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Politiker, Panzer und Moneten

6. Juli 2011

Wir Deutschen haben ein Problem:  Es ist die völlig desaströse Außenpolitik, die diese unsere Bundesregierung betreibt.  Der Verlust jeglicher Glaubenswürdigkeit inklusive.  Konnten wir uns bisher darauf verlassen, daß unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt wird und die Bundeswehr global allüberall auf der Welt ihre Nase reinsteckt und konnten wir uns auch darauf verlassen, daß dies abgesprochen mit den USA und der NATO geschieht, so muß man heute feststellen, daß nicht nur der Westerwelle unfähig in der Weltgeschichte runschlingert, sondern der gesamte schwarz-gelbe Tigerentenclub außer schnattern nichts zustande bringt.

Doch der Reihe nach: In der Zeit des Zerfalls des real existierenden Sozialismus mischten die Bundesregierungen nicht nur an vorderster Front mit, den Balkan in ein Blutbad zu verwandeln und sinnlos das zerfallende Jugoslawien  zu bombardieren, sondern entwickelten die bis heute geltende neue Kriegsphilosophie, daß Deutschlands Freiheit auf allen Erdteilen zu verteidigen ist.  Basierend natürlich darauf, daß der globale Verteilungskampf um Rohstoffe und Öl nach dem Zerfall der Sowjetunion auch erfordert, Staaten zu destabilisieren und wenn nötig zu besetzen. So geschehen im Irak und Afghanistan.

Das Gleichgewicht im Nahen Osten wurde durch die gleichmäßige Unterstützung aller dort ansäßigen Schurkenstaaten, die selbstredend so nicht genannt wurden, immer wieder hergestellt. Vorneherum bekannte man sich zum Existenzrecht des demokratischen Staates Israel, während man im Backround die ägyptische, syrische, lybische und saudi-arabische Armee und die dortigen Diktatoren unter die Arme griff.  So waren die beteiligten Staaten damit beschäftigt, in einer bedrohlichen Patt-Situation zu verharren, während die westliche Rüstungsindustrie blendende Geschäfte machen konnte.

Auch nach Nine-Eleven, nachdem zumindest den USA aufging, welche Art von Waffenbrüder sie in Afghanistan und im Irak ernährt hatten und die nun die westlichen Waffen gegen den Westen richteten, liefen die Geschäfte mit dem Iran, der mittlerweile zum Oberschurkenstaat avanciert war, weiterhin wie geschmiert. Auf Umwegen konnte noch jeder Boykott, den man uns hier als konsequente Mesnchenrechtspolitik verkaufte, in Euro und Dollar umgemünzt werden. Mit der Folge, daß der Iran demnächst verkünden wird, daß er Atommmacht ist und der Staat Israel  sich der massivsten aller möglichen Bedrohungen ausgesetzt sehen wird.

 

Der arabische Frühling, der bestenfalls bisher ein lauer Luftstrom im islamischen Winter ist und von dem auch bekannt ist, daß er jede Menge religiöse Fundamentalisten und Antisemiten beherbergt, bringt die schwarz-gelbe Regierung aber dazu, völlig den Überblick zu verlieren. Während sich der Westerwelle in Ägypten von Leuten feiern läßt, die Homosexuelle am liebsten am nächsten Baum aufhängen würden, interessiert sich die deutsche Regierung keinen Deut für die gleiche Bewegung in Lybien.  Stattdessen bietet Merkel mehr Bundeswehr in Afghanistan an. Sehr logisch.

Als die Saudis mit ihren Panzern in Bahrein dem dortigen Regime halfen, sein Volk zu zähmen, hoben alle westlichen Regierungen einen halben Zeigefinger mahnend hoch. Das wars dann.

Und seit der Mesnchenfreund Assad in Syrien  Dörfer in Brand steckt und ganze Städte besetzt, in der Tradition seines Vaters, der in den 8o’er Jahres des letzten Jahrhunderts auch mal kurzerhand 10.000 Menschen über die Klinge springen ließ, rafft man sich im Westen gerade am dazu auf, einige unwichtige Konten in der Schweiz zu sperren und den Diktator zu mahnen, er solle doch Verhältnismäßigkeit in seinem Morden walten lassen. Vielleicht nur ein bißchen morden?

So richtig für Israel ist man ja auch nicht. Zwar hat Griechenland die Narrenschiffe nach Gaza erst mal aus dem Verkehr gezogen (die Griechen müssen derzeit alles machen, was Europa merkelt) aber außer ein paar halblebigen Warnungen an die Palästinenser, im September einen eigenen Staat auszurufen, schaut man den Dingen dort von außen halt zu. Deshalb heißt es ja auch Außenpolitik.

Im Schatten des Bundessicherheitsrates, der keinerlei demokratischer Kontrolle unterliegt, hat sich die deutsche Wirtschaft zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt entwickelt. U-Boote gingen ins marode Griechenland und nun 200 Panzer  in das „stabile“ Saudi-Arabien, ein Königreich, das sich moralisch und geistig, aber auch ganz praktisch noch in der Steinzeit befindet. Und das nahezu wortwörtlich: Sieht doch das dortige Rechtssystem die Todesstrafe auch durch Steinigung vor.

