Skip to content

Frau am Ball

19. Juli 2011

Martha spielt Fußball wie ein Mann dies tut, die Frauen praktizieren Manndeckung. Mannomann, schon wieder ein Fehlpass und Kampflesben sind das ja eh alle…

Frauenfußball steht – und das ist auch ein Ergebnis der Weltmeisterschaft in diesem unseren deutschen Lande – in Konkurrenz zum Männerfußball und wird mit diesem verglichen. Selbst die Sprache („Manndeckung“ ) wird hier zu eindeutigem sexuellen Anspiel.

Und daß die Frauen heute nicht so weit sind wie die Männer wird damit entschuldigt, daß sie ja auch noch nicht so lange als Fußballerinnen akzeptiert werden.  Theo Zwanziger weist die Männertrainer der Frauenbundesliga in die Schranken und fordert, daß bei den Frauen keine „Männerstreitkultur“ entstehen soll und Sepp Blatter möchte – so in einem Interview vor der WM – doch, daß die Frauen sich so ab 26/27 Jahren auf ihre eigenentliche Werte und ihren Nutzen für die Gesellschaft besinnen, denn sonst „haben wir bald keine neuen kleinen Fußballer mehr.“  Wenigstens Blatter(!!!) hat kapiert, daß das nicht alles Lesben sind.

  • Genug davon.  Wie wärs mit folgenden Gedanken:

Frauen denken anders als Männer. – Während Männer das Ergebnis sehen und alles dafür tun, schnell und unorthodox zu diesem zu kommen, kommen Frauen langsam, aber sicher auch zum Ziel. Schritt für Schritt, alles bedenkend ist ihre Denkweise (Sowohl bei Frauen wie auch bei Männern bestätigen Ausnahmen die Regel).

Ein Beispiel:  In einem Gitarrenkurs, den ich gab, lernten die Teilnehmer(innen) zum Spielen eines einfachen Liedes drei Griffe und eine Schlagtechnik.  Während die Männer nach kurzer Zeit alle Griffe unfertig spielten, aber das Lied als Gesamtes „irgendwie“vortragen konnten, übten die Frauen Griff für Griff. Das Ergebnis war erst mal nachrangig, wichtig war es, Schritt für Schritt das Lied zu entwickeln.

Die Männer arbeiteten anschließend an der Vervollständigung ihrer Grifftechnik und brauchten letztendlich etwa gleich lang, um in gleicher Qualität wie die Frauen das Lied vortragen zu können.

  • Akzeptiert man also, daß Frauen und Männer anders denken, dann kann man auch akzeptieren, daß Frauenfußball eine absolut eigenständige Sportart werden wird.

Warum das „werden wird?“

 

Louisa Necib

Nun, der bisherige Stil, in dem Frauen spielen, ist ein männlicher. „Kick and rush“ ist das Pendant zum oben genannten Beispiel:  Der Ball wird „irgendwie“ nach vorne gespielt und ein schnelles Ergebnis gesucht. Typisch männlich eben. Und so spielen die Deutschen (Urvater des deutschen Frauenfußballs ist ja auch Gero Bysanz) ebenso wie die meisten Frauschaften. Deshalb haben sie jetzt ihre Dominanz verloren.

 

Homare Sawa
Homare Sawa

Denn zunehmend gibt es den anderen weiblichen Spieltyp auf dem Feld: Der hält nicht so viel von Kick-and-rush und von Standardsituationen wie Freistoß – Ecke -stupides Reinflanken in den Strafraum, wie das Melanie Behringer gemacht hat und dabei die Inka Grings nie fand..

Spieltypen, die ihr weibliches Denken auch auf dem Platz verwirklichen, gab es bei Brasilien und Frankreich im Ansatz. Und es ist auch kein Zufall, daß es gerade diese Frauschaften waren, die ab und an einfach auch vergaßen, genug Tore zu schießen, weil sie so gut harmonierten und ein gepflegtes Kurzpassspiel bevorzugten.

 

Marta
Marta

Herausragend dabei – und das bleibt bei Männern und Frauen ein entscheidendes Element – waren dort die Spielmacherinnen Louisa Necib und Marta.

  • Spielen die nun wie richtige Männer? – Nein, sie spielen wie sehr gute Frauen!

Absolut gar kein Zufall ist die neue Weltmeisterin im Fußball, Japan.  – Auch hier eine herausragende Spielmacherin: Homare Sawa.

Aber dieses Kurzpassspiel, die halbhohe Hereingabe der gefährlichen Ecken, der ganz auf den zierlich-kleinen-weiblichen Körper zugeschnittene Spielstil, der sich dadurch auszeichnet, daß eben wenig nach nach vorne geschlagenen Bällen gesprintet werden muß sondern ein weibliches Kollektiv fast geschlossen nach vorne geht und wieder gemeinsam zurückkommt und (im Gegensatz zu Frankreich und Brasilien) trotzdem der Torerfolg mit Geduld, aber auch mit genial-weiblicher Spielweise erreicht wird, das ist der eigentliche Beginn des Frauenfußballs auf hohem Niveau:

Eigenständig, die eigenen weibliche Fähigkeiten und Grenzen ausnutzend und beachtend, jede eine Teamplayerin, die der Mitspielerin den Erfolg nicht neidet und bestenfalls vor-und nach dem Spiel herumzickt.

 

I confess- ich war auch für die USA.  Ich bewundere Hope Solo. ich mag Abby Wambach.  Ich mag den amerikanischen Spirit. Es hat halt nicht sollen sein. Here-we-go girls, the next time is your time!

Der deutsche Fußball hingegen war langweilig und stupid. Birgit Prinz zieht das gleiche Drama ab wie Michael Ballak, hier der beleidigte Platzhirsch, dort die beleidigte Hirschkuh. Lichtblicke waren Nadine Angerer und das Mulitikulti-Girlie Celia Okoyino da Mbabi.

Ob Silvia Neid die richtige Trainerin ist? Kommt darauf an, ob sie das Beste aus dem Weiberfußball der Japaner und der unbändigen Energie der amerikanischen Cowgirls mit den deutschen Frauentugenden verbinden kann. Eine Herkules- (also doch wieder Männer-) Aufgabe wartet da auf sie.

 

Abby Wambach

Ich freue mich auf weitere tolle Jahre mit japanischen, amerikanischen, schwedischen und französischen Frauen. Und Marta darf auch dabei sein. Sie ist schließlich die Urmutter der modernen Frau am Ball.

 

 

 

Advertisements
9 Kommentare leave one →
  1. 19. Juli 2011 14:04

    Hallo Hermanitou,
    super Artikel! Ich werde mich demnächst näher mit dem Thema befassen, wenig Zeit aktuell. Ich habe nur zwei bis drei Spiele gesehen. Vorab so viel, die Abschlussschwäche bei den Frauen ist eklatant. Gute Trainer können diese abstellen, davon bin ich überzeugt. Wenn ich im Verband etwas zu sagen hätte, würde ich gute Drittliga- oder Zweitligatrainer einsetzen, da ich glaube da sind eher die besseren Trainer zu finden. Ich hab den USA die Daumen gedrückt. Meine Favorits: Natürlich Hope, dann die Abby Wambach, Carli Lloyd und die eingewechselte Alex Morgan, die von Anfang an spielen hätte müssen. Die Chancenverwertung der US Girls hat mich fertig gemacht.

