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Amerikanerinnen und Amerikaner

15. September 2011

Amerika ist für die meisten von uns der grosse Schurke vom Dienst. Dem steht neben vielem anderen entgegen

a) dass das eine der vielen Verallgemeinerungen und Klischees ist, denen wir, ständig hirngewaschen, unterliegen

b) dass es sehr viele progressive, ja revolutionäre Amerikanerinnen und Amerikaner gibt, das heisst solche, denen unsere volle linke Sympathie gehört, und die wir niemals für den Krieg in Afghanistan, die CIA, den Vietnamkrieg oder die Invasion Grenadas (um nur einiges zu nennen) verantwortlich machen würden.

Meine Auswahl ist sehr subjektiv und entbehrt etwas der zeitgenössischen Persönlichkeiten. Sie kann aber – als mentales oder schriftlich niedergelegtes Forschungsprojekt – von jederfrau und jedermann fortgesetzt werden. *gg*

Am Rande und in Nachbarschaft zum kürzlichen Jubiläum der Anschläge auf die Twin Towers sei festgestellt, dass die allermeisten der nachfolgend aufgelisteten Leute sehr eng mit New York verbunden waren oder sind.

Dieses Werk ist ein “Work in Progress”. Immer neue Leute können hinzugefügt werden. Die Selbstverpflichtung “US-Amerikanerinnen und Amerikaner” ist freilich sehr bindend, denn sie ermöglicht es nicht, über Cassia Eller, Rosa Luxemburg, Fidel Castro, Marie Curie, Bert Brecht, Karl Marx, Yoko Ono, Pipilotti Rist, Ossip Mandelstam, Marina Zwetajewa, Paul Celan, etc zu schreiben……

 Martha Gellhorn

 (* 8. November 1908 in St. Louis; † 15. Februar 1998 in London)

Sie war Zeit ihres Lebens Kriegsberichterstatterin und insgesamt fast 60 Jahre schriftstellerisch tätig. Sie schrieb u.a über einen Lynchmord in Mississippi, über den Fall der Tschechoslowakei, den Feldzug der Nazis mit den Finnen gegen die Russen, Waisenkinder in Italien, die Befreiung des KZ Dachau, die antikommunistischen Jagden der McCarthy-Aera, den Eichmann-Prozess, den Tod Francisco Francos, den Vietnamkrieg, den Bürgerkrieg in El Salvador… Erst als man ihr die Berichterstattung über den jugoslawischen Bürgerkrieg anbot, winkte sie aus Altersgründen ab.

Im spanischen Bürgerkrieg, der sie tief prägte, lernte sie Ernest Hemingway kennen. Einige Jahre war sie dann mit ihm verheiratet. (Aber vermutlich lief der bis in die Brusthaare gefärbte Macho zu Hause in langen Unterhosen herum?) Sie liess sich bald wieder scheiden.

Ihr Stil war scharf, ihre Parteinahme gegen die Rechten  unerbittlich. Der vor noch nicht allzulanger Zeit erschienene Band ihrer Briefe ist eine sehr lohnende Lektüre.

Lee Miller

Viele von uns kennen das Metronom mit dem Auge oder die Lippen am Himmel des surrealistischen Fotografen Man Ray. Es sind Lee Millers Auge und Lippen. Sie arbeitete in Paris mit ihm zusammen und war auch eine Zeit mit ihm, wie sagt man, liiert. Als Elizabeth Miller  wurde sie am 23. April 1907 in Poughkeepsie, New York,  geboren und starb am 21. Juli 1977 in Chiddingly, East Sussex, England. Poughkeepsie, indianisch Uppu-qui-ipis-in (“Hütte am kleinen Wasser”) liegt am Hudson, der Hibou heissen würde, hätte ich ihn entdeckt. Egal. Vom Fotomodell wurde sie selbst zur Fotografin. Ihr Lebensweg spiegelt ihre Abenteuerlust. Paris, Kairo, London hiessen zunächst die Stationen, bevor sie, nach Deutschland kam, unter anderem in Torgau und auf dem Obersalzberg fotografierte. Berühmt wurde das Bild, wie sie in Hitlers Badewanne auf des Führers Berghof liegt. Auch sie berichtete von den Konzentrationslagern von Dachau und Buchenwald und wurde davon fürs Leben traumatisiert.

Peggy Guggenheim

eigentlich Marguerite Guggenheim (* 26. August 1898 in New York,  † 23. Dezember 1979 in Padua, Italien). Peggy Guggenheim war eine von drei Töchtern des New Yorker Geschäftsmanns Benjamin Guggenheim und dessen Frau Florette Seligman. Ihr Vater kam 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben. Ihr Onkel war der amerikanische Industrielle und Kunstsammler Solomon R. Guggenheim, Gründer der Solomon R. Guggenheim Foundation. Peggy zog es bald nach Paris, wo sie sich im Kreis der Bohème bewegte (in den 20ern zog es JEDEN intellektuellen Amerikaner nach Paris); sie verliebte sich in Samuel Beckett, Yves Tanguy und Max Ernst, naja, wer weiss, in wen noch… erwarb eine umfangreiche Kunstsammlung, half vielen Menschen, den Nazis zu entkommen – unter anderem unterstützte sie das Emergency Rescue Committee mit 500 000 Francs –  musste 1941 selbst zusammen mit Max Ernst auch fliehen, heiratete diesen in New York am Hudson. 1946, nach der Scheidung von Max Ernst – dieser hatte sich inzwischen mit der Malerin Dorothea Tanning zusammengetan – zog sie nach Venedig, wo sie einen unvollendeten Palazzo erwarb, diesen als Ausstellungsraum und zugleich als Wohnung nutzte, viele Künstlerinnen und Künstler förderte – unvergessen ihre Promotion des jungen Jackson Pollock – und nicht so sehr durch schiere Geldmengen als durch ihre unkonventionelle Art und ihren Kunstverstand Berühmtheit erlangte. Wer nach Venedig kommt, sollte unbedingt “ihren” Palazzo besuchen!

Dorothea Tanning

Die surrealistische Malerin Dorothea Tanning wurde am 25. August 1910 in Galesburg, Illinois geboren,  müsste jetzt also101 Jahre alt sein. Ihr 100. Geburtstag wurde durch eine Reihe von Ausstellungen markiert, unter anderem in Seillans an der Côte d’Azur, wo sie mit ihrem Ehemann Max Ernst bis zu dessen Tod 1976 gewohnt hatte. Sie zog anschliessend nach New York am Hudson, malte weiter, schrieb Gedichte und stattete Balletstücke, unter anderem von Balanchine und Cranko, aus.

Mit vielen der surrealistischen Künstler, unter anderem Marcel Duchamp, Roland Pennrose, Lee Miller, Yves Tanguy, Kay Sage war sie lebenslang befreundet. Max Ernst heiratete sie 1946 in einer Doppelhochzeit mit Man Ray and Juliet Browner.

Paul Auster

Jetzt aber maln echter Zeitgenosse! Er lebt und ist nicht über 100 Jahre alt… Wer sich wirklich in den “Big Apple” einschmiegen will, sollte seine New Yorker Trilogie oder “Mond über Manhattan” gelesen haben. (Fast) alle seine Bücher sind im Übrigen auf Deutsch erhältlich, sie sind unbedingt zu empfehlen!!. Dazu der zweitbesten Film überhaupt: “Smoke” von Wayne Wang, zu dem Auster das Drehbuch schrieb, und in dem Harvey Keitel den liebenswerten Auggie im Tabakladen spielt…..

Paul Auster wurde am 3. Februar 1947 in Newark, New Jersey geboren. Die Eltern seines Vaters Samuel waren jüdische Immigranten und stammten aus Stanislau in Galizien, dem heutigen Iwano-Frankiwsk. Auch seine Mutter Queenie Bogat war eine Nachfahrin osteuropäischer Juden aus der Ukraine und Polen. Am 12. November 1950 kam Austers Schwester Janet zur Welt. Die Geschwister wuchsen in einem mittelständischen, bildungsbürgerlichen Umfeld auf.

Auster war in seinen jüngeren Jahren ebenso als Student der Anglistik und vergleichenden Literaturwissenschaften wie als Matrose, Telefonist und Ghostwriter tätig. „Aber wenn man wirklich etwas erreichen will, ganz besonders in der Kunst, muss man die Courage haben, sich an innere Orte zu begeben, die man gar nicht gern aufsucht. Orte in uns selbst, die Angst und Trauer hervorrufen. Das hat nichts mit der Außenwelt zu tun. Es gibt Schriftsteller, die reisen um die ganze Welt und erforschen alles. Und es gibt andere wie Emily Dickinson, die ihr Zimmer nie verlassen hat. Und trotzdem ist sie eine fabelhafte Schriftstellerin.“

Schon früh hatte er das Ziel, Schriftsteller zu werden. Aber genau wie Don de Lillo war er auch ein grosser Baseballfan. (Als kleiner Junge sah ich in Ulm die Amerikaner Baseball spielen und fand es unbegreiflich langweilig. Aber für einen echten Fan muss das Spiel faszinierend und lebensfüllend sein….).

Seine längeren Aufenthalte in Paris aber auch der Umgang mit dem Vater seiner ersten Frau, Lydia Davis, brachten Auster die französische Philosophie, Literatur und Sprache nahe. Oft während er um Geld strampelte, arbeitete er als Übersetzer und machte so die französische Literatur auch in den Staaten bekannt. Als ihr Auskommen bequemer wurde (nach dem Tod des Vaters hatten sie sich als Schriftsteller etabliert) zogen sie in ein eigenes Haus mit Blick auf den Hudson – hätte nur ich ihn entdeckt! Er würde jetzt “Hibou” heissen, wär doch stark als Schlagzeile: Passagierflugzeug notwasserte auf dem Hibou! -, mit seiner zweiten Frau Siri Hustvedt, einer norwegischen Sängerin, wohnt er auch jetzt in einem alten und schönen Haus……

Paul Auster gilt heute als einer der führenden amerikanischen Autoren. Interessanterweise sind die Auflagen seiner Bücher in Deutschland und Frankreich höher als in den USA.