Ein verlässlicher Partner ist diese Bundesregierung nur gegenüber der Rüstungsindustrie. Einen wie auch immer gearteten moralischen Anspruch haben sich diese Kasper, die da im Außen-Kriegs-und Kanzlerministerium das Sagen haben, verwirkt.

Israel muß sich warm anziehen, und Menschenrechte sind wohlfeil auf dem deutschen Rüstungsmarkt billig zu ignorieren.

Und die arabischen Völker wissen auch, was ihnen in ihrem Frühling blüht. Die schützenswerte Panzerart der Leoparden wälzt bei Bedarf über Aufmüpfige drüber und hinterläßt eine wüste Wüste.Wie gehabt. Und Westerwelle grinst und wei-weit im China-Restaurant seine Krokodilstränen. Mehr hat er nicht zu bieten.

Saudische Panzer fahren auf dem Perlenplatz in Manama (Bahrein) auf.
Saudische Panzer fahren auf dem Perlenplatz in Manama (Bahrein) auf.
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6 Kommentare leave one →
  1. 6. Juli 2011 22:54

    Insgeheim – so merke ich grade – halten wir immer mal Deutschland für noch net gaaaanz unterbelichtet. Nun aber wieder diese Leo-Lieferung!! Wirklich unter aller Kanone… Und die Leos sollen, wie man liest und sieht, mit „Anti-Demonstranten-Waffen“ ausgerüstet sein. Demnaechst mit panzerbrechender Munition gegen friedliche Leute (naja, oder gegen Schiiten. Ehem. Sind das net auch Glaeubige?) Wie auch immer: Unsere Regierung wieder mal at its best. Naja. Vielleicht verfolgen wir auch die ganz normalen jaehrlichen Berichte der Sicherheitskommission über Waffenexporte net? D ist ja der drittgrösste Waffenexporteur der Welt mittlerweile. Auch eine Lizenz für eine Waffenfabrik in Saudi-Arabien wurde bereits vergeben. Folterinstrumente, so höre ich, kommen auch aus deutschen Landen. Naja, die ham ja Erfahrung damit, gell?

    • 7. Juli 2011 11:38

      Auch die Waffentechnik differenziert sich nach 89 und nach 911, eben im Zuge der neuen „Anforderungen“ kapitaler und also kopfstehender Idealstaaten. Zu Genschers Zeiten wurde die Moral des liberalen FDP-Flügel mit dem Wort „Sachzwang“ abgebügelt, heute gibt es gar keinen liberalen Flügel in der Möllemann-Westerwelle-Partei mehr. Aber ob es deshalb weniger Ideologie gibt? – Ach so, die Arbeitsplätze der global privilegierten Proletarier …

  2. 6. Juli 2011 23:59

    Hermanitou, die Außenpolitik Europas, vor allem Deutschlands, im Nahen Osten ist seit vielen Jahrzehnten ein Skandal, ob es nun die deutschen Handelsbeziehungen zum Iran oder nun diese Panzerlieferungen an Saudi Arabien sind. Auch das letzte „Körnchen Moral“ wird für Euros verkauft. Das hab ich soeben bei MI geschrieben. Doppelt hält besser. Die scheinheilige Haltung Europas zu Israel hast du richtigerweise auch in deinem Text angesprochen. Besserung ist nicht in Sicht.

    Grüße fidelche

  3. 9. Juli 2011 07:29

    3 Fragen:
    „Wenn sie nicht von uns kaufen, dann eben von anderen. Besser, das Geld kommt hierher“
    Ist das ein Argument?
    „Waffen und Rüstung schaffen Frieden in der Region, weil keiner den anderen anzugreifen wagt“
    Müsste dann nicht noch schneller ein atomares Wettrüsten her?
    „Die USA und Israel haben nicht gegen diese Waffenlieferung protestiert“
    Stimmt das?

    Die ersten beiden Fragen sind freilich rethorisch…….

    • 9. Juli 2011 18:25

      Hibouh,
      Frage 1 : nein
      Frage 2 : nein
      Frage 3 : Angeblich ja, aber ob das stimmt ist noch nicht klar. Dazu ein Link aus der „Welt“, die nicht „meine“ Zeitung ist:http://www.welt.de/politik/deutschland/article13470393/Deal-von-Israel-und-USA-abgesegnet.html

    • andreasfecke permalink
      13. Juli 2011 10:44

      „Wenn nicht ich, dann ein anderer“.
      Herrgott noch einmal, auf diesem Niveau ist alles verkaufbar, sogar von kleinen Idioten! „Waffen und Rüstung schaffen Frieden „.
      Ja, Friedhofsfrieden.
      Und ’ne Menge Herzinfarkte, meinen hoffe ich nachlegen zu können.

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