Skip to content

Obama’s Rede 19.05.2011 zu Nahost und arabischem Frühling – deutsche Übersetzung von hibou

23. Juni 2011
tags: , ,
by

Hier das Original für Englischleser:

http://www.nytimes.com/2011/05/20/world/middleeast/20prexy-text.html?_r=2&pagewanted=1

Obamas Rede vom 19. Mai 2011

(gehalten in Washington zum Thema Mittlerer Osten)

„Danke, danke. (Applaus). Danke sehr. Danke. Setzen Sie sich. Danke sehr. Ich möchte damit beginnen, Hillary Clinton zu danken, die in den letzten sechs Monaten so viel gereist ist, dass sie sich einem neuen Rekord von einer Million geflogener Meilen annähert. (Lachen). Ich baue jeden Tag auf sie, und ich glaube, dass sie als eine der grössten Aussenminister in unsere Geschichte eingehen wird.

Das Aussenministerium ist ein guter Aufhänger, einen neuen Anfang (ein neues Kapitel) in der amerikanischen Diplomatie zu erläutern: Die letzten sechs Monate haben wir einen ausserordentlichen Wechsel im Mittleren Osten und in Afrika erlebt. Platz für Platz, Stadt für Stadt, Land für Land erhoben sich die Leute, um ihre Menschenrechte zu erringen. Zwei Führer sind zurückgetreten. Andere können folgen.. Und obwohl diese Länder weit von uns weg sind (von unseren Küsten), wissen wir, dass diese Regionen durch Wirtschaft, Sicherheit, Geschichte und Glauben mit uns verbunden sind.

Heute möchte ich über diesen Wechsel sprechen – welche Kräfte dahinter stehen und wie wir darauf reagieren können, um unsere Werte und unsere Sicherheit zu stärken.

Schon haben wir viel getan, um in unserer Aussenpolitik von zwei teuren  und jahrzehntelangen Konflikten wegzuschwenken. Nach Jahren des Krieges im Irak haben wir die Kampfhandlungen da beendet und 100 000 Soldaten abgezogen. In Afghanistan haben wir den Einfluss der Taliban gebrochen, und diesen Juli werden wir mit unserem Truppenabzug beginnen und die Machtübertragung hin zu den Afghanen fortsetzen. Und nach Jahren des Krieges gegen Al Kaida und dessen Verbündete haben wir Al Kaida durch die Tötung ihres Anführers Osama Bin Laden einen schweren Schlag versetzt.

Bin Laden war kein Märtyrer. Er war ein Massenmörder mit einer Hassbotschaft – dass alle Muslime die Waffen gegen den Westen ergreifen müssten und die Tötung von Männern, Frauen und Kindern der einzige Weg zum Wechsel sei. Er verwarf Demokratie und individuelle Rechte für Muslime zugunsten eines gewalttätigen Extremismus, seine Vorhaben fussten auf dem, was er zerstören und nicht auf dem, was er aufbauen konnte.

Bin Laden gewann mit seiner mörderischen Vision einige Anhänger. Aber noch vor seinem Tod geriet Al Kaida in den Bedeutungsverlust. Die überwiegende Mehrzahl der Leute erkannte, dass die Schlachtung von Unschuldigen nicht der Sehnsucht nach einem besseren Leben entsprach. Als wir Bin Laden kriegten, hatte die überwiegende Zahl der Leute in der Region Al Kaidas Weg als Sackgasse erkannt, die Menschen im Mittleren Osten und Nordafrika hatten ihre Zukunft in die eigenen Hände genommen.

Diese Geschichte der Selbstbestimmung begann vor sechs Monaten in Tunesien. Am 17. Dezember wurde einem jungen Verkäufer namens Mohammed Bouazizi von der Polizei sein Wagen konfisziert, was ihn verzweifeln liess. Solche Konfiskationen sind nichts Unübliches und ereigen sich tagtäglich in vielen Teilen der Welt, wo die Obrigkeit auf die Würde ihrer Bürger spuckt. Aber diesmal sollte alles anders laufen. Der junge Mann, der sich nie sonderlich politisch engagiert hatte, übergoss sich mit Benzin und verbrannte sich selbst, nachdem er bei den Behörden ohne Erfolg protetiert hatte.

Es gibt Zeiten, wo die Taten eines Einzelnen einen Wechsel im ganzen Land bewirken, weil sie zu einer lange gehegten Sehnsucht nach Freiheit sprechen. Denken Sie nur an Amerika, wo die Patrioten in Boston die Steuern für den König verweigerten, oder die Würde von Rosa Parks da mutig in ihrem Sitz. So war es in Tunesien, als die Verzweiflung des Verkäufers auf die Frustration, die quer durchs Land ging, fiel. Hunderte von Protestierenden gingen auf die Strasse, dann Tausende. Und im Angesicht von Schlagstöcken und oft auch Kugeln nicht fürchtend weigerten sie sich, nach Hause zu gehen – Tag um Tag, Woche um Woche – bis das ein Diktator, der mehr als zwei Jahrzehnte lang geherrscht hatte, die Macht verlor.

Die Geschichte dieser Revolution und derer, die darauf folgten, sollte uns nicht überraschen. Die Nationen des Mittleren Ostens und Nordafrikas erhielten vor langer Zeit ihre Unabhängigkeit, aber an zu vielen Orten war es nicht die Unabhängigkeit der Leute. In zu vielen Ländern fiel die Macht an einige wenige. In zu vielen Ländern konnte sich ein Bürger wie etwa der junge Verkäufer nirgends hinwenden: kein unbefangenes Gericht, an das er sich wenden konnte, keine unabhängigen Medien, die ihm ihre Stimme gaben, keine glaubwürdige politische Partei, die seine Meinung vertrat, keine freien und fairen Wahlen, in denen er seinen Führer wählen konnte.

Und dieser Mangel an Selbstbestimmung – welche die Chance böte, sein eigenes Leben zu gestalten – hat auch die Wirtschaft der Region beeinflusst. Ja, einige Nationen sind mit Reichtümern an Öl und Gas gesegnet, und dieses führte zu vollen Taschen. Aber in einer globalen Wirtschaft, die auf Wissen und Innovation gründet, kann keine Entwicklungsstrategie alleine auf Bodenschätzen fussen. Kein Volk kann sein Potential ausschöpfen, wenn es nicht möglich ist, einen Handel ohne Bestechung anzugehen.

