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Auf Frauen schiessen lassen

11. Juni 2011

Elfenbeinküste, Cote d’Ivoire. 

Zehn Jahre Herrschaft eines „Sozialisten“. So einer wie Milosovic.

Name: Laurent Gbagbo. Wo heute? 

Hoffentlich vor einer korrekten Justiz


Foto (c) AFP: Der Körper eines Ivorers liegend auf einer Straße in Abidjan 23. Februar 2011
<em>Le corps d’un Ivoirien gît dans une rue d’Abidjan le 23 février 2011 </em>

By

Dr. Alexis Dieth

Deutsche Übersetzung:  Reinhild Kim

Sie haben gewagt , was in der schlimmsten Zeit der französischen Kolonisation die französischen Kolonialisten nicht gewagt hatten zu tun: mit schweren Maschinengewehr Kaliber 12,7 auf ivorische Frauen zu schießen, friedliche Demonstrantinnen, die ihren Hass auf den Krieg herausschreien wollten und die Beendigung der Gewalttaten forderten . Nach diesem absoluten Verbrechen haben sie nicht die eine Unze Mut, die unendliche Schande ihrer Tat anzunehmen.  <!–more–>

Sie verbreiten sich in Leugnungen und Zugeständnissen bei der Wiederherstellung der Wasser-und Stromversorgung im Norden, um Nachsicht des Richters zu erfahren. Wie der Übeltäter, der, überwältigt von seinen Leidenschaften, Besserung verspricht um abzulenken, aber bei der ersten Gelegenheit, bei der ersten Versuchung das Verbrechen neu beginnt, manövrieren sie, um sich der Sanktion durch die universelle menschliche Justiz zu entziehen, und bereiten gleichzeitig den nächsten Schlag und die nächste Verletzung der Menschenrechte vor! Erinnern wir uns daran, dass die Demonstration der ivorischen Frauen, der Marsch der Frauen auf Grand-Bassam, während der Kolonisation ein Meilenstein des Marsches zur Unabhängigkeit war. Heute, in diesem unabhängigen Staat Côte d’Ivoire, werden ivorische Frauen mit schwerem Maschinengewehr ermordet durch eine ivorische Minderheitsregierung, deren Macht durch die Wahlen in Frage gestellt worden war und die allen zum Trotz daran klebt, mit Hilfe von systematischer Gewalt und Massaker an den Frauen. Dieses Massaker, ein Symbol der Schande und Brutalität eines Regimes dazu verurteilt, binnen kurzem abgeschafft zu werden, erinnert an andere derartige Ereignisse: das Massaker an Frauen und Kindern anlässlich der friedlichen Demonstration in Sharpeville am 21. März 1960, anlässlich einer friedlichen Demonstration des ANC, und das Massaker an Demonstranten des Trauerzugs in Erinnerung an dieses Ereignis in Port Elizabeth am 21. März 1985. Diese Verbrechen wurden während der Apartheid begangen und zeigten der ganzen Welt deren Unmenschlichkeit und ihre innere moralische Hässlichkeit. Sie beschleunigten dann ihr Ende, das bereits vorprogrammiert war. Genau so wie der Rassenhass der Apartheid in Südafrika vernichtet der intolerante Fremdenhass in der Côte d’Ivoire und der ihn begleitende Wunsch nach totaler politischer Beherrschung die Verschiedenheit und das Leben. Das Massaker an den Frauen von Abobo wird das Ende des unmenschlichen fremdenfeindlichen und kriminellen ivorischen Regimes beschleunigen, so wie das Massaker von Sharpeville das Ende des rassistischen Regimes in Südafrika während der Apartheid beschleunigt hat.

Der moralische Verfall,der sich gegen den Willen des Volkes an die Fersen der ivorischen Regierung heftet, ist eine kolossale Kraft, die Tod und abgrundtiefe Regression befördert. Es ist keine Kraft des Lebens und des Fortschritts. Die blutigen Leichen von Müttern und Töchtern auf dem Asphalt, mit den Tüchern zugedeckt, die im täglichen Leben verwendet werden, um Neugeborene zu wickeln, um kleine Kinder auf dem Rücken ihrer Mutter zu tragen, werden uns lange Zeit keine Ruhe lassen. Diese blutigen Leichen der Frauen, schamhaft mit Tüchern des Lebens und der Intimität von den kleinen massakrierten Leuten zugedeckt, zeigen eloquent die ganze Ungeheuerlichkeit eines Regimes, dem Anstand und Gerechtigkeit abgehen, die politischen Kardinaltugenden. Platon sagte im Protagoras darüber, dass sie unabdingbar für die Verwaltung des Gemeinwesens waren, und dass deren Fehlen bei einem Menschen anzeigte, dass er eine Geißel des Gemeinwesens war, die aus diesem Grunde getötet werden musste. Diese blutigen Leichen der ermordeten Frauen zeigen vor allem die Zerstörung der Elfenbeinküste als einladende Wohnung, und die Instrumentalisierung der Frau, als Abzeichen des fremdenfeindlichen und insgesamt frauenfeindlichen Regimes, das die Zufälle der Geschichte in ungeeigneter Weise an die Spitze des ivorischen Staates gebracht haben.