Bob Dylan – Sam Shepard

True Dylan, Stück in einem Akt, wie es sich an einem Nachmittag in Kalifornien wirklich ereignete.
Von Sam Shepard

Ein Nachmittag unter der ewigen Sonne Kaliforniens. In der Ferne sind die Wellen des Pazifik (aber leider nie die des Hibou, ähem Hudson) zu hören. Sam erscheint, bewaffnet mit Notizbuch, Aufnahmegerät und einem Sixpack Bier, offensichtlich in der Absicht ein Interview zu führen. Bob, der Hausherr, scheint daran nicht sonderlich interessiert zu sein, führt Telefonate, plaudert ziellos drauf los. Sams sorgfältig vorbereitete Fragestrategie kommt nicht zum Einsatz, sein Notizbuch bleibt geschlossen. Bobs Redefluss ist spärlich, seine Antworten sind lakonisch, die Unterhaltung der beiden treibt ziellos durch den Nachmittag. Geradezu beiläufig entsteht ein Portrait des Mannes, der die Popmusik mehr beeinflusst haben dürfte als jeder andere: Bob Dylan. Dessen tiefer Liebe zur Musik steht eine erstaunliche Lustlosigkeit an der Welt und dem Showbusiness gegenüber, die die Einsamkeit des grossen Musikers ahnen lässt. Sie reden über Engel, über Musik und vor allem über ihre Vorbilder und Vorgänger von Jimmy Yancey bis John Lee Hooker, und immer wieder über James Dean. «Du weisst, was Elvis gesagt hat? Er sagte, wenn James Dean gesungen hätte, dann wäre er Ricky Nelson gewesen.»

Es ist eine verzauberte Stunde, in der zwischen den beiden Männern eine atemberaubende Intimität entsteht, in der Sams Tonband auf mysteriöse Weise an Stelle des aufgezeichneten Gespräches Dylans Lieblingsmusik wiedergibt und die Katastrophen des Alltags keine Beachtung finden.

Immer wieder hat Dylan im Laufe seiner langen Karriere seinen musikalischen Stil verändert, immer wieder ist er einer veränderten Welt mit neuen musikalischen Konzepten entgegengetreten. Seine Musik begleitet mittlerweile mehrere Generationen von Pop-Liebhabern, die in ihr den Soundtrack ihres Lebens entdecken, und über alle Generationen hinweg herrscht Einigkeit: Dylan gehört unbestritten in den Pop-Olymp.

Sam Shepard, Amerikas bekanntester Gegenwartsdramatiker, Schauspieler, Drehbuchautor und Rockmusiker, ist bei seiner Begegnung mit Bob Dylan ihm ungeheuer nahe gekommen. Dass er das Drama als literarische Form seines Porträts wählt, erlaubt ihm, den Zuschauer mehr an der Intimität des Gespräches teilhaben zu lassen, als dies im klassischen Interview oder jeder anderen Erzählform möglich wäre.

(Die obige Rezension ist beinahe ausschliesslich copy & paste zu verdanken. Nur die Sachen in Klammern sind von mir)

Bob Dylan II

“But I was so much older than/ I’m younger than that now…..”

Der darf hier ja keinesfalls fehlen. Jedenfalls meiner Meinung nach. Er ist das Brennglas für dreiviertel der guten Lyrik der Welt. Er hat sich nie angepasst (bravo!), und wenn er dafür alle seine Fans enttäuscht hätte. Wenn er Glück hat, wird er das gleiche Schicksal wie Ghaddafi haben, nämlich auf der Bühne zu sterben. Wir waren an einem seiner Open-Airs (in Heidenheim? Pfullendorf oder Heilbronn?). Bei den Vorgruppen regnete es. Endlich trat der Star des Abends auf. Der Himmel glühte rot im Westen. Der Regen hatte aufgehört. Er sang: “Under a red, red sky…” Später am abend vögelte ich Katharina. Meine Tochter, die im selben Raum schlief, flüsterte: “Papa!”

Harvey Keitel

Ein echter New Yorker. Er wurde am 13.Mai 1939 in Brooklyn geboren, wuchs auch in Brooklyn auf und spielte seine beste Rolle in “Smoke”, wo er einen Brooklyner Tabakhändler verkörpert. Aber was heisst “beste Rolle”? Wer ihn in Jane Campions “Piano”, in Quentin Tarantinos “Pulp Fiction, in Scorseses “Taxi Driver”, in Austers “Lulu on the Bridge”, in Abel Ferraras “Bad Lieutenant”, in Ridley Scotts “Thelma & Louise” oder in Theo Angelopoulos‚ “Ulysses Gaze” gesehen hat, mag daran zweifeln. In unzähligen anderen, meist herausragenden Fimen, spielte er mit. Gerne mimte er den Underdog, den “Bösen Guten”……

Harveys Eltern, Miriam und Harry Keitel, waren jüdische Auswanderer aus Rumänien und Polen. Sein Vater war in den USA in den verschiedensten Berufen tätig, unter anderem als Hutmacher. Der kleine Harvey lieferte dann die fertigen Hüte aus, wie oft fuhr er dabei über den Hudson! (ach). Später betrieben die Eltern eine Luncheonette, eine Art Diner fürs Mittagessen. Harvey ging zu den Marines, was ihn bis in den Libanon führte. Zurück in den Staaten, arbeitete er als Gerichtsreporter. Noch bevor er bei Lee Strasberg mit dem Schauspielunterricht begann, konnte er sich selbst ernähren. Er begann seine nun fast 40-jährige Karriere als Schauspieler; einmal berühmt, half er oft jungen Regisseuren, indem er in deren erstem Film eine Rolle annahm.

Lange liiert war er mit Lorraine Bracco. Die kennt ihr nicht? Na klar doch, sie spielte die Psychiaterin in “Sopranos”. Später heiratete er (heimlich in Jerusalem) die kanadische Schauspielerin Daphna Kastner. Er hat drei Kinder, alle von verschiedenen Frauen, und doch hatte er nie Haremsträume……

Harvey gelang, was seinen Eltern zeitlebens verwehrt blieb: Lesen und Schreiben zu lernen, aus der Armut zu entfliehen und sich von der Religion zu emanzipieren.

Manchmal tafelt er mit seinem guten Freund Robert de Niro in einem von dessen Restaurants, oder aber er besucht ihn in seinem Appartment auf der Westside von Manhattan, vielleicht wegen des Blickes über den Hudson?

Woody Guthrie

„Woody“ Guthrie (* 14. Juli 1912 in Okemah, Oklahoma; † 3. Oktober 1967 in New York). Der Arme musste den Vornamen des späteren US-Präsidenten Woodrow Wilson tragen. Schlimmer aber: seine Lieblingsschwester und eine seiner Töchter verbrannten, sein Vater wurde nach einem Wohnungsbrand zum Pflegefall, seine Mutter, er selbst und etliche seiner Kinder litten an der unheilbaren Nervenkrankheit Chorea Huntington, auch Veitstanz genannt. So verbrachte er seine letzten 13 Lebensjahre in Behandlung oder in Krankenhäusern. Bob Dylan besuchte sein damals schon schwer beinträchtigtes Idol und schrieb mehrere Songs, die ihm gewidmet waren.

In äusserst ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, begann Guthrie ab 1930 als Hobo durch die Welt zu trampen, verdingte sich als Plantagenarbeiter und beim Bau des berühmten Grand Coulee Staudamms (siehe dazu meinen Kommentar), sang und spielte in Kneipen und als Strassenmusiker. “Woody kann schon drei Balladen vor dem Frühstück schreiben”, meinten seine Freunde. Folk- und Countrymusic sind so untrennbar mit seinem Namen verbunden, Songs wie “This Land is your Land….” wurden zu patriotischen Hymnen, und das, obwohl sich Woody zeitlebens als Linker verstand und viel mit der Kommunistischen Partei zusammenarbeitete.

1935 bekam er mit der Sängerin “Lefty Lou” in Los Angeles eine tägliche Radiosendung, welche ihn schlagartig bekannt machte, zumal er seine Texte kostenlos an Interessenten versandte.

Ab 1939 lebte er in New York, wo er mit seiner zweiten Frau in der Mermaid Avenue, Coney Island, Brooklyn, NY 11224, einen lebendigen Künstlertreffpunkt betrieb. Auf Anregung seiner Schwiegermutter Alisa Greenblad (Greenblatt?), einer angesehenen jüdischen Dichterin und Aktivistin, schrieb Guthrie daneben Hunderte Texte, die sich mit dem Leben der Juden beschäftigten.

Einen Monat nach Woodys Tod veröffentlichte sein Sohn Arlo “Alice’s Restaurant”. Dieses Lied wurde zum ikonengleichen Antikriegssong der nächsten Generation. Woody schrieb während seines Lebens um die 3000 Songs, veröffentlichte zwei Romane, schuf Kunstwerke, und im Woody-Guthrie-Archiv in New York City finden sich zahllose unveröffentlichte Texte, Gedichte und Songs.

Billie Holiday

(* 7. April 1915 in Philadelphia; † 17. Juli 1959 in New York; geboren als Elinore Harris)
Eine der grössten, wenn nicht die grösste Jazzsängerin, eine Schwarze, eine Afroamerikanerin, eine Negerin. Sie litt zeitlebens unter der Rassendiskriminierung, denn trotz aller Weltberühmtheit musste sie – genau wie Josephine Baker – die Konzertsäle und Studios oft durch den Hintereingang betreten und dann in irgendwelchen dunklen Räumen auf ihren Auftritt warten. Wegen ihrer sehr hellen Haut wurde sie sogar oft mit schwarzem Make-Up versehen, damit sie nicht wie eine Weisse wirkte, was sie als besonders entwürdigend empfand.
Der Anteil der Schwarzen in den USA liegt ungefähr bei 13%. Komisch, ich hätte gedacht, etwa die Hälfte der Leute dort seien Afro-Amerikaner.
Wo sind die Ureinwohner, die Indianer geblieben? 42 Millionen Menschen bezeichnen sich in den USA als deutscher Abstammung, es gibt riesige Kolonien von Latinos, Chinesen, Iren, Polen, Russen usw., von Franzosen und Engländern mal zu schweigen. Gut, dass sie alle da eingewandert sind (uhh, politisch net korrekt gell?), den wir wollen ja heute was anderes machen, als luftgetrocknetes Büffelfleisch essen, in Zelten schlafen und Pfeife rauchen. Zum Beispiel Jazz hören *gg* (Wobei JEDER der Lust hat, Büffelfleisch essen soll – falls es noch Bisons gibt…..). Dass es keine Sklaven mehr gibt – hört hört, sagt da Billie Holiday – ist wohl gerade eben erreicht (mehr nolens als volens). Immer wieder staune ich, wie lange die Rassentrennung in den USA noch andauerte. Von daher ist es ein Zeichen, ganz egal, was nun an konkreter Politik erfolgt, dass erstmals ein Schwarzer US-Präsident wurde.
Doch zurück zur Sängerin. Als Kind noch putzend und als Prostituierte tätig, machte sie schnell Karriere, schnell wurde sie durchs Musikermilieu, durch obige Umstände und auch durch ihre Männer, alkohol- und drogenabhängig. Sie verlor 1947 sogar ihre Cabaret-Lizenz, was ihr zwar Auftritte in der Metropolitan Opera und der Carnegie-Hall, aber nicht mehr in Clubs und Kneipen ermöglichte. Als sie mit nur 44 Jahren mit Leberzirrhose auf dem Totenbett lag, umstanden sie Polizisten, um sie zu verhaften, wenn es ihr besser ginge. Sie ist auf dem Saint Raymonds-Friedhod in New Yorks Bronx begraben, nicht sehr ferne des Hudson (wenn auch näher am East-River).

Nella Larsen

Wenn wir einen Terrier haben, freuen wir uns an des Nachbarn Windhund. Wenn wir Tulpen lieben, schauen wir Nachbars Rosen an und denken begeistert: wie vielfältig ist doch die Natur! Doch wenn wir einen Menschen (leicht) anderer Hautfarbe sehen, rümpfen wir die Nase. Uhh, ein Neger! denkt es in uns. Unsere Tier- und Pflanzenliebe kennt keinen Rassismus. Immer wieder aber staunt man, wie weit verbreitet selbiger unter Menschen noch ist….. Dabei: gibt es überhaupt Schwarze, Weisse, Gelbe, Rote? Gibt es Österreicher, Deutsche, Franzosen? Podolski und Klose sprechen fliessend Polnisch, Schimanski zwar nicht, aber sein Name sagt uns was, Zidane, Nouma und Vieira sind ebenso Franzosen, wie Salman Rushdie Engländer ist.

Die Hautfarben sind im Grunde wie der Schnee, wo wir nur DENKEN, er sei weiss….

Das ist schon seit langem so (woher kommt der Name Sarrazin in Europa?) aber die Vermischung nimmt rasant zu, das Denken folgt langsam nach (wie ein schwerfälliger Kutter auf dem Hudson)

Beispiel: meine eigene Familie (die mich nicht Entdecker werden liess): Meine vier Grosseltern wohnten noch im selben Viertel der selben Stadt, meine Eltern wollten sich von Jugend auf heiraten. Und nun: ich heiratete eine Türkin, deren Bruder mit einer Russin aus Kasachstan verheiratet ist, in Dublin arbeitet und nun einen Sohn hat, der Ire ist. Meine Schwester ist mit einem Mann aus Guinea Bissau verheiratet (wir sind ja tolerant, aber muss er SO schwarz sein?), meine Tochter hat einen Italiener geheiratet und ist mittlerweile auch Italienerin, mein einer Sohn hat ne Freundin aus Kroatien, mein anderer ne Frau aus Bosnien… Naja, undsoweiter. Bestimmt sieht es bei Euch ähnlich aus?

Am eigenen Leib, an eigener Seele hat das Nella Larsen erfahren. Geboren am 13. April 1891 in Chicago, gestorben (wo? ich lerne nur, dass ihre Familie bei ihrem Tod leugnete, sie jemals gekannt zu haben – man beachte das Todesjahr, es ist nicht 1347 oder so)  am 30. März 1964. Ihr Vater ist ein Schwarzer von der westindischen Insel St.Croix, ihre Mutter Dänin. (Ich sehe grade, dass Saint Croix früher zu Dänisch Westindien gehörte *gg*). Nella lebt abwechselnd in den USA und in Dänemark, studiert sowohl in Kopenhagen als auch in den Staaten an einer Universität für Schwarze, beginnt zu schreiben, vor allem mit dem Thema der Rassentrennung beschäftigt. Berühmt wird sie durch ihren Roman “Passing”, dessen Motiv später Philip Roth in “The Human Stain” wieder aufgreifen wird. Passing ist die Geschichte zweier Frauen, die als ‚Mischlinge‘ gelten müssen, obwohl beide gerade hellhäutig genug sind, um nicht als Schwarze aufzufallen (engl. Passing, “als Weisse durchgehen”). Während die eine ihre ‚weiße‘ Identität vollkommen verinnerlicht und auch einen wohlhabenden ‚Weissen‘ heiratet, dem sie ihre Abstammung verheimlicht, zieht die andere nach Harlem, gestaltet ihre Identität als Schwarze, heiratet einen schwarzen Arzt und nimmt enthusiastisch an der Bürgerrechtsbewegung teil. Der zweite Teil des Romans behandelt das Wiedersehen der beiden Jugendfreundinnen, und die Bewunderung, die jede der beiden dem Lebensstil der jeweils anderen zollt. Dennoch endet der Roman tragisch: Clare, die als ‚Weiße‘ lebt, wird gegenüber ihrem Mann ‚enttarnt‘, und begeht dem Anschein nach Selbstmord.

Langston Hughes

* 1. Februar 1902 in Joplin, Missouri; † 22. Mai 1967 in New York
Wie Nella Larsen wird auch Langston Hughes zur Gruppe “Harlem Renaissance”, zu der auch  Louis Armstrong,  Duke Ellington, Bessie Smith  und Josephine Baker gehören, gezählt. Zeitlebens schrieb er Gedichte, aber auch Romane. In Aschgabat, der Hauptstadt Turkmenistans, begegnete er Arthur Koestler; dieses Treffen beeindruckte ihn sehr.

Hier eines seiner Poeme:

Der Neger spricht von Strömen

Ich habe Ströme gekannt:
Ich habe Ströme gekannt, alt wie die Welt und älter als
des Blutes Strom in menschlichen Adern.

Meine Seele ist tief geworden wie die Ströme.

Ich schwamm im Euphrat, als die Morgenröte jung war.
Ich flocht meine Hütte am Kongo, er brachte mir Schlaf.
Ich schaute zum Nil hinüber und half die Pyramiden bauen.
Ich hörte das Singen des Mississippi, als Abe Lincoln
nach New Orleans fuhr, und sah lehmige Wasser
golden werden im Abendschein.

(Ich trieb auf dem Hudson, als er noch grün war)

Ich habe Ströme gekannt:
Alte, dunkle Ströme.

Meine Seele ist tief geworden wie die Ströme.

Josephine Baker

(gebürtig Freda Josephine McDonald; * 3. Juni 1906 in St. Louis, Missouri; † 12. April 1975 in Paris). Josephine Baker wurde als uneheliche Tochter des jüdischen Schlagzeugers Eddie Carson und der Waschfrau Carrie McDonald in St. Louis, Missouri, geboren. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Von ihrer Mutter wurde sie Tumpie genannt, eine Abwandlung des Namens Humpty Dumpty aus dem Kinderbuch Alice hinter den Spiegeln von Lewis Carroll. Auch aus anderen Gründen war ihre Jugend traumatisch: von der Mutter schon mit 13 Jahren verheiratet, erlebte sie auch ein Pogrom in St.Louis, bei dem bis zu hundert Menschen, meist Afro-Amerikaner, ermordet wurden. Dessen sind wir uns nicht so recht bewusst, wenn wir “J’ai deux amours…” von ihr hören oder sie leicht bekleidet tanzen sehen. Schon mit dreissig Jahren nahm sie die französische Staatsbürgerschaft an (sie hatte Engagements in Berlin und Paris bekommen, wo sie in der “Revue Nègre” zum ersten Mal einen Charleston in Europa zeigte), blieb aber der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zeitlebens verbunden. Später ging sie immer mehr vom Tanz zum Gesang über, lebte aber fürderhin fern des Hudson.

Sie adoptierte zwölf Waisenkinder unterschiedlicher Hautfarbe, ihre berühmte “Regenbogenfamilie”: Marianne, Stellina, Akyo, Janot, Luis, Jarry, Jean-Claude, Moïse, Koffy, Mara, Noël und Brahim. Das war ihr gelebter Protest gegen Rassismus, und auch, als sie zusehends in Geldnöte geriet, hielt sie ihn durch.

Philip Roth

(* 19. März 1933 in Newark, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Romancier und gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller der Gegenwart. Er lebt auf einer Farm in Connecticut weit ab vom Hudson-River……..

Hatte mich unbewusst lange geweigert, ihn zu lesen. Nun, nach Lektüre sowohl im Original als in Deutsch, denke ich, er ist ein Riese des Schreibens! Sein Roman “Der menschliche Makel” ist (mal wieder) der lebendige Beweis, dass Bücher meist besser sind, als die Filme dazu, auch wenn dieser Film mit Anthony Hopkins und Nicole Kidman schon gut war….
Roth thematisiert hier die Hautfarbe der Menschen. Ein Schwarzer “geht als Weisser durch”. (genau wie in der Wirklichkeit, nicht in Romanen wie dem hier und dem von Nella Larsen, es der in New Orleans geborene Kreole Anatole Broyard tat, der zeitlebens als ein weisser Professor lebte und arbeitete) (Mir fällt da Michael Jackson ein. Unter Qualen versuchte er, “weiss” zu werden. Lass die Toten ruhen! Nein, lass sie nicht ruhen! Wie soll man sonst die Lebenden verstehen und “behandeln”? Jean Améry dreht sich zwar nicht im Grabe um, einige seiner Ziele aber bleiben uns, sie zu verwirklichen…)
Ausserdem habe ich noch nirgends das Trauma der Kriegsheimkehrer besser geschildert gefunden, als hier. In diesem Falle ist es ein Vietnamveteran, der bereits beim Anblick eines chinesischen Restaurants Zustände bekommt.

Roths Stil ist knapp, treffend, unbarmherzig, Partei ergreifend. Das hier erwähnte wirkt so distanziert und doch so berührend, weil der Erzähler, Nathan Zuckerman, in Ich-Form alles berichtet, also von aussen beschreibt.  Er – Zuckerman – kommt in mehreren Büchern Roths vor und ist gewissermassen sein alter Ego. Roths Bücher finde ich wunderbar zu lesen.

Arthur Miller

(* 17. Oktober 1915 in New York City; † 10. Februar 2005 in Roxbury, Connecticut)

Am liebsten tischlerte er, fast noch lieber, als das er schrieb. Er konnte dann wohl alles andere vergessen. Nicht – etwa – wie am Set von “Misfits”, an den er geriet, weil seine Noch-Ehefrau Marilyn Monroe da mitspielte und seine Noch-Nicht-Ehefrau Inge Morath als Fotografin für die Fimstills verantwortlich war. Miller hatte das Drehbuch geschrieben. Es würde Marilyns letzter Film sein, auch Gables, dieser würde nicht einmal mehr die Uraufführung erleben…… Es war die Versammlung des Jahrhunderts, ist man versucht zu sagen. John Huston, jähzornig wie immer, nur nicht gegenüber Marilyn, die gerade auf Entzug war und sie wochenlang warten liess,  da mit den Pferden in der Wüste, Clark Gable war noch da, auch Montgomery Clift, der danach lange Jahre mit John Huston prozessieren würde. Was Eli Wallach zu der ganzen Chose dachte, wissen wir nicht. Ich sah den Film in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das erste Mal, und war seltsam von ihm angerührt. Er war nicht spannend – damals gingen wir in Sergio-Leone-Western – er war nicht langweilig, er vermittelte mir eine ganz eigene, eigenartige Stimmung.

(“…The Misfits ist so durch und durch amerikanisch, dass niemand außer einem Amerikaner ihn gemacht haben könnte. Um ehrlich zu sein: ich bin nicht sicher, ob ihn überhaupt jemand gemacht haben könnte außer John Huston nach einem Original-Drehbuch von Arthur Miller, und es ist kaum anzunehmen, dass Miller es ohne Marilyn Monroe geschrieben haben könnte. Da gibt es Sätze, bei denen man spürt, dass Miss Monroe selbst sie einmal gesagt haben muss… In dieser Zeit, in der Sex und Gewalt dermaßen ausgebeutet werden, dass unsere Gefühle Gefahr laufen, eingeschläfert zu werden, ist hier ein Film, in dem beide Aspekte eine ebenso starke Rolle spielen wie in der Wirklichkeit, aber nie um ihrer selbst willen ausgeschlachtet werden. Miss Monroe besitzt auch hier ihren eigenen Zauber, wird uns aber nicht als lebendes Pin-up-Girl in hautenger Seide vor die Nase gesetzt…” The New York Herald Tribune)

Arthur Miller wuchs in Brooklyn auf, in bitterarmer Umgebung und nicht am Hudson. Wenig vorher hatte sein Vater, der einmal Mantelhersteller war, ein Angebot seines Freundes, mit ihm im Nest Hollywood im Westen der Staaten eine Filproduktionsfirma zu gründen, abgelehnt. Brooklyn verlassen? Niemals. Verrückt war dieser Samuel Goldwyn eh! Schade drum, sonst  würde es heute vielleicht Metro-Goldwyn-Miller heissen……..

Wir alle kennen Millers Theaterstücke “Tod eines Handlungsreisenden”  (1985 von Schlöndorff mit Dustin Hoffman und John Malkovich verfilmt) und “Hexenjagd”. Wegen Anspielungen auf Joseph McCarthys Kommunistenjagd geriet er in Schwierigkeiten, später wurde er, weil er sich – etwa im Gegensatz zu Eli Kazan – weigerte, vor dessen Aussschuss Namen ihm bekannter Kommunisten zu nennen, sogar zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Miller bekannte sich zeitlebens zu seinem Atheismus, er war Mitglied der Kommunistischen Partei.

Wenn er schrieb gebrauchte er die Schreibmaschine ähnlich wie seine Tischlerwerkzeuge und arbeitete langsam, gründlich und präzis.

Don DeLillo

Ich denke, Don DeLillo schrieb auch Kurzgeschichten. Das ist eine Kunst für sich. Aber am allerliebsten mag er dicke, lange Bücher, solche, die mehrere in einem enthalten. Allein das Einleitungskapitel zu “Underworld”! Ein Roman für sich. Frank Sinatra sitzt mit Edgar Hoover und Freunden im Baseballstadion und sieht (während gleichzeitig eine Atombombe explodiert) dem ersten Wurf zu. Der geht weit, bis auf die Zuschauertribüne, wo ein schwarzer Junge sich den Ball schnappt und ihn wie einen Rohdiamanten fernerhin bei sich führt. Dann wird völlig anderes behandelt, bis dass der Leser merkt, dass die gesamte 964-seitige Handlung sich im Laufe des Fluges dieses Balles abspielt……Diese Handlung ist annähernd mit “Der Müll, das Land und die Stadt” beschrieben, wird rückwärts erzählt und schliesst alle amerikanischen Lebensumstände mit ein, während kurze Zwischenkapitel das weitere Schicksal des Balles beschreiben.
DeLillo wurde am 20. November 1936 in der Bronx geboren, wo er auch aufwuchs, nach seinen Worten meist auf der Strasse oder am Radio in Berichte von Baseball-Matches vertieft. Seine Familie war italienischer Herkunft. Zu Hause wurde eine Mischung von Englisch und Italienisch gesprochen, seine Grossmutter, die über 50 Jahre in den USA verbachte, lernte nie Englisch. DeLillos Lebensmittelpunkt ist also Little Italy (wie schade, dass ich Italien net entdeckt habe….) um die Arthur Avenue. Robert de Niro drehte seinen ersten Film als Regisseur hier. Der grösste Teil der Handlung von DeLillos “Unterwelt” spielt sich ebenfalls hier ab. Frag einen beliebigen New Yorker über die Arthur Avenue aus: entweder erntest du Kopfschütteln oder aber eine Flut von Sympathie für diese Gegend, den besten Ort für Pizza, Pasta, Espresso-Maschinen, den einzigen Ort, wo es italienische Würste gibt (diese spiralig gekringelten). Nach wem ist die Arthur Avenue benannt? Man könnte an König Arthur und seine Tafelrunde denken. Nein: es ist Chester A. Arthur, 21. Präsident der USA. Das Paradox ist Realität: Während viele Leute noch nie von dem Viertel gehört haben, ist es für die anderen Heimat ausserhalb der Heimat, oft allerdings ein streg gehütetes Geheimnis.
Don DeLillo ist unter den postmodernen amerikanischen Autoren unerreicht. Mit jedem Buch weitet er die Grenzen der Literatur beträchtlich aus. “Der Roman”, sagt er, “ist ein Risiko, welches der Schreiber entweder akzeptiert oder ablehnt. Und ein Kind der Bronx wird immer Risiko auf sich nehmen….”

Gertrude Stein

Wohl kaum ein Satz ist in der Welt so bekannt, wie der von Gertrude Stein: “eine rose ist eine rose ist eine rose”. Gertrude entwickelte einen ganz neuen Stil, einen neuen Satzbau, eine neue Sprache. Diese, auch von James Joyce und anderen angestrebte neue Rede- und Schreibweise, hat sich bis heute, hundert Jahre später, noch nicht ganz durchgesetzt, weshalb wir zumeist die “Autobiographie der Alice B. Toklas”, die sie selbst verfasste und ironisch in verständlichem Stile schrieb, lesen. Ich zitiere den letzten Absatz des Buches: “Ungefähr vor sechs Wochen sagte Gertrude Stein zu mir, dass es nicht aussähe, als würde ich jemals diese Autobiographie schreiben. Weisst du, was ich tun werde? Ich werde sie für dich schreiben…. und sie tat es und hier ist sie.” Gertrude Stein kann hier ganz zwanglos in der dritten Person Singular von sich selbst sprechen. Das weitet die Selbsterkenntnis, und für uns macht es die Lektüre schmunzelig. Wenn irgendwer am Paris des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts interessiert ist, muss er dieses Buch lesen. Gertrude und ihre Lebensgefährtin Alice hielten in der Rue de Fleurus am linken Seineufer einen Salon, in dem alles, was damals Namen hatte, aus- und einging. Des Morgens ging  Gertrude oft den ganzen langen Weg bis zu Picassos Atelier auf dem Montmartre zu Fuss. Das ist günstig, sagte sie, so kann ich täglich zwei Sätze schaffen, einen auf dem Hin-, dem anderen auf dem Rückweg…. Picasso schuf ein Porträt von ihr und sie sass ihm. Es sieht mir aber nicht ähnlich? sagte Gertrude Stein. Picasso war gerade in der kubistischen Phase. Keine Angst, erwiderte der Maler, mit der Zeit werden Sie ihm schon ähnlicher! Sie mochte auch Matisse. “Er gibt immer Stoff, zu tratschen!” sagte sie. Sie mochte Satie, Marie Laurencin und Guillaume Apollinaire. Gegen Ende mochte sie sogar Hemingway.

Gertrude Stein wurde am 3. Februar 1874 in Allegheny als jüngstes von fünf Kindern in eine wohlhabende und „hochachtbare bürgerliche Familie“, wie sie schrieb, hineingeboren. Die Großeltern väterlicherseits, Michael und Hannah Stein, waren aus Deutschland emigrierte Juden, die 1841 Weickersgrüben bei Gräfendorf in Bayern verlassen hatten, mit dem Ziel, in Amerika politische Freiheit und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten zu finden, die ihnen in der Heimat versagt waren. Gertrudes Vater, Daniel Stein, heiratete 1864 die ebenfalls deutsch-jüdische Amelia Keyser. Nach Aufenthalten in Wien und Passy bei Paris wuchs Gertrude in Kalifornien auf. Als 1891, drei Jahre nach dem Tod der Mutter im Jahr 1888, auch der Vater Daniel Stein starb, wurde der älteste Sohn Michael Vormund für die jüngeren Geschwister.