Angesichts dieser Herausforderungen haben zu viele Führer der Region Sorgen und Zorn der Bevölkerung auf andere Ziele zu lenken versucht. Der Westen wurde für alle ihre Leiden verantwortlich gemacht, ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Kolonialismus. Die Feindschaft gegenüber Israel wurde zum einzig erlaubten Inhalt der politischen Betätigung. Aufteilung der Stämme, der Ethnien oder Religionen wurden als Machterhaltungs oder Machterringunsmittel eingesetzt.

Aber die Ereignisse der letzten sechs Monate haben uns gezeigt, dass Unterdrückungs- und Aufteilungsstrategien nicht mehr wirken. Satellitenfernsehen und das Internet öffnen ein weites Fenster zur Welt – zu einer Welt des erstaunlichen Fortschrittes, etwa in Indien, Indonesien oder Brasilien. Wie nie zuvor erlauben Handys und soziale Netzwerke es der Jugend, Verbindung zu halten und sich zu organisieren. Und eine neue Genaration entstand, die uns mitteilt, dass Veränderung nicht aufzuhalten ist.

In Kairo hörten wir eine junge Mutter sagen: “Es ist, als ob ich endlich frische Luft atmete.”

In Sanaa intonierten die Studenten: “Die Nacht muss enden!”

In Bengasi sagte ein Ingenieur: “Unsere Rede ist nun frei. Ein Gefühl, dass du nicht erklären kannst!”

In Damaskus sagte ein junger Mann: “Nach dem ersten Schrei, dem ersten Schuss, kehrt die Würde zurück!”

Diese Ausbrüche neuer Menschenwürde sind in der ganzen weiten Region zu hören. Und durch die moralische Kraft der friedlichen Aktion haben die Leute der Region mehr Wechsel in sechs Monaten bewirkt, als es die Terroristen in Jahrzehnten schafften.

Natürlich ist ein Wechsel dieser Grössenordnung nicht leicht zu haben. In unseren Tagen – einem 24-stündigen Rhythmus von Kommunikation – erwartet man eine Transformation der ganzen Region in Wochen und Monaten. Aber es wird Jahre dauern, bevor diese Story endet. Währenddessen erwarten uns gute und schlechte Tage. An einigen Orten wird der Wechsel entscheidend, an anderen nur minimal sein. Und wir wissen bereits, dass der Ruf nach Veränderung Machtspiele einleitet.

Die aktuelle Frage ist nun, welche Rolle Amerika bei der Entwicklung dieses Prozesses spielen wird. Jahrzehntelang haben die USA bestimmte Schwerpunkte ihrer Interessen im Mittleren Osten gesetzt: Kampf dem Terrorismus, Verhinderung der Ausbreitung von Atomwaffen, Garantie eines freien Warenflusses, Garantie der Sicherheit für die Region, Garantie der Sicherheit Israels und Vermittlung im Arabisch-Israelischen Friedensprozess.

Im sicheren Wissen, dass diese Ziele den Hoffnungen der Völker dort nicht entgegenstehen, werden wir diese auch weiter verfolgen. Wir glauben, dass jede Volkswirtschaft durch ein Stocken des Energieflusses behindert werden würde. Wir glauben, dass niemand in der Region von einem atomaren Wettrüsten oder Al Kaidas brutale Attacken profitieren würde. Wie die Golfkriege gezeigt haben, dulden wir keine Aggressionen über Grenzen hinweg. Unsere mit Freunden und Partnern eingegangenen Verträge werden wir halten.

Und doch müssen wir anerkennen, dass eine enge Auslegung dieser Grundsätze niemandes Magen füllen wird noch jemandem erlaubt, sich frei zu äussern. Zudem wird die Verweigerung, den Wünschen der einfachen Leute Nahrung zu geben, nur den Verdacht nähren, dass die USA ihre eigenen Interessen auf ihrem Rücken verfolgen. Und weil dieser Verdacht auf Gegenseitigkeit beruht – alle Amerikaner haben durch Geiselnahme, Gewaltrethorik und terroristische Attacken gelitten, und tausende haben dabei ihr Leben verloren – würde ein Scheitern unserer Annäherung den Graben vertiefen und zu einer Spirale der Entzweiung zwischen uns und der arabischen Welt führen.

Und darum habe ich vor zwei Jahren in Kairo angefangen, unser Engagement auf der Basis unserer gegenseitigen Interessen und von gegenseitigem Respekt zu erweitern. Ich glaubte – und das glaube ich immer noch – dass wir einen Beitrag nicht nur zur Stabilität der Nation, sondern auch zur Selbstbestimmung der Individuen bieten können. Der Status quo ist unhaltbar. Gesellschaften, die durch Angst und Unterdrückung zusammengehalten werden, geben zeitweise den Anschein von Stabilität, aber sie sind auf Sand gebaut und werden auseinanderbrechen.

Somit stehen wir vor einer historischen Gelegenheit. Wir haben die Chance, zu zeigen, dass Amerika die Würde des tunesischen Strassenverkäufers höher hält als die rohe Gewalt des Diktators.. Es darf keinen Zweifel darüber geben, dass die Vereinigten Staaten den Wechsel, der die Selbstbestimmung der Menschen voranbringen wird, begrüssen. Klar werden in diesem Moment der Versprechungen auch Gefahren lauern. Aber nach Jahrzehnten der Einwilligung in den Status-Quo der Region können wir eine Welt, wie sie sein sollte, befördern…..

Natürlich müssen wir, und das tun wir auch, bescheiden vorgehen. Nicht Amerika schickt die Leute auf Tunis’ und Kairos Strassen – die Menschen selbst begannen diese Bewegungen und die Menschen selbst sollten über deren Ergebnisse entscheiden.

Nicht jedes Land wird sich für unsere spezielle Form der repräsentativen Demokratie entscheiden, und es werden Tage kommen, wo unsere kurzfristigen Interessen nicht mit unseren langfristigen für die Region übereinstimmen werden. Aber wir können, und wir werden, uns für ein Bündel von grundlegenden Prinzipien aussprechen. Diese Prinzipien lagen unserem Vorgehen in den letzten sechs Monaten zugrunde.

Die USA sind gegen Gewalt und Repression gegenüber den Völkern dieser Region. (Applaus)

Die Vereinigten Staaten unterstüzen eine Reihe von universellen Rechten. Diese schliessen freie Meinungsäusserung, die friedliche Versammlungsfreiheit, Gleichheit – insbesondere von Frau und Mann – vor dem Recht, sowie das Vorrecht, den eigenen Führer zu wählen, ein – egal, ob man in Bagdad, Damaskus, Sanaa oder Teheran lebt. (Anmerkung des Autors: und in Ankara, İstanbul, Er-Riad, Athen, Budapest oder Amsterdam?)