Seit Anbeginn der Zeit wissen die Menschen, dass die Frau die Quelle des Lebens und Bewahrerin dieser heilsamen Innerlichkeit ist, wovon der natürliche Respekt für ihre Privatsphäre zeugt. Die Kultur in ihrer Entwicklung hat schon früh den Respekt der Frau wieder eingeführt, die eine kriegerische und beherrschende Männlichkeit, die jedoch in Wahrheit ängstlich ist, stets zu unterwerfen versucht. Wie Levinas in „Totalität und Unendlichkeit“ ausführt, ist die Frau heilbringende Andersartigkeit, die Person, durch die der gastfreundliche Empfang par excellence erfüllt wird, wodurch der Mensch in der Existenz bleiben kann und dorthin nicht wie ein Stein geschleudert wird, den man hinter sich wirft. Der Empfang zu Hause wird durch die Frau symbolisiert. In der Beziehung zum weiblichen Anderssein sieht Martin Buber die zwischenmenschliche Beziehung par excellence. „Das stille Kommen und Gehen der Frau, die mit ihrem Schritt die geheime dichte des Seins klingen lässt“ lassen die Wohnung, den Ort des Asyls, den einladenden Ort Gestalt annehmen, wo der Mensch zu sich kommen und sich sammeln kann, um sich die Natur zu vergegenwärtigen und sie zu gestalten, um daraus seine Welt zu schaffen. Diese geheiligte universelle Innerlichkeit der Frau haben die brutalen Machthaber beim Massaker an den Frauen von Abobo verletzt, die im traditionellen Ritus des Adjanou gefeiert wird, dem heiligen Tanz der Frauen. Im Übrigen: als die bewaffneten Wachen vor der kämpferischen Nacktheit der Frauen von Treichville flohen, hofften wir, dass ein Rest von Scham und Respekt vor dem Leben noch in den Herzen der Verbrecher übrig geblieben war. Leider mussten wir unsere Illusionen sehr schnell wieder fallen lassen. Durch die Unterstützung anderer Frauen, die zur gleichen Zeit vor dem Büro der UNOCI demonstrieren, beweisen diese Rohlinge kaum Achtung gegenüber Frauen. Vielmehr zeigen sie, dass sie nur Instrumente im Dienst ihrer Leidenschaften sind. Die Frau ist nur dann zu etwas gut, wenn sie sie einsetzen können, um im Norden Stimmen bei der Präsidentschaftswahl zu gewinnen, oder wenn sie sie gebrauchen können, um die Macht zu übernehmen.

Diese perverse Ausbeutung der Weiblichkeit scheint in der Manipulation der ferngesteuerten Demonstration der Frauen vor dem UNOCI-Hauptquartier durch. Als Kontrapunkt zu dem Massaker an den Frauen von Abobo zeigt ein Bild in der Pro-Gbagbo Zeitung „Le Temps“ ein Sit-in von Frauen, angeblichen „Patriotinnen“, vor dem Sitz der UNOCI Riviera 3. Diese Frauen, Mütter und Ehefrauen sitzen dort ruhig. Sie werden weder mit Schlagstöcken traktiert noch von Maschinengewehren niedergemetzelt. Das Minderheitsregime, bei den Wahlen unterlegen, klammert sich an die Macht der totalen Kriminalisierung der Jugend, des Massakers an Frauen. Es erklärt sich solidarisch mit Bro Grebé (Geniviève Bro-Grebé, ehemalige Ministerin unter Gbagbo und Einpeitscherin der „Patriotischen Frauen“ wie Blé Goudé, die Übers.) und ihren Kameradinnen und befiehlt im selben Moment seinen Milizen, den Protest anderer Frauen, anderer Mütter und Ehefrauen mit schweren Maschinengewehren blutig zu unterdrücken – sie fordern in Abobo nur die Einstellung der Gewalt und die Beachtung des Wahlergebnisses. Der skandalöse Widerspruch zwischen diesen Bildern wirft eine Frage auf: zum einen das friedliche Bild ivorischer Frauen, die in Ruhe für ihre alte Regierung, die bei den Wahlen geschlagen wurde, demonstrieren, im Anblick der ausländischen Streitkräfte, die sie nicht brutal behandeln und sie als Frauen respektieren, zum anderen das gewalttätige und erschreckende Bild ivorischer Frauen, die in Abobo in ihrem Blut liegen, beschossen von Teilen der ivorischen Armee. Warum begeht der Gbagbo-Clan gegen sein eigenes Volk das absolute symbolische Verbrechen, das eine ausländische Regierung nicht gegen die Bevölkerung des besetzten Gebietes auszuführen wagt? Lässt sich dieses Verbrechen durch die Tatsache erklären, dass ein von der kriminellen Passion illegitimer Macht verdunkelter Geist, der sich dem Volksprotest widersetzt, nicht unterscheiden kann zwischen einer friedlichen Demonstration von Frauen oder Kindern und einer gewalttätigen Demonstration erwachsener bewaffneter Männer? Wir können diese letzte Frage nicht bejahen, da die geringste Schwierigkeit zwischen den UNOCI-Truppen und den Blé-Goudé-Milizen, die ihre Bewegungsfreiheit behindert und sie provoziert, sehr aufgebauscht wird. Der Gbagbo-Clan ist sich also des Wertes eines Menschenlebens voll bewusst und sucht trotzdem systematisch nach einem Vorwand, indem er den geringsten Kratzer, den seine Truppen durch UN- oder gegnerische Kräfte erleiden, als Angriff auf die Menschenwürde und die ivorische Souveränität anprangert.

Daher gilt: bei vollem Verstand und mit voller Kenntnis der Sachlage werden die unbewaffneten Frauen von Abobo angegriffen und mit schweren Maschinengewehren niedergeschossen. Nehmen wir an, UNOCI Truppen hätten das Feuer auf die Demonstration der Frauen am Rande des FPI-Sitzes eröffnet, so kann man sich vorstellen, dass der Gbagbo-Clan das als Skandal bezeichnet und die Welt zusammengetrommelt hätte, dieses absolute Verbrechen zu verurteilen. Man metzelt keine Frauen und Kinder mit dem Maschinengewehr nieder. Der Respekt gegenüber Frauen und Kindern ist ein kategorischer Imperativ der Zivilisation. Er zieht die Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei. Dieser Grenze ist sich der Gbagbo-Clan klar bewusst. Warum erlaubt er sich gegenüber seinen eigenen Leuten das absolut Böse, während er das sicher denunziert hätte, wäre es von einer fremden Macht verübt worden? Bemerkenswerterweise schweigen seine Schmeichler und seine Federfuchser in dem Moment, wo seine Soldaten die Frauen von Abobo niedermetzeln. Sie nehmen dann die schändlichen und feigen Leugnungen wieder auf, ohne zu dem Massaker an den Frauen zu stehen. Vielmehr lenken sie die Aufmerksamkeit auf eine Art „vermischte Nachricht“, die ihre Milizen und die Force Licorne aufeinander hetzen. Sie beklagen lauthals als inakzeptable Aggression den Vorfall, bei dem ein Panzer der französischen Truppen ein unbesetztes Fahrzeug überfährt, um sich einer illegal von der Miliz Blé Goudés errichteten Straßensperre zu entledigen. In den Augen dieser brutalen Leute, die sich weigern, die ivorische Macht loszulassen, ist es das absolute Verbrechen ein unbesetztes Fahrzeug zu zerstören, während der Krieg gegen Zivilisten durch die Armee und bis an die Zähne bewaffnete Milizen, und schließlich das Massaker an ivorischen Frauen zum höchsten Gut wird: als Gipfel des Terrors, der es ihnen ermöglicht, Macht, Privilegien und Pensionen für sich zu behalten. Das Massaker an den Frauen, die in der Kultur die Bleibe, den Empfang, die Gastfreundschaft und das Leben verkörpern, offenbart die tief verwurzelte Fremdenfeindlichkeit des Regimes und seines moralischen Bankrotts, der den Völkermord in sich trägt.

Der moralische Bankrott Gbagbos, von dem die Amerikaner reden, bedeutet genaugenommen, dass die inneren Schranken, die barbarische Akte wie das Massaker an den Frauen von Abobo eindämmen würden, in den Gedanken und den Herzen von Gbagbo und seinen Komplizen gefallen sind. Dies ist der moralische Bankrott der juristischen Person. Und er steht für die charakterliche Korruption. Die charakterliche Korruption ist kein Wahnsinn. Sie ist eine moralische Perversion. Sie ist das Merkmal der entschiedenen Freiheitsnutzung durch eine Person, die sich immer, ausgehend von einer transzendentalen Wahl, gegen die Vorgaben des Gewissens, sogar des Verständnisses zu handeln entscheidet, um daraus einen Profit zu erzielen oder auch nicht. Moralischer Bankrott disqualifiziert den Befallenen von jeglichem Anspruch, eine politische Rolle zu spielen. Der moralische Bankrott des Gbagbo-Clans zeigt, dass die Lösung der ivorischen politischen Krise sicher nicht in der Teilung der Macht mit denen, deren Charakter innerlich so verdorben ist, finden lässt. Wenn es sich als unvermeidliche Lösung erweist, wird die Bildung einer möglichen Regierung der nationalen Einheit unter Ausschluss der Urheber und Komplizen der Gräueltaten erfolgen müssen. Deren rechtmäßiger Platz ist auf der Anklagebank eines internationalen Gerichtshofes. Die Ausübung der Regierungsgewalt, wenn sie sich im Rahmen der Zivilisation bewegen soll, erfordert Skrupel, Maß, Scham, Besonnenheit, Gewissen, Fürsorge und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Dies sind die inneren Deiche, die Diebstahl, Massaker und Diktatur verhindern. Dies sind die politischen und moralischen Tugenden, die all dies garantieren: Kümmern um die Förderung des Allgemeingutes, Respekt für Kinder und Frauen, die Achtung des menschlichen Lebens und der menschlichen Würde.

Dr. Alexis Dieth, Wien, Österreich

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