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Jail or Jesus

27. September 2011

In Bay Minette, Alabama, können verurteilte Straftäter, die keine Gewaltdelikte begangen haben, zwischen dem Gang ins Gefängnis und einem Jahr Kirchgang am Sonntag wählen.  Das dortige Aktionsprogramm nennt sich „Restore our community“. Nach einem Jahr, in dem die Teilnehmer ihre Zeit sonntags in der Kirche verbracht haben, ist dann die Freiheits- oder Geldstrafe abgegolten.

Die Vorsitzende der ACLU (American Civil Liberties Union of Alabama), Olivia Turner meinte dazu:

„This policy is blatantly unconstitutional. It violates one basic tenet of the Constitution, namely that government can’t force participation in religious activity.“ 

„Dieses Verfahren ist offenkundig verfassungswidrig. Es verletzt einen fundamentalen Grundsatz der Verfassung, nämich daß diese Regierung keine Teilnahme an religiösen Aktivitäten erzwingen kann.“ 

Nun – schlagen wir mal wieder den Bogen zu den letzten Tagen hier in Deutschland, das sich ja auch zur Trennung von Staat und Kirche bekennt.  – 

– Als bekennender Atheist habe ich mit meinen Beiträgen zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen die Show rund um die lebende Leiche Ratzinger mitfinanziert, zwangsfinanziert. Auch die von mir abonnierten Zeitungen haben statt Informationen religiöse Propaganda im Großformat gedruckt. 

Die Pfaffen sind ganz offensichtlich weltweit wieder auf dem Vormarsch:

Ratzinger gibt sich als Moralapostel und die katholische Kirche darf ihre mir schier unerträgliche Glaubenspropaganda ungefiltert tagelang verbreiten. Seine Scheinheiligkeit erdreistet sich dabei nicht, die Moral für sich zu pachten und gibt den gütigen Papa, wenn er sich mit Mißbrauchsopfern trifft.

 O-Ton katholische Kirche: Das Treffen sei im gegenseitigen Respekt verlaufen. Auch Tränen seien geflossen. Nun ja. Von Seiten Ratzingers waren es maximal Krokodilstränen.

Es ist schon frech, was da in Amerika und in Europa gerade vor sich geht.

  • Die Politik geht wieder nach Canossa und unterwirft sich zunehmend dem  Papst und anderen Scheinheiligkeiten. Wie 1077 der deutsche König Heinrich, der sich als erster Politiker weltweit dem damaligen Papst Gregor unterwarf.

Wenn Lammert lamentiert, Ratzinger sei „der Heilige Vater“ und der Polizeichef in Bay Minette, Mike Rowland, jeden Autofahrer, der dort falsch parkt oder gegen das Tempolimit verstößt, in die Sonntagskirche schicken kann, dann ist das der Beginn einer weltweiten christlich-fundamentalistischen Offensive mit Unterstützung von Politikern, Richtern und Polizei.

Gnade uns Gott, wenn das so weiter geht. Aber den gibts ja nicht.

  • Verlassen wir uns also auf uns selbst, schützen unsere Kinder vor den gierigen Händen der Priester und treten weiterhin für eine Welt ein, in der wir selbstbestimmt und selbstbewußt frei leben können.

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4 Kommentare leave one →
  1. 28. September 2011 07:38

    Wir haben keine wirkliche Trennung von Kirche und Staat, das sehe ich auch so. Nun, wo das Christentum sich zunehmend die Massen mit den Muslims teilen muss, wird das vielleicht aber doch verwirklicht 🙂

  2. 28. September 2011 09:26

    Das geht eher in die andere Richtung – mittlerweile sind ja auch die Zeugen Jehovas als Kirche anerkannt und statt Trennung von Kirche und Staat gibts für alle immer noch mehr Platz in den Medien und im öffentlichen Raum. – Solange es Kirchensteuer gibt, werden immer mehr Sekten versuchen, davon zu partizipieren. Als Gottloser zahle ich zudem noch die öffentliche Propaganda in den Medien mit, über die GEZ.

  3. 28. September 2011 16:16

    Ich stimme aller Kritik von Kirche hier und in diesem Ideologiezusammenhang aller Staatskritik zu. Die Steuerfinanzierung der Kirchen ist ein Skandal! Und die 82 db lauten Glocken „meiner“ Hl. Geist-Kirche sind mir Terror an jedem Wochenende.
    Den Papstbesuch habe ich wenig verfolgt, aber intensiv seinen Abschied auf dem Flughafen mit BP Wulff. Wulff ist ein halbes Jahr älter als ich und ging auf die Schule schräg gegenüber. Und da knuddelt er im Fernsehn den Papst, und ich denke an seine klerikalen Verbindungen (Stichwort Wiki). Und daran, daß Wulff, Karrierestart als Ratsherr in Osnabrück, doch tatsächlich Mitglied des VfL ist. Immer noch.
    Wahrscheinlich deshalb bin ich nur beobachtender Fan, – – – egal, für harte Finanzkritik der Kirche und des Staates empfehle ich Carsten Frerk http://www.carstenfrerk.de/
    Und in der Wiki den Abschnitt „Kontroversen“.

    • 5. Oktober 2011 12:18

      Ich will noch auf einen Beitrag aus Anlaß des Papstbesuchs verweisen, der mit folgendem Zitat beginnt: „Der durchschnittliche Gläubige ist heute schon so schlau wie früher bloß ein Kardinal (Adorno/Horkheimer DdA: 185)“.
      Es heißt dort: „Ganz harmlos scheint Ratzinger über Vernunft und Naturrecht zu philosophieren und es klingt so passabel, wenn er den Positivismus schilt und keiner genau weiß, was er damit meint. In dieser philosophischen Bewegung aber wohnt der Geschichtsrevisionismus, auch und gerade wenn die Gegnerschaft von Christentum und Nazismus beschworen wird. Zwischen Skythen und Nazis besteht in Ratzingers Bundestags-Rede ebensowenig Unterschied wie zwischen frühen Christen und Widerstandskämpfern gegen das Naziregime, die ganz unterschiedliche ideologische Ansichten hatten.“ – Wer nun mehr als auch noch dieses Zitat lesen will („Bei den deutschen Christen blieb von der Religion der Liebe nichts übrig als der Antisemitismus.“ (DdA 185) sollte jetzt klicken:
      http://nichtidentisches.wordpress.com/2011/09/26/katholische-kosmetik/

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