Und wir unterstützen politische und gesellschaftlişche Veränderungen im Mittleren Osten und in Nordafrika, welche die berechtigten Anliegen der Bevölkerung erfüllen.

Unsere Unterstützung dieser Prinzipien ist nicht nur ein sekundäres Anliegen.  Sie hat erste Priorität und muss, begleitet von uns zur Verfügung stehenden diplomatischen, ökonomischen und strategischen Mitteln, in konkrete Handlungen umgesetzt werden.

Lassen Sie mich ins Einzelne gehen: als erstes wird es unsere Politik sein, Reformbestrebungen in der Region zu fördern und Transitionen hin zu Demokratie zu unterstützen. Das beginnt mit Tunesien und Aegypten, wo die Einsätze hoch sind, weil Tunesien die Vorhut dieser Ländergruppe bildet, und Aegypten, die grösste Nation der arabischen Welt, unser langjähriger Partner ist.. Beide Nationen können durch freie Wahlen, eine quicklebendige Bevölkerung und eine verantwortliche regionale Führung ein starkes Beispiel geben. Doch unsere Unterstützung muss auch an Länder gehen, wo Veränderungen erst noch stattfinden müssen.

Unglücklicherweise war in zu vielen Ländern Gewalt die Antwort auf die Rufe nach Veränderung. Nehmen Sie nur als extremstes Beispiel Libyen, wo Muammar Gaddafi einen Krieg gegen sein eigenes Volk begann. Er versprach, sie wie Ratten zu erlegen…. Wie ich schon sagte, als die USA einer internationalen Koalition, die dort eingriff, beitrat, konnten sie nicht gegen jede Ungerechtigkeit, die ein Regime gegen das eigene Volk ausübt, einschreiten. Aus unserer Erfahrung im Irak haben wir gelernt, wie schwierig und teuer eine Intervention sein kann, die beabsichtigt, einen Regimewechsel mit Gewalt durchzusetzen, mag dies auch aus noch so gutem Willen geschehen.

Aber in Libyen standen Massaker unmittelbar bevor. Wir hatten das Mandat zum Eingriff und wir hörten des libyschen Volkes Ruf um Hilfe. Hätten wir gemeinsam mit unseren Nato-Verbündeten und auch anderen Alliierten eingegriffen, wären tausende getötet worden. Die Botschaft wäre klar gewesen: Halte dich an der Macht, indem du so viele Leute wie nötig umbringst! Nun arbeitet die Zeit gegen Gaddafi. Er kontrolliert sein eigens Land nicht. Die Opposition hat einen legitimen und glaubwürdigen Übergangsrat aufgestellt. Wenn nun Gaddafi freiwillig oder gezwungenermassen abgeht, werden Jahrzehnte der Provokation ein Ende haben und der Übergang zu einem demokratischen Libyen kann weitergehen.

Libyen sah sich mit massiver Gewalt konfrontiert, war aber nicht das einzige Land, in dem Führer durch Repression an der Macht zu bleiben hoffen. Jüngst wählte auch die syrische Regierung den Weg der Morde und Massenverhaftungen seiner Bürger. Die Vereinigten Staaten haben dieses Vorgehen verurteilt und gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft haben wir Sanktionen dagegen in die Wege geleitet – mit Einschluss von Sanktionen gegen Präsident Assad und seine enge Umgebung, wie wir sie gestern verkündet haben.

Das syrische Volk bewies mit der Forderung nach einem Wechsel zur Demokratie seinen Mut. Präsident Assad hat nun die Wahl: er kann sich an die Spitze dieser Veränderung stellen, oder er kann den Weg freimachen. Die syrische Regierung muss das Schiessen einstellen und friedliche Proteste erlauben. Sie muss politische Gefangene freilassen und mit unrechtmässigen Verhaftungen aufhören. Sie muss Menschenrechtsbeobachtern erlauben, in Dara’a und anderen Städten Beobachtungen anzustellen und einen ernstgemeinten Dialog für demokratische Veränderungen in die Wege leiten. Im andern Fall wird Präsident Assad und sein Regime sich weiterhin einer Herausforderung im Lande und einer wachsenden Isolation ausserhalb gegenübersehen. Bis jetzt folgte Syrien seinem Verbündeten Iran und kopierte die Unterdrückungstechniken Teherans. Und das unterstreicht ja nur die Heuchelei des iranischen Regimes, welches behauptet, auswärtige Protestierende zu unterstützen, zu Hause aber die eigenen Leute unterdrückt. Es sei daran erinnert, dass die ersten friedlichen Proteste sich in den Strassen von Teheran abspielten. Die dortige Regierung aber brutalisierte Frauen und Männer und warf unschuldige Leute ins Gefängnis. Immer noch hören wir das Echo der Gesänge von Teherans Dächern. Das Bild einer jungen Frau, die auf Teherans Strassen stirbt, ist für immer in unser Gedächtnis eingebrannt. Und wir werden unablässig weiter fordern, dass den persischen Menschen ihre Menschenrechte gegeben werden, und dass die Regierung deren Bestrebungen nicht abschneidet.

Unser Widerstand gegen Irans Intoleranz und seine Repressionen sowie gegen sein unerlaubtes Atomprogramm und seine Unterstützung des Terrors ist ja wohlbekannt. Aber wenn Amerika auch glaubwürdig ist, so waren es zeitweise manche unserer Freunde in der Region nicht, denn sie reagierten nicht auf das Verlangen nach substantiellen Änderungen – auf solche, deren Prinzipien ich heute unterstrichen habe. Das gilt für den Jemen, wo Präsident Saleh sein Versprechen, die Macht abzugeben, einhalten muss. Das gilt im Moment auch für Bahrain.

Bahrain ist unser langjähriger Partner, und wir stehen für seine Sicherheit ein. Wir sehen wohl, dass Iran dort versucht hat, Nutzen aus den Unruhen zu ziehen und dass Bahrains Regierung ein legitimes Interesse am Rechtswesen hat.

Nichsdestotrotz haben wir sowohl öffentlich als auch privat darauf bestanden, dass Massenverhaftungen und brutale Gewalt den fundamentalen Rechten der Bürger von Barhain entgegenstehen und ausserdem berechtigte Reformbestrebungen nicht ersticken würden. Der einzige Weg wird sein, dass Regierung und Opposition in einen Dialog eintreten, und ein solcher ist nicht möglich, wenn Teile der friedlichen Opposition im Gefängnis sind (Applaus). Die Regierung muss die Vorbedingungen eines Dialogs schaffen und die Opposition muss daran teilnehmen, um eine gerechte Zukunft für alle Bahrainis zu erreichen.

