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Ferne Weltgegenden II: Tschetschenien

23. März 2011

Nicht nur unter den Nachfolgestaaten der Sowjetunion (siehe u.a. https://hibouh.wordpress.com/2011/02/27/major-tschitscherin-im-siebenstromland), sondern auch innerhalb der jetzigen russischen Föderation befinden sich zahlreiche Völker von mehrheitlich islamischer Religion. Da wäre vor allem der Kaukasus, von altersher Konflikt- und Aufmarschgebiet islamischer und christlicher Herrschaftsansprüche, wo die “Republiken” seltsame Namen tragen: Inguschetien, Dagestan, Kabardino-Balkarien, Nord-Ossetien, Alanien, Adygien, Kalmykien, Abchasien, und die Völker oft noch (für uns) seltsamere. Dort gibt es etwa die Laken (für die aber wiederum die Westfalen einen bizarr klingenden Namen tragen!). Mittendrin die christlichen (aber den Russen ebenso feindlichen) Länder Armenien, Georgien und Karabach (was in etwa von der Wortbedeutung dasselbe ist wie Montenegro). Heute ma (Kinnings) über Tschetschenien. Wir alle kennen den Krieg (der keiner war, sondern ein Kampf gegen den Terror) (ebensooft wie die islamischen Völker “Kreuzzug” bemühen, sagen wir stattdessen erschauernd “Türken vor Wien”). Nun ist er offiziell für beendet erklärt worden, was die verbliebenen Rebellen nicht hindert, von hier bis Moskau hinauf eine blutige Spur von Anschlägen und Selbstmordattentaten zu verüben. Erst kürzlich wurde auf den Präsidenten von Inguschetien, Junus-Bek Jewkurow ein Anschlag verübt und dieser schwer verletzt. Offensichtlich verlagert sich die Gewalt aus dem “befriedeten” Tschetschenien in alle nordkaukasischen Gegenden.

Inzwischen regiert der von Putin ernannte (und später vom örtlichen Parlament bestätigte) Republikchef Ramsan Kadyrow in Grosny und Umgebung mit eiserner Hand. Täglich werden Leute durch seine Geheimpolizei entführt, gefoltert und umgebracht. Seine Miliz führt inzwischen den Kampf gegen die Rebellen in den Bergen weiter, während die verbliebenen russischen Soldaten in ihren Kasernen verharren. Herrscht also wirklich Frieden in dem Land? Wozu dann Wehrdörfer mit fünf Meter hohen Mauern? (Alles das erinnert mich irgendwie an ein Konfliktgebiet in einem andern Land)

Aber das soll heute nicht im Mittelpunkt der Erörterungen stehen.

Vielmehr das: Tschetschenien, immer noch ganz offiziell der russischen Federation zugehörig (und wozu sonst der zehnjährige blutige Krieg?) wird eben durch diesen Kadyrow (dessen Vater noch selbst einem Attentat zum Opfer fiel) zunehmend islamisiert: er führte den Kopftuchzwang für Frauen ein, er liebäugelt mit der Vielehe (für Männer), er verbot Discos und Decolletés, er zwang die Männer am Freitag in “traditionelle islamische Kleidung”. Und alles das in Russland. Ist das nicht alles gegen die russische Verfassung? Aber aus Moskau bisher kein Einspruch. Nichts wäre dagegen zu sagen, entpräche das alles dem Wunsch einiger, während andere Lady Gaga nacheifern. Aber durch mündlichen Erlass eines, ja, wohl Tyrannen? Mit dem Preis, dass Tschetschenien immer mehr zum Staat im Staate wird – zu einer Art islamischen Republik.

Links:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1413203/

http://bazonline.ch/ausland/europa/Im-Kulissenstaat-des-Ramsan-Kadyrow-/story/25708174

http://www.maiak.info/tschetschenien-russland-kadyrow-mirsajew

http://www.sueddeutsche.de/politik/russische-kaukasus-republiken-wo-die-terroristen-wachsen-1.4251

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One Comment leave one →
  1. 25. März 2011 11:25

    Was tun mit einer isamischen/islamistischen Bevölkerung? Die Frage stellt sich nicht nur in Tschetschenien, sie stellt sich auch seit langem in Nordafrika.

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