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Der deutsche linke Antisemitismus

30. August 2010

1973: „Der Konflikt im Nahen Osten kann nicht anders gelöst werden als durch die Zerschlagung, des Zionistischen Staates“ (AK)
1974: Israel – „die blutrünstige und machtgierige Bastion gegen die Völker“ (Roter Morgen (KPD/ML), 23.11.1974)
1989: Der Zionismus –„der Feind aller Menschen“ (Autonome Nahostgruppe Hamburg,2)
1992: „Sieg im Volkskrieg“; Israel muss weg! (Interim,6)
06.03.2010: „ Es gibt keinen linken Antisemitismus.“ (Freitags-Publizist Uwe Theel)

Am 08.01.2009 fordern Sahra Wagenknecht, Ellen Brombacher und andere Linksparteimitglieder das Ende der israelischen Aggression und einen gerechten Frieden im Nahen Osten: „Im Gaza-Streifen herrschen Tod, Qual und Angst. Die durch nichts zu rechtfertigende Aggression der israelischen Armee, die Blockade-Haltung der USA im UN-Sicherheitsrat, die die israelischen Kriegshandlungen tolerierende EU und auch die faktische Gleichgültigkeit der Herrschenden in den meisten arabischen Staaten zeichnen verantwortlich für das unvorstellbare Grauen. […] Nichts rechtfertigte und rechtfertigt die grausame Blockade gegen 1,5 Millionen Menschen, nichts rechtfertigt den mörderischen, schon jetzt mehr als siebenhundert Opfer und Tausende Verwundete fordernden Krieg. […]Unsere uneingeschränkte Solidarität gehört dem geschundenen palästinensischen Volk, der israelischen Friedensbewegung und den ungezählten Menschen in aller Welt, die das Ende der israelischen Aggression fordern. Fest an ihrer Seite, verlangen wir einen gerechten Frieden im Nahen Osten.“

Am 27. Januar 2010, 65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sprach Schimon Peres im Deutschen Bundestag. Sahra Wagenknecht verweigerte nach Peres Rede die stehenden Ovationen und begründete dies unter anderem damit, „weil dieser Staatsmann, selbst für Krieg verantwortlich ist.“ Sie verneige sich zwar vor den Opfern des Holocaust aber nicht vor dem „kriegsverantwortlichen“ Peres. Wenn Frau W. ihr Auftreten im Bundestag zu erklären versucht, ist der interessierte Beobachter, unangenehm an den „Leitspruch“: “Tote Juden sind gute Juden – lebende Juden sind böse Juden“ erinnert. Welchen Nah-Ost-Krieg meinte tatsächlich Sarah Wagenknecht? Den Arabisch-Israelischen Krieg 1948, den 6 Tage-Krieg 1968, den Yom-Kippur Krieg 1973 oder den Gaza Krieg 2009. Oder meinte Wagenknecht die Befreiung der jüdischen Geiseln in Entebbe 1976, die Oberstleutnant Jonathan Netanyahu (der Bruder des jetzigen Ministerpräsidenten), der an der Spitze der Aktion stand mit seinem Leben bezahlte. Der damalige Verteidigungsminister Schimon Peres gehörte zu den Hauptverantwortlichen für die damalige Befreiungsaktion. Falls Sarah Wagenknecht an den Gaza-Krieg dachte, ist Shimon Peres dann deshalb verantwortlich für den Gaza-Krieg, weil er Staatspräsident von Israel ist? Shimon Peres, sprach in Davos zum Gaza-Krieg, den er als richtig verteidigt und betonte Israel wolle Frieden und hätte nicht einseitig die Initiative aufgenommen sondern wurde vorher beschossen. Er richtete an Erdogan die Frage: „Was hätten Sie getan, wenn jeden Abend Raketen auf Istanbul niedergegangen wären“. Er betonte, die Schuld allein trägt die Hamas die Schulen und Kindergärten zu Kriegsschauplätzen machen würde. Haben Frau Wagenknecht diese Aussagen von Peres nicht zugesagt, war er deshalb verantwortlich für den Gaza-Krieg? Der Linksparteiabgeordnete Lederer kritisierte Wagenknecht scharf für ihr Verhalten. Der NPD Landtagsabgeordnete Gansel lobte hingegen Frau Wagenknecht. Wem steht Frau Wagenknecht außenpolitisch näher? Dem Nationalisten Gansel oder dem Sozialisten Lederer? Man müsste Frau Wagenknecht fragen: Welcher Staat, dieser Welt würde nicht auf die Kassam-Raketen reagieren? Wie hätte Israel reagieren sollen? Wäre es Einsatz verhältnismäßiger Mittel gewesen, wenn Israel mit selbstgebastelten Kassam-Raketen zurückgeschossen hätte? Oder hätte Israel Selbstmordattentäter auf einen belebten Markt in Gaza-Stadt schicken sollen?  Sind doppelte Standards in den Aussagen bezüglich der Israelkritik Wagenknechts zu erkennen? Gibt es eine Ungleichbehandlung des Staates Israel gegenüber anderen Staaten bei Wagenknecht?
Beide Fragen sind meines Erachtens eindeutig zu bejahen. Sind die Aussagen Wagenknechts, sekundärer oder struktureller Antisemitismus oder ist es Antizionismus? Ist ihr Antizionismus mit dem Flugblatt des Antisemiten Möllemann vergleichbar? Diese Fragen sollten die Links-Parteifreunde mit Frau W. diskutieren.  Im Spanischen Bürgerkrieg war der Kampfruf der Falangisten „Viva la Muerte“ (Es lebe der Tod). Der spanische Philosoph Unamuno nannte diese Haltung im Jahre 1936 Nekrophilie. Eindeutig gilt Erich Fromm der Ruf „Es lebe der Tod!“ als Hinweis auf und Ausdruck für den nekrophilen Charakter, der von allem Toten, Unlebendigen fasziniert ist. Wenn im Jahre 2010 die Hamas ruft:“ Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“, würde Fromm sehr wahrscheinlich Vergleichbares diagnostizieren.

Linker Antisemitismus“ und Judenhass ist ebenso, sehr leicht nach dem Angriff, am 31.5.2010, der israelischen Spezialeinheit auf  die sogenannte Gaza „Solidaritätsflotte“ und den Toten auf der „Mavi Marmara“ zu diagnostizieren.  Die selbst ernannten Kämpfer für Menschenrechte pochten und pochen auf ihr „legitimes“ Recht, Israel zu kritisieren, und tarnen ihren Antisemitismus, indem sie sich als Kämpfer für Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit gerieren. „Ich habe nichts gegen Juden, einige meiner besten Freunde sind Juden.“ Mit diesem Satz verriet sich, in den ersten Jahrzehnten nach Auschwitz, der deutsche Antisemit. In der aktuellen Form funktioniert dieser Satz so: „Man wird ja wohl noch Kritik an Israel üben dürfen, ohne gleich als Antisemit zu gelten.“ Wer genau liest, erkennt zwischen den Zeilen, dass da eine Macht ist, jeden zu strafen, der etwas gegen Israel sagt. Diese Macht dürfte, nach Ansicht dieser Antisemiten,  die jüdische Lobby sein, oder das Weltjudentum mit seinen Agenten. Unter den Teilnehmern der „Free-Gaza-Solidaritätsflotte“ waren die deutschen Linkspartei-Parlamentarier Paech, Höger und Groth und islamfaschistische Djihadisten, die sich bereits in der Türkei von ihren Familien verabschiedeten, da sie als Selbstmordattentäter in ihr Paradies einkehren wollten. Paech, Höger und Groth haben die sich de facto als Kombattanten der Hamas betätigt. Die nachfolgende einseitige Diskussion in den Medien war ebenso abstoßend wie das Verhalten von Paech und Co. Einige linke Medien bilden die Speerspitze in diesem Kampf gegen Israel. Die islamistische Hamas strebt unverhüllt die Vernichtung Israels an und beweist dies eindrucksvoll, unter anderem, mit Raketenbeschuss und Selbstmordattentaten. Um „bessere“ Hamas-Raketen zu verhindern muss Israel den Weg nach Gaza kontrollieren. Wer Israel das verwehren möchte, spricht den dort lebenden Juden das universale Menschenrecht auf Selbstverteidigung ab, er oder sie will den „Tod des Juden.“

Die, angeblich linken, Friedensfreunde sind nicht in der Lage zu begreifen, dass Israel nicht Krieg führt wie imperialistische Staaten Krieg führen. Israel führt seine Kriege, nicht um Raum für ihr Volk ohne Raum, nicht um den Zugriff auf Rohstoffe oder um weltpolitische Bedeutung. Israel führt Krieg, um den Juden, also seiner Bevölkerung, endlich ein Leben in Sicherheit zu bieten. Israel versucht nicht, andere unter ihre Herrschaft zu zwingen oder zu ihrem Gott zu bekehren. Im Gegensatz dazu erklären die Feinde Israels im Nahen Osten ihren sehnlichsten Wunsch die Juden zu vernichten oder sie ins Meer zu treiben. „Die Fahne Allahs soll, laut der Hamas-Charta, über ganz Palästina wehen.“ Die „sogenannten friedlichen Lösungen“ der Palästinafrage, sagt die Charta der Hamas, stehen sämtlich im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung. Denn auf irgendeinen Teil Palästinas zu verzichten bedeutet, auf einen Teil der Religion zu verzichten. Hätte die Hamas oder ein arabischer Nachbarstaat die Möglichkeit Israel zu vernichten, würde diese Möglichkeit sofort „genutzt“. Hätten die Juden vor dem zweiten Weltkrieg einen Staat und eine Armee gehabt, wäre der Holocaust so nicht möglich gewesen. Der Staat Israel ist ein Ort an dem Juden endlich frei von Angst vor Pogromen leben können. Solidarität mit den Palästinensern, spätestens nach 1990, bedeutet Solidarität mit den Gotteskriegern, mit der Hamas, mit der Hisbollah. Die Palästinenser haben sich verändert, von einer Bevölkerung  zu einem Volk, von einer säkularisierten Gesellschaft zum religiösen antisemitischen Mob. Von deutschen linken Friedensfreunden, sprich linken Antisemiten hörte und hört man immer wieder den Satz: “Ebenso wie den Israelis ist das deutsche Volk den arabischen Palästinensern verpflichtet!“

Wolfgang Pohrt schrieb seinerzeit zu identischem Schwachsinn: “Oder anders gesagt: Vormundschaft und Sorgerecht für das Opfer werden dem Täter zugesprochen. Mit den Verbrechen, die Deutschland an den Juden und an der Menschheit beging, hat es sich eigenem Selbstverständnis gemäß das Vorrecht, die Auszeichnung und die Ehre erworben, fortan besondere Verantwortung zu tragen. Der Massenmord an den Juden verpflichtete, so meint man, Deutschland dazu, Israel mit Lob und Tadel moralisch beizustehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde. Zwei angezettelte Weltkriege böten, so meint man weiter, die besten Startbedingungen, wenn es um den ersten Platz unter der Weltfriedensrichtern und Weltfriedensstiftern geht, frei nach der jesuitischen Devise, das nur ein großer Sünder das Zeug zum großen Moralisten habe.“

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