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Ägypten’s Revolution: Revival und Tourismusmagnet

11. April 2011
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Kleine Fotoreportage: Das erste Bild zeigt eine Massendemonstration am Tahrirplatz, allerdings nicht aus der Anti-Mubarak-Zeit, nein, vom 8. April. Seitdem kämpft man dort (Tote wurden auch schon gemeldet) für den Rücktritt des Führers der Militärregierung Marschall Hussein Tantawi.
Das zweite Bild zeigt einen neu aufkommenden ägyptischen Tourismuszweig, den Revolutionstourismus.
Etwas mehr zu Beidem und kleiner Kommentar: unter den Bildern.
Manifestation géante place Tahrir, au Caire, le 8 avril 2011
Des T-shirts faisant référence à la révolution égyptienne sont en vente sur la place Tarhir, au Cair

=> Video Egyptairs Revolutionstourismus:
http://www.facebook.com/FlyEgyptAir?sk=wall&filter=2#!/video/video.php?v=543485544796
=> Artikel AFP dazu:
http://afri-russ-archiv.blog.de/2011/04/11/aegypten-setzt-auf-revolutions-tourismus-l-egypte-mise-sur-le-tourisme-revolutionnaire-10986518/

=> Artikel AFP neue Massendemonstrationen:
http://afri-russ-archiv.blog.de/2011/04/11/aegypten-neue-massendemonstrationen-tahrirplatz-2-tote-egypte-2-morts-dans-des-affrontements-a-tahrir-avec-la-police-militaire-10984294/
=> #Der Platz ist wieder mit uns!
Ägypten: Der Sieg der Revolution. Und die Entzauberung des Militärrates als „Haufen alter Männer“
09.04.2011 – http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34520/1.html

Kommentar (klein): Wer von uns nordischen (*1) kopfmenschlich denkenden Beobachtern hätte sowohl das eine wie das andere so schnell kommen gesehen? Ich auch nicht.
Freiheit, Demokratie, Kampf für Menschenwürde in ….,
was anderes könnte das sein als diese beiden Dinge zusammen?
Wie sehr beziehen wir uns nur noch auf uns selbst, auf hiesige Politikerpolitik (*2), auf unsere abstrakten Gedankengebäude, wenn wir das pessimistisch hinterfragen? Ohne Vertrauen?

*1 Nordisch: im Unterschied zu „westlich“ eine afrikanische Perspektive, aber auch seinerzeit die von Willy Brandt („Nord-Süd-Konflikt“).
*2 Politikerpolitik: freie Übersetzung des in Frankreich durchaus geläufigen Begriffes der „politique politicienne“, welche es geschafft hat, den Begriff „Politik“ zu vereinnahmen und den Bürgern abholdig zu machen.

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10 Kommentare leave one →
  1. 11. April 2011 20:08

    Danke! Und die Hinweise auf Nord-Süd (anstelle des oft faelschlich rausgestellten Ost-West…….)

  2. 12. April 2011 17:57

    Für mich ist nach wie vor entscheidend wer die Opposition ist und was sie will, wie stark die Muslimbrüder aktuell sind und in den nächsten Wahlen prozentmäßig sein werden und ob der Friedensverstrag mit Israel eingehalten wird und wie die Grenze zum Gazastreifen zukünftig aussehen wird. Ob der Waffenschmuggel von Ägypten in den Gazastreifen behindert oder gefördert wird. Wie stark sind die säkularen Kräfte in Ägypten, inwieweit hat sich die ägyptische Bevölkerung von Antisemitismus der Mubarak-Regierung beeinflussen lassen? Wie islamisiert ist das Land? Vieles wird davon abhängen wie sich die soziale Situation für die überwiegende Mehrheit des Landes entwickeln wird. Obwohl ich weiß, dass die Situation nicht mit der Lage Irans bei Khomeinis Machtübernahme zu vergleichen ist, befürchte ich doch ein ähnliches Scenario. Fortschrittliche Kräfte stürzen ein stürzenswertes Regime, reaktionäre Kräfte übernehmen die Macht. Der Iran hat den Sturz Mubaraks freudig begrüßt, das ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

    • andreasfecke permalink
      12. April 2011 18:35

      Wie judaisiert ist denn das andere Land?
      Aha, das Wort gibt es noch nicht mal. Irgendwo hängen da Ebenen schief, oder aber wir haben ein Menschenbild Klasse 1 und Klasse 2.
      Bin ich Antisemit? Nein. Mich interessieren die Menschen, weil ich auch einer bin.
      Sollte es in diesem Forum um Geopolitik gehen,
      dann habe ich hier nichts zu suchen.
      Seit Jahren bewundere (ächz) ich die Spiegelbildlichkeit von Linkspartei und FDP.
      Gibt es das auch global?
      Gab es, zu Zeiten von G.W. Bush und seinen Söhnen des Lichts und den Söhnen der Finsternis.
      Gibt es das immer noch?

    • 12. April 2011 21:12

      Andreas, in Israel spielt die Religion sicherlich eine große Rolle. Wichtige Lebensbereiche (Heirat, Scheidung, Friedhöfe) werden von religiösen Institutionen verwaltet. Zirka 29 Prozent sind in Israel „gläubige“ Juden. 28 Prozent bezeichnen sich selbst als Traditionalisten, die sich nicht strikt an das jüdische religiöse Gesetz, halten und 43 Prozent gelten als säkular. Wie es in Ägypten verteilt ist, wirst du besser wissen als ich.

      Wenn es zu einem Krieg zwischen Israel und Ägypten kommen sollte, sind Israelis und Ägypter massiv davon betroffen. Von daher interessieren mich die Menschen, weil ich auch einer bin. Wenn Ägypten den Gazastreifen für Waffen und weiterreichende Raketen öffnen würde, sind die israelischen Menschen nicht nur massiv bedroht, ich bin davon überzeugt, dass die Mörderbanden der Hamas diese Waffen auch einsetzen werden, denn „die Fahne Allahs muss über ganz Palästina wehen“. Mich interessieren diese israelischen Menschen, weil ich auch einer bin. Von der Linkspartei bis zur FDP besteht Einigkeit gegenüber Israel, siehe Bundestagsdebatte und Beschluss vom 1.7.2010. Wenn es um Israel geht, kennt man hierzulande keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche.

      Ich meine schon dass man den Antisemitismus der arabischen Welt nicht verharmlosen sollte. Dazu ein kleiner Film, was in der arabischen Welt zur besten Sendezeit so geboten wird:

      • andreasfecke permalink
        15. April 2011 13:39

        Natürlich stimme ich dem zu;
        mein Einwurf ist keine Gegenrede zur Skepsis bzw. Befürchtungen betont israel-freundlicher Personen (ich sage nicht: Kreise) wie Du es eine bist.
        Leider wandern wir zwei Personen hier momentan in einen „Zwist der alten Art“ hinein,
        ich nenne es ganz bewusst so,
        den ich im Grunde genommen mit meinen klitzekleinen Beiträgen (es sind keine Artikel, oder kaum) zu überwinden helfen will. Will, nicht wollte.

        Fidelche (vielleicht könnte dieses Pseudonym mal erklärt werden, wie auch ein fälliges ‚Wer sind Wir?‘ in diesem Blog?), ich habe Deinen früheren Artikel ‚Was ist heute links‘ aufmerksam gelesen, wie auch Deinen neulichen, hiesigen, sehr fundierten und lehrreichen Artikel über die ‚Auschwitzkeule‘.

        Beide unterschreibe ich, für beide danke ich. Ich bin kein Akademiker, ich habe damit dazugelernt.

        Nur lege ich gegen eine Weltsicht, in der alles in Funktion eines Themas gesehen wird, mein Veto ein:

        Mein Beispiel im obigen Kommentar (FDP- Linkspartei) sollte sagen: beide erklären (natürlich aus den jeweils gegenteiligen Positionen heraus und mit gegenteiligen Schlussfolgerungen) alle Politik als Funktion des Kapitals bzw. des Kapitalismus.
        Das ist erbärmlich lebensfremd, es ist fünfzig, hundert Jahre alt, es ist nicht heute – Vergangenheiten (wie Holocaust oder -pardon, wenn ich das so Unvergleichliche in eine Reihe damit stelle: Kolonialismus) prägen alles, sollten aber (was sonst ist links) nicht alles determinieren.

        Nun treffe ich hier auf Positionen, die anscheinend auch alle aktuellen Geschehnisse, die höchstens tertiär mit Israel und seinem Existenzrecht zu tun haben, mit genau so einer Brille betrachten.

        Global oder regional gesehen, stellt das für mich genau so eine ein-thematische Spiegelbildlichkeit dar wie bei Linkspartei und FDP: alles wird in Funktion zu Israel betrachtet, zudem ein Staat, der sich durchzusetzen weiss.

        Mit solcher Sichtweise begibt man sich allerdings in den Sog von Strömungen, die ich als alter rot/grün/linker, als Menschenrechtler, nicht mehr akzeptieren kann:

        Wenn eine Revolution die iranische, die syrische, die libysche Diktatur aushebt, dann ist das Okay, weil die Diktatoren anti-Israel waren,
        und wenn andere Revolutionen in punkto (unterstrichen, mehr aber auch nicht) andere Ergebnisse hervorbringen könnten, dann gibt es Skepsis?
        Die könnten „falsch“ wählen?

        Wo bitte schön bleibt dann der Humanismus?

        PS.:
        Persönliche Einschätzung:

        a) Warum gibt es in Frankreich immer wieder Massenproteste, in Deutschland keine? Eine akzeptable Theorie ist, dass die 1789er Revolutionserfahrung, also eine gottähnliche Obrigkeit stürzen zu können, so tief in das französische Nationalbewusstsein eingegriffen hat, das man dort keine Obrigkeit mehr anerkennt.
        Spiegelbildlich unterschiedlich bei den Deutschen, die immer obrigkeitshörig waren.

        b) Ägypten: Warum sollte dort nicht ein 1789 stattgefunden haben, insbesondere im Licht der (mein Artikel oben) weitergehenden Auseinandersetzugnen?

        c) Warum sollten wir (Norden) das in einem anderen Licht sehen als 1789?

        d) Zur Information und Beruhigung: Die ägyptischen Moslembrüder ziehen ihre Popularität aus karikativer Tätigkeit, sie sind in nichts vergleichbar mit Islamisten aus anderen arabischen Ländern oder Regionen. Sie waren und sind populär, wie viele Stimmen sie in wirklich demokratischen Wahlen bekommen, das ist dahingestellt.

        e) Fidelche, meine Frage an Dich: Demokratie, Menschenrechte, (im Iran, na klar), oder bedingt mit „pro-Israel“, koste was wolle?

      • andreasfecke permalink
        15. April 2011 16:15

        Ich habe dieses Video gerade noch mal gesehen: Wie jemals könnte so etwas als Argument angesehen werden?

        Hier gibt es noch mal ein kleines Video:

        Menschenrechte, Iran, Frauen, RAP:

        Und was sollte das mit Israel zu tun haben?

        NICHTS.

        Es ist Revolution.

      • 16. April 2011 16:26

        Andreas, ich finde nicht dass wir uns „zwisten“. Du vertrittst deine Meinung und ich meine. Jeder hat die Möglichkeit vom anderen etwas zu lernen, was will man mehr?

        Der Nick „fidelche“ ist eine Kombination der historischen Personen Fidel Castro und Che Guevara. Castro steht für Realpolitik und Che für Idealismus und Revolution. Diesen Nick wählte ich bewusst für die Freitagscommunity, weil ich diese Community von „links“ kritisieren wollte. Was ich unter „linkssein verstehe“ weißt du. Ich hab zwar studiert, aber nur Studiengänge die nichts oder wenig mit meinem Bloggen direkt zu tun haben. Ich habe eine „normale“ linke Biographie, Vater SPD-Wähler, Arbeiter, erwachsen geworden und politisiert im „Deutschen Herbst“, Demos in Wackersdorf, gegen die Nachrüstung, auf kommunaler Ebene zu Zeiten Ditfurths und Ebermanns auf einer „grünen Liste“, seit 1980 „Konkret-Leser“, die meiste Zeit davon Abonnent, alle minimalen Kurswechsel von Gremliza mitgemacht. Mein Einstiegsblog im „Freitag“ war ein Blog über linken Antisemitismus mit einem überragenden, zeitlosen Text von Jean Améry. Diesen Améry Text habe ich im Alter von ca. 20 Jahren gelesen, ich bin davon überzeugt, dass er mich im Gegensatz zu vielen meiner Bekannten vor linkem Antisemitismus bewahrt hat. Vor ca. 10 Jahren habe ich mich intensiv mit dem Phänomen „linker Antisemitismus“ und in dem Zusammenhang mit den Kriegen und der Geschichte Israels befasst, je mehr ich darüber gelesen habe umso unfassbarer wird mir die Angelegenheit. Für Außenstehende mag das sicherlich übertrieben erscheinen, was es vielleicht teilweise auch ist.

        Wenn eine Revolution die iranische oder beispielsweise die syrische Diktatur beenden würde, hätte ich nicht nachgefragt, sondern eine Flasche Sekt aufgemacht Etwas „Schlimmeres“ wie die iranische Diktatur kann kaum kommen. Bei der libyschen und ägyptischen Diktatur bin ich mir eben nicht sicher. Denn aus diesen beiden Diktaturen könnten auch Gottesstaaten wie der Iran entstehen, was Krieg bedeuten würde, davon bin ich überzeugt. Der Schah-Diktatur wurde durch die Khomeini-Diktatur ersetzt, wobei ich vergleichend sagen würde, den Menschen ging es unter dem Schah besser. So wie ich es sehe hat die Revolution in Tunesien die besten Chancen den Menschen Verbesserungen zu „liefern“.

        Zu deinen persönlichen Einschätzungen:
        a) bin ich deiner Meinung
        b) das schließe ich nicht aus und hoffe natürlich, dass es so kommen wird.
        c) Ich befürchte dass die säkularen Kräfte sehr schwach in der arabischen Welt sind, da die religiöse Indoktrination in allen Lebenslagen seit fast 100 Jahren besteht und die Verbündeten, bis 1945 Hitler und z.B. seit 1979 der Iran sehr stark sind.
        d) Ich bin für Demokratie und Menschenrechte in der kompletten arabischen Welt, befürchte nur dass es sehr starke Gegenkräfte und Interessen gibt die dies zu verhindern versuchen. Eine Demokratie ohne die Trennung von Staat und Kirche kann meiner Meinung nicht funktionieren.

        Grüße fidelche

        • andreasfecke permalink
          21. April 2011 13:57

          Ich möchte Dir nur kurz antworten, bzw. erstaunt danken:
          So eine persönliche Antwort habe ich meiner Einschätzung nach nicht verdient.
          Trotzdem ist sie da. Wat nu?, wie wir Fischköppe sagen?
          Alle Mann ant Deck un app in di Trossen!
          Weitersegeln.
          Gegen die Winde.

          (PS: Überschätze mich nicht, ich bin nur sehr halbgebildet, und das auch noch selfmade.)

  3. 19. April 2011 16:24

    hab eure kommentare nur überflogen, aber nu „meinen senf“ dazu: einerseits ja: die frage was wird dabei rauskommen? andererseits: trotz islamisten und muslimbrüdern und fetullah gülen und osama bin laden meine ich (ganz vorsichtig nu, wie oft bin ich enttaeuscht worden…) einen keim von „Demokratisierung“ aus der ferne wahrzunehmen. wenn der staat verschwindet, solidarisieren sich die leute, so in etwa.

    • 19. April 2011 17:45

      „die Taubheit des Herrschers gegenüber seinem Volk, das Fehlen einer wirklichen Opposition, die Dauer der Herrschaft“
      …klingt alles verheissungsvoll!

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