In der Tat ist eine der weiteren Lektionen, die wir aus den Fakten der letzten Monate in der Region gelernt haben, dass konfessionelle Teilungen nicht zu Konflikten führen müssen. Im Irak sehen wir das Versprechen einer multiethnischen, multikonfessionellen Demokratie. Das irakische Volk hat die Gefährdungen politischer Gewalt zu Gunsten eines demokratischen Prozesses verworfen., und das in voller Eigenverantwortung für seine eigene Sicherheit. Natürlich wird es wie bei allen jungen Demokratien Rückschläge geben. Aber Irak wird, wenn es den friedlichen Fortschritt wählt und weiter fortsetzt, in der Region eine führende Rolle spielen. Und wir werden das als stolzer Partner begleiten.

In den kommenden Monaten sollten die USA folglich allen ihren Einfluss nutzen, um Reformen in der Region zu ermutigen. Auch wenn wir wissen, dass die Bedingungen in jedem Land wieder andere sind, müssen wir doch offen über die Grundsätze, an die wir glauben, sprechen, und zwar mit Freund und Feind. Unsere Botschaft ist einfach: wer die Risiken einer Reform auf sich nimmt, wird dabei die volle Unterstützung der Vereinigten Staaten haben.

So hatten wir uns also zu konzentrieren und unsere Anstrengungen über die Eliten hinaus zu erstrecken, auf dass wir die Leute erreichten, die die Zukunft bestimmen würden – also besonders die jungen Leute. Wir werden aus dem, was ich schon in Kairo ansprach, weiter Nutzen ziehen: Netzwerke von Unternehmern zu bilden, uns vermehrt über Erziehung auszutauschen, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Technologie zu verstärken sowie die Krankheiten zu bekämpfen.. Quer durch die Region werden wir unsere Hilfestellung gegenüber der Zivilgesellschaft verstärken, manchmal vielleicht auch auf inoffiziellen Wegen und mit dem Aussprechen von unbequemen Wahrheiten. Und wir werden die Technik und die Technologie nutzen, uns mit dem Volk zu verbinden und auf es zu hören.

Denn Fakt ist: eine Reform entschlüpft nicht nur der Wahlurne. Unsere Anstrengungen müssen das Recht der Freien Meinungsäusserung und den Zugang zu freier Information erkämpfen. Wir werden uns für einen freien Zugang zum Internet und das Recht der Journalisten, gehört zu werden, einsetzen – ob das nun ein grosser Medienkonzern oder ein einsamer Blogger sei. Im 21.Jahrhundert ist Information eine Macht. Die Wahrheit kann nicht verborgen werden und die Legitimität von Regierungen wird letztlich von aktiven und informierten Bürgern abhängen.

Ein offener Dialog ist wichtig, auch wenn wir manchmal nicht einer Meinung sind. Seien wir ehrlich: Amerika respektiert auch abweichende Meinungen, wenn sie friedlich und gesetzestreu sind,  selbst wenn wir manchmal völlig unterschiedlicher Meinung sind. Und das sind wir manchmal.

Wir werden gerne mit allen zusammenarbeiten, die eine wirkliche und umfassende Demokratie erstreben. Allen Versuchen, das Recht anderer einzuschränken und die Macht durch Zwang auszuüben, werden wir entgegentreten. Und das, weil Demokratie nicht nur von Wahlen, sondern auch von starken und verlässlichen Institutionen sowie vom Respekt gegenüber Minderheitsrechten abhängt.

Eine solche Toleranz ist besonders wichtig was religiöse Minderheiten entspricht. Auf dem Tahrir-Platz hörten wir Leute jeder Herkunft, sie sangen: ”Muslime und Christen, wir sind eins!” Amerika möchte diesen Geist fortleben sehen – das jeder Glauben respektiert wird und zwischen allen Brücken gebaut werden. In einer Gegend, welche drei Weltreligionen gebar, kann Intoleranz nur zu Leiden und Stagnation führen. Und in diesem Jahr eines möglichen Wechsels müssen (auch) die koptischen Christen die Freiheit ihrer Religionsausübung geniessen, gerade so wie die Schiiten die Unversehrtheit ihrer Moscheen in Bahrain.

Was (hier) über religiöse Minderheiten gesagt werden muss, gilt auch für die Rechte der Frauen. Die Geschichte zeigt, dass Länder, in denen die Frauen ihre Rechte haben, reicher und friedlicher sind. Und darum beharren wir auf gleiche Menschenrechte für Männer und Frauen – nicht ohne ein besonderes Augenmerk auf die Gesundheit von Mutter und Kind zu richten, indem wir Frauen helfen, Lehrerinnen zu werden, ein Geschäft zu eröffnen, indem wir für Frauenrechte, für ein freies Gehörtwerden und auch politische Kandidaturen anzustreben, einstehen. Die Region wird niemals ihre volle Kraft entfalten können, wenn mehr als die Hälfte der Bevölkerung daran gehindert wird (Applaus).

Und nun, selbst wenn wir politische Reformen fördern, selbst wenn wir Menschenrechte in der Region propagieren, können unsere Anstrengungen da nicht halt machen. Die andere Seite ist, dass wir einen positiven Weg in der Region auch durch wirtschaftliche Entwicklung der Nationen, die sich hin zur Demokratie bewegen, fördern müssen.

Nicht nur die Politik hat die Leute auf die Strassen getrieben. Der entscheidende Punkt für viele ist vielmehr das tägliche Brot und der Unterhalt einer Familie. Zu viele Menschen in der Region erwachen täglich mit einem Minimum an Erwartungen, sie hoffen allein, heil durch den Tag zu kommen und möglicherweise auf wechselndes Geschick. Viele junge Leute in der Region sind gut ausgebildet, das geschlossene Wirtschaftssystem bietet ihnen aber keine Jobs. Unternehmer glühen vor Ideen, aber die Korruption lässt sie mit diesen unausgebrütet allein.

Die grösste unerschlossene Quelle im Mittleren Osten und Nordafrika besteht in den Talenten ihrer Menschen. In den jüngsten Protesten haben wir das beobachten können. Die Leute spannen die Technologie ein, um damit die Welt zu verändern. Es ist kein Zufall, dass eine leitende Figur auf dem Tahrir-Platz ein Google-Mitarbeiter war. Diese Energie muss nun in Kanäle geleitet werden, Land nach Land, auf dass wirtschaftliches Wachstum die Fortschritte der Strasse untermauern kann. Denn genauso wie demokratische Revolutionen durch einen Mangel an individuellen Gelegenheiten gestört werden können, so müssen auch erfolgreiche Transitionen von Vergrösserung des Wachstums und weitgefassten Wohlstand begleitet werden.