Bald nach ihren –abgebrochenen – Studiengängen verlegte Gertrude Stein ihren Lebensmittelpunkt nach Paris, nachdem sie und ihr Bruder Leo vorher in London mit der Bloomsbury-Gruppe um Virginia Woolf und John Maynard Keynes zusammengetroffen waren. Nun ging es über die Seine und nicht über den Hudson… Sie und ihre Gattin Alice vermochten es, obwohl jüdisch, den ganzen Weltkrieg über in Frankreich zu bleiben. Wie kam das? Weil sie Verwundete pflegten? Oder weil sie den Nazis gegenüber Zugeständnisse machten (diese Vermutung ist durch nichts belegt). Oder aus noch anderen Gründen? Aus Zufall? Wir wissen es nicht. Nach Gertrudes Tod versuchte Alice weiter, deren Bücher zu publizieren……

Eleanor Roosevelt

Sie heiratete ihren Cousin Franklin gleichen Namens. Das ist praktisch – frau braucht die Namensschildchen in der Wäsche net neu anfertigen und einnähen. Prinzipiell war sie als Frauenrechtlerin der Ansicht, auch Männer sollten das lernen. Ihr Franklin Delano aber hatte dazu keine Zeit, er wollte US-Präsident werden. Aber auch seine Gattin war vielseitig in der Öffentlichkeit tätig, so konnten sie eine Zeitlang für gemeinsame Ziele – zum Beispiel das Wahlrecht für Frauen – zusammenarbeiten. Später wurde Eleanor die erste “First Lady”,  sowohl New Yorks als auch danach der gesamten Vereinigten Staaten, die nicht nur Repräsentationsaufgaben wahrnahm. Noch später lebten sie sich ziemlich auseinander, blieben aber – Hohe Politik! – ein Paar. Ihr Mann (seit 1921 war er gelähmt und sass im Rollstuhl) hatte eine lange Liebe zu Lucy Mercer (die am Tage seines Todes bei ihm war), seine Frau hatte Beziehungen sowohl zu Männern als zu Frauen. Eleanor war lebenslang mit Martha Gellhorn – mit der sie auch in regem Briefwechsel stand – befreundet. Wir wissen daher recht genau über sie Bescheid.

Eleanor Roosevelt wurde am 11, Oktober 1884 als Tochter von  Anna und  Elliott Rossevelt, des Bruders des Theodore Roosevelt, geboren. Ihre Eltern gehörten beide zum New Yorker Geldaldel, den sogenannten “Swells”, sie  starben aber beide auf tragische Weise früh (die Mutter an Diphterie, der Vater an den Folgen eines Suizidversuchs), so dass die Kleine bei den Grosseltern im Dorf Tivoli aufwuchs. Tivoli liegt am Hudson, nicht weit von Poughkeepsie, wo wir ja im Jahr 1907 Lee Miller antreffen werden, und auch nicht weit von Sleepy Hollow, wo 1906 Carl Schurz begraben wurde……

Über Tivoli ist folgendes zu erfahren:

Die Gemarkung des Ortes wird von zwei Hauptstraßen durchquert. County Route 78 (CR 78) – die frühere New York State Route 402 – bildet den Broadway und endet am Hudson River, wo früher eine Fähre nach Saugerties im Ulster County ablegte. New York State Route 9G führt an der Grenze des Villages entlang und kreuzt sich mit CR 78.

Die Kleine Eleanor, ein wenig schüchtern, von den anderen “Little Nell” gerufen, nahm manchmal die Fähre und verbrachte lange, einsame Nachmittage am andern Ufer, wo der Esopus Creek in den Hudson mündete, und wo auf der dadurch entstandenen Halbinsel das Saugerties Lighthouse inmitten von Schilfmeeeren stand. Hier wird uns klar, warum es “Lighthouse” und nicht LeuchtTURM heisst: es ist ein einfaches, viergiebliges, rotgestrichenens Neu-England-Haus mit einem Licht auf dem Dach….

Nach dem Tode ihres Mannes setzte sich Eleanor weiter für Frauenrechte, Bürgerrechte und Menschenrechte ein, wurde verschiedene Male zur US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen berufen und galt lange vor Hilary Clinton als politisch einflussreiche und mächtige Frau. Sie starb am 7. November 1962.

Daniel Libeskind

Ja, natürlich bin ich ein Optimist. Sonst könnte ich kein Architekt sein.”

Schon früh ein Wunderkind am Akkordeon studierte er Musik, hat jüngst auch eine Oper inszeniert. Er ist also quasi lebendes Beispiel für Shakespeares Worte “Der Mensch, der nicht Musik hat in sich selbst/ taugt zu Verrat, zu Räuberei und Tücke…”, denn er taugte viel eher zur Architektur, nicht nur vom Archinauten die Königin der Künste genannt. Neulich wurde sein genialer Umbau des Dresdner Militärhistorischen Museums eingeweiht, er trieb dem ursprünglichen neoklassischen Bau einen Tetraeder in die Fassade. Aber er baute u.a. auch das jüdische Museum in Berlin, des weiteren gibt es in Denver, San Francisco, Osnabrück, Ramat-Gan, Bern, Toronto und auf Mallorca Gebäude von ihm zu sehen…

Libeskind wurde am 12. Mai 1946 in Lodz/Polen geboren. Er nahm 1965 die amerikanische Staatsbürgerschaft an und lebt zur Zeit – da er auf dem Ground Zero, nur einen Steinwurf vom Hudson entfernt, den neuen Freedom Tower baut – in New York (Er hatte auch in Berlin gewohnt. Doch trotz seines jahrelangen Aufenthalts in Deutschland hat er, der ausser amerikanisch auch jiddisch spricht, nie deutsch gelernt). Seine Architektur gehört zur erzählenden Klasse. Oft wird ihm vorgeworfen, dass sie sich den Leuten nicht erschliesse und zusätzlich erklärt werden müsse. Liegt es am Kubus, der uns seit Jahrtausenden – schon die Hopi-Siedlungen zeigen es – gewohnt ist? Unsere Häuser sind rechtwinklig, unsere Computer sind rechtwinklig, unsere Betten und unsere Särge…. Der Kubus steht für: Ordnung, Ruhe, Seriosität, Dauer, Sesshaftigkeit. Libeskind baut eben eher nach Melodien. “Es gibt diesen Mythos: ‘Wenn der Mensch sich vom rechten Winkel verabschiedet, dann beginnt die Apokalypse.’ Damit muss man aufräumen!” Das kann sogar dazu führen, dass seine Bauten – die oft Museen sind – ohne Exponate schon wirken *gg*

Robert Longo

Er wurde 1953 in Brooklyn (!) geboren. Viele haben – wie ich – seinen Namen bisher nie gehört; die ihn kennen, wissen nicht, dass er mit Barbara Sukowa verheiratet ist. “Ich vollziehe alle Stadien, die meine Kinder im Heranwachsen durchmachen, nach. Meine Brandungsbilder etwa haben direkt mit der Leidenschaft meines Sohnes mit Surfen zu tun.” (Wir fügen hinzu: Surfen wirde er auf dem Hudson net können, dazu ist mindestens Far Rock Away Beach, wenn nicht gar Hawaii nötig…..)

Longo, eigentlich als Bildhauer ausgebildet, ist ein Multi-Künstler. Bekannt für seine grossformatigen Kohlezeichnungen, tut er sich aber auch durch Fotografien, Drucke, Musik, Musikvideos und Filme hervor. In Zusammenarbeit mit Cindy Sherman rückten ihm auch Performance und Mimikry näher. Neulich zeigte eine Galerie in Paris seine “God-Machines”, Werke über alle drei monotheistischen Religionen und deren Wallfahrtsorte. Da war auch unser Beispiel “Burka-Barbara” zu sehen.

Kurt Weill

„Obgleich ich in Deutschland geboren bin, bezeichne ich mich nicht als ‚deutschen Komponisten‘. Die Nazis haben mich eindeutig nicht als solchen bezeichnet, und ich verließ ihr Land 1933 … Ich bin amerikanischer Staatsbürger, während meiner zwölf Jahre in diesem Land habe ich ausschließlich für die amerikanische Bühne komponiert ….“

Kurt Julian Weill wurde am 2. März 1900 in Dessau geboren und starb am 3. April 1950 in New York, der Stadt, durch die der Hudson (frz.” Öddsonne”) fliesst.

Zumindest in Deutschland ist sein Name untrennbar mit dem Bertolt Brechts verbunden. Lotte Lenya, die er zweimal heiratete – zwischendurch liebte sie den österreichischen Tenor Otto Pasetti – sang zuerst und zuletzt die Seeräuber-Jenny und wirkte auch in vielen anderen musikalischen Werken Weills mit. Weill wurde jedoch in den USA auch als heimischer Komponist wahrgenommen und feierte dort grosse Erfolge. Viele seiner Werke wurden zu Klassikern, sein “Moon of Alabama” sowie die Songs der Dreigroschenoper (“Mac the Knife”!) gehören ja wie etwa Dylans “A hard rain’s gonna fall” gewissermassen zum Weltkulturerbe….

In Berlin und später auch in New York verkehrte er freundschaftlich mit Theodor W. Adorno. (auch dieser würde als Amerikaner durchgehen, ich will ihn aber da nicht weiter würdigen – wir brauchen auch solche Deutsche)

Jetzt, 61 Jahre nach Weills Tod, kennt immer noch jede/r von uns seine Lieder. Künstlerinnen und Künstler wie Louis Armstrong, Sting, Bobby Darin, The Doors, Judy Collins, Lou Reed, Dagmar Krause, PJ Harvey, Teresa Stratas, Joe Cocker, Ute Lemper (in Münster geboren), Gisela May, Max Raabe, Dee Dee Bridgewater, Marianne Faithfull und viele andere leben auch durch seine Songs und haben sie zu Jazz-, Pop-, und Klassik-Standards gemacht.

Langston Hughes, der auch Libretti für ihn schrieb, sagte über ihn: „Wäre er in Indien eingewandert und nicht in die Vereinigten Staaten von Amerika, hätte er, wie ich fest glaube, wundervolle indische Musik geschrieben“ und „Darum kann Deutschland Weill als Deutschen, Frankreich ihn als Franzosen, Amerika ihn als Amerikaner und ich ihn als Schwarzen ausgeben.”

Kurt Weill wurde am 5. April im Mount Respose Cemetery in Haverstraw am Hudson beigesetzt. Zu den Trauergästen zählten Lotte Lenya, Maurice Abravanel, Maxwell und Mab Anderson, Marc Blitzstein, Marc Connelly, Charles MacArthur, Helen Hayes, Rouben Mamoulian, Erwin Piscator, Jo Révy, Elmer Rice und Arthur Schwartz. Maxwell Anderson sagte in der Grabrede unter anderem: “Natürlich wünschte ich, dass Kurt ein wenig mehr Zeit gegeben worden wäre. Natürlich wünschte ich, dass die Zeiten, die er erlebte, etwas weniger stürmisch gewesen wären. Aber es ist, wie es ist, und Kurt gab uns in der kurzen und stürmischen Zeit, die er hatte, wundervolle Sachen….”

