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Freundschaft jedem Kind der Erde!

24. Juli 2011

Als Mitglied der Sozialistischen Jugend- Die Falken und langjähriger Zeltlageraktivist, der auch viel in der sozialistischen Jugendinternationale mit unterwegs war, betrifft mich das Massaker in Norwegen auf eine sehr besondere Weise, haben wir doch hier in Baden-Württemberg mit dem Zeltlagerplatz Stöcklewald ein Pendant zu jenem Paradies, das dort zum Blutbad wurde.

Treffen, Lieder singen, diskutieren, Freundschaften schließen und die Liebe entdecken – all das trifft man an, wenn man in Zeltlager der Falken, der Naturfreunde oder der Jusos geht.  Es ist ein unbeschwertes Miteinander, bei dem man die Fragen der Welt miteinander bespricht, Rollen hinterfagt und die Zukunft gestaltet.

Ich wäre nicht der Mann, der ich heute bin, hätte es nicht die vielen Freizeiten und Zeltlager im Stöcklewald, das IUSY-Camp in Stuttgart mit Willi Brandt oder die vielen Freizeiten im sozialistischen Jugoslawien gegeben. Sie haben mich geprägt.

Und ich konnte durch meine innere Einstellung eine kinderreiche und sehr diskussionsfreudige Familie gründen, bei der jeder seinen eigenen Weg geht, aber die von Toleranz und Neugier auf Neues und andere Menschen und deren Lebensweise geprägt ist.

All dies wünsche ich von ganzem Herzen der Jugend der Welt. – Eine offene, vielfältige Diskussion, ein offenes und vielfältiges Leben im Wettstreit der Ideen und ohne die Scheuklappen von Religion und anderen Schubladen, die das Leben auf diesem Planeten so schwer machen können.

All dies können nun sehr viele Jugendliche nicht mehr. Sie wurden jäh aus ihrer Welt herausgerissen und starben eine völlig sinnlosen Tod.

Ich fühle mit den Familien, ich wünsche mir, daß trotz allem immer noch die richtige Antwort nicht der Ruf nach der Todesstrafe, der Ruf nach Grenzen und Intoleranz, sondern das Bestehen und Weiterentwickeln einer globalen demokratischen Gesellschaft ist und bleibt.

Daß in dieser endlich – und das ist unabdingbar – ein generelles Waffenverbot durchgesetzt werden muß, wissen nicht nur die Eltern der ermordeten Schüler von Winnenden. Es wissen alle, hier und in Norwegen.

Die dünnen und dummen Worte von Merkel und Westerwelle sind dabei nicht perspektivreich, sondern ein Fingerzeig, daß es auch weiterhin derlei Mordgesellen erlaubt sein wird, sich Waffen zu besorgen und Menschen ins Elend zu schießen.

Gefragt sind Taten – ein Waffengesetz, das ein Waffenverbotsgesetz ist und die Zerschlagung aller rechtsradikalen Parteien und Organisationen.  Gefragt sind Medien, die nicht dümmlichen und äußerlichen Jugendwahn verbreiten, sondern sich mit dem Zerfall unserer Gesellschaft auseinandersetzen, mit deren geistigen und materiellen Verarmung und Verelendung, die aus jungen Menschen schon sehr früh Verlierer macht. – Was gleichzeitig auch die Frage nach dem Eigentum und dem perversen Reichtum einiger Weniger beinhaltet.

In großer Trauer

und

Freundschaft jedem Kind der Erde!

Hermann Schleicher-Rövenstrunck

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6 Kommentare leave one →
  1. 24. Juli 2011 19:07

    Ich schliesse mich der Trauer an. Und der Forderung nach einem strikten Waffenverbot.

  2. 24. Juli 2011 19:25

    Was kann man tun in einer solchen Situation?
    Man kann so etwas schreiben, von sich schreiben.
    Ich habe das sehr gerne gelesen, @Hermanitou.

    Ich fürchte nur, es wird immer alles geben, was Menschen erfinden und auf den Weg bringen.

    Die US-Rifle-Association versucht Kritiker immer mit dem Slogan „Guns don’t kill, people kill!“ zum Schweigen zu bringen.

  3. 25. Juli 2011 10:15

    Mit geht es wie Dir, Hermann. Auch ich war beim IUSY-Festival 1977 mit Willy Brandt und den „Schmetterlingen“ in Stuttgart dabei und habe im Stöcklewald unvergessliche Zeltlager durchgeführt. Meine aktive Zeit bei den Falken hat mich gelehrt: „Nie, nie wollen wir Waffen tragen…“ und mein weiteres Leben geprägt.

    Als mich die schrecklichen Nachrichten, das Unfassbare, von Utoya erreichten, war ich wie versteinert, hatten wir mit den Düsseldorfer Falken doch genau dort in den 1970er Jahren drei wunderbare Wochen verlebt.

    Wenn jetzt das IUSY-Festival am Attersee beginnt, bin ich sicher, dass die jungen Genoss/inn/en dort in würdiger Form der Opfer gedenken werden.

    FREUNDSCHAFT
    Rudi Homann

    • 25. Juli 2011 11:45

      Danke Rudi.
      Wir müssen alles dafür tun, daß auch weiterhin junge Sozialisten angstfrei leben können. das sind wir Ihnen schuldig.

      Freundschaft

      Hermann

      • 28. Juli 2011 07:25

        Guter Artikel – was mir Montag ins Auge fiel, war dieser Vorfall:
        http://www.neues-deutschland.de/artikel/202890.html

        Soweit mir bekannt, kein Einzelfall, aber gerade in den östlichen Bundesländern oft nicht sehr publik.

        • 28. Juli 2011 08:49

          Danke für den Hinweis – komisch, daß nicht mal nach Norwegen die Parallelen richtig publik gemacht werden. Sattdessen wird der Innenminister von BaWü, der ein Verbot großkalibriger Waffen fordert, gleich mal von allen Seiten angeschossen.
          Beste Grüße
          Hermanitou

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