Mithin lernen wir aus unserer Reise um die Welt, dass es wichtig ist, den Handel zu fördern, nicht nur die Hilfe, dass es wichtig ist, Investitionen und nicht nur Beihilfe ins Auge zu nehmen. Das Ziel muss ein Modell sein, wo Protektionismus der Offenheit weichen muss, wo der Handel von den wenigen auf die vielen übergeht, wo die Wirtschaft Arbeitsplätze für die Jugend schafft.. Amerikas Hilfe für die Demokratie basiert daher auf Errichtung finanzieller Stabilität, auf die Erklärung der Reform und auf die Integration der lokalen in die nationalen und internationalen Märkte. Und wir werden mit Tunesien und Aegypten beginnen.

Als erstes fragten wir die Weltbank und den IMF um einen Plan für das anstehende Treffen der G8: was ist zu tun, um die Wirtschaft Tunesiens und Aegyptens zu stabilisieren und zu modernisieren? Gemeinsam müssen wir ihnen helfen, sich aus den Wirren der Auflehnung zu erholen. Gemeinsam sollten wir die zu wählenden Regierungen unterstützen. Und wir bitten alle Länder, Tunesiens und Aegyptens kurzfristigen Finanzbedarf zu decken.

Als nächstes wollen wir dem demokratischen Aegypten helfen, seine Schulden aus der Vergangenheit zu begleichen. Wir werden ihnen bis zu  1 Milliarde Dollar Schulden erlassen und mit ihnen an der Verbesserung des Unternehmertums und eines (daraus sich ergebenden) Wachstums arbeiten. Ferner bewilligen wir bis zu 1 Milliarde Dollar Kredite, die Aegypten helfen sollen, eine Infrastruktur und neue Jobs zu schaffen. Und wir werden neuen demokratischen Regierungen helfen, gestohlenenes Vermögen zurückzugewinnen.

Als ein Drittes erarbeiten wir mit unserem Kongress Wirtschafts-Stiftungen, welche in Tunesien und Aegypten investieren können, nach dem Modell derer, die wir zur Umwandlung des Ostblocks nach dem Fall der Berliner Mauer schufen. Die OPIC wird bald eine 2-Milliarden-Finanzspritze zur Förderung privater Investitionen in der Region lancieren. Und wir werden die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung drängen, dem Mittleren Osten und Nordafrika dieselbe Hilfe zukommen zu lassen, die sie einst Osteuropa gewährte.

Viertens werden die Vereinigten Staaten verständliche Handels- und Partnerschafts –Initiativen für den Mittleren Osten und Nordafrika lancieren. Ausgenommen dem Öl exportiert diese gesamte Region von über 400 Millionen Leuten nur etwa so viel wie die Schweiz. Deshalb werden wir gemeinsam mit der EU allen Handel in der Region erleichtern, aufbauend auf bestehenden Abkommen werden wir die Integration mit den U.S.- und europäischen Märkten fördern. Die Türen für die Länder, die weitgehende demokratische Refomen ins Werk setzen, werden weit offen sein. Und wie die Mitgliedschaft in der EU als Zündfunke für Reformen gedient hat, sollte die Vision einer modernen und kraftvollen Wirtschaft den Erneuerungen in der Region zunutze kommen.

Blühende Wirtschaft erfordert, Mauern, die dem Fortschritt im Wege stehen, einzureissen – wie etwa die Korruption der Eliten, die ihre eigenen Leute ausbeuten, das Bremsschild, das eine Idee davor bewahrt, ein Geschäft zu werden, die Oberaufsicht durch Stämme und Sekten. Wir wollen allen Regierungen helfen, internationale Verpflichtungen einzugehen und in Antikorruptionsmassnahmen zu investieren. Wir wollen Parlamentarier, die für Reformen arbeiten und Aktivisten, die für Transparenz, politische Reformen, Menschenrechte und Nachhaltigkeit sind.

Lassen Sie mich schliessen, indem ich einen weiteren Eckpfeiler unserer Annäherung an diese Region erwähne: die Suche nach Frieden.

Seit Jahrzehnten wirft der Konflikt zwischen Israelis und Arabern Schatten über die Region. Für Israelis hiess das, in der Angst vor Raketen, Busexplosionen und Anschlägen zu leben, mit der Furcht um die Sicherheit ihrer Kinder und dem Wissen, dass anderen Kindern Hass gepredigt wurde. Für Palästineser hiess es, die Demütigungen der Besatzung zu ertragen und nie eine eigene Nation zu haben (zu sein). Umsomehr, als dieser Konflikt mehr Kosten bringt, als alle Entwicklungsprogramme für den Mittleren Osten.

Seit zwei Jahren nun arbeitet meine Regierung mit der internationalen Gemeinschaft und  mit den Konfliktparteien (zusammen), um diesen Konflikt zu beenden, sie baut dabei auf jahrzehntelange Vorarbeit meiner Vorgänger. Aber noch immer haben sich die Erwartungen nicht erfüllt. Die israelische Siedlungspolitik dauert an. Die Palästinenser haben die gemeinsamen Gespräche verlassen. Die Welt schaut auf einen Prozess der Zerbröselung und sieht nichts als eine Pattsituation. Und natürlich gibt es die, die sagen, in der jetzigen Situation der arabischen Unrast sei ein Fortschritt nicht möglich.

Ich stimme dem nicht zu. Zu einer Zeit, da die Völker des Mittleren Ostens die Schatten der Vergangenheit abwerfen ist es (auch da) dringender denn je, zu einer Konfliktlösung und einem dauerhaften Frieden zu kommen. Und das gilt gewiss für beide Beteiligten.

Die Versuche der Palästinenser, Israel zu delegitimieren, werden vergeblich sein. Symbolische Aktionen, etwa vor den UN im September, werden keinen unabhängigen palästinensischen Staat hervorrufen. Wenn die Hamas auf den Methoden des Terrors und der Zurückweisung bestehen, werden die palästinensischen Führer den Weg zu Frieden und Wohlstand nicht beschreiten können. Und niemals werden die Palästinenser ihre Unabhängigkeit erlangen, indem sie Israels Existenzrecht bestreiten.

Was Israel betrifft, beruht unsere Freundschaft auf der gemeinsamen Geschichte und den gemeinsamen Werten. Unsere Verbundeheit mit Israel kann nicht erschüttert werden. Und wir werden gegen Versuche gefeit sein uns auseinanderzudividieren. Aber eben deshalb ist es wichtig, dass wir die Wahrheit aussprechen: der gegenwärtige Zustand ist unerträglich, und Israel muss kühn vorwärtsschreiten, um einen dauerhaften Frieden zu finden.

Tatsache ist, dass eine zunehmende Zahl von Palästinensern westlich des Jordans lebt. Der technische Fortschritt macht es für Israel schwerer, sich zu verteidigen. Eine Region in einschneidendem Wechsel wird dazu führen, dass Millionen von Leuten – und nicht nur ein paar Führer – an die Möglichkeit des Friedens glauben müssen.. Die internationale Gemeinschaft ist es müde, endlose Verhandlungen ohne jedes Ergebnis zu sehen. Der Traum eines jüdischen und demokratischen Staates kann nicht durch andauernde Okkupation Wirklichkeit werden.

Jetzt endlich sollten Israelis und Palästinenser handeln. Frieden kann ihnen nicht aufgezwungen werden – weder von den Verinigten Staaten noch von sonst jemandem. Aber eine endlose Verzögerung wird das Problem nicht lösen. Was die US und die internationale Gemeinschaft tun können, ist etwas, das jeder weiss: ein dauernder Friede wird zwei Staaten für zwei Völker einschliessen: Israel als einen jüdischen Staat für jüdische Menschen und Palästina als die Heimat der Palästinenser, jeder der beiden Staaten dabei im Genuss von Frieden, Selbstbestimmung und gegenseitiger Anerkennung.

Während also über die Hauptdifferenzen verhandelt wird, sind die Ziele doch klar: ein lebensfähiges Palästina und ein sicheres Israel. Die Vereinigten Staaten glauben, dass Verhandlungen in zwei Staaten mit dauerhaften Grenzen enden sollten. Diese Grenzen, so glauben wir, sollten die von 1967 sein, mit beidseitigem Gebietsaustausch. Die Palästinenser müssen das Recht haben, sich selbst zu regieren. Sie sollten ihr volles Potential eines souveränen Staates ausschöpfen können.

Was die Sicherheit betrifft, sollten beide Staaten fähig sein, sich selbst zu verteidigen, und (besonders) Israel muss sich gegen jede Bedrohung wehren können. Vorausschauend muss also für robuste Wehr gegen Terrorismus gesorgt werden. Waffenschmuggel soll durch effektive Grenzkontrolle unmöglich gemacht werden. Der Rückzug der israelischen Streitkräfte muss einhergehen mit der Sicherheitsverantwortung eines souveränen, nichtmilitärischen palästinensischen Staates. Die Dauer dieses Prozesses muss ebenso verhandelt werden, wie die Effektivität der Sicherheitsabkommen bewisen werden muss.

Diese Prinzipien stellen also die Grundlagen für Verhandlungen dar. Die Palästinenser sollten ihre Staatsgrenzen kennen, auf israelische Sicherheitsbedürfnisse muss eingegangen werden. Mir ist klar, dass das alles noch nicht ausreicht, weil zwei harte Nüsse zu knacken übrig bleiben: die Zukunft Jerusalems und die der palästinensischen Flüchtlinge. Aber einstweilen werden die Verhandlungen über die Grundlagen der beiden Länder und deren Sicherheit eine Basis bilden, auf der dann auch diese beiden Fragen gelöst werden können – unter Rücksichtnahme auf die Rechte und Ziele beider beteiligten Partner.

Obwohl wir anerkennen, dass neue Verhandlungen über Territorial- und Sicherheitsfragen nötig sind, bedeutet das nicht, dass es einfach sein wird, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Insbesondere wirft das jüngste Abkommen zwischen Fatah und Hamas tiefe und anerkennenswerte Fragen für Israel auf: wie kann man mit einer Partei verhandeln, die das eigene Existenzrecht nicht anerkennt? In den kommenden Wochen und Monaten werden die Führer der Palästinenser eine glaubhafte Antwort darauf liefern müssen. Inzwischen müssen die arabischen Länder, unsere Partner im Nahostquartett und wir selbst alles uns mögliche tun, um über die gegenwärtige Blockadesituation hinauszukommen.

Ich erkenne an, wie schwer das sein wird. Über Genearationen sich hinziehende Feindschaft und Misstrauen müssen überwunden werden, und das, nun, da die Zeiten härter geworden sind. Aber ich bin überzeugt, dass die Mehrheit aller Israelis und Palästinenser lieber in die Zukunft blicken will, als von der Vergangenheit gefangen gehalten zu werden. Diesen Geist sehen wir etwa in dem israelischen Vater, dessen Sohn von der Hamas getötet wurde, und der nun eine Vereinigung für Überlebende solcher Morde auf beiden Seiten mitzubegründen half. Dieser Vater sagte: Nach und nach realisierte ich, dass die einzige Hoffnung in der schrittweisen Anerkennung der Realitäten liegt. Wir sehen es auch in den Handlungen eines Palästinensers, der in Gaza drei Töchter durch israelischen Granatenbeschuss verlor. Mit Recht bin ich zornig, und alle erwarten Hass von mir. Meine Antwort aber ist: ich werden nicht hassen. Lasst uns auf morgen hoffen, sagte der.

Das ist die Wahl, die getroffen werden muss – nicht nur zwischen Palästinensern und Israelis, aber in der ganzen Grossregion: die Wahl zwischen Hass und Hoffnung, zwischen den Gespenstern der Vergangenheit und den Versprechen der Zukunft. Es ist eine Wahl, die von den Führern und den Völkern getroffen werden muss. Sie wird das Schicksal einer Region entscheiden, die einst die Wiege der Zivilisation und zugleich Schmelztiegel des Zwists war.

So haben wir für die Herausforderungen der Zukunft viele Gründe, hoffnungsvoll zu sein. In Aegypten sehen wir sie in den jungen Leuten, die die Proteste angeführt haben. In Syrien in denjenigen, die den Kugeln mit den Sprechchören: “friedlich! friedlich!” trotzten. In Bengasi, einer Stadt, die von Zerstörung bedroht ist, denken wir an den Hauptplatz, wo die Menschen sich versammeln, um die Freiheit, die sie nie vorher kannten, zu feiern. Quer durch die Region werden die Rechte, die wir für selbstverständlich halten, von denjenigen, die erstmals dem Griff eiserner Fäuste entrinnen, mit Hurra eingefordert.Für das amerikanische Volk mag der Aufstand in der Region beunruhigend sein, aber die Gründe dafür sind ihm nicht unbekannt: Unsere eigene Nation entstand mit einem Aufstand gegen ein Weltreich. Unser Volk erduldete einen schmerzvollen Bürgerkrieg, der (aber) Freiheit und Würde für vorher Versklavte bedeutete. Und ich selbst würde heute ohne die Gewaltlosigkeit im Vorgehen, die unsere Vorfahren als einen Weg hin zur Gemeinsamkeit entwickelt haben, nicht hier stehen. Sie organisierten, marschierten, protestierten friedlich zusammen, um die Worte wahr zu machen, die unsere Nation konstituieren: Wir erachten es für selbstverständlich, dass alle Menschen gleichberechtigt sind.

Diese Worte müssen unsere Antwort auf den sich anbahnenden Wechsel im Mittleren Osten und Nordafrika sein – diese Worte sagen, dass Repression versagen wird, dass Tyrannen fallen werden, und dass alle Frauen und Männer mit unveräusserlichen Rechten ausgestattet sind.

Es wir nicht einfach werden. Es ist keine klare Linie des Vorgehens zu erkennen, und Hoffnung wird immer von Rückschlägen begleitet. Aber (auch) die USA sind auf dem Glauben begründet, dass Menschen sich selbst regieren sollten. Und nun können wir nicht zögernd abseits stehen, während Völker ihre Rechte einfordern. Ihr Erfolg wird eine stabilere, gerechtere und friedlichere Welt bedeuten, das wissen wir.

Danke sehr an alle (Applaus). Danke“

Advertisements
18 Kommentare leave one →
  1. 23. Juni 2011 08:07

    „Kannst du mich ma eben übersetzen?“ fragte das Gedicht den Faehrmann……

    Übersetzen ist ein mühsames Geschaeft, selbst mit der immer praesenten Hilfe des Internet. Aber inwiefern spielt dabei auch persönliche Befangenheit eine Rolle? Ich habe immer versucht, das passendste Synonym auszuwaehlen. Wem trotzdem was unklar ist: bitte im Original nachlesen.

    Danke Andreas für die Anregung! Ich selbst hab‘ auch was davon gehabt: man geht ja Zeile für Zeile durch.
    Und na klar wird jede/r sich seine/ihre Rosinen daraus picken. So wie ich jetzt: Oft bemerkt: Saudi-Arabien wird überhaupt nicht namentlich erwaehnt.
    Der berühmte tunesische Strassenverkaeufer. Wie es wohl in Chicago um seine Menschenrechte bestellt waere?
    Andererseits. Wiederholt wird die Boston-Tea-Party erwaehnt. Das ist lobenswert. (und seltsam, dass ein rechter Verein sich heutzutage ausgerechnet „Tea-Party“ nennt?). Freiheit entsteht also im Aufstand gegen Imperien? Hört hört, ihr Europaer! (und werdet aber danach net selbst zum Imperium :-))

    • andreasfecke permalink
      25. Juni 2011 01:31

      Weiter unten gab es schon meinen persönlichen Dank für Deine Übersetzung.

      Hier mein politischer Kurzkommentar:

      Ich verfolge im Rahmen meines Afrikablogs die diesbezügliche US- und auch EU- und auch deutsche Aussenpolitik seit Jahren.
      http://afri-russ-archiv.blog.de/

      Die US-Afrikapolitik hat seit Obama/Hillary eine zuvor unglaubliche positive (im Sinne der einfachen Afrikaner) Wende genommen.
      Die Zeiten des Clinton’schen, IWF- und Weltbankliberalismus sind vorbei.
      Auch Francafrique ist vorbei.
      Innerhalb der nächsten Null bis 20 Jahre werden alle Wirtschaftsverbindungen Afrikas neu verhandelt werden, und wir aus dem Norden werden im Supermarkt sehen können, wieviel Geld eine Tafel Schokolade wirklich wert ist.

      Eine Präsidentenrede ist eine Präsidentenrede und sonst erstmal nichts. Wer größte Hoffnungen in sie projeziert sollte wissen, dass seine Frustration an ihm selber liegt.

      „Pragmatischen“ Politikern (look at Germany: 250 – 10.000, from all parties) werfen wir gerne Visionslosigkeit vor und Sprechblasengeblabbel.
      Äussert einer mal Visionen und Meinungen, ist er ein Idiot.

      Diese Obamarede könnte auch ich irgendwie zerstückeln.
      Mache ich aber nicht.

      Kurzum:

      Grosse Rede von einem grossen Präsidenten!

      PS.: Schaue ich mir unsere bundesdeutsche Aussenbrigade an, von Merkel über Westerwelle und die FDP-Truppen von Niebel über Rösler und die Europafighterin Koch-Mehrin, dann wünsche ich mir eine zehntel Hillary Clinton hierhin und eine halbe Michelle Obama als First Lady.

    • andreasfecke permalink
      25. Juni 2011 08:32

      PS.: Bißchen was habe ich vergessen:

      Jimi Hendrix at Woodstock, Stars and Stripes!

  2. 23. Juni 2011 12:22

    Wie schön, @hibou: Projekt beendet! Gratuliere
    Ja, hab‘ ich auch immer so empfunden: übersetzen ist eine schöne und bereichernde Tätigkeit.
    Ich komm‘ nachher mal lesen – hab‘ jetzt mehr Zeit.

    • 23. Juni 2011 16:17

      was für Sprachen übersetzt Du, sweetheart?

  3. 23. Juni 2011 13:36

    Chapeau! Und vielen Dank für die Arbeit.

  4. 24. Juni 2011 00:11

    War nix mit „mehr Zeit“.
    Deswegen nur schnell und kurz: Englisch.
    Aus dem Englischen und ins Englische hab‘ ich Nachrichten aus aller Welt und für alle Welt bei der „Deutschen Welle“ übersetzt. Literarische Übersetzungen aus dem Englischen hab‘ ich gelegentlich im Studium (Anglistik), selten in der Schule, mehr gelegentlich zur Freude für mich gemacht – mach das aber auch gelegentlich als „Subtext“ beim Lesen, wenn’s mir Spaß macht.
    Ich war mal „near-native“ und ohne Akzent und hätte auch ganz gerne als Simultanübersetzerin gearbeitet – hat dann aber aus privaten Gründen nicht mehr gepaßt.