    Grüße fidelche

    • 19. Juli 2011 17:53

      Die besseren Trainer: wahrlich, eine treffliche Frage. – Mir fällt grad Hermann Gerland ein, der bestimmt immer wieder in der ersten Liga aufgetaucht wäre; aber für die Fußballspieler der Bayernliga bestimmt an seinem angenommenen Platz viel Nachhaltigeres gemacht hat, auch für Fußballkultur insgesamt. Und viele Trainer, die ich gar nicht kenne, werden in den Ligen höherer Amateure und Drittligaprofis Ähnliches gemacht haben. Spaß und Kenntnis am modernen Fußball. Mit Kopf.

      • 19. Juli 2011 18:21

        Der Hermann Gerland war mal Trainer in Ulm, als die in der zweiten Liga nach ihrem Abstieg aus der Bundesliga kickten. Du hast da sehr recht – er ist ein klasse Mann für die Nachwuchsarbeit. Als Trainer einer ersten Mannschaft fand ich ihn nicht so überzeugend. Der ist glaube ich zu autoritär für die Rühr-mich-nicht-an-Divas, die zu hoch bezahlt werden und oft einen ziemlichen Stinkstiefel kicken.

    • 19. Juli 2011 18:26

      Hallo Fidelche,

      der DFB müßte einfach mal Geld in die Hand nehmen und sich auf die Suche nach interessierten Sportlehrerinnen machen, die von unten den Mädchenfußball coachen. Ich weiß, daß da Interesse besteht, schließlich war ich bis April Vorsitzender eines Sportvereins und habe als letzte Tat eine Mädchenmannschaft ins Leben gerufen. An Mädels mangelt es wahrlich nicht, es mangelt an Plätzen, geeigneten sanitären Anlagen und vor allem an Übungsleiterinnen. Ich bin im Übrigen überzeugt, daß es vor allem weibliche Trainer sein sollten…

    • 20. Juli 2011 21:48

      Gerland könnte ich mir auch gut vorstellen. Aber sicherlich wäre dein Vorschlag interessierte Sportlehrerinnen zu suchen ein langfristig besserer Vorschlag. Der DFB hat genug Geld, die Strukturen sind da aber wohl zu verkrustet.

  2. 19. Juli 2011 14:19

    naja Hope Solo :-)) Meine Favoritinnen: Louisa Necip und Homare Sawa… Martha haette ich net ausgepfiffen……

    • 19. Juli 2011 18:18

      Da liegen wir dann ja nicht weit auseinander. Sawa war schon überragend. Marta ist halt eine echte Zicke.

  3. 19. Juli 2011 14:32

    Das erste und Durchgängige, was mich an der Frauenfußballweltmeisterschaft nervte, waren die allgemeinen Kommentare, vor allem auf Web-Portalen, alle sexuell anzüglich und Playboyfixiert. Das trug sich durch bis zum Spiel um den dritten Platz. Ich erspare uns Zitate. – Natürlich habe ich wieder für das Mutterland des Fußballs meine Daumen gedrückt, und dann doch den USA, obwohl ich Japan da schon im gesamten Spiel stärker und moderner fand. Unangenehm war für mich der Kommentar im Fernsehen, der Trainer der Japaner sei etwa ein Diktator. Ich weiß das nicht, dafür kenne ich den Frauenfußball viel zu wenig, aber auch hier wurden kontinentale Voruteile bedient, daß es nur so brummt. – Das Endspiel? So wünsche ich mir Endspiele!

    • 20. Juli 2011 21:56

      Stimmt, die Kommentare rund um die WM waren nervend. Ich habe nur wenig gesehen, deshalb alles mit viel Vorbehalt. Jedenfalls waren die kurzen Ecken der Japanerinnen sehr gut. Halb hoch aufs kurze Eck. Ich bin ohnehin ein Fan von Ecken auf das kurze Fünfereck, bei den Männern aber auf Kopfballhöhe, es gibt kaum etwas Gefährlicheres. Trotzdem, wenn die USA nur 20 Prozent ihrer Großchancen genutzt hätte, die Japan nicht verhindern konnte, hießen die Weltmeisterinnen USA. Aber ich weiß, wenn und aber….

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: