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Urheberrecht

11. April 2011

Durch des Freiherrn zu Guttenberg Vorgehen bei der Verfertigung seiner Doktorarbeit und den vielen nachgewiesen kopierten Stellen daraus sind wir alle für das Thema sensibilisiert.

So sehr ich mich über das (vorläufige?) Karriereende unseres pomadeglatten Sonnyboys und Verteidigungsministers auch freue, habe ich doch persönlich ein ganz ähnliches Verhältnis zum Urheberrecht wie er. Und doch bin ich ja als Autor sehr auf dieses angewiesen (etwa finanziell)?

Eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren.

Hier die meine: als Vielleser können wir gar nicht umhin, oft, wenn auch unbewusst, zu zitieren. “Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Atomkraftgegner…” wird dieser Tage oft in den Medien geschrieben und gesagt. Wer erinnert sich dabei an den Original(aus)spruch? Und der Beispiele wären viele. Das Internet hält zudem den Fundus sämtlicher menschlicher Äusserungen auf Lager, und seitdem wir die beiden Keyboardgriffe “copy” und “paste” gelernt haben, wächst die Versuchung, sich da zu bedienen, um ein Vielfaches. Dem Suchenden (hihi) bietet sich zudem auf Google und anderswo im Net ein absurdes Welttheater… Gerade fand ich den Adamo-Text zum Lied “Es geht eine Träne auf Reisen” auf der Website eines Bestattungsinstitutes…. etc.pp.

In meinem Buch “Flaschenpost”, das mittlerweile auf über 500 Seiten angewachsen ist, “zitiere” und plagiiere ich hunderte von Schreibern, ohne die genaue Quellenangabe mitzuliefern. Mal verändere ich das Original, mal nicht. Habe es schon in meiner Zeit als Lehrer so gehalten: warum sollen Schülerinnen und Schüler nicht selbst denken und Wahrheit von Unwahrheit unterscheiden lernen? Also allem immer eine Prise Unwahrheit beimischen (Achtung: könnte auch hier so sein *smile*).

Na klar schreibe ich keine Doktorarbeiten. Ich stelle aber fest, dass die Treue zum Quell (na, ausser vielleicht bei Guttenberg) bei den meisten noch tief sitzt, und ich oft als Unhold dastehe.

Hier ein Beispiel. Heute geschrieben (Hotel Naipaula). Über die Treene. Wer kennt sie? Fliesst (fast gar nicht) in Schleswig-Holstein. Up ewig ungedeelt!!

 

Die Treene fliesst durch Zimmer 13xx. Fliessen Flüsse denn durch Zimmer? Naja, die Treene ist eher ein Bächlein wie der Talent im Waadtland und ohne den am Platz üblichen Ortsstein wär sie vielleicht im Sande verlaufen…. (nein, sie ist sogar ein Strom, denn sie fliesst in die Nordsee! Naja, im strengen Sinne in die Eider). (Sie ist – mit der Eider – das seltene Beispiel eines Flusses, der auf einer OSTseehalbinsel entspringt und in die NORDsee fliesst….aber das nebenbei).

Ausserdem schreibt Apollinaire:

“Sous le Pont Mirabeau coule la Seine

Et nos amours…….”

Also wenn unsere Lieben unter der Brücke durchfliessen, können Bäche ja wohl auch in Zimmern sein? Hören wir auch Marianne Faithful kurz zu:

“Au fond de la Treene

Il y a des fleurs…….”

Und gar Alfred Andersch: “…unter der Treenebrücke floss das Wasser still und langsam durch, die Weide, unter der er sass, hing ins Wasser rein, und gegenüber, in der alten Gerberei, regte sich, wie immer, nichts. Der Mississippi wäre besser als…..die Weide am langsamen Fluss. Auf dem Mississippi wäre man weg, während man sich auf den Speichern der Gerberei und unter der Weide nur verstecken konnte. Unter der Weide auch nur, so lange sie Blätter hatte, und die hatten schon mächtig begonnen, abzufallen und trieben gelb auf dem braunen Wasser davon…”

Und last not least: Adamo!:

“Es geht eine Treene auf Reisen
Sie geht auf die Reise zu mir
Der Wind bringt sie mir mit den Wolken
Und ich weiß
Sie kommt nur von dir.

Es geht eine Treene auf Reisen
Die unsere Treennung beklagt
Und heißt’s auch
Man soll niemals weinen
Kommt es vor
Daß man dann nicht fragt…..”

Schliesslich also kam die Treene bis nach Grand Turk……..

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14 Kommentare leave one →
  1. andreasfecke permalink
    12. April 2011 09:26

    Ach, redlich, hätte
    in meiner Gedänkelstätte
    ich soviel nur
    Substanz,
    dann …(my)… anz

    Nein, mal ehrlich: wie schafft ihr das, so gebildet zu sein?
    Bei mir kommt immer nur Halbbildung raus,
    da kann ich lesen, soviel ich will.

    Schluchz, bittres Geweine,
    (was ich wirklich meine),
    aber dann
    z
    Wo ist die Substann
    z?
    Die is weg, dadahin
    gegangen,
    dadahin,
    dada,
    dada.

  2. 12. April 2011 18:07

    Hibouh, die Textpassage von Alfred Andersch ist aus „Sansibar oder der letzte Grund“, stimmts? Hab das Buch gelesen und den Film (B. Wicki) gesehen. Beides sehr schön, wie auch dein Text.

    • 13. April 2011 17:52

      ganz genau, Fidelche, aus „Sansibar“

      Interessant: jetzt Silvana Koch-Merin. Auch da gilt dasselbe: werde ihr herzlich wenig nachtrauern….

  3. 14. April 2011 00:39

    Das Urheberrecht und die bürgerliche Sanktionswelt der menschlichen Gedanken sind ein Dreck. Es gibt geflügelte Worte als Allgemeingut, und wer an Bildung teilhaben durfte, weiß noch den Urheber, die anderen, und die ersten auch meistens, nicht mal mehr/auch nicht mehr: die Bedeutung. Der Fügelworte.
    Jeder Mensch denkt in seinem Leben wahrscheinlich viele Sätze und Neologismen, die bewahrenswert wären. Darauf kommt es in einer besitzergreifenden Bürgerwelt aber nicht an: sondern auf die Verwertbarkeit/Verwertung.
    In der Wissenschaft ist es auch so: als wenn immer Neues geschaffen werden müßte auf dem alten Dreck. Und hinzititiert. „Mein Haufen ist noch höher“. Als wenn nicht etwas ‚Ganz Anderes‘ angesagt wäre.
    Man muß endlich feststellen, daß der Mensch kein freier Herr ist (der sich dann auch so benimmt, wie ein Freiherr), sondern ein Sozialwesen, welches nimmt und gibt, und nur in diesem Nehmen und Geben mit den anderen lebt – oder auch nicht leben kann, sanktioniert werden muß. – Zitieren tun alle, bewußt wie auch unfreiwillig. Das ist gegeben, und kaum rechenbar.
    Den Rest ordnen die Anwälte der je stattfindenden Gesellschaft.

  4. 14. April 2011 18:04

    Also ob der Guttenberg nun geklaut hat oder nicht, wär ja eigentlich scheißegal. Aber seine geklaute Arbeit verkauft er einerseits für schlappe 89.-€ (ich hoffe, ich erinnere mich noch richtig an den Preis) und dann läuft er mit einem unverdienten Titel rum, für den andere tatsächlich ackern und mit dem er unverdienterweise einen Bildungsgrad vortäuscht, der die Leute irreführt.

    Doktorte er heimlich still und leise im privaten Kämmerlein herum, dann hätte er halt eine verschärfte Form von Ladendiebstahl begangen. Dem ist aber nicht so.

    Dem Freiherrn wäre auch kein Zacken aus der Krone gebrochen, hätte er die Leute, die er zitiert, um Erlaubnis gefragt und/oder Quellen angegeben.

    Rainer, auch eine nichtbürgerlichen besseren Welt sollte nach meinem Dafürhalten auf Ehrlichkeit gründen.
    Der Guttenberg und die Koch-Merin sind einfach falsche Fuffziger. Die nehmen nur und geben nichts. Das ist das Charakteristikum dieser Ausbeuterklasse, der sie angehören.

    Beste Grüße
    H.

    • andreasfecke permalink
      16. April 2011 07:04

      Ich biete 91 Euro für einen Doktortitel! Aber nix Jura wie zum Beispiel Westerwelle. Was Richtiges, wie zum Beispiel Medizin. Pathologie nehme ich auch.

  5. 15. April 2011 09:30

    Andrea Nahles: „Butter bei die Fische!“
    Anders Rasmussen: „A kingdom for a strategy!“
    hibou: „Ach wie gut, dass niemand weiss….“

  6. andreasfecke permalink
    15. April 2011 14:37

    Und ein Fonds a la GEZ?

    Ich betreibe seit mehr als fünf Jahren ein Blog, insbesondere seit eineinhalb Jahren dazu ein afrikaspezifisches Blog,
    für die ich hemmungslos insbesondere Fotografien oder Karikaturen klaue.

    Meine Entschuldigung: ich übersetze ausländische Quellen auf deutsch und verweise auf Originale.
    Meines Wissens werden nicht-kommerzielle Urheberrechtsverletzungen nicht belangt.

    Andererseits habe ich satirische Fotomontagen kreiert, die mehrtausendfach „abgehoben“ wurden.

    Reicht das?
    Ich denke, nein.

    Ich bin finanziell nicht besonders gut bestellt, würde aber bedenkenlos jeden Monat zehn, sogar zwanzig Euro einzahlen in einen Fonds,
    der
    diese Art von Ausgleich herstellt:

    Urheberrecht:
    Mittelschichtman

    • 16. April 2011 07:00

      genau: nen fonds…..

      aber was sagen dann die besitzende klasse/die gegner jeglicher energiewende/die bestecher und bestechlichen?:

      „wer soll das bezahlen?
      wer hat das bestellt?
      wer hat so viel pinke pinke?
      wer hat so viel geld?“

      • andreasfecke permalink
        16. April 2011 07:16

        Ich.
        Ich meinte das auch ernst.
        Ich bin Hartz IV, und knöpsel mir monatlich etwa 50 Euro ab für Telefon+ PC + Abos.
        Das kann jeder, der selber dreht (Tabak) und nicht herumsäuft.
        Andererseits:
        Jeden Tag habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich von afrikanischen AFP-Fotografen Bilder stehle.
        Warum also kein Fonds, wo einer wie ich freiwillig 10 oder 20 Euro einzahlt, „abtütet“ oder auch mal „eintütet“, wenn er etwas kreiert?
        Ich würde mich dabei besser fühlen.

        • Der Bassist permalink
          29. April 2011 00:46

          Es gibt so viele Urheber. Das alles abzuzählen ist schon falsch. überhaupt müßte alles ganz anders organisiert werden. nicht rechenbar, was jeder macht.

  7. 19. April 2011 16:19

    ich meinte das auch ganz ernst mit dem fonds. aber lass uns nen „roter salon-fonds“ gründen!

  8. andreasfecke permalink
    3. Mai 2011 07:42

    Irgendwie klappen meine Kommentare hier jetzt nicht, „bearbeiten“ (löschen) kann ich sie auch nicht, also schaut Euch das Video hier bei mir an:
    http://andreassozpol.blog.de/2011/04/27/rugby-world-cup-vs-jacques-brel-1-empty-via-youtube-11063596/

    • 3. Mai 2011 16:36

      Klar kannst du sie bearbeiten:
      Oben – „Meine Blogs“ – „Der rote Salon“ – „Kommentare verwalten“

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