Carl Schurz

Der Name tönt sehr deutsch. Naja, kein Wunder, wurde er doch im Rheinland geboren. Aber viele zogen im 19. Jahrhundert ins gelobte Land jenseits des Atlantik, um da ihr Glück zu machen (“etwas besseres als den Tod findest du überall”). Nimm etwa die Lehmann-Brüder aus Franken, die als Lehmann-Brothers eine für über 100 Jahre sehr erfolgreiche Investment-Bank aufmachten……
Schurz gehörte zu den 48ern (“Fourty-Eighters”), die genau wie die sogenannten 30er nach den misslungenen Revolutionen in den deutschen Fürstentümern hingerichtet oder eingekerkert wurden, oder aber emigrierten (“ubi libertas, ibi patria”).
Im 19. Jahrhundert war vieles genau umgekehrt wie heute. So standen etwa die deutschen Burschenschaften für eine liberale, demokratische, ja sozialistische Gesinnung und waren die führende Opposition (meist der Studenten und jungen Leute) gegen die absolutistisch verrottete deutsche und oesterreichische Aristokratie. So befreite ein Student Carl Schurz seinen Professor aus dem Gefängnis Berlin-Spandau (würdest Du heute Deinen Professor befreien?).
So stand auch die Republikanische Partei, zu deren Mitbegründern Schurz gehörte (Er war massgeblich an der Wahl Abraham Lincolns zum US-Präsidenten beteiligt) für Sklavenbefreiung und später gegen die imperialistischen Kriege der Demokraten, etwa Theodore Roosevelts.
Wie eine Reihe anderer Fourty-Eighters (Franz Sigel, Friedrich Hecker) diente auch Schurz während des Sezessionskrieges in der Armee als höherer Offizier. Seine Division galt jedoch als chaotisch und leicht zu schlagen, genau wie die Armeen seines Vorgesetzten, des Generals Sigel (auch da haben deutsche Armeen sich inzwischen geändert….). Da diese Divison aber fast ausschliesslich deutsche Soldaten enthielten, welche schliesslich und endlich, so sie überlebten, auch zu Wahlen gingen, erhielten die Offiziere trotzdem immer neue Kommandos. Hört ma das Denglisch dieser Tage:

Yah, daus is true, I shpeaks mit you. I’m going to fight mit Sigel.
Ven I comes from der Deutsche Countree, I vorks somedimes at baking,
Und den I runs a beer-saloon, und den I tries shoe-making.
But now I march mit musket out to safe dot Yankee Eagle,
Dey dress me up in soldier’s clothes to go and fight mit Sigel.

Yah, daus is true, I shpeaks mit you. I’m going to fight mit Sigel.

Die Musik dazu? Hier:
http://www.usgennet.org/usa/mo/county/stlouis/mitsigel.htm

Später, als Innenminister und dann als Graue Eminenz der US-Regierung, als erster Deutscherim Senat, war Schurz weit erfolgreicher denn als militärischer Kommandeur.

In Deutschland sang man inzwischen – in finsteren Zeiten der Restauration:

“Wenn die Leute fragen,
Lebt der Hecker noch?
Könnt ihr ihnen sagen:
Ja, er lebet noch.
Er hängt an keinem Baume,
Er hängt an keinem Strick.
Er hängt nur an dem Traume
Der deutschen Republik.”

Schurz starb am 14.Mai 1906 und ist auf dem Friedhof von Sleepy Hollow, am linken Hudson-Ufer im Staate New York, beerdigt. Mark Twain hielt seine Grabrede. Von Schurz stammt das Wort: „Our country, right or wrong. When right, to be kept right; when wrong, to be put right.“ Wir hören oft nur den ersten Teil des Satzes……

Tom Mix

„‚Woll’n wir heut ins Kino geh’n und uns mal Tom Mix anseh’n?‘
fragte mich der kleine Fritz, ich sprach ‚Du machst ’n Witz!
Schau dir mal den Himmel an, blau soweit man sehen kann.
Ich fahre an den Wannsee und pfeife auf Tom Mix.’”
Wir aber pfeifen nicht auf Tom Mix. Zwar ist er nicht am Hudson, sondern in Pennsylvanien 1880 als Thomas Hezikiah Mix geboren, wir wollen ihn uns jetzt ansehn:
Er schaffte es zum Prototypen des Cowboys. Er und sein treues Pferd Tony waren der Traum von Millionen Kindern, die an Samstagnachmittagen seine Western im Kino ansahen.Wyatt Earp, John Wayne und auch Ronald Reagan zählen zu seinen Bekanntschaften. Schon als Kind träumte er zum Entsetzen seiner Eltern vom Zirkus, im späteren Leben trat er oft im Zirkus auf und besass sogar einen eigenen. Er verdiente so viel, dass er sechzigjährig bei einem Autounfall von seinem eigenen Geldkoffer erschlagen wurde. Alle möglichen Filme, Fernsehserien, Comics und Bücher, von Lynchs “Mullholland Drive”bis zu Terence Winters “Boardwalk Empire”, erwähnen ihn.

Norman Mailer

Im Gegensatz zu Saul Bellow ist er in den USA geboren, aber leider weder in Brooklyn noch an den Ufern des Hudson. Vielmehr erblickte er am 31.1.1923 in Long Branch/New Jersey das Licht der Welt (wurde aber – hurra! – in Brooklyn aufgezogen). Dominierende Figur seiner Jugend war die Mutter, Fanny Schneider. Sein Vater fiel eher durch Gamaschen und Spazierstöcke auf.
Mailer schrieb viele erfolgreiche Romane und Non-Fiction-Bücher, ich erinnere zischende Sauerstoffröhren und die Pharaonin, die dem Pharao einen blies. Das erste kann sehr wohl aus “Of a Fire on the Moon” gewesen sein, aber was macht eine Pharaonin auf dem Mond? Und auch auf der Pazifikinsel von “Die Nackten und die Toten” ist ihr Auftreten eher unwahrscheinlich, es sei denn, in einer Fieberphantasie des indianischen Soldaten Helles Leuchtfeuer. In jedem Fall müssen nicht nur Mailers Stories, sondern auch sein Stil sehr fesselnd sein, denn warum sollte ich sonst ellenlange Berichte über ne Saturn-Rakete lesen?
Mailer gilt mit einigen anderen, etwa Tom Wolfe oder Truman Capote, als Erfinder dieser Art Non-Fiction, einer Mischung aus Fiktion und journalistischem Bericht. Im erwӓhnten Roman “Auf dem Mond ein Feuer” meditierte er neben genauester Beschreibung der radikal neuen Maschinen, der Rakete, dem Raumschiff, dem Computer, über die direkten Einwirkungen, die diese Dinge und Ereignisse wie die Mondlandung Neil Armstrongs und seiner Besatzung auf die Nasa, die Amerikaner, alle Menschen und ihn selbst haben würden.
Ebenso wie er als Verehrer von John F. Kennedy und Vietnamkriegsgegner bekannt wurde, ist er als Ausübender sogenannter “Hӓuslicher Gewalt” notorisch. Er war insgesamt sechsmal verheiratet; verschiedene seiner Gattinnen berichten über Misshandlungen – einmal sogar mit dem Messer.
Was ist er also? Linkes Vorbild oder Menetekel? Werde als Gegengewicht auch über den eher konservativen Saul Bellow berichten. Seine Schreibe jedenfalls mag ich sehr…….

Diane Arbus

Trotz all ihrer Berühmtheit war sie letzten Endes verloren im Leben, genau wie die Leute auf ihren meist schwarz-weissen Fotos, Leute der Halbwelt, Bettler, Zwerge, Transvestiten, Prostituierte, Zirkusartisten (die meisten davon freilich in “Harper’s Bazaar”, “Esquire” oder dem Sunday Times Magazine zu sehen), Leute in einer Welt, die letztlich so viel reicher ist als die Welt der armen Reichen, die heute mit einem Glas Sekt in der Hand Arbus’ Ausstellungen frequentieren, manche davon eher, um sich selbst zu zeigen, als um die Photographien anzusehen.
1971 schon wӓhlte die Künstlerin den Freitod, indem sie sich die Pulsadern aufschnitt.
(Michael als Photograph kann sicher mehr zu Diane Arbus sagen.)
Diane wurde unter ihrem Mӓdchennamen Nemerov am 14. Mӓrz 1923, also vor ziemlich genau 91 Jahren, in New York am Hudson geboren. Sie heiratete ihre Jugendliebe Allan Arbus, ebenfalls jüdischer Abstammung. Allan wurde nachgesagt, er habe zeitweise Klarinette im Orchester Benny Goddmans gespielt, wir kennen ihn aber eher als Schauspieler – etwa in M*A*S*H. In Wirklichkeit arbeitete er als Photogaraph. Diane, die zwei Töchter grosszog, schloss sich seinem Studio an, wurde aber viel berühmter als dieser selbst. Bis heute ist sie uns als “Photographin der Freaks” bekannt. Als erste Photographin wurde sie auf der Biennale in Venedig ausgestellt. Norman Mailer sagt von ihr: “Der Arbus eine Kamera in die Hand zu geben, ist, als ob man einem Kind ne Handgranate gӓbe….” (Wobei die Wirkungen der Kamera eben denen der Handgranate vorzuziehen sind….)

Aimée Mann & Gretchen Seichrist

Wer würde denken, dass es Schwestern sind? Ich fand es nur mit Mühe heraus. Im Wikipedia steht über Aimée Mann nur: sie hat eine Schwester. Gretchen ist die Schwibschwӓgerin von Sean Penn, mit desen Bruder Michael Aimée verheiratet ist. Doch viele Fragen bleiben offen:
– Wer ist die jüngere von beiden?
– Gibt es noch mehr Geschwister?
– Wie war und ist das Verhӓlnis der Schwestern untereinander?
– Treten die beiden auch mal zusammen auf?
– Stimmt es, dass die beiden weitlӓufige Nachkommen der verschwundenen Virginia Dare sind?
– Wer von beiden wohnt nӓher am Hudson?
und was der Fragen noch mehr sind…

Klar ist nur, dass beide Sӓngerinnen sind (Gretchens Band heisst “Patches and Gretchen”), und dass sie sehr verschieden sind. Ich würde (nur nach youtube-Ohren- und Augenschein) Gretchen bevorzugen. Ihre Fans gaben ihr den Titel “the new Dylanette” nach ihrem grossen Vorbild, sie selbst singt mit tiefer Stimme wie ein Verschnitt von Incredible String Band, Patty Smith, Chrissie Hynde und Lou Reed, sie ist als geborene Malerin (“ich SEHE meine Lieder”) sehr farbenfreudig, trӓgt in rascher Folge die phantastischsten Kostüme, hӓlt viel von Performance und Bühnenshow, sprudelt nur so von Ideen (“schade, dass nur so wenige Songs auf eine CD passen”) (Aus einer Konzertbesprechung: . “The petite, spritely Seichrist is an ethereal, singular presence with an edge of danger about her, like a forest nymph hiding rows of sharp teeth behind a beguiling smile. Her madcap lyrics, wonderfully odd phrasing, and powerful voice…..”) Aber was ist ihr Musikstil? Indie-Rock? Folk? Hippie? Punk? Eben Patches and Gretchen.

Aimée dagegen: unterkühlt, androgyn (Name! und immer in Jackett mit Krawatte), trotz guten Gitarrenspiels die typische Studiomusikerin, korrekt, melancholisch, diszipliniert, planvoll “nachhaltig” *gg*, auch wunderschön anzuhören…… Ihre Titel, etwa “Save me” (aus dem “Magnolia”-Soundtrack) oder “You do” sind wohl in aller Ohren und Munde? Warum sie kein Weltstar ist, ist mir – anders als bei ihrer Schwester – rӓtselhaft…..
Die beiden Schwestern müssen inzwischen über 50 sein? Naja, wie alt ist Bob Dylan?

Suze Rotolo

“I once loved a girl, her skin it was bronze
With the innocence of a lamb, she was gentle like a fawn
I courted her proudly, but now she is gone
Gone as the season she’s taken.”
(Ballad in Plain D, Dylan)

Für einige Zeit war Suze Rotolo Bob Dylans Freundin. Sie war ein bisschen links, sie war ein wenig Hippie, sie engagierte sich gegen Rassendiskriminierung und für die Schwarzen. Aber solche Mädchen gab es zu der Zeit tausende in New Yorks Greenwich Village, nicht weit vom Hudson, wo der junge Bob Dylan, eben aus Minnesota kommend, eingetroffen war. In NY wurde er zu der Berühmtheit, die er heute noch weltweit ist. In der Zeit entstanden auch seine ersten LPs, auf einer von ihnen, “The Freewheelin’ Bob Dylan”, ist Suze zu sehen:

Also ist sie uns – im Gegensatz zu all den anderen, unbekannt gebliebenen – nur überliefert (sie ist inzwischen gestorben), weil sie eben mit dem berühmten Bob Dylan befreundet war?
Andererseits….. Andererseits hat SIE ihn auf Rimbaud gebracht, SIE nahm ihn irgendwann in den frühen Sechzigern des letzten Jahrhunderts mit in eine Produktion von George Tabori “Brecht on Brecht” (wo sie fürs Bühnenbild zuständig war). Dylans Affinität zu Brecht wurde eine lebenslängliche, Parallelen zwischen ihm und Brecht sind unüberhör- und sehbar.
Anektdote am Rande: Eine der kommenden Platten Dylans wird nicht “Brecht on Brecht” aber “Blonde on Blonde” heissen (nicht um seine Bescheidenheit zu steigern, ist in den Anfangsbuchstaben ein “Bob” verborgen).
Suze Rotolos Einfluss auf Dylan ist also erheblich. Unter anderem in “Don’t think twice, it’s allright” oder “Boots of Spanish Leather” ist ihr Andenken erhalten.

Es sollen/können folgen:

Jane Bowles

John Dos Passos

Djuna Barnes

Thomas Pynchon

David Lynch

Woody Allen

Pete Seeger

Susan Sontag

Annie Leibovitz

Joan Baez

Die Unbekannte vom Hudson

Sie stammt aus Russland, aus Italien, aus Kroatien, aus Portugal? Wir wissen es nicht. Wir kennen noch nicht einmal ihren Namen. Sie ist, auf der Suche nach Arbeit, weit gereist. Einmal bis Macao. An ihr zeigt es sich noch, dieses melancholische Gefühl des Weltschmerzes, das auch den Chinesen nicht fremd ist: Saudade. Für das Schicksal ist die Vergangenheit ebenso bedeutend, wie die Zukunft. Beides lesen wir aus den Linien ihrer Hand. Hat sie denn Zukunft, als Wasserleiche?
Zeit ihres Lebens mühte sie sich, hielt die Cents zusammen, kochte, wusch, hielt für ihren Mann die Wohnung sauber, hielt ihren Körper hin wie einen Gegenstand. Als sie es nicht mehr aushielt, sprang sie in den Fluss. Sie hat kein Denkmal, wie der “Unbekannte Soldat”. Gut so. Was soll sie mit ewigem Licht?
Jemand machte einen Gipsabguss ihres Gesichts, das Frieden zeigt. Seitdem ist der Abguss im Museum zu sehen und beschäftigt den Geist vieler Besucherinnen und Besucher.

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55 Kommentare leave one →
  1. 16. September 2011 02:53

    Martha Gellhorn

    Martha Gellhorn. Sie raucht!!

  2. 16. September 2011 07:25

    Lee Miller

    Lee Miller arbeitete mit Man Ray an der Fototechnik der Solarisation

  3. 16. September 2011 09:49

    Tanning und Ernst

    Dorothea Tanning und Max Ernst

    • 7. Februar 2012 16:28

      Nun ist Dorothea Tanning 101-jaehrig gestorben. Ein Lebenslauf hier:

      http://www.washingtonpost.com/lifestyle/dorothea-tanning-artist-and-poet-dies-at-101/2012/02/06/gIQA03uluQ_story.html

  4. 16. September 2011 15:16

    Peggy Guggenheim

    Peggy und ihre Lhasa-Hunde

  5. ed2murrow permalink
    17. September 2011 10:54

    Jetzt mache ich Mal ganz unverschämt Werbung: Ry Cooder, nachzulesen hier

    • 18. September 2011 17:56

      Kennengehört am Kinderzimmerschreibtisch als Progressive Popmusik des nachbarbundesländlichen Rundfunks, auf die Wiesen satt und dann auch wieder in die Bücher guckend. Weite Welt, alles.

  6. 17. September 2011 14:39

    wo?

    • ed2murrow permalink
      17. September 2011 16:06

      klick mal auf das „hier“ im obigen Posting – aber ihr habt natürlich ein Design, das nicht barrierefrei ist 😉

      • 17. September 2011 16:40

        ah, danke!

  7. 17. September 2011 15:16

    Paul Auster, Salman Rushdie, Shimon Peres

    Paul Auster (links *gg*)

    • 8. Februar 2012 04:57

      “Author Paul Auster gave an interview to a Turkish newspaper recently. He said he will not come to Turkey as he finds it anti-democratic and because of arrested journalists. Oh! We were much in need of you! What if you come or not?” Erdoğan said during a party meeting yesterday.

      • 8. Februar 2012 04:59

        Zum Vergleich: RTE sagte neulich, er werde nicht mehr nach Frankreich reisen. Inlaendische Kommentatoren dazu: Gut so! Wir schaemen uns jedes Mal, wenn er im Ausland ist……

  8. 17. September 2011 16:40

    bob dylan

    Bob Dylan aka Robert Zimmermann

    • 18. September 2011 21:49

      An dieser Stelle noch ein Sound, den ich liebe und auch bei Moto Moscow probegefahren habe, Royal ‚America‘ Enfield ‚Road‘, kurz, alles drin:

      • 18. September 2011 21:52

        http://www.moto-moscow.de/
        Chef selbst fährt Guzzi.

    • 21. Oktober 2011 14:51

      Es gab bei 2001 eine sehr schöne Gesamtausgabe seiner Liedertexte (dicker als die Bibel), sie hört jedoch 1985 auf. Die Übersetzungen sind zudem einfach wörtlich, so dass man die Krise kriegt:

      „Ich werd nicht mehr arbeiten auf Maggie’s Farm.
      Nein, ich werd nicht mehr arbeiten auf Maggie’s Farm.
      Well, am Morgen wach ich auf,
      Falte die Haende und bete um Regen.
      Ich muss an so viel denken,
      Das macht mich ganz verrückt.
      Sogar den Boden muss ich schrubben, das is’n starkes Stück.
      Ich werd nicht mehr arbeiten auf Maggie’s Farm…“

  9. 17. September 2011 16:43

    sam shepard

    Sam Shepard

  10. ed2murrow permalink
    17. September 2011 16:58

    Guthrie

    Woodie Guthrie

    • ed2murrow permalink
      17. September 2011 17:00
      • ed2murrow permalink
        17. September 2011 17:02

        letzter Versuch für die Grafik:

  11. 18. September 2011 06:39

    du musst „image location“ kopieren, es ins antwortfenster pasten, dann senden, dann „bearbeiten“: oben isn link „img“, n knopf, tilge die angezeigte adresse und paste sie ins kleine fensterchen :-))
    woodie hab ich schon vorgesehen……..

    • ed2murrow permalink
      18. September 2011 08:56

      @ hibouh Einen Kommentar könnte ich nur bearbeiten, wenn ich Admin-Rechte in Eurem Blog hätte (was ich hiermit ausdrücklich nicht beantrage, es würde Euch unglücklich machen ;)) Ich habe ein wenig recherchiert, und so weit ich sehen kann, können Kommentatoren, die nicht über Admin-Rechte verfügen, überhaupt keine Pics einbinden, auch nicht via html-Editor.

      • 18. September 2011 23:01

        Alles AUDI: Technik, die begeistert! Wie lacht e2m: 😉

  12. 18. September 2011 10:32

    wenn es sich um Woodie handeln sollte: dessen Foto werd ich einbinden 🙂

  13. 19. September 2011 09:30

    Apropos Robert de Niro: Auch er ein Gigant der Schauspielerei. Aber er wird in diesem Blog net weiter vorkommen. Nur eines: In seiner Jugend wegen seiner bleichen Hautfarbe „Bobby Milk“ genannt, heiratete er dreimal dunkelhaeutige Frauen. Was sagt uns das?