    In der Schule hab‘ ich an meinem „Staatlichen Neusprachlichen Gymnasium für Mädchen“ 9 Jahre Englisch, 7 Jahre Französisch und 5 Jahre Latein gelernt. Wahrscheinlich nicht nur wegen dieses Unterschieds war ich im Englischen immer mehr zuhause als im Französischen. Ich bin auch niemand, der dann einfach aus Lust und Dollerei noch ein paar Sprachen lernen möchte – just a one-trick pony!

    Und Du?

  5. 24. Juni 2011 06:23

    Hehe, dann wirste ja meine Übersetzung kritisch beurteilen (hab aber sorgfaeltig gewerkelt….)
    Als Schweizer bin ich ja auch mit Französisch aufgewachsen… , naja in England hab ich vor Urzeiten mal gearbeitet (Bristol), und jetzt Türkisch :-), naja aber Volapük kann ich net 😦
    Simultanübersetzerin? Uhh, da muss man ja echt gut sein…. Habs ma an der Uni für Italienisch gemacht, und auch noch SDS-Leute, hihi, hab Blut und Wasser geschwitzt! Oder man machts wie der Simultanübersetzer in dem Roman „Mein Herz, so weiss“ von Javier Marias, den ich hier nicht nur Dir waermstens empfehle!!

    • 24. Juni 2011 08:48

      „Mein Herz, so weiss, und diese Haende, bedeckt mit Blut!“
      („My hands are of your color, but I shame to wear a heart so white“)

      (Lady Macbeth. Shakespeare wusste schon zeitig, wie heutzutage Politiker sich fühlen :-))

    • andreasfecke permalink
      24. Juni 2011 23:03

      Vielen herzlichen Dank, bravouröse Leistung, tolles Resultat.
      PS.: Ich schulde Dir eine…..

  6. 24. Juni 2011 13:42

    Gratuliere hibouh!
    Starke Leistung!

  7. 25. Juni 2011 00:06

    Hälfte zu später Stunde gelesen und innerlich rückübersetzt – dabei an vielen Stellen gedacht, wie wenig man diese Rede wirklich versteht, wenn man nichts oder nicht viel über die amerikanische Geschichte von Anfang an weiß.
    Aber das ist ja eher eine Universalie.

    Über der Rede steht (von der 1. Hälfte ausgehend) in großen Lettern das Wort „change“, mit dem sich Obama ja von Anfang an verbunden hat und das ihm nun die Entwicklung in Nahost erneut so paßgerecht vorgelegt hat.

    More tomorrow – auch zu der Macbeth-Übersetzung, mit der ich mich gar nicht anfreunden mag.

  8. 25. Juni 2011 10:37

    Eben erneut gelesen und – angeregt vom gesenkten Daumen, egal wo er herkommen mag – beim 3. Lesen gesehen, daß der 1. Abschnitt mißverständlich ist.

    Also: beim Lesen der übersetzten Version (an der ich überhaupt nix auszusetzen habe, sondern höchstens – had we but world enough and time! – mich gerne in einen Dialog über Winzigkeiten und stilistische Varianten begeben würde, weil jeder auch seine Übersetzungshandschrift hat) ging mir immer wieder durch den Kopf, daß nur sehr wenige Menschen, die diese Rede in den jeweiligen Übersetzungen, vielleicht auch im Original, außerhalb der USA hören oder lesen, diese auch in den Kontext der amerikanischen präsidialen Reden und in den der gesamten Geschichte, wie den aktuellen Kontext der USA einbetten können, d.h. VERSTEHEN können. Das hat ja nicht nur etwas mit der Sprache zu tun!

    Und noch bekümmernder wird es dann, wenn man an die Zuhörer- und Leserschaft innerhalb der USA denkt: wieviele erreicht Obama überhaupt und wieviele verstehen ihn da?
    Das sagt gar nichts über den Inhalt seiner Rede, aber für einen öffentlichen Dialog muß man sie ja erst einmal hören, lesen, verstehen.

    Und das ist mit allem Gesprochenen, Geschriebenem überall und in jedem Kontext so: deswegen „Universalie“.

    Das waren meine Gedanken, @Hibou, ganz gewiß nicht der Eindruck oder die Vorstellung, Du könntest die Rede nicht „verstanden“ haben! Der Gedanke lag mir so fern, daß ich die Zweideutigkeit meines Kommentars gar nicht bemerkt hatte.

    • 25. Juni 2011 11:06

      und Macbeth? 🙂

    • andreasfecke permalink
      25. Juni 2011 14:26

      Um so eine Rede im obigen Sinne VERSTEHEN zu können, muss man sie erst mal LESEN können, bzw. lesen DÜRFEN.
      Komplett, denn zitiert (insgesamt etwa 20 Zeilen) wurde sie ja überall, je nach Gusto der Redaktionslinien der Medien.

      Darum geht es doch JETZT HIER in erster Linie (Danke, Hibou! für diese Möglichkeit!).

      Gedanken über die Inhalte so einer Rede oder den Sinn und die Möglichkeiten von Reden überhaupt können dann erst kommen – es sei denn, man möchte all das aus einer Elfenbeinturmspitzenperspektive betrachten. Mit Leuten wie Obama, den Menschen über die er spricht und vielen, die ihn gewählt haben und ihn wiederwählen werden, ganz klein und ganz unten.

      Ach, wie gut täte mir so eine Rede seitens meiner Staatschefetage, so ein Frühling!
      Niemand soll meckern: ein kleiner frischer Luftzug muss wohl reichen.

      Mitten durch unsere Birnen: 15 Kommentare stehen hier zur Zeit, zwei davon zu den Aussagen von Obama. Oh, so poor Germany mine!

      • 25. Juni 2011 15:38

        Warum der Streß?
        Geh‘ ich halt wieder!

        • andreasfecke permalink
          25. Juni 2011 16:18

          Wenn ich jemanden nicht kenne, kann es ich doch wohl nicht persönlich meinen.
          Da gibt es ein smiley für hibou -ich meine,ihn etwas zu kennen – und ansonsten nur Text ohne irgendein Wort zwischen den Zeilen.
          In meine Kritiken klammere ich mich grundsätzlich ein, ich bin auch ein Deutscher.
          Also? Bleib! Bitte.

  9. 25. Juni 2011 13:28

    Kommt gern noch.
    Vorweg: ist es eine der „gängigen“ Übersetzungen?
    Gegooglet kommt fast nur was zum Roman „Mein Herz, so weiss“.
    Und die „klassischen“ Übersetzungen lauten, so weit gesehen, anders.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: