Skip to content

Nachrichten

24. Februar 2011

Sorry, schon wieder ich. Aber hier gehts rund…..

Journalisten wegsperren

Journalisten verhaften (lassen) tun alle autoritaeren Regime. Zunehmend geht es dabei nicht mehr um „sie verfassen Nachrichten, die im Publikum Hass und Animosität erzeugen“, sondern um das pure Wegsperren. Dabei: Kann eine Nachricht “Hass erzeugen”? Vielleicht. Wenn das Vorgefallene unsäglich ist. Aber eine Nachricht ist doch erstmal nur eine Mitteilung über Geschehenes? Sollen wieder die Boten und Überbringer der schlechten Nachrichten anstelle der Handelnden “da draussen” unschädlich gemacht werden? Egal. Mit zunehmender Bedrohung fragt sich bald ein jeder, der was mitteilt, ob er sich nicht deswegen in Gefahr begibt. Und es macht dann letztendlich gar nicht mehr viel aus, ob er sich innerhalb oder ausserhalb der Gefängnismauern befindet. Er schweigt.

Jeder Journalist freut sich, wenn er eine wichtige Mitteilung zu machen hat. Ich nicht. Ich bin unbedeutend. Ich weiss nichts. Also bin ich für heute sicher.

Frage am Rande: ist Pressefreiheit nicht (auch) ein Sine qua non von Demokratie? Was haben also Wahlen ohne Pressefreiheit für eine Aussagekraft? “Was im Nahen Osten gerade passiert, ist ein Referendum der Völker. Die Menschen brauchen Demokratie. Punkt. Es ist ihr Wille und es ist zu 100 Prozent transparent und sichtbar.” (ein libyscher Ex-Dschihadist)). Wahlen, die vom Regime gesteuert werden, und die, wie man weiss, mit breiter Zustimmung enden, verdienen ihren Namen nicht.

Weitere Frage: Spreche ich von Libyen? Nein, von der Türkei.

http://en.cumhuriyet.com/?hn=219376

Advertisements
7 Kommentare leave one →
  1. 24. Februar 2011 14:27

    „Mit zunehmender Bedrohung fragt sich bald ein jeder, der was mitteilt, ob er sich nicht deswegen in Gefahr begibt. Und es macht dann letztendlich gar nicht mehr viel aus, ob er sich innerhalb oder außerhalb der Gefängnismauern befindet.“ So Hibouh im Beitrag.
    Mal abgesehen von der verlinkten Aktualität: ‚Erzählen heißt, etwas Besonderes zu sagen haben‘, so Adorno für den Bereich der Aesthetik. Und wer heute, ob als Kollegin im Betrieb, als Mitarbeiter der Uni oder als Journalist für die Öffentlichkeit etwas Besonderes zu sagen hat – und Gefahr erahnt, zurecht – der hat etwas gegen Herrschaft zu sagen. Und zwar gegen Herrschaft von Menschen über Menschen, und über die aktuellen Formen dieser Herrschaft. Die Kollegin, der Mitarbeiter und der Journalist sind dabei in Gefahr, denn sonst wäre ihr Besonderes nicht kritisch, also nicht besonders, also blank herrschaftskonform. Ein Pfandzettel, ein Urheberrechtsbetrug, ein Lüge, ein Mord: das definiert das Gesetz des Herrschenden. Individueller Einspruch ist machtlos.
    Und aber: Es ist ein zweischneidiges Ei. Ich halte das Gros des Journalismus hierzulande für die Vierte Gewalt der Werbewirtschaft fürs Bestehende, und bloß einige Individuen der Gattung/der Berufsgattungen nehmen die Menschheit wie ein Menschenleben ernst. –
    Groß Dank für den Beitrag, ich denke nach und schreib bestimmt noch weiter. Anfänge versanden ja oft genug.

  2. 24. Februar 2011 16:00

    Die Meinungsfreiheit ist eines der kostbarsten Rechte des Menschen. Es lohnt dafür zu kämpfen, ob nun in der Türkei, in Ägypten, wo es bedeutend gefährlicher ist und von daher viel mehr Mut erfordert als hier in der Mitte Europas. Mit der angeblichen Verletzung von religiösen Gefühlen oder wegen angeblicher Gefährdung der Staatssicherheit wird weltweit versucht Meinung und Aufklärung zu unterdrücken.

    Je aufgeklärter ein Gemeinwesen ist umso mehr ist Meinungsfreiheit erlaubt, sogar staatlich gewünscht. Dem Medienmassenbetrug, der Medienmanipulation und den Verlink-Tabus hierzulande kann ebenso entgegengetreten werden. Die Freiheiten der bürgerlichen Gesellschaft sollten dazu genutzt werden.

    Hibouh, ich hoffe und wünsche das „Rollback“ in der Türkei wird, in nicht zu weiter Ferne, gestoppt werden.

    • Der Bassist permalink
      24. Februar 2011 16:15

      Meinungsfreiheit ist ein Ur-sprung zum Besseren. Sie ist aber nicht ein Absolutum. Nicht jede Meinung ist ‚frei‘, als Positivum, sondern auch eventuell inhuman. Klar, das macht Gesellschaft, aber: Auch Freiheit ist zu interpretieren, wird nicht gegeben laut Verfassung, Satzung von Herrschaft, Form wessen Füllung? – Ich bin prinzipiell für Meinungsfreiheit, partiell aber auch dagegen. Daß Bestimmtes sie hätte. Nein, nein, nein.

      • 24. Februar 2011 22:32

        Ich finde, der Bassist spielt auf dem zwei-saitigen Bass einen heißen, um nicht zu sagen dialektischen, Darm!

    • 24. Februar 2011 16:42

      @DerBassist
      Sehr richtig, „Meinungsfreiheit ist ein Ur-sprung zum Besseren.“ Entscheidend ist natürlich die konkrete „Meinung“ die geäußert wird. Wer sich beispielsweise für sozialdarwinistische Menschenzucht, gegen das Existenzrecht Israels, für die Todesstrafe, für die Scharia, gegen soziale Errungenschaften ausspricht, wirkt nicht zum Besseren.

      Also, wie umgehen mit beispielsweise „linken Antisemiten“ oder „Vertriebenenfunktionären“ in Deutschland?

  3. 24. Februar 2011 19:37

    Meinungsfreiheit, und damit auch Pressefreiheit, ist ein Ur-sprung zum tendentiell Besseren, die „unter Wölfen“ praktiziert, nicht immer gleich die richtige, aufklärerische Richtung zu finden vermag, langfristig, aufgrund des verbalen Reibungsverlustes und Ventils, insgesamt zu weniger gewalttätigen, partiell weniger konservierenden und mehr revolutionären Handlungen und Taten führen wird. Ob damit ein Abschleifen und Erodieren von Macht- und Herrschaftsverhältnissen verbunden ist, könnte vermutet werden.

  4. 25. Februar 2011 06:42

    Klar ist doch eines: Meinungsfreiheit fordert ebenfalls den kritischen Leser/Hörer/Seher. Es ist allein mit Meinungs“mache“ nicht getan, bzw. die die Verdummung anwenden, rechnen mit puren Konsumenten, ehm mit Glaeubigen halt, die alles glauben, was man ihnen vorsetzt. Das Internet ist ja eine spannende Ergaenzung der Medien, insofern jede Leserin gleichzeitig auch durch eigens Schreiben reagieren kann, oder eigene Recherchen betreibt.

    „Mein Nachbar(land) ist blöd“ soll eben net unwidersprochen bleiben.

    Aber nicht einer Mediengruppe, und sei sie auch noch so doof, Millionen von Steuern aufdrücken, dass sie ganz einfach wirtschaftlich in die Knie geht, wie hierzulande an der Dogan-Gruppe vorexerziert.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: