Skip to content

Plutonium is forever

14. März 2011

 

Wie man in diesen Tagen in Japan, einem hochindustrialisierten Land, sehen kann, birgt die „friedliche“ Nutzung der Kernkraft immer wieder unabsehbare Risiken. Die Japaner fahren derzeit einige Atommeiler nicht mehr wie geplant „nach Handbuch“, nein, was wir mitbekommen sind klare Anzeichen, dass mehrere Reaktoren aufgegeben wurden, ist der verzweifelte Versuch einen GAU, der mit katastrophalen Folgen hauptsächlich für die Inselbewohner samt Koreaner, Russen und Chinesen verbunden wäre, durch Venting (Druckablassen unter Freisetzung von Spaltprodukten aus dem Reaktorraum, also mit entsprechend „kontrollierter“ radioaktiver Emission) und Außenkühlung zu verhindern.

Bereits jetzt kann der Anstieg  folgender  Spaltprodukte an der japanischen Ostküste gemessen werden:  Cäsium 137 und 134, Strontium 90, Iod 131 und 129 sowie Plutonium 239. Von den Beta-Strahlern Iod, Strontium und Cäsium ist insbesondere Iod aufgrund seiner Leichtflüchtigkeit eine Gefahr. Selbst wenn die Spaltprodukte nicht direkt aufgenommen werden, so kommt der Bumerang über die Nahrungskette immer wieder zu den Menschen zurück. Strontium und Cäsium lagern sich beim Menschen bevorzug in Knochen und Muskelfleisch ein, können z.B. bei Inkorporation Leukämie, Lungenkrebs oder andere Krebsarten zur Folge haben. Cäsium wie Strontium vermögen wegen ihrer Halbwertszeit von 30,17 und 28,78 Jahren  in „guter“ Relation zu einem Menschenleben,  den weitaus größten Teil ihrer schädigenden, kanzerogenen Wirkung zu entfalten.  Beim Alpha-Strahler Plutonium, der daneben noch hochtoxisch ist, sind Abbau-Betrachtungen jenseits menschlicher Vorstellungskraft.  Mit seiner extremen Halbwertszeit, wird es in 24110 Jahren immer noch mit halber Aktivität strahlen.

Deutschland ist zwar weniger dicht besiedelt als Nippon und muss aufgrund seiner Lage mit geringerer Erdbeben-Bedrohung rechnen, trotzdem sind die deutschen Meiler sicher nicht sicherer als die japanischen, im Gegenteil.

Seismologen haben erst in den letzten Jahren die Annahme korrigiert, dass in Deutschland kaum mit Beben zu rechnen ist, deren Magnitude den Wert 6 überschreitet. Wie im Rahmen paläoseismischer Untersuchungen gezeigt werden konnte, sind zumindest in der niederrheinischen Bucht, Beben mit Magnituden zwischen 6,5 und 7 nicht mehr auszuschließen. Daneben gibt es auch noch im Oberrheintalgraben aktive tektonische Verwerfungslinien.  Bestehende Atomkraftwerke sind bei Neuerkenntnissen und Änderungen hinsichtlich der Erdbebengefährdung im Nachhinein verständlicherweise statisch nicht zu ertüchtigen oder nachzurüsten.

Insofern ist das Einzige was nachgerüstet werden muss wohl unser Bewusstsein, dass Technologien, die eine Unbewohnbarkeit großer Landstriche riskieren und enorme Probleme für unsere Kinder und unzählige Nachfolgegenerationen bedeuten können, nicht zu vertreten sind. Für mich geht es deshalb nicht um ein „Aussetzen der Laufzeitverlängerung“, sondern um das Ende der Atomkraft.

Advertisements
5 Kommentare leave one →
  1. 15. März 2011 19:59

    Wer mag, kann den Appell an „das Merkel“ unterzeichnen!

    lg LL

    • 15. März 2011 21:16

      campact geht immer/mein newsletter.

      • 22. März 2011 05:56

        „Eine Betonpumpe aus Deutschland soll jetzt die Atomreaktoren im japanischen Fukushima kühlen“

        wurde bestimmt direkt aus Berlin eingeführt?

  2. 21. März 2011 08:51

    „As the Liberty lads o’er the sea
    Bought their freedom, and cheaply, with blood,
    So we, boys, we
    Will die fighting, or live free,
    And down with all kings but King Ludd!“
    (Lord Byron)

    Luddisten waren frühe „Maschinenstürmer“, also Klassenkaempfer :-). So passt das Gedichtchen sowohl zur aktuellen Atomkraft-Debatte, als auch zu Libyen oder zu Guttenberg :-))

  3. 21. März 2011 08:55

    Beschaeftige mich ja wie bekannt grade mit Pynchon (Spaetfolge von Maike Hank).
    http://hibouh.wordpress.com/
    Hier also noch ein (passendes) Zitat:

    „Wie Pynchon in dem Essay ‚Is it OK to be a Luddite?‘ aufzeigt, liegt seinem Denken die Vorstellung von diesem, von wissenschaftlichem und puritanischem Denken beherrschten ‘Factory System’ zugrunde, einer körperlosen, allumfassenden Struktur, in deren Geiselhaft die ganze Welt gekommen ist und deren markanteste Eckpunkte für Pynchon bis jetzt die Entwicklung der Atombombe, die V–2, der Holocaust und Hiroshima sind, die darauf schließen lassen, daß die politisch Verantwortlichen dereinst noch ganz andere Dinge geschehen lassen könnten. Die Maschinenstürmer unserer Zeit sehen sich eben, so Pynchon, nicht mehr dem individuellen Fabrikeigentümer und Kapitalisten und deren Webstühlen wie ehedem gegenüber, sondern wir alle sind einem ‚permanent power establishment of admirals, generals and corporate CEO’s,‘ einem Konglomerat der Macht ausgesetzt, gegen das wir ‚durchschnittlichen armen Bastarde‘ einfach nichts zu melden haben. „

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: