eher gemeint sein könnte: Schwarzes Baechlein. Das erinnert mich daran, dass Russland und das Osmanische Reich sich im Kaukasus jahrhundertelang – eher unfreundlich – berührten, und dass es auch heute noch in der Türkei sehr viele Tscherkessen, Tschtschenen, Tataren und Georgier gibt – von Russen aus Kars ma zu schweign. Ein Fernsehreporter aus der türkischen Hauptstadt kam mal nach Kars, um eine Reportage über Misstände zu drehen. Er interviewte also dort die einfachen Leute. “Gott sei mein Zeuge, alles ist in Ordnung hier!” “Ja haben sie denn gar keine Klagen?” “Allah razı olsun, ich würde mich doch nicht über meine Regierungsvertreter beschweren!” “Ne klitzekleine Meckerei?” “Na also gut, schauen sie, die Russen haben hier alles gebaut: die Strassen, den Bahnhof, das Theater…. Und schauen Sie mal, in welchem Zustand das alles ist! Aber seit nu 90 Jahren sind sie nicht mehr gekommen, das alles zu flicken!!” Aber das nebenbei).
Es sind nur wenige Kilometer bis zur Stadt Mineralnyje Wody, welche als einzige der umliegenden Orte über keinerlei Mineralquellen verfügt, ihren Namen aber daher bezieht, dass sie die nordkaukasischen Kurorte per Bahn verbindet. So gelangen wir denn auch pünktlich nach Jessentuki an der Einmündung des Bolschoi Jessentukjok in den Podkumok. Warum gibt es in den Kaukasusbergen so viele Mineralquellen? Das fragte sich bestimmt auch Professor Fjodor Gaaz (als Friedrich Joseph Haass 1780 im deutschen Münstereifel geboren), der die Wässerchen als erster untersuchte. Wäre er ein Edelmann, hätte er bestimmt Edelgase gefunden, aber er war nur ein einfacher Wohltäter, der einen grossen Teil seines Lebens für Strafgefangene arbeitete. Jessentuki jedenfalls wurde zum florierenden Kurort für Leute mit Verdauungsbeschwerden. Zu den Kurgästen zählten Leute wie Prokofjew, Rachmaninow, Belmont, Maxim Gorkji, Schaljapin und viele andere, die heute ebenso vergessen sind wie die aus Nischnji-Nowgorod hierher verbrachten Stahlkonstruktionen der Allrussischen Industrie- und Kunstausstellung 1896. Die Trinkhallen sind im maurischen Stil erbaut, das Schlammbad verfügt über einen monumentalen jonischen Portikus nebst überlebensgrossen Statuen des Asklepios und der Hygieia (der Göttin des Händewaschens). Im Stadtpark finden sich eine Fülle von Zierpflanzen unter mächtigen Eschen, Eichen, Walnussbäumen, Ahorn, Pappeln, Linden und Weissbuchen, die alle um 1849 bei der Einrichtung des Parks gepflanzt wurden. Hier wurden alle Explosionen des, wie Moshe Lewin es nennt “sowjetischen Jahrhunderts” gelebt: die Kosakenforts der Zarenzeit, die Revolution, die Wirren des Bürgerkrieges und des Grossen Vaterländischen Krieges – nebst deutscher Besatzung 1942/43 – der Wiederaufbau, das Versinken ins Vergessen…..
Oder kennt vielleicht jemand von Euch Jessentuki?

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One Comment leave one →
  1. Sabine permalink
    16. November 2011 14:50

    Ich kenne Jessentuki nicht, aber ich weiß, dass der höchste Berg Europas der Elbrus und nicht der Ararat ist.

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