  14. 19. September 2011 11:14

    Kommentar zu Woody
    :
    Der Grand Coulee Staudamm staut den Columbia River, um die wüstenartige Umgebung zu bewässern und Elektrizität herzustellen. (Dieser Strom wurde unter anderm dann auch fürs “Projekt Manhattan” verwendet). Mit einem Schlag wurde auf hunderten von Meilen die Vermehrung der Lachse (“Die Lachse, die Lachse/ sind Tag und Nacht auf Achse”) verhindert, indem deren Wanderung zu den Laichplätzen abgeschnitten wurde. Woody Guthrie wurde von der Bauleitung engagiert, um Songs zum Ruhm des Projektes zu schreiben. Na klar wurde die Atombombe (“Projekt Manhattan”) gegen die Faschisten gebaut, na klar sollte Elektrizität auch die Stuben der Armen erleuchten, begab sich aber Woody de facto nicht doch in den Dienst der Kapitalisten?
    Der (bis zur kanadischen Grenze aufgestaute) Columbia-River hat seinen Namen vom amerikanischen Entdecker Robert Gray, der ihn nach seinem Schiff benannte. Er fuhr den Fluss als erster ein Stück hoch, um Handel mit Pelzen zu betreiben. Da haben wir es wieder! Heute gehn wir lieber nackt als im Pelz, finden aber Squatter und Trapper voll romantisch und vergessen, dass etwa die Hudson-Bay-Company (scheisse! Warum heisst se net Hibou-Bay-Company?) (und warum hiess Grays Schiff net Hibou???) über lange Zeit den Pelzhandel als Hauptzweck hatte.
    Namen… diese Benennung durch Entdecker hat ne überaus imperialistische Geste. Würde ich eine ferne Galaxie entdecken, könnte ich sie nach mir benennen, ja, ich könnte sogar territoriale Ansprüche daraus ableiten. Und die so urfernen Bewohner der Galaxie, vielleicht blauhäutig und mit drei Nasen versehen, wüssten nicht einmal, dass sie “die Hibous” sind……
    Hudson-River, Hudson-Bay, Rupert-River, Cowlitz-River, Lewis-River…. naja, gilt ja net nur für Flüsse: woher kommt zum Beispiel der Name “Amerika”?
    Nicht, dass es nicht auch eine andere Art geographischer Namen gibt. Sozusagen die vorkolonialen: Rhein und Rhone verraten durch das “Rh” ihre keltische Benennung, aber auch in der “neuen Welt” gibt es Beispiele dafür… denk nur an den Mississippi. Wer gibt denn Namen? Es ist eine Machtfrage. Der Hudson hiess ja durchaus früher schon irgendwie (die Mohikaner nannten ihn „Muh-he-kun-ne-tuk“, “der in beide Richtungen fliesst”, aber die sind ja ausgestorben? Also musste doch ein neuer Name her) Undsoweiter. Such selbst Beispiele.

    • ed2murrow permalink
      21. September 2011 22:41

      Genauso gut könnte man Josephine Baker vorhalten, was sie in den späten 1920ern in Berlin trieb. Ich finde, das sind reine Kausalitätszuschreibungen ohne wirklichen Nährwert. Wie wir uns auch darüber den Kopfer zerbrechen könnten, woher wohl Josephine diesen durch und durch weißen Namen McDonald her hatte, während der heutige (!)Präsident der USA eine kenianischen Nachnahmen führt. Da könnten wir einen Fetzen darüber schreiben, was Globalisierung tatsächlich bedeutet und zwar zurück bis zur Hanse und davor.
      Ich denke, die Toten haben ihre Ruhe verdient, ohne sie auch noch mit unserer Sicht der Dinge posthum belästigen zu müssen. Ich höre Guthrie, selbst den Sohn, mit heutigem Ohr und es gefällt mir. Dabei lasse ich es bewenden.

      • 22. September 2011 06:23

        Lieber Ed, Du musst uns erklaeren, was Josephine in Berlin trieb. Ach! War sie nicht so untadelig, wie wir? „Trieb“ tönt übrigens ein wenig nach „Liebespaar im Triebwagen erwischt“….
        Aber Du hast natürlich recht, diese Namensüberlegungen sind schon eines der Steckenpferde, die ich reite. „Den durch und durch weissen Namen MacDonald“, „Obama“, „Merkel“: diese Namen haben wir uns nicht selbst gegeben, können gewissermassen nix dafür. Anders ist es mit Nicknamen. „Schwester Angelika“, „Mister Ed“, „Hibou“ etc. haben wir uns selbst ausgesucht: sie mögen daher schon mehr über uns aussagen als „Guthrie“.
        Dazwischen: die Namen, die einem von Eltern gegeben werden: Woody, Tumpie etc. Meine Schwester wurde von ihrem Vater „Zausi-Bausi-Beerli-Dausi“ genannt. Daraus magst Du nun auf ihren Charakter schliessen 🙂
        Wer den Namen weiss, hat die Macht. Das war schon immer so. Denk nur an:

        „Heute back‘ ich,
        morgen brau ich,
        übermorgen hol ich
        der Königin ihr Kind.
        Ach wie gut, dass niemand weiss,
        dass ich Rumpelstilzchen heiss!“

        Oder:

        „Sesam, Sesam, öffne Dich!“

        Zurück nach Berlin:

        Frei nach

        „Manhattan liegt am Hudson,
        Paris liegt an der Seine,
        Doch dass ich so verliebt bin
        Das liegt an Madeleine“

        dichte ich heut früh:

        „Ich war mal in Calcutta,
        ich war auch in Berlin,
        dort war ich ganz verschossen
        in die schwatte Josephine!“

        • ed2murrow permalink
          22. September 2011 08:52

          Müssen schon mal gar nicht, lieber Hibouh. Und Mr. Ed ist ein Pferd – Du solltest wissen, dass bei Pflicht im Zaumzeug der willigste Heiter gewaltig treten kann. e2m dagegen verweist gerne darauf, dass Baker sich nicht ungerne im luxuriösen Ambiente verwöhnen ließ, bevor sie aufgrund eigener leidvoller Erfahrung dazu übergegangen ist, dieses in jeder Hinsicht Exzessive zu bekämpfen. Guthrie musste auch essen, und der Gedanke an Umwelt- und Naturschutz war zu seiner Zeit generell nur eine my(s)thische Angelegenheit von Naturvölkern (wenige Jahre später der braunen Ideologen zu Berlin, da kreuzen sich dann die Geschichten). Freies Assoziieren kann manchmal recht trickreich sein. Beste Grüße auch an die, die Dir liegen, unbekannter Weise 😉

          • 22. September 2011 12:53

            Nee, natürlich net „müssen“ :-)). Ich nehme an, Du spielst auf die Zeit an, von der Harry Graf Kessler berichtet? (Tönt ein wenig wie „Bunga Bunga“. Da war der, wie sag ich’s „schillernde“ Karl Gustav Vollmöller, den ich spannend finde, aber wohl ambivalent (sozusagen Querfront :-)), und über den ich net schreiben würde :-). Naja, immerhin trat sie in der Zeit auch mit Max Reinhardt und etwa LeCorbusier in Kontakt…. (Ich würde übrigens vermuten, dass Frau Baker, obwohl mehrfach verheiratet (sogar ma mit einem Sizilianer!), eher dem eigenen Geschlecht zuneigte. Aber dazu müssen wir unsere Fachleute befragen……

            Klar ist die Auswahl der Leute, über die ich schreibe, vollkommen subjektiv. Andere könnten völlig andere rauspicken. Was ich erreichen möchte, ist, der Leserin oder dem Leser ein etwas anderes Bild vom üblichen konservativen, Burger-essenden, übergewichtigen, braesigen Amerika zu bieten.
            Welche Menschen würdest Du aus Italien auswaehlen? Mazzini? Camilleri? Gramsci? Lina Wertmüller? Naja, wahrscheinlich welche, von denen ich noch nie gehört habe…..

  15. 20. September 2011 11:04

    Billie Holiday

    Billie Holiday

  16. 20. September 2011 11:07

    Nella Larsen

    Nella Larsen

  17. 20. September 2011 16:39

    hughes

    Langston Hughes

  18. 21. September 2011 07:25

    Josephine Baker

    Josephine Baker

  19. 22. September 2011 08:35

    Philip Roth

    Philip Roth

  20. 23. September 2011 15:47

    the misfits

    Am Set von „The Misfits“, ganz hinten Arthur Miller

  21. 23. September 2011 15:51

    Zu „Arthur Miller“: Keine Assoziationen um Namen! Dabei würde es naheliegen. Wurde doch Marylin als „Baker“ geboren, waehrenddem Josephine „Baker“ erst durch Heirat erlangte….

    bakerwoman
    is baking bread

  22. 24. September 2011 12:06

    Don DeLillo

    Don DeLillo

  23. 25. September 2011 08:08

    Gertrude Stein

    Gertrude Stein

  24. 28. September 2011 17:31

    ménage à trois

    Franklin Delano Roosevelt, Lucy Mercer, Eleanor Roosevelt

  25. 14. Oktober 2011 17:42

    libeskind, dresden

  26. 21. Oktober 2011 10:54

    Longo

    Burka-Barbara, Robert Longo

  27. 27. Oktober 2011 10:19

    Weill und Lenya

    Kurt Weill und Lotte Lenya

  28. 6. November 2011 08:48

    Secession-War

    I’m going to fight mit Sigel

  29. 30. Dezember 2011 07:26

    nusch

    Lee Miller fotografiert Nusch Eluard mit Paul Eluard

  30. 1. Februar 2012 18:23

    Dorothea Tanning ist jetzt 102-jaehrig gestorben..
    Hier ein Gedicht von ihr (2002):

    Sequestrienne
    By Dorothea Tanning

    Don’t look at me
    for answers. Who am I but
    a sobriquet,
    a teeth-grinder,
    grinder of color,
    and vanishing point?

    There was a time
    of middle distance, unforgettable,
    a sort of lace-cut
    flame-green filament
    to ravish my
    skin-tight eyes.

    I take that back—
    it was forgettable but not
    entirely if you
    consider my
    heavenly bodies . . .
    I loved them so.

    Heaven’s motes sift
    to salt-white—paint is ground
    to silence; and I,
    I am bound, unquiet,
    a shade of blue
    in the studio.

    If it isn’t too late
    let me waste one day away
    from my history.
    Let me see without
    looking inside
    at broken glass.

    Source: Poetry (April 2002).

  31. 16. Februar 2012 12:24

    Tom Mix

  32. 22. Februar 2012 18:48

    Mailer & Ali

    Norman Mailer mit Muhammad Ali

  33. 20. März 2012 08:36

    Arbus

    Diane Arbus

  34. 17. Juni 2012 07:51

    Gretchen

  35. 17. Juni 2012 07:53

    true

  36. 17. Juni 2012 07:55

    save me!

  37. 7. Juli 2012 10:01

    Suze Rotolo

  38. Der Bassist permalink
    8. Juli 2012 15:59

    Was für ein Bild. I like.

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